MARDUK: Satan liebt dich!

MARDUK: Satan liebt dich!

MARDUK melden sich pünktlich ein Jahre nach La Grande Danse Macabre mit ihrem neuen Album World Funeral zurück, und nachdem die Band einige bereits wirklich hervorragende Scheiben abgeliefert hat, versprach das Info (oftmals angefüllt mit Beweihräucherungen von Combos, die es nicht verdient haben) wirklich nicht zuviel.

In einem Interview mit Frontman Legion äußerte sich dieser zur neuen Scheibe, aber auch noch zu weiteren Themen, wobei aber gleich gesagt werden sollte, dass Die hard-Christen und Hardcore-Katholiken, die eh bereits unter Bluthochdruck leiden, sich vielleicht an dieser Stelle anderen Artikeln zuwenden sollten 😉

Auf dem Infoblatt der Plattenfirma waren nicht gerade viele Details zum Album, aber ich nehme mal an, Ihr habt World Funeral im Abyss Studio aufgenommen und wieder mit Peter Tägtgren gearbeitet…

Wir lieben das Abyss ganz einfach, deshalb gehen wir auch immer wieder dorthin. Es ist jetzt im Grunde genommen für andere Bands dicht gemacht worden, denn Peter möchte sich mehr auf seine eigene Musik konzentrieren, was ich absolut verstehen kann. Es muss sehr hart gewesen sein, 50 oder 60 Stunden in der Woche mit anderen Bands zu arbeiten. Außer uns produziert Peter noch mit IMMORTAL dort, alle anderen Bands werden abgelehnt, und wir sind froh, die Möglichkeit zu haben, mit ihm zu arbeiten. Das Studio ist fantastisch und Peter ist auf gewisse Art das fünfte MARDUK-Mitglied. Er weiß ganz genau, welchen Sound wir haben wollen, und wir könnten uns diesbezüglich keine bessere Situation vorstellen.

Auf La Grande Danse Macabre habt ihr mit Tommy Tägtgren, Peters Bruder, als Soundengineer gearbeitet, und nur den final mix mit Peter gemacht – war Tommy auch dieses Mal am Album beteiligt?

Nein, wir haben die ganze Zeit nur mit Peter gearbeitet. Aber auch unser Basser, Roger – B-War – übernimmt viel. Peter kam nur dann herein, wenn wir ihn brauchten, und Roger machte den Grossteil. Wir haben dieses Mal auch nur das große Studio benötigt. Das Abyss besteht alles in allem aus drei Studios, und bei La Grande Danse Macabre brauchten wir zwei Studios, aber jetzt waren wir nur in dem großen.

Ich habe gehört, Ihr habt dieses Mal längere Zeit im Studio gebraucht …?

(lacht) Ja, die Aufnahmen zu unseren letzten Aufnahmen verliefen ziemlich Punk-mäßig, rein ins Studio, und gleich wieder aus, so ungefähr jedenfalls. Für World Funeral haben wir aber einen guten Monat im Studio verbracht. Und wenn ich jetzt Zuhause sitze und mir die Alben anhöre, dann muss ich schon sagen, dass es da wirklich Unterschiede gibt. Bei den früheren Aufnahmen sind wir halt einfach ins Studio rein, haben die Songs eingespielt, und wenn sie gut klangen, haben wir sie so belassen. Jetzt haben wir uns aber sehr auf kleinere Details konzentriert, und das Mischen allein hat eineinhalb Wochen gedauert. Es ist schon anders, als wir es früher gemacht haben. Und es ist besser, es so zu machen.

Du hast die Details angesprochen – die beziehen sich meiner Ansicht nach vor allem auf die Gitarren. Habt Ihr im Vergleich zu früher mehr Spuren verwendet?

