KEEP IT TRUE X: Der Festivalbericht

KEEP IT TRUE X: Der Festivalbericht

KEEP IT TRUE 2008 – Einleitung

Freitag, 04. April 2008

Battleroar | Strikemaster | Merciless Death | Sentinel Beast | Metal Inquisitor | Attacker | Omen | Helstar | Titan Force

Samstag, 05. April 2008

Battle Ram | Fueled by Fire | Demon Eyes | Crescent Shield | Pharaoh | Doomsword | Heathen | Manilla Road | Jag Panzer

 

Am ersten Aprilwochenende dieses Jahres hieß es bereits zum zehnten Mal KEEP IT TRUE. Und zum Jubiläumsfestival hat sich Veranstalter Oliver Weinsheimer nicht lumpen lassen und ein absolut erstklassiges Billing aus dem Hut gezaubert. Dabei verließ man sich nicht nur auf etablierte Bands wie JAG PANZER, CAGE, HELSTAR oder MANILLA ROAD, sondern gab auch Newcomern wie den Thrash-Youngstern STRIKEMASTER, MERCILESS DEATH und FUELED BY FIRE eine Chance. Dementsprechend war das Festival auch schon lange vorher ausverkauft und die Karten wechselten bei ebay zum Teil für das vier bis fünffache des Originalpreises von dreißig Euro den Besitzer. Die Wartezeiten an den Getränke- und insbesondere Essenständen schienen mir dieses Mal ein wenig erträglicher als bei meinem letzten Besuch in der Tauberfrankenhalle. Der Sound war, bis auf wenige Ausnahmen, größtenteils ebenfalls in Ordnung. Hier scheinen die Veranstalter so langsam wirklich den Dreh raus zu haben. Ziemlich problematisch war die Situation am Ein- und Ausgang. Dort wurde es – je nachdem, welche Band gerade spielte bzw. gespielt hatte – ganz schön eng und man musste ewig warten, bis man mal raus oder rein kam. Der kleine Einlass ist für solche Massen natürlich absolut nicht ausgelegt. Verwundert war ich darüber, dass man an den Toiletten zumindest nicht übermäßig lange warten musste, obwohl derer gerade mal vier zur Verfügung standen. Aber das waren nur kleine Ärgernisse, die einem den Spaß an diesen zwei Tagen nicht wirklich verleiden konnten.

Freitag, 04. April 2008
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BATTLEROAR
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Battleroar live auf dem Keep it True X 2008
Schon beim Opener BATTLEROAR herrschte ordentlich Stimmung in der Halle

Pünktlich um 14:00 startete das zehnte KEEP IT TRUE-Festival mit den Worten „The biggest Festival is about to begin“, wie auch immer dieses „biggest“ von BATTLEROAR interpretiert werden sollte… BATTLEROAR waren ein sehr gut gewählter Opener für dieses Festival – die Griechen brachten vom ersten Moment an das richtige Flair in die Halle. Es war wirklich mehr als erstaunlich, wie viel zu diesem Zeitpunkt bereits los war und für BATTLEROAR war das wahrscheinlich einer der Gigs ihres Lebens. Ich mag den Sound dieser Band und das Gefühl, das sie vermittelt. Die Songs hingegen überzeugen mich nur zu Teilen und dasselbe gilt auch für die Live-Performance. Die Griechen haben eine sehr sympathische und echte Ausstrahlung, kommunizieren mit dem Publikum und sind sich ihrer Mission sehr wohl bewusst. Sie sind aber noch ein ganzes Stück davon entfernt, dieses intensive Epic-Gefühl auf das Publikum zu übertragen – zumindest nicht auf alle. Die Fans der Truppe gingen aber sofort auf die Songs der Band ab und stimmten sogar ohne Vorgabe durch den Sänger in den Chorteil von „Dyvim Tvar“ ein – definitiv hat man sich also schon großen Respekt in der Szene und eine starke Fanbase erarbeitet. Nach kurzweiligen 40 Minuten beendete die Truppe ihren Auftritt mit ihrer Bandhymne „Battleroar“ und vermutlich zog niemand unzufrieden von dannen. (fierce)

 

STRIKEMASTER
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Strikemaster  live auf dem Keep it True X 2008
Die erste mexikanische Band auf dem KEEP IT TRUE: STRIKEMASTER

Dass der Old School-Thrash Metal momentan eine kleine Renaissance erlebt, dass wurde nun schon in sämtlichen Medien breit getreten. Der beste Beleg hierfür ist auch diese Ausgabe des KEEP IT TRUE-Festivals. Da stehen mit STRIKEMASTER, MERCILESS DEATH und FUELED BY FIRE gleich drei hoffnungsvolle, junge Hispano Thrash-Bands auf dem Billing. Den Anfang machten STRIKEMASTER, die sichtlich stolz darauf waren, die erste mexikanische Band auf dem KIT-Billing zu sein. Vom Publikumsandrang her war etwas weniger los als noch vorhin bei BATTLE ROAR und auch beim Sound ging es plötzlich bergab. Trotzdem schlugen sich STRIKEMASTER mit ihrem an frühe KREATOR erinnernden Brachial-Thrash mehr als ordentlich. Sänger Colonel KMU, dessen völlig unverständliche Ansagen mir das eine oder andere Fragezeichen auf die Stirn zauberte, war zwar an den Mirkoständer gefesselt und bewegte sich auch nicht all zu viel, wenn er mal Gesangspause hatte, aber dafür wirbelte Bassist Commander Chavez ordentlich über die Bühne. Die Band wirkte auf jeden Fall engagiert und hungrig und lieferte einen guten Auftritt ab, der die vorderen Reihen zum ausdauernden Bangen anstachelte. (agony&ecstasy)

MERCILESS DEATH
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Merciless Death live auf dem Keep it True X 2008
Sorgten für den ersten Moshpit des Tages – MERCILESS DEATH

 

Direkt im Anschluss ging es mit MERCILESS DEATH, quasi den Brüdern im Geiste, weiter. Diese hatten zu meiner großen Enttäuschung nur Shirts in M und L, so dass ich mir das Leibchen mit dem schicken Ed Repka-Cover drauf abschminken konnte. Das Risiko, wie ´ne Presswurst auszusehen, wollte ich dann lieber doch nicht eingehen. Was das Stageacting angeht, unterboten MERCILESS DEATH ihre Vorgänger glatt noch. Da wurde zwar ausdauernd gebangt, ansonsten hatte die Band allerdings den Bewegungsradius eines Bierdeckels. Bei einem Song übernahm Gitarrist Dan Holder den Gesang und schlug sich dabei mehr als beachtlich. Ihren regulären Drummer Cesar Torres haben MERCILESS DEATH krankheitsbedingt zu Hause gelassen, so dass dieser Gig mit einem Ersatzmann bestritten wurde. Und da das zweite Album „Realm Of Teror“ ja quasi auch schon vor der Haustür steht, wurden auch gleich einige neue Songs zum besten gegeben. Insbesondere der Titeltrack drückte schon mal sehr ordentlich. Da kommt eine echte Thrash-Granate auf uns zu. Derart angestachelt gab es im Publikum dann auch den ersten Moshpit des Tages zu begutachten. Der eine oder andere vor der Bühne soff um diese frühe Zeit schon dicht am Limit, aber das ist man vom KIT ja gewöhnt. So beendeten MERCILESS DEATH mit „Ready To Kill“ einen erstklassigen Auftritt, der die Leistung von STRIKEMASTER deutlich toppen konnte. (agony&ecstasy)

