TYPE O NEGATIVE: Ich spielte auch ernsthaft mit dem Gedanken Polizist in New York zu werden.

Interviews, die wir euch nicht vorenthalten wollen – ein bislang unveröffentlichtes Gespräch mit Pete Steele zum ersten Album der Band!!

Interviews,
die wir euch nicht vorenthalten wollen – ein bislang unveröffentlichtes
Gespräch mit Pete Steele zum ersten Album der Band.

“Hey,
this is Pete Steele” dröhnt es mir am Telefon entgegen. Ich schlucke erstmal,
denn wie soll man einem Typen entgegentreten, der seinen Plattenvertrag
mit seinem Blut unterschrieben hat und der von vielen Leuten als Sexist,
Faschist oder Nazi verschrien wurde bzw. wird. Aber alle Ängste waren
recht schnell verflogen, denn Pete entpuppte sich als sehr netter Zeitgenosse
und wußte einiges über seine alte Band CARNIVORE
und noch mehr über seine neue Band TYPE
O NEGATIVE
zu berichten.

Warum starb Deine alte Band CARNIVORE nach nur zwei Alben?

CARNIVORE
brachen auseinander als meinen beiden ehemaligen Mitstreitern andere Sachen
wichtiger wurden. So wollte der eine eigene Songs schreiben, was er auch
tat. Nur passten diese leider nicht in das Konzept von CARNIVORE,
weshalb er sich zu einer Solokarriere entschloss. Der andere Mitstreiter
wollte heiraten, war sich aber im klaren darüber, daß die Kombination
Ehe/CARNIVORE
nicht funktionieren würde. Also gewann die Frau und die Band verlor.

Was passierte anschließend im Leben von Pete Steele?

Erst dachte
ich, meine Karriere ist vorbei. Ich spielte auch ernsthaft mit dem Gedanken
Polizist in New York zu werden. Als Polizist verdienst du eine Menge Geld,
etwa 45.000 $ im Jahr, aber dann entschied ich mich, diesen Weg doch nicht
zu gehen. Als Cop ist man halt 24 Stunden am Tag im Dienst und außerdem
hätte ich meine Haare schneiden müssen. Ich merkte also recht bald, daß
das wohl doch nicht das Richtige für mich ist und gründete TYPE
O NEGATIVE
.

Anfangs gab es wohl einige Probleme, den passenden Bandnamen zu finden…

Richtig. Erst nannten wir uns Repulsion, doch unsere Plattenfirma machte
uns recht bald auf eine gleichnamige Band aufmerksam, die auch schon Alben
veröffentlicht hatte. Wir änderten den Namen daraufhin in Sub Zero, doch
wieder hörten wir von einer Band gleichen Namens, die nur fünfzehn Meilen
von uns entfernt ihr Quartier hatte. Als ich dann noch Kids mit “Sub Zero”-Shirts
herumlaufen sah, wußte ich, daß wir uns erneut einen neuen Namen suchen
mussten. Schliesslich einigten wir uns auf TYPE
O NEGATIVE
, weil wir alle eine ziemlich negative Einstellung haben.
Wir haben keine Hoffnung, was unsere Karriere angeht, deshalb auch der
Zusatz “Negative”.

Warum hast Du denn nicht einfach unter dem Namen “CARNIVORE
weitergemacht?

Ganz einfach, weil der Name “CARNIVORE
doch einen sehr schlechten Ruf hatte. Weniger bei uns in Amerika, aber
bei euch in Europa wurde ich aufgrund meiner Texte zu “Race War” oder
“Jesus Hitler” als Rassist und Faschist bezeichnet. Aber auch meine Art
und Weise Songs zu schreiben hat sich mittlerweile so weit verändert,
daß es nicht mehr nach und wie CARNIVORE
klingt, weshalb der Name auch keinen Sinn machen würde.

Und nun habt ihr ein erstes Album auf dem Markt!

Das Album ist eigentlich schon seit einigen Jahren komplett fertig. Wir
wollten es anfangs auch gar nicht veröffentlichen, aber unser Label bestand
aufgrund bestehender Verträge aus “CARNIVORE“-Zeiten
auf einer Veröffentlichung.

Ihr macht es den Fans nicht leicht, weil viele verschiedene Stile wie
Doom, Thrash, Punk, Metal oder Hardcore auf “Slow, Deep & Hard” zu hören
sind.

Das ist
richtig und liegt sicherlich daran, daß ich auch privat recht unterschiedliche
Musikrichtungen höre, sei es Punk, Metal, Industrial oder Klassik. Alles,
was ich mir so anhöre, beeinflusst natürlich mein Songwriting, und genau
das ist auch mein Ziel. Ein interessantes Album zu machen, das mehreren
Fangruppen gefällt. Ich würde unsere Musik als “Doom Core” bezeichnen…


Glaubst Du, daß die “CARNIVORE“-Fans
auch TYPE O NEGATIVE mögen werden?

Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, denn einige CARNIVORE-Fans,
die nun auch TYPE
O NEGATIVE
gesehen haben, waren doch ein wenig enttäuscht, daß es
halt nicht so klang wie CARNIVORE.
Wir haben jetzt halt viele langsame Parts in unsere Songs eingebaut, was
aber nicht das Problem ist bzw. sein dürfte.

Mich erinnern einige langsame Parts schon an
CARNIVORE
-Songs wie “God is Dead” oder “Male Supremacy”…

Ja, wenn man sich rein auf die langsamen, schleppenden Parts bezieht,
dann hast du sicherlich recht. Aber ansonsten hat sich mein Gesangsstil
genauso verändert wie meine Art des Schreibens der Texte.

Ist es denn für Dich ein Problem, daß viele Leute wahrscheinlich nur wegen
Deiner Vergangenheit mit CARNIVORE
zu Euren Shows kommen werden?

Ja, das ist es, denn die Fans erwarten eben auch die ganzen alten Sachen
und sind dann enttäuscht, wenn wir diese Songs nicht spielen. Das macht
mich natürlich schon ein wenig traurig, aber CARNIVORE
ist nun mal ein Teil meiner Vergangenheit. Ich möchte aber nicht ewig
in der Vergangenheit leben, obwohl wir bei den Show sicherlich den einen
oder anderen CARNIVORE-Songs
spielen werden.

Wie stehst Du als Amerikaner denn zur Wiedervereinigung Deutschland’s?

Oh it’s great. Viele Leute und Freunde, die sich vierzig Jahre nicht sehen
konnten, haben jetzt wieder die Chance dazu. Und ich wünsche allen Leuten
in Deutschland viel Glück für ihre vereinigte Zukunft…

Layout: Alex C.