Nein, das nicht. Wir haben uns einfach mehr Zeit mit allem gelassen und uns auf Details konzentriert. Für das letzte Album habe ich beispielsweise vier Stunden für die Vocals benötigt, und jetzt haben wir uns dafür zweieinhalb Tage Zeit gelassen, was also über 20 Zeitstunden sind. Ich stand also die gesamte Zeit da und habe mir im wahrsten Sinne des Wortes tagelang die Kehle aus dem Hals geschrieen (lacht). Wir haben einfach den gesamten Arbeitsprozess verlangsamt und uns Zeit für alles genommen.

Ihr habt Euch aber auch eine Auszeit vor dem letzten Mix genommen – Glaubst Du, dass es wichtig ist, eine Distanz zum eigenen Material zu bekommen, bevor es fertig produziert wird?

Ja, es ist wichtig. Wir verfahren bereits seit einiger Zeit so, auch schon vor dem La Grande Danse Macabre-Album, weil wir uns immer beeilen mussten. Alle Touren waren bereits gebucht, und La Grande Danse Macabre war das erste Album auf dem eigenen Label (Blooddawn Productions ist Morgans Label – Anm. d. Verf.). Es war halt ein sehr großer Druck, der auf uns lastete, und wir mussten uns immer unheimlich beeilen. Aber auf allen anderen Alben, auf denen ich mitgewirkt habe, hatten wir uns eine Auszeit genommen, bevor wir das letzte Mal ins Studio gegangen sind. Und es ist das beste, was man machen kann, denn im Studio wird man in gewisser Hinsicht wirklich wahnsinnig. Man muss sich die gleichen zehn Sekunden eines Stücks zwanzig Mal anhören. ’Ich habe dies und das geändert – was meinst Du dazu?’. Nachher weiß man einfach nicht mehr, was gut oder schlecht klingt. Es ist also besser, eine Pause einzulegen.

Stücke wie ”Bleached Bones” und in gewisser Hinsicht auch To The Death’s Head True”, also die etwas langsameren Songs, vermitteln eine andere Art der Intensität, weil Ihr Euch hier – meiner Ansicht nach – mehr auf die Atmosphäre der Stücke konzentriert und eingelassen habt…

Ich weiß nicht, darüber habe ich so genau noch gar nicht nachgedacht. Wir hatten uns für dieses Album vorgenommen, die Stücke zu schreiben, die wir schreiben wollten, während wir auf den letzten drei Alben immer zuerst Konzepte als Grundlage hatten, und basierend auf diesen schrieben wir dann die Tracks. Bei World Funeral dachten wir einfach: ‘Egal, lasst uns einfach anfangen’, und wir nahmen die Songs auf, die wir gut fanden. Ich weiß es nicht genau. Wir verfahren nicht wirklich geplant, wir legen einfach los, und alles, was in unseren Ohren gut klingt, behalten wir und nehmen wir auf.

Das Intro des Albums ist ein Sample aus dem Film Der Name der Rose – warum habt Ihr das verwendet und wer kam auf die Idee? Ging es um die Aussage (’Because you were inspired by the devil? – ‘Yeah, that’s it, inspired by the devil. I am inspired by the devil!’) oder doch auch darum, gerade aus diesem Film etwas zu verwenden?

Der Film ist einfach fantastisch, ich liebe ihn. Wir fanden es einfach cool, diesen Teil des Filmes zu verwenden. Ich weiß gar nicht mehr, wann diese Idee entstand, weil es schon sehr lange her ist, und jetzt brachte irgendjemand diese Idee wieder auf. Wir fanden es wirklich toll, etwas von diesem Film zu verwenden, den Teil, in dem der Mönch von Leuten der Inquisition befragt wird, und er einfach: ‚F*** you’ sagt, er gibt nichts auf diese Autoritäten, und das spiegelt so ziemlich genau das wider, wie wir sind.

Was fandest Du besonders interessant an diesem Film?