SENTINEL BEAST
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Sentinel Beast live auf dem Keep it True X 2008
Mehr Metal, als die meisten ihrer besserverdienenden Kolleginnen – Debbie Gun von SENTINEL BEAST

Bei SENTINEL BEAST hatte ich deutlich gereiftere Musiker erwartet, schließlich hat die Band auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Sängerin Debbie Gun passt da schon eher in mein Bild und lieferte im Grunde auch das, was ich von SENTINEL BEAST erwartet habe. Ich freue mich immer wieder aufs Neue über richtige Metal-Frontfrauen und Debbie entspricht meiner Vorstellung davon um einiges mehr, als viele ihrer besserverdienenden Kolleginnen. Natürlich lag die Aufmerksamkeit in erster Linie auf Debbie, ihr Sidekick am Bass dürfte dafür mit seinem durchtrainierten Oberkörper die Blicke des weiblichen Publikums und den Neid von so manchem Hobby-Warrior in den Reihen erhalten haben. Musikalisch hatte man das Publikum schnell auf seiner Seite und auch der neue Song „Forbidden Territory“ knallte ordentlich. Mit ihrem Stil bildeten SENTINEL BEAST hervorragend das Bindeglied zwischen dem thrashigen Teil des Freitags-Billings und dem darauffolgenden traditionellen Metal Part. Dennoch hätte man bei der „Phantom of the Opera“-Coverversion, die meiner Meinung nach sehr gut zur Band passt, ein begeisteteres Publikum erwartet, doch anscheinend stieß man wie ja schon zu Zeiten der Erstveröffentlichung auf geteilte Meinungen damit. Ordentlich Applaus gab es dennoch für den Song und als SENTINEL BEAST ihren Gig beendeten, wurde die Band gar derart euphorisch verabschiedet, dass es tatsächlich schon zur ersten Zugabe des Festivals kam – und mit dem Song „Kill the Witch“ vom ersten Demo hat man vermutlich besonders den alten Fans der Truppe eine ganz besondere Freude beschert. (fierce)

METAL INQUISITOR
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Metal Inquisitor live auf dem Keep it True X 2008
Spielten trotz erkranktem Sänger eine denkwürdige Show – METAL INQUISITOR

Keine guten Voraussetzungen für die Koblenzer Metal-Helden: ein kranker Sänger ist für die meisten Bands das unweigerliche Aus für die Show. Nicht so bei wahren Metallern wie METAL INQUISITOR, die sich wirklich klasse aus der Affaire zogen. Gitarrist Blumi leitete kurzerhand durch das Programm und präsentierte sich dabei sympathisch und smart. Für die ersten beiden eigenen Songs des Sets übernahm er gar selbst den Gesang, bevor er einen alten Hellbangers-Kumpel auf die Bühne holte, der zufällig auch noch in einer PRIEST-Coverband singt, mit dem Song „Invader“ allerdings wenig vertraut war und so deutlich nervös die Bretter betrat. Gemeinsam schlug man sich wahrlich wacker und steigerte die Stimmung im Publikum. „Daze of Avalon“ folgte, nochmals mit Blumi am Gesang, um dann einen der Höhepunkte der Show folgen zu lassen. Kein geringerer als TYGERS OF PAN TANG-Sänger Jess Cox erklärte sich bereit, der Band aus der Patsche zu helfen und sang für die Band und das Publikum „Euthanasia“, womit der Nerv de Publikums natürlich voll getroffen wurde. Doch damit nicht genug, kaum war Cox von der Bühne, war auch schon Brian Ross darauf, um mit der Band „Trial by fire“ vom „Court in the Act“-Album zu spielen. Das Alles entschädigte natürlich schon sehr für den Sängerausfall – für El Rojo werden die Erzählungen über diesen Auftritt vermutlich wenig gesundheitsfördernd gewesen sein. Das Publikum zeigte sich jedenfalls begeistert und bat METAL INQUISITOR noch einmal auf die Bühne. Notgedrungen spielte man noch ein zweites Mal „Daze of Avalon“ und damit war dieser Auftritt, der seinen festen Platz in der Geschichte der Band und des KEEP IT TRUE inne haben wird, endgültig beendet. (fierce)


ATTACKER

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Attacker live auf dem Keep it True X 2008
Kleiner Überraschungssieg auf dem KEEP IT TRUE – ATTACKER, kurz vor der Trennung von Bob Mitchell

Die Amis ATTACKER hatte ich nicht so sehr auf der Rechnung. Das Debüt „Battle at helms deep“, immerhin auch schon 23 Jahre alt, und das Folgealbum „The second coming“ konnten mich absolut begeistern. Der Rest war gut, aber nicht umwerfend. Vor allem die schrill-quäkigen Vocals von Bob Mitchell waren für mich immer eine kleine Herausforderung. Aber man lässt sich gern überraschen, und die Band zockt ihre sauber gespielten Klassiker und neuere Songs wie das charmante „Kick your face“, „Dance of the crazies“, „Soul taker“, „I am sin“, „The hermit“ und das ordentlich abgefeierte „The wrath of nevermore“, dass es eine wahre Freude ist. Bob Mitchell zeigt sich überraschend gut bei Stimme, das hat man schon mal anders erlebt. Dabei ist er sehr sympathisch, sucht den Kontakt zum Publikum und erinnert glaubhaft sentimental an den 2000 verstorbenen ATTACKER-Gitarristen Jim Mooney. Ihm wird auch „Until we meet again“ gewidmet. Ob er auch an den `94 verstorbenen John Leone denkt, der Mitchells Posten am Mikro auf „Second coming“ einnahm, daran erinnere ich mich nicht. Aber in erster Linie wird gefeiert, was man bei dem treibenden U.S.-Speed-Metal der Band aus New Jersey prima kann und ATTACKER können einen kleinen Überraschungssieg eintüten. Auch der Rest der Band macht einen klasse Job, wobei besonders Basser Felix Torres mit seiner sympathischen Altstudent-Optik immer ein Hingucken wert ist. Einen Glücksgriff machen die Herren mit ihrem Abschiedssong, sie bringen absolut cool SAXONs „Denim and leather“. Glück gehabt, weil im Song die PA ausfällt und nur der echte Bühnensound zu hören ist. So singt einfach das Publikum den Song lautstark weiter und irgendwann gibt es auch wieder Sound und Vocals. Eine coole Situation, die auch die Band mit Humor nimmt. Bob Mitchell sieht man danach mit fast niedlicher Ausstrahlung dauerbreit übers KIT ziehen, was die Band wohl nicht so lustig findet. So wird Mitchell dann nach dem Festival gebeten, ATTACKER zu verlassen. Na ja, kennt man die Vergangenheit der Band, dann ist das keine wirkliche Überraschung, aber sehr schade. In dieser Form haben mir die Amis sehr gut gefallen. (wosfrank)

