ZOMBI: John Carpenter lebt in seiner eigenen Welt

Freunde der andersartigen Progressive Rock-Scheiben und Sci-Fi und Horror-Soundtracks mal die Ohren gespitzt! Das einzigartige Duo ZOMBI, Pittsburghs ganzer Stolz, ist wieder da, diesmal mit dem dritten Album über RELAPSE, das auf den wundervollen Titel "Spirit Animal" hört. An einem Freitag Abend im Winter ruft Multiinstrumentalist Steve Moore an und spricht locker und freundlich in dieser guten halben Stunde über eine neue Art des Songwritings, logistische Probleme mit Europa und allen möglichen Technik-Kram. Willkommen in der Welt der Horror-Nerds!

Freunde der andersartigen Progressive Rock-Scheiben und Sci-Fi und Horror-Soundtracks mal die Ohren gespitzt! Das einzigartige Duo ZOMBI, Pittsburghs ganzer Stolz, ist wieder da, diesmal mit dem dritten Album über RELAPSE, das auf den wundervollen Titel Spirit Animal hört. An einem Freitag Abend im Winter ruft Multiinstrumentalist Steve Moore an und spricht locker und freundlich in dieser guten halben Stunde über eine neue Art des Songwritings, logistische Probleme mit Europa und allen möglichen Technik-Kram. Willkommen in der Welt der Horror-Nerds!

 

Hallo Steve, freut mich dich zu hören. Zunächst das obligatorische und doch absolut ernst gemeinte Herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album.

Vielen Dank.

Spirit Animal ist das erste ZOMBI-Album nach fast drei Jahren. Was ist in dieser Zeit, mit Ausnahme deines Soloalbums The Henge alles passiert?

Als Surface to Air herauskam, waren wir fast ein ganzes Jahr auf Tour. Danach brauchten wir erstmal eine Auszeit, immerhin ist das eine sehr lange Zeit, in der man immer wieder und wieder die selben Songs spielt. Wir haben in dieser Zeit nach den Touren dann Erfahrungen gemacht, die uns weiter gebracht haben und Spirit Animal erst ermöglicht haben.

Das glaube ich dir sofort. Spirit Animal ist deutlich reifer und erwachsener als Surface to Air. Allein der Titeltrack klingt nicht nach einem Soundtrack, sondern nach dem Film selbst.

(lacht) Ja, das gefällt mir. Ich empfinde das ebenso.

Die Arrangements sind dichter, alles ist viel bewusster und epischer orchestriert als in der Vergangenheit.

Die Alben, die wir zuvor geschrieben haben entstanden meist über den Zeitraum eines Jahres, entweder auf Tour, oder in der Zeit danach. Endlich hatten wir die Zeit uns hinzusetzen und uns bewusst auf das Material zu konzentrieren und die Musik entsprechend auszuarbeiten.

Das beinhaltet wohl auch den Einsatz der Gitarren.

Genau.

Ich habe dennoch nicht allzu viele Gitarren auf dem Album bewusst vernommen, aber ich denke, da sind einige bearbeitete Stellen, bei denen man auch auf Synthesizer tippen könnte.

Es gibt tatsächlich nur wenige Gitarren auf Spirit Animal zu hören. Im Titelstück sind welche und in den beiden Songs danach. Es ging eigentlich nur darum, die Kompositionen aufzulockern, um eine weitere Dimension zu erhalten, wenn die ganzen unterschiedlichen Synthesizer zu scharf klingen.

Im Song Spirit Animal gibt es übrigens in der ruhigen Stelle in der Mitte eine Art Flöte zu hören, die mich so verflucht an Stairway to Heaven erinnert.

(lacht) Jetzt wo du es sagst… An dieser Stelle ist ein Mellotron eingesetzt, das ein wenig nach Flöte klingt. Ich bin mir ziemlich sicher LED ZEPPELIN haben damals denselben Sound verwendet.

Wie ist es eigentlich für eine Band wie ZOMBI auf einem Metal-Label wie RELAPSE zu sein?

Als wir anfingen Musik zu schreiben, waren wir sehr beeinflusst von Filmen und gerade Fans von Metal sind auch oft Anhänger von Horrorfilmen. Wir wollten ja auch damals in erster Linie dunkle Horrorfilm-Soundtracks schreiben, damals machte es noch mehr Sinn, die Platten auf RELAPSE zu veröffentlichen als jetzt. Aber die Leute von diesem Label unterstützen uns nach allen Kräften, auch wenn wir wirklich nicht die Band sind, die am meisten Platten verkauft.

 ZOMBI
´The Fog´ ist einer meiner absoluten Lieblingssoundtracks. Steve Moores Wurzeln gleichen nicht denen von anderen Musikern.

In Europa haben ZOMBI leider noch den Status des Geheimtipps.

