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SAMURAI PIZZA CATS: „Wir wollen, dass die Leute den Vibe spüren und alles andere vergessen“

Pizza und Ramen passen nicht zusammen? Von wegen! Mit „Press Start“ zeigen SAMURAI PIZZA CATS, wie gut diese Mischung funktioniert. Wir haben mit Frontman Sebastian Fischer über Japan, die kommende Tour und den Balanceakt zwischen Eskalation und Erwachsenwerden gesprochen.

Schön, dass wir heute die Möglichkeit haben, über euer neues Album zu quatschen. Ich durfte es schon anhören und war ziemlich überrascht. „Press Start“ klingt viel reifer, strukturierter und in sich geschlossener als der Vorgänger. Was habt ihr diesmal anders gemacht und wo liegen für dich die größten Unterschiede zum letzten SAMURAI PIZZA CATS-Album?

SEBASTIAN: Ich glaube, das Thema Reife trifft es schon relativ gut. Weil es ja auch tatsächlich so ist – wir werden halt alt. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen und wir gerne die Kinder bleiben wollen, die wir vor 20 Jahren waren. Und natürlich entwickeln wir uns natürlich auch irgendwo weiter. Und das auf jeder Ebene, gerade wenn es um Songwriting oder auch einfach so persönliche Entwicklungsstrukturen geht. Ich habe beispielsweise bis vor Jahren kaum Clean Vocals gemacht. Und jetzt besteht das neue Album zu einem sehr, sehr großen Teil daraus. Am Ende des Tages ist das einfach ein Reifungsprozess, so kann man es wohl nennen.

Das Album wirkt auch konzeptionell durchdachter. Man erkennt sehr schnell einen roten Faden. Hat sich das zufällig so ergeben oder war das auch bewusst so gesteuert?

SEBASTIAN: Der Prozess hat sich so entwickelt. Bei „You’re Hellcome“ wussten wir anfangs gar nicht, was wir eigentlich machen wollten. Wir wollten Spaß haben, Musik machen und gucken, wo uns die Reise hinführt. Das war die allererste Intention und den Spaß haben wir immer noch, keine Frage. Sonst würden wir das ja alles nicht machen. Es hat sich alles einfach so ergeben, wenn wir im Studio gesessen haben. Songs wie „Super Zero“ haben ein witziges Video, aber auch immer eine metaphorische Ebene. Jeder Track hat einen speziellen Vibe, einen eigenen Charakter. Und am Ende hat sich dann alles zu einem Konzept zusammengeschlossen.

Auf dem Album gibt es ein Feature mit BABYBEARD, deren Frontman vor allem Cosplay- und Wrestling-Fans ein Begriff sein dürfte. Wie ist es zu diesem Feature gekommen und wie lief die Zusammenarbeit in Tokyo?

SEBASTIAN: Tatsächlich war das relativ spontan. Ich habe Ladybeard alias Richard bei Instagram gefolgt. Irgendwann kamen wir so ins Quatschen und unabhängig davon waren Daniel und ich im Studio. Er hat dann etwas vorbereitet und mir das vorgespielt. Und dann hatten wir die Idee, dass ein Superheld in den Song rein muss. Der heißt Ramen-Man. Und dann habe ich mir gedacht, ich schreibe Richard einfach mal. Und so kam es dazu, dass wir uns auf diese Reise begeben haben. Es war eine super entspannte, harmonische Zusammenarbeit. Wir haben ein Video gedreht und viele Stunden zusammen verbracht.

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Mit „Press Start“ erscheint am 27. März 2026 das zweite SAMURAI PIZZA CATS-Album.

Der japanische Markt tickt anders. Musik wird dort stärker als Gesamtkonzept aus Performance, Optik und Sound gesehen. Könntest du dir vorstellen, in Japan auf Tour zu gehen?

SEBASTIAN: Liebend gerne. Wir waren in den letzten Tagen drüben und hatten eine super witzige Begegnung. Es war ein kleines Event in Shibuya geplant und es gab ein DJ-Set. Und plötzlich standen da auf einmal wirklich 500, 600 Leute, die einen Heidenspaß hatten. Das ist wirklich ganz anders. In Deutschland gibt es immer pure Eskalation. In Japan ist der Song vorbei, es gibt Applaus, aber dann ist es absolut still. Das hat so Bock gemacht. Allein dieser Vibe zeigt mir, dass wir unbedingt wiederkommen müssen.

War es für dich die erste Reise nach Japan?

SEBASTIAN: Es war das allererste Mal. Es war auch ein sage und schreibe Dreitagestrip. Also quasi wirklich ankommen, Video drehen, abreisen. Ich glaube, ich habe die Nacht durchgemacht. Aber es gibt da keine Zeit für Jetlag. Wir haben diese Woche Kick-off und fahren in die Schweiz. Da bleibt nicht viel Zeit. Arbeit. Arbeit. Arbeit.