OMEN
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Omen live auf dem Keep it True X 2008
Starker Auftritt, nicht zuletzt wegen der überzeugenden Setlist – OMEN

Nachdem Frontmann Kevin Goocher auf Grund einer Hüftoperation verhindert war und auch der eigentliche Ersatz Matt Storey letzten Endes ausfiel, verstärkten sich OMEN für den heutigen Auftritt kurzfristig mit ASKA-Sänger George Call – und eine bessere Wahl hätten sie meiner Ansicht nach gar nicht treffen können. Es ging wohl nicht nur mir so, man glaubte bei manchen Passagen und mit verschlossenen Augen tatsächlich, es mit dem verstorbenen J.D. Kimball zu tun zu haben. George Call mag nicht ganz so rauchig klingen, seine Stimme hat aber dennoch eine ähnliche Klangfarbe und seine Performance war tadellos. Die Band war sehr gut aufeinander eingespielt und da die Songauswahl besser nicht hätte sein können, kann man von einem rundum überzeugenden Auftritt reden. Lediglich Mainman Kenny Powell wirkte ab und an etwas lustlos und leicht neben der Kappe, seiner spielerischen Leistung tat dies jedoch keinen Abbruch. Sowohl Band als auch Publikum hatten jedenfalls jede Menge Spaß und Klassiker wie „Dragon’s Breath“, „Warning Of Danger“, „Death Rider“, „Ruby Eyes (Of The Serpent)“, „Don´t Fear The Knight“ und das unvermeidliche, aus 1000 Kehlen mitgesungenen „Battle Cry“ wurden zurecht abgefeiert. Für mich der stärkere der beiden OMEN-Auftritte auf dem KIT, nicht zuletzt auch wegen der überzeugenderen Setlist – hätte ich in dieser Form nicht erwartet! (ulle)

HELSTAR
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Helstar live auf dem Keep it True X 2008
Spielten „Remnants of War“ von vorne bis hinten, packten noch ein paar Klassiker drauf und strotzten vor Spielfreude – HELSTAR

HELSTAR hatten angekündigt, die komplette 86er-Scheibe „Remnants of war“ zu spielen, ausgerechnet die Platte, die ich nur auf LP habe und die bestellte Plattenspielernadel ließ immer noch auf sich warten. Was für ein Meilenstein „Remnants of war“ ist, zeigt sich spätestens dann, wenn man jeden Song mitsingen kann, auch wenn man sie seit Ewigkeiten nicht mehr gehört hat. Mit erschreckender Präzision schieben HELSTAR die Songs in der exakten Spielfolge der Platte raus, als würden sie nie etwas anderes machen. Besonders bei Larry Barragan mag man kaum glauben, dass er neben dem Stemmen von Heavy Metal-Gewichten in der Muckibude auch noch Zeit zum Gitarrespielen findet. In der zumindest angekündigten alten Besetzung, ich bin mir nicht sicher ob dort Russel Deleon oder Originaldrummer Rene Luna hinter den Kesseln sitzt, werden die zahlreichen Klassiker absolut sauber und druckvoll präsentiert. Dementsprechend sind sofort nach dem Intro „Unidos por Tristeza“ alle Köpfe am Wackeln und die Fäuste gen Hallendach gereckt. Die immer noch beachtliche Bühnenpräsenz von James Rivera (DESTINY´S END, SEVEN WITCHES, VICIOUS RUMORS), der auf wildes Rumgepose und „harte Männer“-Spielchen komplett verzichten kann, und seine absolut souveräne Gesangsleistung tragen ebenfalls unweigerlich dazu bei, dass man den Opener und Titeltrack von „Remnants of war“ vom ersten Takt an abfeiern kann. Es fällt schwer, Favoriten herauszuheben, „Destroyer“ und das im Affentempo Runtergesägte „Face the wicked one“ sorgen für die euphorischsten Reaktionen im Publikum. Dass die Spielzeit von „Remnants of war“ kaum die ganze Show füllen kann war klar, man kann noch mal in die Schatzkiste greifen und mit „The king is dead“ von „A distant thunder“ klarstellen, dass sich auch nur wegen HELSTAR die Anreise aus dem Norden gelohnt hätte. Schön auch zu sehen, mit wieviel Spaß Bass-Derwisch Jerry Abacar zur Sache geht. Der Oldie „Burning star“ vom gleichnamigem Debüt wird umrahmt von den beiden neuen Songs „Tormentor“ und „Caress of the dead“ von der letztjährigen Compilation „Sins of the past“. Dass dann Schluss ist glaubt keiner, die Band packt als Zugabe das Groovemonster „Run with the pack“ aus. Da kann man sich auch als Schreiberling nicht mehr auf die „Arbeit“ konzentrieren und man feiert hemmungslos mit, die Krankengymnastin wird´s nächste Woche schon wieder richten. Die gute Frau ist dann komplett vergessen, als HELSTAR auch noch „Baptized in blood“ auspacken. Dass wird zwar erstmal abgebrochen, weil man unhaltbar schnell einsteigt, im zweiten Durchlauf kann der Song aber seine ganze Macht entfalten. Erstaunlich, wie das Publikum diesen starken Song abfeiert, wo doch das Album „Nosferatu“ beim Release 1989 (zu Unrecht) nicht gerade beste Kritiken abbekommen hatte. HELSTAR schaffen heute Abend etwas, das nur wenigen Bands gelingt: schließt man die Augen und erinnert sich an alte Shows von „damals“, dann kann man keinen Unterschied erkennen. Für mich waren HELSTAR ganz klar die Band des Tages, auch wenn danach noch mit TITAN FORCE ganz großes musikalisches Kino angesagt war. (wosfrank)


TITAN FORCE
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Titan Force live auf dem Keep it True X 2008
Der beste Headliner, den das KIT jemals hatte? – TITAN FORCE