Im Grunde genommen, weil er einfach so absurd ist (lacht). Sean Connory wandert herum und verteilt seine Weisheiten nach rechts und nach links, und der restliche Teil der Personen besteht aus heuchlerischen Typen, die alle etwas zu verstecken haben, die alle bizarr sind. Normalerweise interessiere ich mich nicht so sehr für diese Storys, in denen es primär darum geht, wer jetzt genau wen aus welchen Gründen umgebracht hat, aber dieser Film hat irgendetwas Großartiges.

Der Film stellt auf übertriebene Art und Weise die Heuchelei der Katholischen Kirche dar, und diese Übertreibung ist meistens nötig, um diesen Aspekt hervorzuheben…

Ja, definitiv. Der ganze Film stellt die Katholische Kirche in einer Nussschale dar. Diese Szene, in der die Mönche zusammensitzen und darüber reden, dass sie eigentlich nur arm sein wollen, und wo dieser Priester sagt: ’Es ist allgemein bekannt, dass Jesus eine Brieftasche hatte’, und alle flippen total aus (lachend). Und das ist genau das, worum es bei der Katholischen Kirche geht, nämlich die Leute über den Tisch zu ziehen, und sie danach zum Schweigen zu bringen. Und sie versuchen stets, die Wahrheit zu vertuschen, weil sie nicht wollen, dass jemand sie erfährt. Ja, es ist sicherlich so, dass der Film alles in einer Form wiedergibt.

Wie zum Beispiel diese Bibliothek, in der sie das ganze Wissen verstecken, was der Vatikan ja im Großformat betreibt mit dieser riesengroßen Bibliothek, in der das ganze Wissen der Menschheit steht, sehr, sehr viele Schriften, die irgendwo auf der Welt gefunden wurden, nur leider nicht erforscht werden dürfen…

Genau, ganz genau, sie wollen nicht, dass die Leute es erfahren, weil es schlecht fürs Geschäft wäre.

Seit dem vergangenen Jahr habt Ihr einen neuen Schlagzeuger, Emil Dragutinovic, und World Funeral ist das erste Album, was er mit Euch aufgenommen hat. Jeder Lineup-Wechsel hat Auswirkungen auf die Arbeitsweise, die Chemie in der Band – welchen Einfluss hat oder hatte er auf die Band?

Ja, es ist schon eine große Umstellung, und plötzlich ist es so verdammt einfach zu arbeiten (lacht). Jetzt macht es wieder Spaß, während es in den vergangenen Jahren teilweise schon ziemlich schwer war, also von diesem Standpunkt aus gesehen ist es schon besser. Wir haben ihn eigentlich eher zufällig gefunden. Morgan und Roger haben noch eine weitere Band, DEVIL’S WHOREHOUSE – sie spielen eine Art Horror-Punk, ähnlich wie früher SAMHAIN – und sie spielten eine Halloween-Show in unserer Heimatstadt (Norrköping – Anm. d. Verf.). Emil spielte mit seiner Band als Opening Act. Und er, dieser kleine Junge, ging einfach mit seiner völlig unbekannten Demo-Band auf die Bühne und spielte wie ein junger Pete Sandoval, und wir dachten alle nur: ’Okay, alles klar’ (lacht). Wir lernten ihn dann etwas besser kennen, luden ihn zu einer Audition ein, und das war es dann. Er ist ziemlich unbeschwert und das gefällt mir sehr an ihm, und er ist vor allem ein richtiger Musiker. Fredrik (Andersson) war eher wie ein Schlagzeuger im Punk-Stil, er spielte schnell und hart, aber Emil spielt auch Klavier und Gitarre. Er ist ein Vollblutmusiker, er zeigt Entschlossenheit, während Fredrik dies in den letzten Jahren vermissen lies. Er wurde mürrisch, arrogant, faul, und es wurde immer schwerer, mit ihm auszukommen. Emils Ziel hingegen war es immer, ein professioneller Musiker zu werden. Und er ist so ambitioniert, dass es für uns teilweise stressig ist (lacht). Das erste, was wir gemacht haben, war, ihm ein D-Drumkit zu kaufen, das wir in seiner Wohnung stellten, und bauten sein Schlagzeug in unserem Proberaum auf. Jetzt sitzt er also die ganze Zeit zu Hause und spielt ständig Schlagzeug zu High Tech-Death Metal-Scheiben, und dann kommt er in den Proberaum und spielt weiter. Er ist sehr gut und er ist entschlossen, den Leuten einen musikalischen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen.

