MOSE GIGANTICUS: 4500 Meilen gen Norden [Brainstorming]

MOSE GIGANTICUS: 4500 Meilen gen Norden [Brainstorming]

Mit seinem neuesten Werk, dem RELAPSE-Einstand „Gift Horse„, zeigt sich MOSE GIGANTICUS, das Soloprojekt von Matt Garfield aus Philadelphia, in einer unglaublich starken, klaren Verfassung. Zwischen frühen MASTODON, den MELVINS und ZOMBI experimentiert der Musiker mit Punk und Hardcore-Background relativ wenig, hat dafür aber ausschließlich grandiose Songs mit einer Menge tödlich guter Hooks parat. Scheinbar gefällt dem nimmermüdem Livemusiker dieses Brainstorming, seine zahlreichen und ausführlichen Antworten zeigen, dass er auch in anderen Bereichen als Songwriting hundert Prozent gibt. Egal ob es sich um eine einjährige Tour durch den Hohen Norden, seine zweiundzwanzig Livemusiker oder die blutige Arbeit in einer Konservenfabrik handelt. Nur eins ist sicher: Das Entspannen hat er eh verlernt.

Soloprojekte?

Ja, MOSE GIGANTICUS ist in vielerlei Hinsicht ein Soloprojekt, aber es hat auch kollaborative Ansätze. Diese hybriden Ansätze kommen daher, dass ich nicht Gitarre spiele. Ich bin Komponist, Sänger, Texter, Keyboarder und Schlagzeuger, aber arbeite mit anderen Gitarristen zusammen, um die Songs zu komplettieren. Wenn ich ein Stück schreibe, mache ich das komplett auf dem Keyboard und zeige sie meinen befreundeten Gitarristen, um die Riffs auf Gitarre zu übersetzen. Dazu kommt natürlich, dass sie den Songs ihren eigenen Stempel aufdrücken.

Außerdem fällt mir dazu das „Touren“ ein. Da diese Band primär mein Projekt ist, gehen wir nicht auf Tour, wie es traditionelle Bands tun. MOSE GIGANTICUS ist mit einer rotierenden Besetzung unterwegs, es kommt nur sehr selten vor, dass zwei Touren das gleiche Line-Up haben. Das erlaubt es mir, Konzerte und Tourneen nach meinem persönlichen Zeitplan zu spielen, ohne mich permanent mit zwei oder drei anderen Leuten koordinieren zu müssen. Das resultiert darin, dass ich sehr viel unterwegs bin. Wenn ich die Tourpläne für das Jahr festgelegt habe, rekrutiere ich verfügbare Musiker für den jeweiligen Zeitraum.

Hardcore-Background?

Mein Background liegt im Hardcore, Punk und Sludge von Bands aus Philadelpia. Von 1999 bis 2007 war ich Schlagzeuger in diversen Bands und war mit meinen damaligen Bands FIRE DOWN BELOW und HULK SMASH viel unterwegs. Diese Zeit hat meinen Mund für das Touren regelrecht gewässert und die jetzige Ausrichtung von MOSE GIGANTICUS schwer beeinflusst.

Orion Landau?

Das erste, was mir zu diesem Namen einfällt ist: Wahnsinnstyp. Als ich bei RELAPSE für „Gift Horse“ unterschrieben habe, hatte ich schon ein Konzept für das Artwork in Planung, aber als sie mich mit Orion in Kontakt gebracht haben, wurde es erst richtig abgefahren. Wir sprachen über das Konzept des Albums und die grafischen Themen, die ich enthalten haben wollte, und er zauberte daraus im Handumdrehen ein Meisterwerk. Seine erste Version des Artworks war schon sehr nahe an der Endversion. Es hat großen Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten und er ging sehr auf die Änderungen ein, über die ich mit ihm gesprochen habe. Das einzige, was ich sehr schade finde, ist dass ich ihn noch nicht persönlich kennen gelernt habe – wir wohnen dreitausend Meilen voneinander entfernt.

Gras?

Wenn man ein Album vorliegen hat, das als „Progressive Sludge“, „Synth-Doom“ oder „Stoner Prog“ beschrieben wird, dann liegt der Gedanke daran auf der Hand. Ich mag die Kultur des von Gras beeinflussten Metal und Stoner Metal schon, aber ich rauche das Zeug nicht. Ich habe nicht die Zeit und das Geld, mich damit zu befassen. Ich weiß außerdem gar nicht, wie man entspannt.