Auf TITAN FORCE hatte ich mich wohl am meisten gefreut, und meine sowieso schon hohen Erwartungen wurden tatsächlich noch bei weitem übertroffen! Der Sound war glasklar, die Band spielerisch in absoluter Topform und dermaßen perfekt, dass man teilweise tatsächlich dachte, im Hintergrund würden die Alben mitlaufen. Da die Band in ihrer leider viel zu kurzen Laufbahn keinen auch nur mittelmäßigen Song geschrieben hat, war mir die Setlist eigentlich völlig egal, sie spielten dann letzten Endes eine gelungene Auswahl der beiden Alben und ergänzten diese noch mit „Darkness“ und „Only The Strong“ vom 1994er Demo. Was jeder KIT-Besucher dachte und sagte, sei hier nochmals erwähnt: Harry Conklin ist schlicht und einfach der helle Wahnsinn! Sollte die Bezeichnung Metalgod wirklich für einen Sänger bestimmt sein und Mr. Halford wäre im Publikum gewesen, so hätte er seinen Titel wohl ohne mit der Wimper zu zucken abgetreten! Der Tyrant scheint nicht in der Lage zu sein, auch nur einen klitzekleinen Ton mal daneben zu setzen! Während sich andere Sänger ihre Kräfte einteilen, gibt er über die volle Distanz 200% und Ermüdungserscheinungen sind nicht auszumachen. Ich habe so eine Vocalperformance schlicht und einfach noch nie erlebt und bin mir sicher, dass seine Stimmbänder in 100 Jahren wohl in irgend einem Museum als weiteres Weltwunder aushängen werden. So eine Leistung sollte am zweiten Tag des KIT nur noch vom JAG PANZER-Sänger erreicht werden, ich rede hier übrigens nicht von Bob Parduba.
Genug Herumgeschweife! TITAN FORCE zogen mich und jeden, den ich beobachten konnte, in ihren Bann. Sie vergaßen nicht, mit „Fool On The Run“ einen der besten Metalsongs aller Zeiten zu spielen und als gegen Ende des Sets noch „Blaze Of Glory“ in die Menge gedonnert wurde, hing meine Kauleiste fast am Boden! Für mich persönlich der beste Headliner, den das KIT jemals hatte, ich ziehe meinen imaginären Hut vor solch einer immensen Leistung! (ulle)

Samstag, 05. April 2008
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BATTLE RAM

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Battle Ram live auf dem Keep it True X 2008
Klasse Einstellung, sympathische Ausstrahlung, gute Songs – BATTLE RAM

 

BATTLEROAR am ersten Tag als Opener, BATTLE RAM am Zweiten. Das passte schon super und wie auch schon am Freitag war vor der Bühne bereits gut was los, als die Italiener ihren Auftritt begannen. Trotz relativ wenig Songmaterial in der Hinterhand hat die Band ebenfalls bereits eine treue Fanschar, die der Truppe ohne Wenn und Aber aus der Hand frisst. Es fällt schwer, keine Vergleiche zu den griechischen Kollegen zu ziehen und tatsächlich spielt man auch live auf ähnlichem Niveau wie BATTLEROAR: klasse Einstellung, sympathische Ausstrahlung, gute Songs, gute Publikumskommunikation. Den stärksten Zuspruch erfuhr die Band erwartungsgemäß von der Griechen-/Italienerflanke vorne links, doch auch die restlichen Zuschauer feierten die Truppe. Großartige Überraschungen brauchte man nicht erwarten, BATTLE RAM erfüllten ihr Soll, können – ähnlich wie BATTLEROAR – die Intensität, die der Epic Metal braucht, aber nur bedingt auf die Bühne bringen. In einem kleinen Club können die Italiener da sicher mehr bewirken – letztendlich passen sie aber auch ganz gut in die Rolle des Festivalopeners. Das Publikum wurde gut in Stimmung gebracht und „Angel Witch“ tat sein Übriges, um die Leute für den Tag gut vorzuwärmen. (fierce)


FUELED BY FIRE

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Fueled by Fire live auf dem Keep it True X 2008
Bis zu den Zehenspitzen FUELED BY FIRE

Den Thrash-Reigen beendeten FUELED BY FIRE, die mit „Ernest Goes To Hell“, dem Intro des Debütalbums „Spread The Fire„, bis in die Haarspitzen motiviert loslegten. Die äußerst junge Band wirkte wie aufgedreht und ließ sich zu keiner Zeit anmerken, dass sie vor kurzem erst den Verlust von Frontmann und Gitarrist Gio zu verkraften hatte. Es sieht allerdings so aus, als wäre der Line Up-Wechsel spurlos an den L.A.-Thrashern vorüber gegangen. Gitarrist Rick Rangel übernahm kurzerhand noch zusätzlich die Position des Sängers und mit dem gerade mal sechzehn Jahre alten Chris Monroy, der quasi die gesamte Show durchbangte, konnte man einen mehr als ansprechenden Ersatz an der Leadgitarre verpflichten. Und scheinbar hatten die KIT-Thrasher wirklich auf diese Band gewartet, denn vor der Bühne war die Hölle los. Nicht unbedingt von der Anzahl der Leute her, diese schien mir zumindest zu Beginn des zweiten Tages eh etwas geringer als am Vortag. Die Anwesenden gaben allerdings alles. Im Moshpit war den ganzen Auftritt durch Betrieb und zu „Thrash Is Back“ gab es dann den ersten von mehreren Circle Pits. Das hab ich auf dem KIT bisher noch nicht erlebt. Und auch im Hause FUELED BY FIRE ist man nicht faul und hat mit „Atomic Attack“ bereits einen neuen Song in der Setlist. Ansonsten konnte man sich voll auf die Songs vom Debütalbum verlassen. Kein Wunder, kamen Thrash-Granaten wie „Dreams Of Terror“ oder „Put To Death“ mit seinem von TESTAMENT geborgten Gitarrenlauf live noch mal eine Ecke besser rüber als auf dem sowieso schon hervorragenden Album „Spread The Fire„. Der Titeltrack eben jenes Albums sollte dann auch das Ende des Auftritts sein, doch da hatten FUELED BY FIRE die Rechnung ohne das Publikum gemacht, welches lautstark mehr forderte. Also gaben die Jungs mit „Plunging Into Darkness“ einen weiteren Song zum Besten, bevor sie sich endgültig von der Bühne verabschiedeten. Man könnte den Auftritt von FUELED BY FIRE also durchaus als kleinen Triumphzug bezeichnen. Ich bin mal sehr gespannt, wie es mit der Band weiter geht. (agony&ecstasy)

DEMON EYES
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Demon Eyes live auf dem Keep it True X 2008
Setlist DEMON EYES: Pestiférés, Indifférence, L’invincible force de la mort, Resurrection, L’orgie des damnés, Seek And Destroy, L’Ermite, Demon Eyes, Les deux maudites, Breaking, Antisocial, La revanche des Dieux