Viele Bands sagen, dass es im Grunde nur zwei Arten von Schlagzeugern gibt – diejenigen, die nur ihren Job machen, und die anderen, die mehrere Instrumente spielen und sich am Songwriting beteiligen, und das jeweils nur in extremer Form …

(lacht) Wir sagen immer, dass Schlagzeuger von einem anderen Planeten kommen müssen, weil sie echt eine Gruppe für sich bilden, und wenn sie sich über dieses Statement beschweren, dann nur deshalb, weil sie selbst Schlagzeuger sind und sie den Unterschied gar nicht erkennen, eben weil sie Schlagzeuger sind. Tja, Schlagzeuger sind schon ein Völkchen für sich. Aber Emil beteiligt sich auch an den Stücken und schrieb auch einige Riffs für das neue Album, er arrangiert Tracks etc., er arbeitet wirklich hart.

Ihr werdet vor der Veröffentlichung des Albums eine Single rausbringen, für die Ihr The Hearse ausgesucht habt. Das Cover dazu sieht schon ziemlich ungewöhnlich aus…

Wir wollten dem ganzen einen surrealen, bizarren Touch verleihen. Und natürlich basiert der Song auf den Phantasm-Filmen, deshalb wollten wir etwas für das Cover, das mit einem großen Mann zu tun hat. Das war auch der Grund, warum wie dieses Mal das POSSESSED-Stück gecovert haben. Das wollten wir schon seit ewiger Zeit tun. Ich wollte allerdings immer einen Song von Seven Churches nehmen. Aber Beyond The Gates” ist natürlich auch eine großartige Scheibe. Es ist so ein perverses Album, nekrophil bis zum geht nicht mehr, es hat einfach den Geruch des Todes an sich (lacht). Als es dann um The Hearse als Single ging, dachten wir an Phantasm, der POSSESSED-Song, in dem es um den gleichnamigen Film geht. Alles in allem ist es also eine Art Phantasm-Paket geworden, das war im Grunde die Idee, die dahinter steckte.

Ja, der Typ auf dem Cover sieht schon ziemlich krank aus (lacht)…

(lachend) Ja, sicher! Ich liebe diesen Charakter. Er sagt eigentlich gar nichts in dem Film, er ist nur böse (lacht). Er ist ein echt gruseliger Typ, und den ganzen Film über stiehlt er nur Särge und haut mit ihnen in seinem Leichenwagen ab. Großartig!

Ja, ich denke, dass solche Filmcharaktere eigentlich genau dadurch interessant sind, dass nicht greifbar sind, weil die den ganzen Film über nicht reden, nicht wirklich erscheinen, aber immer präsent sind, wie Stephen Kings Es…

… ja, oder Michael Myers, die Halloween-Filme. Er ist nur eine Maschine und das ist das, was die Leute erschreckt.

Aber noch mal zurück zur Single – warum habt Ihr einen POSSESSED-Song ausgesucht? Ist es ein Tribut an die Band?

Ja, sicher, sie sind seit ewigen Zeiten keine bedeutende Band mehr, weil sie sich so früh aufgelöst haben. Aber diese Band war eine der ersten wirklich brutalen Gruppen, die uns beeinflusst haben, SLAYER, EXODUS und ähnliche andere natürlich auch. Die beiden Alben, die POSSESSED veröffentlicht haben, sind einfach unglaublich. Seven Churches ist eines der wenigen Alben, die du dir heute noch anhören kannst und die Stücke klingen immer noch unheimlich frisch, genau wie zu dem Zeitpunkt, als ich sie das erste Mal hörte. Das ist auch bei Reign In Blood und Altars Of Madness der Fall. Es gibt wirklich nur sehr wenige Metal-Alben, die genau diese Qualitäten besitzen, aber Seven Churches ist definitiv eine davon. Wie gesagt, wir wollten schon ist geraumer Zeit ein POSSESSED-Stück covern. Es ist schon eine Art und Weise, der Band gewissermaßen Respekt zu zollen, denn POSSESSED waren definitiv eine der frühen Einflüsse für MARDUK.