ZOMBI?

Erste Assoziation: GOBLIN. Meine ehemalige Band HULK SMASH hat mal mit ZOMBI beim „Mr. Roboto Project“ in Pittsburg gespielt. ZOMBI hat ein cooles Setup und interessante musikalische Konzepte, die sehr gut als Soundtracks funktionieren, wie ihre Vorgänger das auch gezeigt haben. Wenn ich in der Stimmung für diese Musik bin, höre ich allerdings GOBLIN. Gestern lief bei mir zum Beispiel „Roller“.

Science Fiction?

Das ist ein recht weites Feld. Prinzipiell mag ich Science Fiction, aber wie in jedem anderen Genre gibt es künstlerisch guten und schlechten Output. Ich mag gut durchdachte, realistische Science-Fiction-Visionen, aber ich würde mich nicht als großer Sci-Fi-Superfan bezeichnen.

Riffs?

Ja! Riffs sind meiner Meinung nach der Lebenssaft von allem, was heavy ist. Ein Riff treibt den Song an, es verleiht ihm Wiedererkennungswert. It’s where the hook lives.

MASTODON?

Eine meiner Lieblingsbands. Sie sind unglaublich talentiert. Nicht nur, dass ich ihre Musik mag, ich habe tiefen Respekt vor MASTODON, da sie gut geschriebene, harte Musik aus dem Underground heraus in Richtung eines zugänglicheren Gebiets bringen. Manche beschuldigen MASTODON des Ausverkaufs, oder dass sie mit ihrem Major-Deal weich geworden sind und nun melodischeren Gesang verwenden. Aber meiner Meinung nach ist das ein enorm großer Schritt für Metal in Amerika. MASTODON schreiben immer noch fantastische Musik. So erfolgreich zu sein und gleichzeitig die Komplexität und Integrität ihrer Musik beizubehalten ist keine kleine Sache. Für mich haben sie eine Vorbildfunktion.

RELAPSE?

Bei RELAPSE wimmelt es vor wirklich tollen Leuten. Jeder mit dem ich bisher gearbeitet habe, in jedem Abschnitt von „Gift Horse“ war nichts anderes als hilfsbereit. Ehrlich, jeder Schritt dieses Weges ist gepflastert mit Unterstützung und Enthusiasmus, und das ist ein langer Weg für die Moral. Ich freue mich auf eine lange und gegenseitig vorteilhafte Beziehung mit RELAPSE.

Pferde?

Ein Leben ohne Pferde? Das glaube ich nicht.

Live-Mitglieder?

Bisher hatten MOSE GIGANTICUS zweiundzwanzig Bandmitglieder, mich nicht mit eingerechnet. Die Band hinter MOSE GIGANTICUS ist eine rotierende Besetzung, die aus einem Pool von Musikern besteht. Live bestehen wir aus mir an Keyboards und Gesang, einem Schlagzeuger und einem oder zwei Gitarristen. Ich tausche Mitglieder aus, wenn die Tour mit der Planung des jeweiligen Musikers nicht mehr vereinbar ist. Manchmal importiere ich Musiker von einem anderen Teil des Landes, und packe sie mit auf die Tour. Ich hole sie nach Philadelphia und wir proben eine Woche bevor es los geht, mit einem frischen, neuen Line-Up.

Shows?

Her damit! Ich habe habe mein Leben so arrangiert, so viel wie möglich zu spielen. Die immer wechselnde Besetzung bedeutet, dass ich niemals „nein“ zu einer Show sagen muss, nur weil jemand arbeiten muss oder andere Pflichten hat. Diese Band ist mein Leben und Konzerte zu spielen mein Beruf.

Schweiß?

Ich schwitze eine Menge, wenn ich auftrete. Ich habe mein Keyboard schon ein paar mal kurzgeschlossen, weil Schweiß in die Platinen lief. Dreck und Schweiß sind in gleichem Maße Teil einer Tour, wie Essen und Schlafen.

Schlagzeug?