Als nächstes standen DEMON EYES auf dem Programm. Die Franzosen haben zwischen 1983 und 1990 insgesamt drei Alben veröffentlicht, zählen also auch eher zu den obskuren Bands des diesjährigen KEEP IT TRUE. Hier fanden sich dann auch deutlich weniger Leute ein, als gerade noch bei FUELED BY FIRE. Aber das war den französischen Speed Metallern erstmal egal. Bassist Fab Valdivia sah mit seiner Sonnebrille irgendwie ziemlich dämlich aus, cool geht jedenfalls anders. Desweiteren Klang sein Instrument während des Auftritts teilweise arg übersteuert. Dafür war Gitarrist Thierry Masson ganz schön aufgedreht. Die Texte der Band waren so ziemlich alle auf französisch. Klar, meine Landsleute haben ja nicht ganz umsonst den Ruf, sich mit Fremdsprachen nicht ganz leicht zu tun, beziehungsweise sich diesen schlicht und ergreifend zu verweigern. Und wieso auch nicht, das gibt einer Band jedenfalls etwas besonderes und TRUST klangen ja mit französischen Texten auch super! Die Ansagen waren dementsprechend auch eher nicht auf Englisch. Dann gab es zwischendurch noch ein Cover von METALLICA´s „Seek And Destroy“, allerdings mit französischen Lyrics. Lediglich der Refrain wurde auf Englisch gesungen – echt kauzig. Tja, DEMON EYES spielten hier ganz klar für ihre Die Hard-Fans. Die freuten sich, die Band freute sich, der Rest vom Publikum nickte wohlwollend mit dem Kopf. Alles prima. Um noch mal auf TRUST zurückzukommen: von denen coverte man gegen Ende gleich mal einen Song. Welcher dass gewesen ist, sollte wohl klar sein. Natürlich wählte man „Antisocial“, welches ja auch schon von ANTHRAX einer hervorragenden Neuinterpretation unterzogen wurde. Bei diesem holten sich DEMON EYES insgesamt noch zwei Sänger zur Unterstützung auf die Bühne. Letztenendes war der Auftritt der Franzosen nett, nicht mehr und nicht weniger. Im Vergleich zum größten Teil des restlichen Billings hatten DEMON EYES allerdings eher wenig zu melden. Wie wäre es denn mal mit einer TRUST-Reunion auf dem KIT, Herr Weinsheimer?

CRESCENT SHIELD
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Crescent Shield live auf dem Keep it True X 2008
Halten die Fahne des US Power Metal in Ehre – CRESCENT SHIELD

Definitv eine der Bands, auf die ich mich am meisten beim KIT X gefreut habe, und das trotz der Tatsache, dass das Debütalbum der Band für mich bislang songwriterisch mit deutlichem Abstand hinter den beiden ONWARD-Alben herhechelte. Für mich galt: Michael Grant ist nun einmal ein hervorragender Sänger und mich begeisterte die Stimmung, die durchgängig auf „The Last of my Kind“ herrscht. Mit einer enormen Spielfreude betrat die Band die Bühne und vom ersten Moment an war so ein gewisses Knistern in der Luft. Grant wirkte zunächst etwas hüftsteif, brachte seine großartigen Melodielinien aber meistens sicher auf den Punkt und fand sich in seine Rolle als Frontmann von Song zu Song mehr rein. Keine leichte Aufgabe neben diesem niedlichen Blickfang links neben ihm. Bassistin Melanie Sisneros strahlte den kompletten Gig über wie ein Honigkuchenpferd – mir war sie sich über ihre Wirkung auf das männliche Publikum fast schon ein bisschen zu sehr bewusst, was leicht entzaubernd wirkte. Genauso war ihre Performance ein stückweit zu einstudiert, aber dennoch hatte die Band im Gesammten eine extrem positive Ausstrahlung. Gitarrist Dan DeLucie wusste vor allem durch seine instrumentalen Fertigkeiten zu überzeugen, stand aber dadurch immer ein Stück im Schatten seiner beiden Front-Sidekicks. Dafür leistete er sich – meines Wissens nach – auch keine großen Patzer, überzeugte vielmehr durch großartige Melodielinien, Grant hingegen schon, und das ausgerechnet bei seinem Solo-Intro von „The Passing“. Es tat einem richtig leid, denn einen Michael Grant wünscht man nur das Beste, schließlich repräsentiert er gemeinsam mit seiner aktuellen Band genau den US-Metal-Sound, der in den 90ern den Metal in Amerika im Untergrund am Leben erhalten hat. Ein Shirt-Kauf war nach diesem Auftritt definitiv Pflicht, und seit dem KIT läuft die Platte bei mir in Dauerrotation. Komplett überzeugt war ich von CRESCENT SHIELD als Liveband zunächst nicht, aber jeden Tag, und jeden Albumdurchlauf später, erscheint mir die Band in einem glänzenderen Licht. Die wahre Klasse dieser Truppe erkennt man also nicht nur auf Platte erst mit etwas Abstand. (fierce)


PHARAOH
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Pharaoh live auf dem Keep it True X 2008
Eine Feuertaufe im wahrsten Sinne – der erste Auftritt von PHARAOH überhaupt beim KEEP IT TRUE.

PHARAOH haben mit „The Longest Night“ für viele Fans das beste US Power Metal-Album der letzten Jahre veröffentlicht und rechtzeitig zur dritten, nach ersten Höreindrucken keineswegs schwächeren CD, hatten die Jungs nun ihre Live-Feuertaufe zu bestehen. Mit Feuertaufe meine ich übrigens nicht ihr Deutschlanddebüt, sondern tatsächlich ihren allerersten Auftritt überhaupt!
Wer denkt, die Band wäre daher vielleicht noch nicht richtig eingespielt gewesen, sieht sich gettäuscht. PHARAOH zockten tight wie ein Entenarsch und trotz kleinerer Probleme mit Matt Johnsens Amp, war die Klampfenarbeit astrein und das Zusammenspiel der beiden Gitarristen so stark, als hätten sie bereits im Kindergarten zusammen gezockt. Sänger Tim Aymar hatte noch an einer Erkältung zu knabbern und seine Stimme war anfangs noch nicht voll da, spätestens nach dem Brecher „I Am The Hammer“ und der Überhymne „By The Night Sky“ schien er sich aber den Schleim von den Stimmbändern gerotzt zu haben und war auf der Höhe. Sein Stageacting hätte im Endeffekt vielleicht noch etwas weniger zurückhaltend ausfallen können und sein Outfit sah eher nach Couch Potatoe als nach Metalsänger aus, aber so oder so überzeugten mich PHARAOH auf ganzer Linie. Man sollte auch mal würdigen, dass diese Band nach drei Alben bereits mehr Hammersongs in der Hinterhand hat, als viele andere nach zehn, somit konnten PHARAOH eigentlich gar nichts falsch machen und zeigten einmal mehr, dass oldschool nicht gleich altbacken sein muss! (ulle)