Hat euch die Sprachbarriere Probleme bereitet?

SEBASTIAN: Natürlich. Die Verständigung ist häufig mit Händen und Füßen und vielen Missverständnissen verbunden. Das macht einige Dinge komplizierter. Aber natürlich ist es umso schöner, wenn dann Leute wie Richard, Susu und Mizuki am Start sind. Die haben sich für uns auf gut Deutsch gesagt den Arsch aufgerissen. Klar, mal eben in einen Donki springen oder kurz shoppen gehen – kein Problem. Aber wenn du vor Ort etwas organisieren musst, sind solche Leute schon eine massive Hilfe. Sonst kommst du nicht weit.

Samurai Pizza Cats live auf dem Summer Breeze 2024
Frontman Sebastian Fischer beim Summer Breeze 2024 in Dinkelsbühl.

Mit Robin habt ihr einen neuen Drummer, der schon Erfahrung aus Bands wie MILES BENEATH mitbringt? Inwiefern hat euch der Neuzugang auf dem neuen Album stilistisch beeinflusst?

SEBASTIAN: Das Album war schon vorher durch. Es ist auch einfach so, dass jeder von uns seine Bucket-Listen im Leben hat. Wir sind ja alle weit über 30 und Stefan wollte sich noch mal beruflich verwirklichen. Und dann haben wir geschaut, ob wir das hinbekommen. Gerade auch mit der Tour im Oktober. Und es hat sich leider Gottes gezeigt, dass das nicht kombinierbar ist. Stefan hat uns dann um Verständnis gebeten, dass er dieses Projekt nicht weiter begleiten möchte. Und wir haben noch am gleichen Tag beschlossen, Robin anzufragen. Wir kennen ihn auch schon viele Jahre. Ein guter Freund wurde also durch einen guten Freund ersetzt. Wir haben weiter zu Stefan Kontakt und alles ist fein.

Aus künstlerischer Sicht bringt Robin auch noch mal ganz neuen Input rein. Er ist ja auch Tattoo Artist und wenn ich etwas nicht kann, dann zeichnen. Das kann dir jeder bestätigen, das sieht einfach katastrophal aus. Und der Rest wird sich dann bei der ersten Show zeigen, der Typ ist jetzt schon aufgeregt wie Hulle. Ich bin aber positiver Dinge, dass Robin noch mal das i-Tüpfelchen obendrauf ist.

Auf der letzten Tour ging es ziemlich bunt zu: Kostüme, Pizza-Wettessen, Digimon-Intro. Wie schafft ihr die Balance zwischen diesem Entertainment-Faktor und dem Anspruch, auch musikalisch ernst wahrgenommen zu werden?

SEBASTIAN: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, es macht uns insgesamt aus, dass wir uns keinen Millimeter verstellen. Wir kommen live genauso bekloppt rüber, wie wir wirklich sind. Wir machen Dinge, weil wir Bock haben oder den Vibe fühlen. Ob das jetzt ein Musikvideo oder eine LED-Show ist. Wenn man uns nach der Show sieht, quatschen wir da das gleiche doofe Zeug wie auf der Bühne. Oder in Interviews – wir sind einfach die Leute, die wir sind. Wir verstellen uns nicht.

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Hasenmaske trifft auf Heavy-Metal-Puristen: SAMURAI PIZZA CATS beim Summerbreeze 2024.

Ihr wollt also gar nicht so bierernst genommen werden? In manchen Metal-Genres sind Attitude und Außenwirkung ja sehr wichtig.

SEBASTIAN: Jedes Genre hat seine Daseinsberechtigung und in unseren Songs gibt ja auch Death-Metal- oder Deathcore-Parts. Die Sache ist so: Wir haben schon auf einigen typischen Metal-Festivals gespielt. Und da ist immer das etwas ältere Regiment, das unserem Set sehr kritisch begegnet. Gerade wenn ich mit einer pinken Hasenmaske auf die Bühne komme. Aber am Ende sind das genau die Leute, die einem Highfive geben und sagen „Alter, hat Bock gemacht“.

Und letztendlich geht es ja darum, Spaß zu haben und die Leute abzuholen. Selbst wenn man etwas auf den ersten Blick nicht so feiert, kommt jeder irgendwann mal aus seiner Komfortzone raus. Wir wollen einfach Musik für Leute machen, die den Vibe spüren. Wir wollen sie andere Dinge vergessen lassen.

Du hast gerade sehr viel über verschiedene Musikrichtungen gesprochen. Wie viel von eurem persönlichen Musikgeschmack fließt eigentlich ein? Und wie ist es zu diesem Stilmix gekommen, der sich durch beide Alben zieht?