POSSESSED war sicherlich eine der Bands, die sehr, sehr viele nachkommende Gruppen beeinflusst haben, aber ich bin mir sicher, dass eine Großzahl Eurer ganz jungen Fans noch nie von POSSESSED gehört haben. Ich denke, die Band ist ein gutes Beispiel dafür, dass viele Kids die alten Kult-Bands gar nicht mehr kennen …

Ja, das passiert mit so vielen Bands, die es einfach nicht schaffen, lange genug durchzuhalten. Und gerade POSSESSED haben aus einem solch dummen Grund aufgegeben, sie änderten ihren Stil und mutierten zu Christen und was weiß ich noch alles. Sicher erreicht man dann keine jüngeren Generation mehr, wenn man so früh aufhört wie sie, definitiv.

Ihr plant gerade Promo-Videos für zwei Songs, bis jetzt habt ihr ja nur Live-Videos gemacht – was plant Ihr genau? Irgendwelche fernsehtauglichen Videos?

(lacht) Wenn wir ganz viel Glück haben, werden sie auch mal im Fernsehen gezeigt werden. Es sollen zwei ‚normale’ Promo-Videos werden, aber voraussichtlich werden sie keinen großen Aufwand erfordern oder irgendeine Storyline haben. Die Songs werden The Hearse und World Funeral sein und wir werden einfach sehen, ob irgendein Sender den Mut hat, sie zu spielen. Man weiß ja nie. Aber wir werden einfach schauen, was wir damit machen können. Für die Promotion ist es aber auf jeden Fall eine gute Sache. Wir werden sie definitiv als eine Art Bonus für die demnächst erscheinende DVD verwenden. Wir hatten schon so viele Videos geplant, aber aus irgendwelchen Gründen hat es nie geklappt, sie zu machen, entweder hatten wir keine Zeit oder andere Planungen stimmten nicht – irgendwas kam immer dazwischen. Aber wir fanden, es war jetzt wirklich Zeit, das einmal richtig anzugehen. Dennoch denke ich nicht, dass es uns so viel bringen wird, denn wir spielen ein Stil, der von den großen TV-Sendern nicht gerade wertgeschätzt wird (lacht). Es wird aber trotzdem cool werden.

Lohnt es sich eigentlich überhaupt noch, Videos zu machen? Denn Metal-Sendungen im TV gibt es ja eigentlich gar nicht mehr…

Tja, hier in Schweden gibt es noch so etwas, eine Sendung, die zweimal in der Woche ausgestrahlt wird, und die wird unsere Videos wahrscheinlich sogar senden. Hier und da wird schon noch Metal im Fernsehen gezeigt, aber man kann Videos auch zum Downloaden ins Internet stellen, etc., es gibt diverse Möglichkeiten. Aber für uns lohnt es sich natürlich nicht in dem Masse, wie dann, wenn wir eine Rock-Band wären, dann ist man mehr oder weniger sogar gezwungen, Videos zu machen, sonst geht man völlig unter und verschwindet unter den Millionen von anderen Bands, die es gibt. Es wird nicht sonderlich effektiv sein, aber es ist cool, etwas Derartiges anzugehen und auszuprobieren, was wir damit machen können. Jede Erfahrung, egal, ob gut oder schlecht, ist okay, man lernt daraus.