CAGE
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Cage live auf dem Keep it True X 2008
Wieviel Steroide sind für solche Muskelpakete notwendig? – CAGE

 

Ich muss ja mal ganz ehrlich zugeben, dass ich die Jubelarien zum letzten CAGE-Album „Hell Destroyer“ nicht so ganz nachvollziehen kann. Sicher, die Scheibe bietet wirklich gutklassigen, traditionellen Heavy Metal, aber von einem Meisterwerk ist dieses Album noch ein gutes Stück entfernt. Auch Sean Peck ist so eine Sache. Der Mann hat auf jeden Fall eine gigantische Stimme, die einem durch Mark und Bein gehen kann, aber irgendwie fehlen mir bei seinem Gesang völlig die Emotionen. Es wirkt technisch perfekt, aber eben auch kalt. Na ja, soviel zu meiner persönlichen Meinung zu CAGE. Der größte Teil des KIT-Publikums sieht das natürlich völlig anders und vorne sind sofort alle Fäuste oben, als CAGE die Bühne betreten. Sean Peck sieht mit Glatze und Lederoutfit wie ein moppeliger Dorffest-Halford aus, wobei man sagen muss, dass er Rob Halford in seiner aktuellen Verfassung von der Bühne pusten würde. Wie viel Steroide der Gitarrist so zu sich genommen hat, um zu einem solchen Muskelberg zu werden, dass müsste auch noch geklärt werden. Sean Peck begrüßte die spanischen Fans in ihrer Heimatsprache und grüßte auch die Anwesenden des kroatischen CAGE-Fanclubs Circle Of Light. Bei keiner Band bisher am heutigen Tag war der Andrang so groß wie bei CAGE und diese lieferten tatsächlich einen mehr als überzeugenden Auftritt ab. Von der aktuellen Scheibe wurden neben dem Titeltrack unter anderem „Metal Devil“, „Rise Of The Beast“, „I Am The King“ und „King Diamond“ gespielt. Wie gesagt, objektiv waren CAGE wirklich stark, mich haben Sie aber nicht annähernd so umgehauen wie HELSTAR es am Tage zuvor getan haben oder HEATHEN und JAG PANZER es noch tun würden. (agony&ecstasy)

DOOMSWORD
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Doomsword live auf dem Keep it True X 2008
Es gibt nur wenige Sänger, die ihre Musik auf der Bühne so sehr leben – Deathmaster von DOOMSWORD

Da war sie wieder, die Band, die einst plante, niemals live aufzutreten und jetzt zu einer der besten Live-Bands im Metal zählt – für mich! Die meisten, mit denen ich nach dem Gig gesprochen haben, sahen das komplett anders. Klar, DOOMSWORD spielen die Songs nicht perfekt. Klar, die Italiener patzen immer wieder aufs Neue. Natürlich, Deathmaster liegt mit seinem Gesang gerne neben der Spur. Logisch, der Gitarrensound der Band ist ziemlich dünn. Wenn DOOMSWORD auf die Bühne gehen, höre ich das alles nicht. Für mich zählt der Gesamteindruck und DOOMSWORD haben mir den Kick verpasst, den ich die ganzen eineinhalb Tage zuvor gesucht habe. Deathmaster erstürmt die Bühne und bringt die Meute zum Kochen. Ich liebe diesen Kerl. Wie er in diese Rolle schlüpft, singt, schreit, anheizt, stampft… Mir fällt nur ein Sänger ein, mit dem ich Deathmaster vergleichen würde, und der ist Frontmann bei PRIMORDIAL. Es gibt nur wenige Sänger, die ihre Musik auf der Bühne so sehr leben. Beim KIT X konnte da nur der Tyrant mithalten – der aber auf eine etwas andere Art. DOOMSWORD schöpften zu Beginn ihres Gigs songtechnisch gleich aus den Vollen: „Onward into Battle“, „Heathen Assault“ und dann auch noch „Doomsword“…wollen die Italiener gleich alle Höhepunkte zum Beginn des Auftritts setzen? Keine Frage, es war ja bereits angekündigt, und deshalb fieberten die meisten im Publikum auf den Gastauftritt von Nightcomer, dem Sänger vom ersten Album entgegen. „The Battle at Helms Deep“ ist ja auch ein absoluter Kultsong, der dann auch den Einstieg in den „Nightcomer“-Teil markierte, und was soll ich sagen…, kaum überließ Deathmaster die Frontmann-Rolle einem anderen, schon war die Magie verschwunden. Ehrlich. Das Adrenalin schoss nicht mehr, der Kopf bangte nicht automatisch. Dafür hatten wir einen technisch großartigen und sehr sympathischen Sänger auf der Bühne, der mit seinem fröhlichen, euphorischen Gehüpfe aber einfach nicht zur Band passte. Die Magie von DOOMSWORD wurde ersetzt durch die Magie des Besonderen. Für diesen einen Auftritt war das klasse. Wie immer ersetzten DOOMSWORD den Mittelteil von „Battle at Helms Deep“ durch ein Medley, diesmal bestehend aus „Warbringers“ und „One Eyed God“. Gänsehautverursachend waren dabei vor allem die Duett-Teile, bei denen sich Deathmaster und Nightcomer die Bälle zu warfen. Das Publikum zeigte sich begeistert, Nightcomer wäre vermutlich am liebsten gar nicht mehr von der Bühne. Die Stimmung wurde gut gehalten mit „Days of High Adventure“, aber ja, mich packen die Songs vom neuen Album nach wie vor nicht so recht. Nach einem theatralischen „Death of Ferdia“ brachten DOOMSWORD die Stimmung mit „Resound the Horn: Odin´s Hail“ noch mal so richtig zum Kochen und nachdem meine Begeisterung für diese Band mit dem aktuellen Album etwas nachgelassen hat, war die Euphorie plötzlich wieder da. Danke, Deathmaster. (fierce)


HEATHEN
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Heathen live auf dem Keep it True X 2008
Schafften es über den kompletten Gig, den hohen Energiepegel auf dem obersten Level zu halten – HEATHEN