Das sind wir auf jeden Fall. Wir haben bisher auch nur zwei, oder drei Shows in Europa gespielt, das waren Amsterdam, Antwerpen und Paris. Wir hatten leider noch nicht die Möglichkeit wieder zu kommen.

Sind die Europäer ZOMBI gegenüber etwa nicht aufgeschlossen? Wenn dem so ist, ich glaube Spirit Animal macht es dem alten Kontinent deutlich einfacher, Zugang zu eurer Musik zu finden, auch da die Synthesizer-Sounds nicht so krass sind.

Genau das wollten wir auch erreichen.

Ein Song wie Through Time fällt aber dennoch aus dem Rahmen: Zwei unterschiedliche Passagen, die sich bis in die schiere Unendlichkeit wiederholen – sehr eindrucksvoll. Solche Nummern schreibt dein Kompagnon Tony alias A.E. Paterra, richtig?

Genau. Dieses Stück und Cosmic Powers stammen aus seiner Feder. Er schickte mir die Demos dazu und erwartete wohl, dass ich daran noch feilen würde und die Arrangements umgestalten würde, aber ehrlich gesagt waren diese Aufnahmen so gut, dass nicht mehr viel zu machen war. Ich habe ein paar von seinen Synthesizern durch meine ersetzt und zu Through Time noch Bass eingespielt. Tony fand das wohl ein wenig zu abgefuckt im Demostadium, aber jetzt sind diese Nummern wirklich extrem heavy. Da gibt es keine Hoffnung mehr, nur noch totale Verzweiflung. (lacht)

Aber wirklich. Auf Surface to Air gab es ja auch so einen ultraepischen Abschlusstrack, der war aber deutlich abwechslungsreicher.

Sicherlich, aber dennoch hat uns dieses Stück den Weg geebnet, von Surface to Air hin zu dieser neuen Richtung. Heute haben wir viel mehr Möglichkeiten und eine viel weitere Bandbreite an Emotion.

Night Rhythms war also eine Art Omen.

Wir haben die Leute darauf vorbereitet, dass das nächste Album ein wenig anders werden würde. Was es auch geworden ist.

Zählen dazu auch die anderen neuen Veröffentlichungen von ZOMBI? Im Februar kommen ja außer Spirit Animal zwei andere Platten raus.

Ja, nächste Woche passiert richtig viel. Aber das ist reiner Zufall, denn Spirit Animal war schon für letzten Herbst geplant. RELAPSE hat es aber in dieser Zeit nicht wirklich gepasst, und somit wurde es nach hinten verlegt. Eine der beiden 12-Platten kommt auf dem Label THRONE OF BLOOD heraus, das von ein paar amerikanischen DJs gegründet wurde. Darauf sind ein paar Remixes und Neuinterpretationen von alten Songs von uns enthalten. Und dann haben wir noch eine Split mit der Progressive Rock-Band MASERATI in den Startlöchern.

Das sind sehr gute Splitpartner für euch, weil sie ein ähnliches Gefühl wie ZOMBI transportieren, nur mit anderen Mitteln.

Wir haben mit MASERATI vor ein paar Jahren eine fantastische Tour gefahren, jede Nacht war toll. Nicht viele Bands spielen heutzutage Musik, wie sie MASERATI oder ZOMBI spielen. Diese Tour war damals ein geschickter Schachzug, denn die Leute, die da waren, waren sehr angetan von dieser Kombination. Zusammen ein Album zu kreieren, zusammen an Musik zu arbeiten war dann nur die logische Konsequenz.

 ZOMBI
Ich glaube, George Romero fand unsere Musik ganz okay. ZOMBI haben eine prominente Hörerschaft.

Nochmal zurück zur zeitlichen Verzögerung von Spirit Animal. Was war der Grund dafür? Ich habe mich schon gewundert, denn die Credits in der CD sagen aus, dass einige der Aufnahmen schon über ein Jahr her sind.

Wir wollten im Herbst das Album veröffentlichen, damit wir im Jahr 2008 eben auch eine Veröffentlichung vorzuweisen hätten. Wir waren allerdings ein wenig spät dran mit dem Mastern, und die fertigen Aufnahmen vorzuweisen, und da RELAPSE schon einen vollen Terminplan hatte, entschieden sie sich das Album auf den kommenden Frühling zu schieben, was für uns etwas bedeutete, wie März, April oder sogar Mai. Aber Februar ist ein guter Kompromiss für uns. Wir sind nicht die große Geldmaschine auf diesem Label, also müssen wir uns mit Kompromissen zufrieden geben.

Warum habt ihr eigentlich dieses Mal in zwei verschiedenen Studios aufgenommen, den Nightmare City Studios und El Studio II?