Du hast die DVD schon angesprochen, die Ihr jetzt machen wollt – im Grunde kommt keine Metal-Band mehr daran vorbei, eine zu machen – siehst Du es mittlerweile als Ersatz für die fehlende TV-Präsenz, unter der ja die ganze Metal-Szene zu leiden hat?

Ja, sicher, die DVD ist unsere Weise, um dieses Ganze herumzukommen. Es ist schon eine Art: ’F*** you’ an alle, die daran beteiligt sind, weil wir es so trotz der ganzen Umstände schaffen, in die Wohnzimmer der Kids zu kommen. Es betrifft sicherlich jede Musikrichtung, die als alternativ zu bezeichnen ist – man muss einfach mehr touren, man muss mehr tun, um präsent zu sein. Und natürlich ist eine DVD eine Art, dies zu gewährleisten, sicherlich. Es ist vor allem auch eine gute Sache für Leute, die keine Möglichkeit haben, zu unseren Konzerten zu kommen und um dann trotzdem eine gute Live-Show zu sehen. Oder vielleicht auch zwei. Wir planen gerade zwei Konzerte mit verschiedenen Setlists, so dass wir hoffentlich 20 Songs nehmen können, plus verschiedene Bonus-Sachen, besondere Features, etc. Gerade für diese Leute, die keine Möglichkeit haben, unsere Konzerte zu besuchen, ist es, denke ich, eine wirklich gute Sache.

Der Titel des Albums ist World Funeral – was steckt denn dahinter?

Zunächst einmal ist World Funeral als Titel sehr auffällig, es schlägt ein, und man kann dem kaum noch etwas hinzufügen. Ein Titel sollte immer auffallend sein. Abgesehen vom letzten Album hatten wir eigentlich immer kurze, prägnante Titel für die Alben. Im Song World Funeral selbst geht es um den Schwarzen Tod, die Pest im dunklen Zeitalter, aber natürlich alles aus MARDUK-Sicht gesehen. Ich habe den Text aus der Sicht des Schwarzen Todes geschrieben, ’ich bin der Schwarze Tod und bewege mich von Ecke zu Ecke auf der ganzen Welt und töte alles, was meinen Weg kreuzt’. Es hatte im Vorfeld mehrere Vorschläge für den Titel gegeben, aber letztlich einigten wir und alle auf eben diesen. Wir fanden ihn alle gut. Im Grunde bezieht er sich auf die christliche Prophezeiung, die ich natürlich auseinandergenommen und umgeschrieben habe. Er klingt jedenfalls besser als irgendein anderes Ding (macht seltsame Geräusche, die sich wohl auf Pudel-Rock-Mucke beziehen – Anm. d. Verf.)

Mir ist zu Ohren gekommen, dass Ihr den Arbeitstitel Vernichtungskrieg hattet…?

(lacht) Ja, aber dieser war von Beginn an nicht als endgültiger Titel gedacht, weil uns dann alle gesagt hätten, wir sollten uns das Album sonst wohin schieben. Niemand hätte das Album unter diesem Titel irgendwo verkauft. Wir hätten definitiv in vielen Ländern ziemlichen Ärger bekommen. Wir haben ein Stück geschrieben, welches aber nicht fertig ist, sondern im Studio erst mal beiseite gelegt wurde. Dieses trug diesen Titel, mehr eigentlich nicht. (lacht) Aber das hätte ich gerne gesehen. Wenn ich könnte, würde ich gerne in der Zeit zurückreisen und dieses Titel erst einmal nehmen und schauen, was passiert. Und wenn sie sich dann alle genug aufgeregt hätten, würden wir mit dem richtigen Titel rausrücken. Aber es ist immer das gleiche, wenn man heikle Themen anspricht, ’das ist aber so und so, das muss ich sagen, weil jeder so denkt’. Es wird erwartet, dass man sich dem anpasst. Vor kurzem habe ich in Paris ein Interview mit einem großen französischen Fernsehsender gemacht, und die hatten überhaupt keine Ahnung von der Band, was wir eigentlich machen, wer wir sind, etc. Und sie wollten sich unbedingt mit mir über Zensur unterhalten. Natürlich sagte ich ihnen, dass es ungeheuerlich sei, Kunst zu zensieren, dass sich Künstler für ihre Kunst entschuldigen müssen. Aber es ist doch so oft so gewesen, dass gerade die Künstler, die am meisten unter der Zensur zu leiden hatten, hundert Jahre später die größte Wertschätzung erfahren und die Leute scheinheilig behaupten: ‚Meine Güte, wie konnte man damals so etwas zensieren’, sie wiederum zensieren aber gleichzeitig zeitgenössische Künstler. Ich meine damit nicht, dass wir in hundert Jahren noch irgendwie erwähnt werden. Aber schau Dir beispielsweise Marquis de Sade an – er wird jetzt abgefeiert.