Ich spiele seit 15 Jahren Schlagzeug, und hinter einem Drumkit fühle ich mich immer noch am Wohlsten. Dennoch, inzwischen spiele ich nur noch ein paar mal im Jahr Drums. Und wenn ich mich schließlich hinter das Schlagzeug setze, formen sich all die Blasen und Schwielen wieder, die ich im Laufe des Jahres hinter dem Keyboard verloren habe. Da Drums auch meine primäre musikalische Begabung sind, bin ich sehr wählerisch bezüglich der Schlagzeuger für meine Band. Manchmal muss ich dabei meine ganze Kritik abschalten und akzeptieren, dass jeder Musiker einfach einen anderen Stil hat.

Roland AX-7?

Das AX-7 ist das Keyboard, das ich benutze, seitdem wir mit MOSE GIGANTICUS live spielen. Mein Verhältnis zu diesem Instrument hat einen bittersüßen Nachgeschmack, denn es ist das beste Keyboard, das ich bisher gefunden habe, für das was ich tue, aber es gibt so viele Bereiche, wo man es verbessern könnte. Ich liebe die Funktionalität und Form des AX-7, aber es ist nicht dafür gebaut, die Prügel auszuhalten, die ich ihm antue. Also brauche ich jedes Jahr ein neues Keytar. Von der ganzen Abnutzung auf Tour geht das Instrument manchmal einfach kaputt und bricht auseinander. Durch meine Ausbildung als Elektroingenieur kann ich die elektrischen Systeme selbst reparieren, aber das geht nur so lange, wie man noch etwas retten kann. Im Idealfall würde ich mit mich einem Instrumentenbauer zusammensetzen und eine Holzverkleidung für dieses Instrument bauen, dass es einfach besser geschützt vor Touren und Punk- und Metal-Konzerten ist.

Alaska und Yukon?

Unbeschreiblich schön. Great White North ist sowohl wörtlich, als auch im übertragenen Sinne ein anderer Teil der Welt. 2008 habe ich das ganze Jahr in meinem mit Pflanzenöl betriebenen Bus verbracht und bin bis nach Alaska getourt. Das war ein Meilenstein in meinem Leben, den ich niemals vergessen werde. Auf dem Weg durch das nördliche Kanada und nach Alaska gab es Abschnitte auf den Highways, wo ich in zwölf oder dreizehn Stunden Autofahrt vielleicht drei oder vier andere Autos gesehen habe. Die Erfahrungen, die ich auf dem Weg nach Alaska und wieder zurück gemacht habe, ließen dies zur sowohl schwierigsten, aber auch lohnenswertesten Tour werden, die ich jemals bestritten habe.

Die Bibel?

Ein Buch, das einige interessante Geschichten enthält, ein paar gute Lektionen in allgemeiner menschlicher Moral und ein paar andere Lektionen, um die guten Seiten wieder wett zu machen.

Techno?

Von der spezifischen Version als Tanzmusik, bin ich kein großer Fan. Aber wenn „Techno“ in einer breiteren Interpretation, als Synonym von „elektronischer Musik“ angewandt wird, öffnet das die Tür für mehr Möglichkeiten. Das Verwenden elektronischer Instrumente für Songwriting, ist ein natürlicher Teil in der Technologie von Musik. Aber natürlich, kein technischer Fortschritt den ich kenne, ist ein Ersatz für Talent und gut geschriebene Songs. Technologie kann helfen, Visionen schneller und mit weniger Ressourcen zu verwirklichen, aber diese Visionen müssen erst existieren, damit sie verwirklicht werden können.

MELVINS?

Ein Monster von einer Band. Ihre Ästhetik und die Heaviness ihres Sounds, war schon immer ein großer Einfluss für mich. Vor allem mag ich Buzz Osbornes Gesang. Etwas in seinen Texten und dem tiefen, melodischen Schreien, beschwört eine Prise Sarkasmus herauf. Wie eine Art dunkler Insiderwitz.

Hooklines?