HEATHEN waren für mich ein Hauptgrund, endlich mal auf das KIT zu fahren. Ihre einer Flutwelle gleichenden schweißtreibende Show 2006 auf dem HEADBANGERS OPEN AIR und das sympathische Auftreten der Bay Area Thrash-Pioniere nach dem Gig hatten die San Francisco-Speedies wieder ganz vorn in meine Favoritenliga gesetzt. Heute hingegen kommt die Band mit nicht gerade bester Stimmung auf die Bühne, anscheinend gab es Nörgeleien wegen der etwas langen Umbaupause, statt kalifornischem Sonnenschein herrscht erstmal ein dem aktuellen Wetter angepasster dunkler Schatten auf der Bühne. Nur Drummer Mark Hernandez (VIO-LENCE, DEFIANCE) strahlt über alle Backen und geniest den Gig sichtlich vom ersten Takt an. Die Kollegen machen das einzig Richtige und legen all ihre Wut in die Musik, entsprechend rasant und energisch zersägt der Opener „Hypnotized“ das Publikum. Der Schlachtruf „Mosh“ kommt einem bei „Opium of the masses“ wieder in den Sinn, ein kleiner Moshpit bildet sich und es herrscht ein reger Verkehr an nervigen Crowdsurfern. Beim neueren Song „Arrows of agony“ vom 2005er Demo fordert Gitarrenheld Lee Altus (EXODUS, ANGEL WITCH, KRUPPS) auf, die Halle in Grund und Boden zu rocken, und auch so mancher Anfänger versucht sein Glück im Pit. Aber statt einem geregelten Chaos entsteht nur ein planloses Rumgeschubse, also gehen alle Sinne wieder Richtung Bühne. Es gibt hauptsächlich Songs des 91er Album „Victims of deception“, die Band fängt sich und lässt sich von der ausgelassenen Stimmung im Saal mitziehen, brettert „Mercy is no virtue“, „Timeless cell of prophecy“ und vom Debüt „Open the grave“ absolut sauber und mit dem Charme einer Kettensäge von der Bühne. Dabei schaffen es HEATHEN, über den kompletten Gig den hohen Energiepegel immer auf dem obersten Level zu halten, hier wird nicht eine Sekunde geschwächelt. Das ist allerdings auch das einzige Manko der Show – dieser hohe Energiepegel lässt keinen Raum für Dynamik, als Zuhörer wird man, sofern man kein beinharter Fan der Band ist, erschlagen von der permanenten Power und verliert dadurch vielleicht etwas das Interesse an der Show. Das wird besonders deutlich, wenn HEATHEN ihren teils balladesken „Heathen´s song“ spielen und das Publikum diese Momente der Entspannung dankbar annimmt. Sänger David White hat die Meute gut im Griff, überzeugt mit fehlerfreiem Gesang. Die Band sägt präzise und im Verlauf des Gigs immer spielfreudiger, einzig Basser Jon Torres gewinnt wie gewohnt keine Fröhlichkeitspunkte, wobei es wohl gerade deshalb immer wieder Spaß macht, seinem grimmigen Auftreten zuzuschauen. Mit dem die Halle noch mal aufkochenden „Death by hanging“ ist dann aber abrupt Schluss, eine Zugabe gibt es wegen der zu langen Umbaupause nicht. Wie erwartet haben HEATHEN voll überzeugt und zwischen den tempomäßig etwas gemäßigteren Bands DOOMSWORD und MANILLA ROAD die Tauberfrankenhalle mehr als ordentlich durchgeschüttelt. (wosfrank)

MANILLA ROAD
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Manilla Road live auf dem Keep it True X 2008
Epic Metal-Kult mit Mönch Harald-Gedächtnisfrisur

Der Kult um MANILLA ROAD ist schon beeindruckend. Besonders, auf was für eine Resonanz die Band beim weiblichen Publikum blicken kann. Vor dem BANG YOUR HEAD 2000 war das noch eine Band, die sogar vielen Insidern nur wage ein Begriff war, inzwischen gehört es zum guten Ton, MANILLA ROAD zu vergöttern. Für mich ist der Kult auf der einen Seite total, auf der anderen überhaupt nicht nachzuvollziehen. Umso faszinierender, wenn man ihn erlebt. Eigentlich war dieser Gig als spezieller „Shark“-Auftritt angekündigt, weshalb viele staunten, dass von Anfang an der Hellroadie auf der Bühne stand und den größten Teil des Gesangs übernahm. So gut der Mann die MANILLA ROAD-Songs auch singt – für mich passt seine Ausstrahlung einfach nicht zum Sound der Band. Mich überrascht vor allem, dass dies die Epic-Metal-Helden aus Italien und Griechenland nicht stört. Naja…Metal-Krieger in knall-pink gestreiften Spandex…“Authentizität“ ist wohl doch eine reine Interpretationsgeschichte. Doch auch Mark „The Shark“ Shelton zeigte sich mit einer außergewöhnlichen Mönch Harald-Gedächtnisfrisur (ihr wisst schon, der christliche Bekehrer aus „Erik der Wikinger“), brachte mit seiner rauen Stimme aber sofort enorm viel Atmosphäre in die Songs. Von ihm hätte man wirklich gerne viel mehr gehört. MANILLA ROAD spielten unter anderem „Masque of the Red Death“, „Witches Brew“, „Road of Kings“, „Mystification“, „Riddle Master“, „Voyager“, natürlich „Necropolis“ und zum guten Schluss „Avatar“. Zudem gab es mit „Blood Eagle“ einen klasse neuen Song und die Halle war glücklich. (fierce)

JAG PANZER
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Jag Panzer live auf dem Keep it True X 2008
Ein einziger Triumphzug – JAG PANZER

Nachdem er am Vortag schon mit TITAN FORCE einen starken Auftritt hingelegt hatte, war es nun Zeit für Teil zwei der großen Harry Conklin-Show. Eine tolle Aktion, dem Tyrant quasi das zehnte KIT zu widmen und somit seiner großartigen Leistung als Sänger Tribut zu zollen. Schade nur, dass es ausgerechnet bei einem Festival mit dem Titel „Reign Of The Tyrant“ nicht ein einziges Shirt von einer der beiden Bands zu kaufen gab. Nach dem, was in den folgenden zweieinhalb Stunden passieren sollte, wären die Dinger sicher weg gegangen wie warme Semmeln. Denn, wie sollte es auch anders sein, der JAG PANZER-Auftritt wurde ein weiteres Mal zum völligen Triumphzug. Was soll bei dieser Band mit diesem Sänger vor diesem Publikum auch schief gehen? Mit Chris Lasegue hatte man einen neuen Gitarristen für den zu MEGADETH abgewanderten Saitengott Chris Broderick an Bord. Dieser verrichtete seine Arbeit absolut tadellos, ließ aber die ganz großen Momente missen. Einen Ausnahmekönner wie Broderick zu ersetzen, ist nun mal nahe an unmöglich, aber JAG PANZER haben wohl den bestmöglichen Ersatz gefunden, denn Lasegue ist ohne Frage ein mehr als nur fähiger Gitarrist. Für ihren Ex-Gitarristen hatte Harry Conklin nur wenige Worte übrig. Lediglich einen kurzen und knappen Dank für die gute Arbeit in den Jahren mit JAG PANZER gab es zu hören.