SEBASTIAN: Ich komme halt mehr aus der Richtung Deutschpop, Indie oder Rap. Und dann hast du Robin, der Oldschool-Hardcore hört. Da kommen dann verschiedene Mischungen zusammen und das zeigt sich auf dem neuen Album ja ganz deutlich. Wir haben allerdings verkackt, dass wir auf dem Album kein Saxophon-Solo haben. Das war eigentlich geplant, aber wir haben es wegen der Deadline nicht mehr hinbekommen.

Die Songs auf „Press Start“ klingen alle sehr unterschiedlich. Wo habt ihr euch die Inspiration dazu geholt?

SEBASTIAN: Das ist einfach so eine gewisse Gruppendynamik. Ich kenne Daniel jetzt seit knapp 20 Jahren. Ich kenne Robin seit zwölf Jahren. Ich kenne Stefan seit knapp sechs Jahren. Oft hat irgendwer eine Idee im Kopf oder Daniel bereitet was vor. Und dann fragen wir uns: Was für einen Vibe fühlst du gerade? Worüber denkst du gerade nach? Und manchmal fühlt man sich wie ein Kind, das im Jahr 2000 vor seinem Röhrenfernseher sitzt und „Digimon“ guckt. Und plötzlich ist da dieser Superheld, der Nudeln schießt und wir fliegen mal eben für einen Videodreh nach Japan.


Dann gibt es Songs wie „City of Gold“, wo es auch mal etwas deeper zugeht. Den Song kannst du beispielsweise wie eine klassische Liebesgeschichte oder wie eine Metapher auslegen. Am Ende geht es einfach nur darum zu sagen „Hey, leb dein Leben! Es ist geil, mach einfach mal“. Die Dinge passieren einfach von selbst. Das ist wirklich Ballwerfen, fast wie ein Therapiegespräch. Der eine hat den Ball in der Hand und dann geht es zum nächsten rüber. Du glaubst gar nicht, wie viele Songs bei uns auf einer B-Seite gelandet sind. Die tauchen nie wieder irgendwo auf.

Wir wollen ja gute Tracks schreiben und was wir nicht fühlen, das wird nicht veröffentlicht. Fertig. Und wenn das dann ein bisschen länger dauert, dauert es ein bisschen länger.

Ihr habt euch mit dem neuen Album deutlich weiterentwickelt. Wie viel davon wird man beim „Samurai Pizza Fest“ in Köln erleben und was hebt ihr euch bewusst für die Tour auf?

SEBASTIAN: Ich sage es mal so: Das Pizza Fest wird natürlich einiges von dem Album mitnehmen. Es wird ein paar Überraschungen geben, aber wir brauchen natürlich auch noch ein bisschen Pfeffer für die eigene Tour im Oktober. Es werden auf jeden Fall coole Sachen passieren. Wer uns kennt, weiß ja, dass wir eigentlich in jeder Hinsicht immer für eine Überraschung gut sind. Wir sind für ein halbes Jahr in der Versenkung verschwunden und dann mit einer komplett neuen Show auf die Bühne gegangen. Mit LED-Walls und einem eigenen Energydrink, den dann jeder auf der Tour in die Hand gedrückt bekommen hat.

Wir wollen aus dem Pizza Fest ein Happening machen. Das ist nicht nur ein Konzert, wo vier Bands spielen und danach geht man nach Hause. Das wird schon gut, aber ich will nicht zu viel spoilern.

Wie ist eigentlich die Idee entstanden, ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen?

SEBASTIAN: Das Pizza Fest ist quasi so was wie unser kleines Homecoming. Wir spielen ja nicht mehr häufig hier so in der Ecke und so können wir mal etwas zurückgeben. Den Leuten, die uns die letzten drei, vier Jahre supported haben. Es sind ganz, ganz häufig so in den ersten zwei, drei Reihen viele Gesichter, die man jetzt schon seit Jahren sieht. Das sind schon nette Bekanntschaften geworden. Aber wir wollen auch Familie und Freunden etwas zurückgeben, weil die viel auf uns verzichten mussten in den letzten Monaten. Darum geht es beim Pizza Fest.

Du sagtest, dass bei euch der Spaß im Vordergrund steht und der Erfolg euch selbst etwas überrascht hat. Habt ihr Ambitionen, das Ganze noch größer aufzuziehen?

SEBASTIAN: Wir sind bei allem ambitioniert. Und ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass man nicht noch mehr Ambitionen hat als eine Europatour. Natürlich wollen wir den Leuten das, was uns Spaß macht, auch präsentieren. Aber mir geht es jetzt weniger um „Boah, guck mal wie krass, das habe ich mit meinem Leben gemacht“. Sondern um die eigenen Ziele. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal für ein Video nach Tokyo fliege und dort vor 1000 Leuten ein DJ-Set spiele. Du machst das, um Dinge zu erleben und Spaß daran zu haben. Und irgendwann hast du Blut geleckt.

SAMURAI PIZZA CATS sind ab dem 3. Oktober 2026 auf „Press Start European Tour 2026“.