Jedenfalls fragten diese Fernsehmenschen mich nach diversen Themen wie Selbstmord, und ich sagte ihnen, dass jedes Elternteil, dass die Schuld dafür auf jemand anderen abladen möchte, auf die Schultern irgendeines Künstlers oder einer Band abladen möchte, dass diese totale Idioten sind, die sich nicht einmal als Eltern bezeichnen können, weil sie im Grunde nur Abschaum sind. Jedenfalls ging es die gesamte Zeit um solche Themen, und irgendwann bekamen wir dann das, was sie daraus gemacht hatten, in die Finger (lacht). Sie haben einfach kurze Auszüge genommen und ohne den Zusammenhang, in dem dies gesagt wurde, ausgestrahlt, und ich kam halt wie der absolut blöde Faschist rüber (lacht). Und Freunde von uns meinten halt: ‚Was zum Henker ist das denn?!’ Es ist wirklich bizarr zu sehen, wie die Medien versuchen, dich niederzumachen, sobald du etwas sagst, was ihnen nicht passt.

Aber es ist die absolute Wahrheit – es gibt keine Eltern, die sich die Schuld für den Selbstmord ihres Kindes anlasten, doch nur sie und die Familie sind dafür verantwortlich, sonst gar keiner…

Ja, sicher, aber es läuft immer nach dem gleiche Schema ab. Sie schluchzen, sie klopfen sich gegenseitig auf die Schultern: ’Ihr Armen. Wenn Ihr aber vor Gericht das ganze Geld aus irgendeinem Künstler raussaugen könnt, dann macht das ruhig. Wir mögen diese Typen eh nicht’. Es ist echt seltsam.

Und es ist immer noch ein Problem, vor allem mit den ganzen Prozessen in den USA…

Ja, absolut, aber in den USA achten sie immer noch das Recht auf freie Meinungsäußerung, während es hier schon etwas schlimmer ist. In Schweden heißt es immer: ’Wir sind ja ach so frei, bodenständig’ – die Medien und die Politik proklamieren dies ständig – ’wir sind ja ach so aufgeschlossen, nett, ruhig und verständnisvoller als alle anderen auf diesem Planeten’ – du bist aber nur frei, solange du das denkst, was du denken sollst, also herrscht diese ‚Schafmentalität’ vor: ’Bleib ja in der Reihe stehen und scher nicht aus’. Totaler Bullshit, es ist ein absolut korruptes System.

Ein ziemlich bekannter Satanist hat kürzlich gesagt, dass das, wie mit Satanisten umgegangen wird, einer modernen Hexenjagd gleicht, weil Satanisten so ziemlich für alles verantwortlich gemacht werden. Bands wie DARK FUNERAL beispielsweise hatten bereits so viele Schwierigkeiten mit den schwedischen Behörden, und in Schweden würde man Derartiges eigentlich nicht erwarten – würdest Du es auch als eine Art Hexenjagd bezeichnen?