Es gibt keine Formel für ein großartiges Hook, aber ich finde, das ist ein wichtiger Teil von gutem Songwriting. Im Idealfall hat ein Lied mehrere raffinierte Hooks, die dafür sorgen, dass man das Lied immer wieder hört, bis man es verstanden hat. Zu meiner Lieblingsmusik gehören Songs, die ich anfangs nicht wirklich verstehe, aber die etwas haben, so dass ich sie immer wieder höre. Nach vielen Durchläufen erhalte ich ein tieferes Verständnis für die Feinheiten des Stücks, bis es für mich zu einem Meisterwerk wird.

Gift Horse„?

Der Titel des Albums ist sowohl eine Referenz zu den vier Reitern der Apokalypse und dem Spruch: „Don´t look a gift horse in the mouth“, was bedeutet dankbar für ein Geschenk zu sein, und nicht dessen Mängel zu kritisieren. Im Kontext bedeutet dieser Titel, dass wir statt Angst vor dem Ende zu haben, seine Unabwendbarkeit akzeptieren und dankbar sein sollten.

Grand Finale?

Auf „Gift Horse“ wurde dem Abschlusssong „The Seventh Seal“ die Rolle für das Grand Finale zuteil. Da dieses Album so knapp und präzise ist, fühlte ich, dass es wichtig war, ein Gefühl der Erhabenheit und des Abschlusses zu haben. Wenn ich zum ersten Mal ein neues Album höre, mag ich es, einen Fluss in der Anordnung der Songreihenfolge zu hören. Wenn der letzte Song beginnt, will ich das fühlen können, ohne dass ich auf die Tracklist schaue. Ich möchte, dass der Hörer „Gift Horse“ als zusammenhängende künstlerische Darbietung sieht, und nicht als eine Sammlung individueller Songs.

BARONESS?

Auch BARONESS haben mich sehr inspiriert. Mit HULK SMASH haben wir vor Jahren mit BARONESS gespielt, als wir in Savannah unterwegs waren. Außerdem ist meiner meiner Gitarristen, Brooks Wilson, seit Jahren mit ihnen befreundet. Ich kenne sie als weitere Heavy Band, die im Underground mit ihren Touren und „Blue Record“ die kürzliche Vergrößerung ihres Erfolgs wirklich verdient hat. Das spricht Bände über ihre harte Arbeit und Leidenschaft für Musik. Sie sind ein tolles Beispiel für eine Band, die sehr hart gearbeitet und schließlich ihre Ziele erreicht hat. Ich hoffe ihrem Beispiel folgen zu können.

Songwriting?

Für mich ist gutes Songwriting eine Sammlung von sich gegenseitig ergänzenden Fähigkeiten. Manche Bands schreiben tolle Riffs, andere sind an ihren Instrumenten technisch sehr begabt. Wieder andere schreiben tolle Lyrics und manche decken ein interessantes Themengebiet ab. Gutes Songwriting ist so etwas wie ein Manager für alle diese Fähigkeiten. All diese Teilbereiche müssen kombiniert werden und bei jedem Song ist es individuell anders, was im Vordergrund steht, und was eventuell zurück stecken muss. Gutes Songwriting ist Teil von dem, was dem Lied seine Feinheiten verleiht, die den Hörer immer wieder kommen lassen. Ich höre Musiker über dieses Thema nicht oft sprechen, aber ich kann es in der Musik hören, wenn eine Band oder ein Künstler das Wechselspiel zwischen allen Elementen eines Songs versteht und seine oder ihre Stärken anwendet.

Gitarren?

Ich liebe sie, aber ich spiele sie nicht. Ich hatte schon vor Jahren Pläne, dieses Instrument zu lernen, aber bisher habe ich es noch nicht geschafft, damit anzufangen. Wenn ich Musik schreibe, denke ich an Gitarren-Riffs und Performance-Techniken, aber ich taste mich an diese Ideen auf dem Keyboard heran und übersetze sie dann mit Hilfe meiner befreundeten, talentierten Gitarristen auf die Gitarre. Mein Plan lautet immer noch, die Basics der Sechssaitigen zu lernen, so dass ich meine Ideen besser mit anderen Gitarristen kommunizieren kann, die begabter sind als ich. Wenn ich irgendwann angemessene Basisfähigkeiten habe, werde ich mein Können auch verfeinern.

Der Stromkrieg?