Ich bin nach New York City gezogen, während Tony nach wie vor in Pittsburgh lebt. Wir haben einen Proberaum in Pittsburgh, eine Art Laboratorium, das auf den Namen El Studio II hört. Das Nightmare City Studio hingegen befindet sich in meinem Haus.

Darum habt ihr euch zum Songwriting immer die einzelnen Fragmente zugeschickt.

Richtig.

Ist das ein Grund, warum die Musik eine neue Tiefe hat? Einfach weil ihr auf eine anderen Ebene zusammen arbeitet?

Ja, ich denke schon. Der Eine wird mehr in die Gedankenwelt und die Ideen des jeweils Anderen hineingezogen und kann sich mit den Fragmenten intensiver auseinandersetzen. Die letzen Alben wurden komplett im Proberaum oder auf Tour geschrieben, so dass wir eher an der Oberfläche kratzten. Jetzt, wenn wir uns die Musik des anderen allein anhören und bearbeiten können, geht es weitaus tiefer. Das macht auch wirklich viel Spaß.

Außer den Synthesizern gab es für mich noch einen anderen Grund, warum ich ZOMBI, als ich zum ersten Mal Cosmos hörte, sofort geliebt habe: Der fantastische Basssound. Ich habe ehrlich gesagt, noch nie einen klareren, druckvolleren und wärmer klingenden Bass gehört.

Vielen Dank! Ich spiele einen Fender Jazz Bass, mit Fender Precision Pick Ups, die ein wirklich weites Klangspektrum ergeben. Dazu benutze ich einen Sunn-Bass-Amp, der wirklich sehr kräftige und bis zu einem gewissen Grad auch dreckige Klänge erzeugt.

Ganz besonders gefällt mir das Basssound auf dem Song Legacy.

Ja, der hat wirklich viel Power und kann sich gut durchsetzen. Ich lege großen Wert auf den Bass, immerhin fühle ich mich auch eher als Bassist denn als Keyboarder. Bei ZOMBI ist es so, dass die Synthesizer einige Lücken offen lassen, die durch den Bass erst geschlossen werden können. Er ist immens wichtig für uns. Das habe ich nun wieder realisiert und deshalb gibt es viel mehr Bass auf Spirit Animal zu hören, als auf den beiden vorherigen Alben.

Nachdem der Bass bisher immer recht natürlich klang, ist er auf Spirit Animal oftmals mit Effekten

 ZOMBI
Das ikonische Cover von Spirit Animal, mit dem alles gesagt ist.

versehen. Das ist Anfangs ein wenig ungewohnt, aber passt sehr gut zur Musik.

Ich benutze nur wenige Effekte, die Verzerrung und das Grummeln erreicht man leicht durch die Einstellungen des Amps. Für die brutale, heftige Bassgitarre im abschließendem Through Time verwende ich ein Blue Box-Pedal, das ich auch bei meinen Synthesizern öfter Mal einsetze.

Wenn ihr live spielt, müsst ihr eure Instrumente oft loopen, da ihr auf Platte teilweise mehrere Instrumente gleichzeitig spielt. Mit Spirit Animal geht ihr aber weit darüber hinaus. Wie wollt ihr als Duo das live performen?

Wir haben noch keine Ahnung, wir arbeiten daran. Wahrscheinlich wird es aber darauf hinauslaufen, dass ein paar Freunde von uns auf die Bühne kommen werden und den Bass übernehmen, oder einzelne Keyboard-Spuren. Mit diesem Album klingt es eh so, als würde da eine große Band spielen und nicht nur ein Duo und das wollen wir auch live umsetzen.

Bei manchen Bands kann man das sofort und zweifelsfrei erkennen, bei ZOMBI eher weniger. Also, was inspiriert einen Steve Moore neue Musik zu machen? Sicherlich Filme, vielleicht auch Bücher, was noch alles?

Hauptsächlich Filme. Als ich jung war schaute ich viele Filme, Horror- und Actionfilme aus den 80ern, diese Synthesizer-Soundtracks haben mich schon immer fasziniert. Das ist auch die Musik, zu der ich aufwuchs. Diesen Sound hörte man danach einfach nicht mehr und mein Freund Tony und ich schwelgten eines Tages in diesen Zeiten, und dachten, es könnte Spaß machen, dieser scheinbar in Vergessenheit geratenen Musik Tribut zu zollen.

Letztens kam ich durch Spirit Animal mal wieder auf die Idee, ein paar alte John Carpenter-Filme anzuschauen.

The Fog ist einer meiner absoluten Lieblingssoundtracks. Die Kombination zwischen dem simplen, Spannung aufbauenden Element und den Synthesizern ist phänomenal.

Hat John Carpenter schon mal ZOMBI gehört?

Das weiß ich nicht. Er lebt heutzutage scheinbar in seiner eigenen Welt. Aber ich kenne wen, der wiederum George Romero kennt, und dieser Freund hat Romero mal ZOMBI vorgespielt. Ich glaube er fand es ganz okay.