Mit etwa zwanzig Minuten Verspätung legten JAG PANZER gegen kurz nach elf Uhr mit „Generally Hostile“ vom „Ample Destruction“-Album los. Da blieb man auch gleich erst einmal und knallte dem Publikum noch „License To Kill“ und „Symphony Of Terror“ vor den Latz. Der Tyrant singt immer noch jeden Song ohne irgendwelche Abstriche, einfach nur göttlich. Mit dieser Stimme kann man Stahl schneiden, mehr Metal geht definitiv nicht! Mit „Black“ widmete man sich dann erstmals der Zeit nach der Reunion mit Harry Conklin. Auch das „Thane To The Throne„-Meisterwerk, vielleicht das beste Album der zweiten Conklin-Ära, wurde mit „King At A Price“ und „The Fall Of Dunsinane“ gewürdigt. Der Neue war vom Stageacting her eher zurückhaltend, wobei ja auch Chris Broderick nicht gerade eine Rampensau war, durch seine Bühnenpräsenz allerdings einiges wieder wettmachen konnte.

Jag Panzer live auf dem Keep it True 2008
Der neue Mann an der Gitarre – Chris Lasegue

Der Tyrant hingegen lieferte wie immer das volle Show-Programm, könnte so auch auf den Musical-Bühnen dieser Welt auftreten. Bisher gab es in der Setlist keine großen Überraschungen, was aber nicht schlimm war. Schließlich bekamen wir hier einen Underground-Klassiker nach dem anderen um die Ohren gehauen. Das befand auch Kollege Fierce, der sich äußerst lobend zur Setlist äußerste. Da meinte ich noch zu ihm, dass eine Überraschung wie zum Beispiel „Lustful And Free“ vom „Age Of Mastery„-Album ja mal was Feines wäre und ungelogen, kurz darauf stimmen JAG PANZER eben jenen Song an, was bei mir zur völligen Glückseligkeit führt. Dieser langgezogene Schrei am Ende des Songs ist für mich einer DER geilsten Momente überhaupt auf allen JAG PANZER-Alben. Aber was ist das? Der Tyrant lässt genau diesen aus! Da war dann doch ein wenig enttäuschend, denn diese Stelle ist es, die diesen Song erst so richtig geil macht. Na ja, halb so schlimm eigentlich, aber trotzdem stellt sich mir die Frage nach dem „Warum“. Dass Conklin die Stelle nicht mehr hinbekommt, dass kann ich mir kaum vorstellen, angesichts der heute wieder einmal überragenden Gesangsleistung. Wieder zurück zu den Anfängen ging es mit „Battle Zones“, bei dem das Intro-Tape mal wieder hakte. Das hatten wir am Anfang auch schon.

Dann gab es leider größere technische Probleme, wohl bedingt durch einen abgerauchten Verstärker. Jedenfalls waren erst die Gitarre von Chris Lasegue, dann auch die von Mr. JAG PANZER Mark Briody missing in action, so dass der Tyrant den Song lediglich mit Begleitung der Rhythmus-Truppe Tetley/Stjernquist zu Ende bringen musste. Die Reparatur dauerte dann doch ein wenig länger, so dass Rikard Stjernquist die Zeit mit einem kurzen Drumsolo überbrückte. Beim folgenden „Future Shock“ war zumindest Briody´s Gitarre wieder zu hören, trotzdem musste danach noch mal länger pausiert werden, was den einen oder anderen aus dem Publikum dazu veranlasste, verfrüht die Heimreise anzutreten. Allgemein war schon weniger los als noch bei MANIALLA ROAD oder HEATHEN, aber das ist halt die übliche Headliner-Problematik beim KEEP IT TRUE.

Jag Panzer live auf dem Keep it True 2008
Der wahre Metal God – Harry „The Tyrant“ Conklin

Na ja, auch die längste Reparatur ist irgendwann mal abgeschlossen und somit konnte die Show mit „The Moors“ weitergehen. Dann wurde mit „Reign Of The Tyrants“ und „Warfare“ mal wieder ganz tief in die Mottenkiste gegriffen, die Griechen am Merchandise-Stand neben der Bühne drehten inzwischen schon völlig am Rad. Jetzt kündigte Harry Conklin mal eine Song vom „neuen“ Album – er meinte das immer noch aktuelle 2004er Album „Casting The Stones“ – an. Bei „The Mission“ kam dann auch wie angekündigt Robert Parduba, der Sänger auf dem „Chain Of Command“-Album auf die Bühne und unterstütze Conklin beim Gesang. Daraufhin verließ der Tyrant erstmal die Bühne und Parduba sang „Chain Of Command“ und „Never Surrender“, die beide ja auch auf „The Age Of Mastery“ mit Harry Conklin als Sänger veröffentlicht wurden, nur dass „Never Surrender“ in „The Viper“ umgetauft und mit anderem Text versehen wurde. Dann sangen die beiden zusammen „Shadow Thief“ und „Take To The Sky“. Robert Parduba ist auf jeden Fall ein starker Sänger, aber seien wir ehrlich: gegen Harry Conklin kommt er nicht an. Der Tyrant ist nun mal die einzig wahre Stimme von JAG PANZER. Trotzdem war die ganze Aktion eine coole Sache. Mit „Legion Immortal“ gab es noch einen weiteren Song von „Casting The Stones“ zu hören. Dann stöpselten die beiden Gitarristen ihre Äxte aus, doch es war noch nicht Schluss und die Gitarren schnell wieder eingesteckt. Mit „The Crucifix“ ging es ein weiteres Mal in Richtung „Ample Destruction“. Wenn ich bedenke, dass die Band vor ein paar Jahren in WACKEN oder auf dem BANG YOUR HEAD ihr Debüt fast ignorierte… Gut, dass das inzwischen anders ist. Dann, gegen kurz nach eins verließ die Band die Bühne.

JAG PANZER hatten jetzt, zählt man die kleine Technik-Pause mit, etwa zwei Stunden gespielt. Feierabend? Von wegen! Die Band kam tatsächlich noch mal auf die Bühne und spielte weiter. Aber was war das? Kein JAG PANZER-Song jedenfalls. Da covern die doch tatsächlich „The Gypsy“ von MERCYFUL FATE! Geht´s noch geiler? Harry Conklin drehte voll auf, total irre, geil! Dann holte man noch einmal Mr. Parduba auf die Bühne. „Let´s do some PRIEST„. Alles klar, und los ging es mit „Electric Eye“, zu dem die Stimme Robert Pardubas hervorragend passte. Das Grande Finale folgte auf dem Fuße. Nach einem kurzen „How about some IRON MAIDEN?“ von Mark Briody knallten JAG PANZER dem Publikum noch „Where Eagles Dare“ vor den Latz. Dann, gegen zwanzig nach eins, war endgültig Schluss und das zehnte KEEP IT TRUE hatte einen mehr als würdigen Abschluss. Von mir aus kann Herr Weinsheimer JAG PANZER jedes Jahr verpflichten, eine andere Möglichkeit, die Band live zu sehen bekommt man ja kaum noch. (agony&ecstasy)

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.