Tesla vs. Edison, AC vs. DC. Der Stromkrieg ist das Konzept, um das sich meine letzte EP „Commander!“ drehte. Die Geschichte dahinter ist, dass Tesla ein armes, junges Genie war, das für den alten, reichen Erfinder und Finanzmogul Edison arbeitete. Edison entwickelte Produkte die auf Gleichstrom oder direkten Strom liefen und wollte die Elektrizität für die Häuser durch direkten Strom erzeugen – eine einfache, aber unglaublich ineffiziente Methode. Tesla entwickelte eine komplexere und weit anspruchsvollere, aber viel effizientere Methode der Stromübertragung namens Wechselstrom, und erzählte Edison von seiner Idee. Dieser wandte vor lauter Prahlerei Tesla seinen Rücken zu und leugnete finanzielle Versprechen, die er ihm ursprünglich als Arbeitgeber gab. Demnach nötigte er Tesla geradezu, seine Methode des Wechselstroms unabhängig zu entwickeln. Als die Investoren herausfanden, welchen Nutzen AC gegenüber DC hatte, rief Edison eine teure und bewusste Schmierenkampagne gegen Tesla und den Wechselstrom ins Leben, um seinen finanziellen Anteil in Amerikas aufstrebener Elektroindustrie zu behalten. Ich rate jedem, den diese Geschichte interessiert, mehr darüber zu lesen. Es war ein faszinierender Kampf.

Gott?

In meiner realistischen Betrachtungsweise, glaube ich nicht, dass Gott existiert. Ich bin Atheist. Aber im übertragenen Sinne glaube ich, dass der Gedanke von Gott in jedem existieren kann, der den Gedanken an eine höhere Kraft braucht, um seinem Leben Sinn zu verleihen, oder es in Balance zu bringen. Als vereinheitlichte Theorie glaube ich, dass Gott für diejenigen existiert, die daran glauben, dass er existiert. Und davor habe ich Respekt.

Luzifer?

Wie vorher erwähnt, Luzifer oder Satan existiert für die, die etwas brauchen, das in Opposition zu Gott steht. Wer an eine Figur wie Gott glaubt, braucht ein Gebilde, welches die Dinge personifiziert, gegen die man kämpft. Das macht die Existenz von Satan für diese Leute essentiell. Aber viele, sogar die meisten Satanisten glauben nicht an einen „echten“ Teufel, stattdessen loben sie die Größe der Unabhängigkeit, die Satan gegen einen autoritären Gott repräsentiert.

Für welche Seite entscheidest du dich?

Ich wähle die Unabhängigkeit, welche mich in diesem Fall zu den Idealen von Luzifer angleicht. Aber da ich mich für Unabhängigkeit entscheide, bedeutet das, dass ich auf keiner Seite stehe, außer auf meiner eigenen.

Yin-yang?

Balance. Das ist von höchster Wichtigkeit. Das Konzept von Yin-Yang ist gegenwärtig im Judenchristentum, aber oftmals abgeschwächt und verworren. Es muss beides geben. Es gibt keinen Grund diese simple Regel unnötigerweise zu verkomplizieren.

Ökologie?

Das Studium der lebenden Dinge, aber oftmals verwendet um Umweltschutz oder Naturschutz zu beschreiben. Ich würde mich nicht als „Umweltschützer“ bezeichnen, aber ich interessiere mich für Effizienz und Nachhaltigkeit. Wir betreiben unseren Tourbus mit Pflanzenölabfällen als Treibstoff. Dadurch sind wir CO2-neutral und erhalten gratis Treibstoff. Der mit Pflanzenöl betriebene Tourbus ist der Hauptgrund, warum es mir möglich ist, Vollzeit zu touren.

USA?

Momentan nicht gerade in Bestform. Ich werde permanent von den Meinungen und der Wahl vieler Amerikaner verwirrt. Ich bin stolz auf einige Aspekte von Amerika als Land, aber ich bin nicht stolz darauf, mit dem Image von Amerika, wie es in der Welt heutzutage steht, assoziiert zu werden. Es scheint eine Kluft in diesem Land zu wachsen, sowohl politisch, als auch ökonomisch, ohne dass ein verträglicher Mittelweg in Sicht ist.

Vegetarismus?