Auch wenn es mit den Altmeistern noch nicht geklappt hat, zu einigen Independent-Filmen durftet ihr schon den Soundtrack besteuern. Leider habe ich noch keinen davon gesehen.

Unter dem Namen ZOMBI haben wir den Soundtrack geschrieben für den Film Home Sick, der, soweit ich weiß, letzten Herbst in die US-Kinos kam. Dann gab es noch Murder Set Pieces, das wurde sogar von Lions Gate Films produziert, ich bin mir nur nicht sicher, ob es dieser Film schon nach Europa geschafft hat. Das war ansonsten eher ein Film mit geringerem Budget, somit war er wohl auch in den USA nicht in jedem Kino zu sehen.

Kommen wir nochmals zu Spirit Animal. Als ich zum ersten Mal das Artwork von Jeremy Schmidt gesehen habe, lange bevor ich die Musik gehört habe, fragte ich mich, wie denn die Musik dazu klingen könnte. Jetzt muss ich sagen, Musik und Bild harmonieren perfekt miteinander.

Jeremy haben wir mal auf Tour kennen gelernt, er spielt bei der fantastischen kanadischen Band BLACK MOUNTAIN, die bei uns in den USA ziemlich groß sind. Jeremy spielt da auch Synthesizer und somit kamen wir ins Gespräch. Er erzählte, dass er auch das Cover für das letzte BLACK MOUNTAIN-Album gemacht hat. Tony und ich finden, dass dies das beste Artwork der letzten Jahre ist. Also bearbeiteten wir ihn so lange, bis er sagte: Schickt mir die Musik, ich will sehen, was ich machen kann. Als er uns dann das Cover zu Spirit Animal präsentierte waren wir überwältigt. Es war perfekt, genau das, was unser Album brauchte. (lacht)

 ZOMBI
 ZOMBI: Steve Moore (links) und A.E. Paterra (rechts)

Die restliche Aufmachung des Digipacks ist ein wenig schmucklos. Eigentlich das einzig negative an Spirit Animal, wenn ich an die wundervollen Satellitenbilder im Booklet zu Surface to Air denke.

Als wir die Musik schrieben hatten wir gar keine Zeit und gar nicht den Kopf frei, um uns über die optische Seite des ganzen Gedanken zu machen. Auch da wir dieses ikonische Cover verwendeten, mit dem eigentlich alles gesagt ist, und da die Musik an sich schon die Bilder im Kopf liefert, und dieses Mal deutlich mehr aussagt als jemals zuvor, haben wir auf weitere Illustrationen verzichtet. Also gibt es nur das Cover, ein Foto, die Credits und sonst nichts.

Geschickt aus der Affäre gezogen. Gibt es eigentlich schon Tourpläne für die nächste Zeit?

Nicht wirklich. Wir arbeiten momentan daran, aber Tony spielt noch in einer Band namens OHMU, mit der er im Frühjahr viel auf Tour sein wird. Aber danach werden wieder ZOMBI am Zug sein.

Werdet ihr dann auch endlich mal ordentlich Europa heimsuchen?

Hoffentlich ja. Aber das ist eine sehr schwierige Angelegenheit, besonders für mich. Die Synthesizer die ich spiele, sind eigentlich unmöglich zu transportieren. Sie sind wirklich schwer und außerdem so alt, dass sie sehr empfindlich sind. Das entsprechende Zeug dann zu mieten ist wirklich schwierig, denn diese Instrumente bekommt man fast nirgends mehr und die Musik die wir spielen ist auf diese Synthesizer zugeschnitten, da jedes andere Modell wieder andere Funktionen hat. Es ist knifflig, aber endlich haben wir ein Netzwerk an Musikern, das groß genug ist, so dass wir die Ausrüstung finden können, die wir brauchen.

Das wäre großartig. Und dann erstmal als Support vor einer größeren Band, damit euch auch genügend Leute kennen lernen.

Das sowieso. Ihr habt gute Bands in Europa, speziell in England und in Frankreich. Es wäre eine Ehre mit ihnen zu touren.

Habt ihr eigentlich jemals daran gedacht jemanden mitzunehmen, der für Live-Videos zuständig ist?

Wir haben das ein paar Mal versucht, gerade in größeren Städten, die Clubs haben, bei denen Projektionen zur Standardausrüstung gehören. Aber eigentlich haben wir mit ZOMBI ein sehr spezielles Projekt am Laufen, das gibt es nur selten, wir sind auch nur zu zweit und freie Hände gibt es sowieso kaum, um so etwas durchzuführen. Also bleiben wir erstmal so wie wir sind und beschränken uns auf Spielereien mit dem Licht.

Fotos: Relapse Records