Auch wenn ich selbst kein Vegetarier oder Veganer bin, hege ich Sympathien dafür. Tatsächlich habe ich eine tiefe psychische Abneigung gegen die Konsistenz und Beschaffenheit von Gemüse. Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Gemüse gegessen. Wenn ich das sage, passiert es immer, dass jemand, oder alle im Raum eine „Wie sieht es aus mit“-Liste voller Gemüse aufzählen. Was ist mit Karotten? Wie steht es mit Spargel? Und Tomaten? Die Antwort ist nein. Nichts davon. Ich esse Produkte, die aus Gemüse hergestellt werden, wie Ketchup. Aber wenn ich auf etwas beiße, das die Konsistenz von Gemüse hat, bin ich draußen. Ich esse Mais und Kartoffeln, aber darin ist Stärke enthalten. Dennoch versuche ich Fleisch von Säugetieren zu vermeiden. Ich ernähre mich von Geflügel, Getreide und Milchprodukten, aber ich kann und werde vegan und vegetarisch essen, wenn die Situation das fordert.

Snug Harbor?

Haha, der war gut! Snug Harbor ist der Name der Lachskonservenfabrik, in der ich fünf Wochen während unserer Alaska-Tour gearbeitet habe. Scheint so, als hättest du gut recherchiert. Als ich plante, diese Tour zu machen, dachte ich, es wäre gut etwas zusätzliches Geld auf dem halben Weg der Tour zu verdienen. Außerdem ist es ein einmaliges Abenteuer in einer Konservenfabrik zu arbeiten. Deshalb plante ich, dass unsere Tour während der Hochsaison nach Alaska kommen würde und rief ein paar Konservenfabriken an und versuchte uns Jobs zu besorgen. Die meisten Fabriken konnten uns keine Arbeitsplätze garantieren, aber wenn wir kommen würden, würde es höchstwahrscheinlich Arbeit für uns geben. So haben wir uns durchgemogelt. Wir spielten die Konzerte in Alaska, danach fuhren wir nach Snug Harbor in Kenai Peninsula. Wir wurden auf der Stelle eingestellt und verbrachten 18 bis 20 Stunden pro Tag am Fließband und schliefen anschließend im Tourbus auf dem Parkplatz der Fabrik. Die Arbeit war abstumpfend und die Bezahlung war nicht besonders gut, aber wir haben neue Freunde aus der ganzen Welt gefunden, hatten ein einmaliges Erlebnis und haben immerhin ein wenig Geld verdient.

Blut?

Wenn du auf die vorherige Frage anspielst, sei versichert: Es gab eine riesige Menge an Blut in der Konservenfabrik. Das ist ein Schlachthaus für Fische, überall waren abgetrennte Köpfe und Blut, Eingeweide stapelten sich. Das war ziemlich grausig. Wer in dieser Umgebung arbeitet, ist garantiert am Ende des Tages voller Fischteile.

Norden?

4500 Meilen, also 7240 km von zu Hause. So weit fuhren wir in den hohen Norden während unserer Alaska-Tour. In Berlin wäre ich näher an meinem zu Hause, als ich es in Kenai Pensisnsula war.

Vocoder?

Einfach gesagt, Roboter-Vocals. Ich habe es immer geliebt, Vocoder in Songs zu verwenden, aber meistens werden Vocoder als Gimmick in der Dance-Music verwendet, damit eine Nummer futuristisch wirkt. Ich wollte den Vocoder bei MOSE GIGANTICUS zentraler einsetzen und dadurch seine musikalischen Qualitäten aufzeigen.

Jamming?

Darauf stehe ich nicht besonders. Für mich impliziert das eine abweichende, richtungslose Improvisationsübung für Musiker. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich unter „Songwriting“ verstehe. Ich bevorzuge gut definierte, zielorientierte musikalische Aktivitäten.

Große Städte?

Große Städte, kleine Städte, ländliche Gebiete, alle haben ihre individuell attraktiven Charakteristiken. Für Musiker bergen große Städte die meisten Möglichkeiten, aber in Sachen Unabhängigkeit und persönlicher Freiheit sind ländliche Gegenden, meiner Erfahrung nach, weniger beschränkend.

Letzte Worte?

Danke für das Interview! Ich mag die offene, interpretive Form der Wortassoziation. Ich freue mich auf den Tag, wenn ich in Deutschland touren kann!