Ja, auf gewisse Art und Weise ist es das. Die Leute suchen immer nach etwas, was sie sofort als ‚böse’ kategorisieren können, weil es ihnen ihre Mami gesagt hat. Persönlich hatten wir diese Schwierigkeiten in Schweden bisher noch nicht. Ich weiß, dass Morgan und ich beim schwedischen Geheimdienst registriert sind, aber aus anderen Gründen, es hat nichts mit Satanismus zu tun. Aber das ist mir ziemlich egal. Sollen sie mich doch irgendwo registrieren, für mich macht es keinen Unterschied. Aber ansonsten hatten wir bisher keine Schwierigkeiten gehabt. Generell aber gibt es diese Tendenzen natürlich schon. Satanismus wird oftmals verantwortlich gemacht für Dinge, die passieren. Es ist schon seltsam. Vielleicht ändern sich die Dinge im Laufe der Jahre eben doch nicht so schnell, wie jeder gerne glauben würde

Das Problem ist, dass nicht wirklich differenziert wird. Es wird nicht einmal zwischen offiziellen satanistischen Organisationen, die legal sind, und kleinen Sekten unterschieden, und das ist das eigentliche Problem…

Ja, sicher, und die ständige Bezugnahme auf Satanismus, wenn es um ein unangenehmes Thema geht. Zum Beispiel, wenn Du Dir den einzigen Serienmörder anschaust, den Schweden je hatte – ich bin mir sicher, dass er bei den Wahlen für eine der etablierten Parteien gestimmt hat, aber davon hörst du nichts. Es wird berichtet, dass er 30 Morde begangen hat, oder 30 Morde zugegeben hat – man weiß nicht, ob er diese wirklich begangen hat oder ob das, was er sagt, in keinem Verhältnis zu den eigentlichen Taten steht, weil er einfach wahnsinnig ist – aber wie auch immer, du wirst niemals lesen: ’Der Typ, der zugab, 30 Morde begangen zu haben, wählte die Liberale Partei’ – das wirst du niemals zu lesen bekommen. Wenn er aber mit einem Antikreuz durch die Gegend lief, dann wird daraus eine große Schlagzeile gemacht, damit sie die Auflage der Zeitungen steigern können. Aber damit muss man rechnen, wenn man sich anschaut, wie bizarr die Menschheit ist. Alles, wovor sich Leute fürchten, wird tendenziell unverhältnismäßig aufgemacht, aber das ist nichts Neues. Aber was willst du erwarten? 99% der Menschen sind eh unglaubliche Arschlöcher, also ist es für mich nicht sonderlich schockierend, wenn Leute wegen mir ausrasten.

Das Thema ‚Tod’ taucht ständig in Euren Texten auf, und gerade dieses Thema ist in unseren Breitengraden ziemlich tabuisiert. Leute haben Angst vor dem Tod, und so wird dieser Sachverhalt unterdrückt, obwohl der Tod unausweichlich ist. Warum beschäftigt Ihr Euch gerade mit diesem Thema so intensiv?

Ich weiß nicht, vielleicht weil der Tod unausweichlich ist. (Lacht) Ich muss Dir sagen, manchmal sitze ich wirklich da und denke: ’Meine Güte, was machen wir da eigentlich?’ (lacht). Ich weiß es nicht, vielleicht romantisieren wir einfach das Schicksal. Alles, was absolut intensiv, verrückt, seltsam und absonderlich ist, darauf stürzen wir uns, und Morgan und ich mutieren dann zu kleinen Kindern: ’Damit müssen wir uns näher beschäftigen, darüber müssen wir uns Bücher besorgen’. Es ist eine Faszination für solche Dinge. Aber es ist genau wie Du sagst: Das Thema an sich ist erschreckend, und aus diesem Grund wollen die Menschen ein Buch und eine organisierte Religion, die ihnen die ewige Glückseligkeit zusichert, und diese Organisationen werden dadurch reich, weil sie die Leute finanziell aussaugen können. Und es soll verschwiegen behandelt werden, was ziemlich ärgerlich ist. Aber es ist an sich eine seltsame Sache. In Schweden beispielsweise waren die Leichenwagen früher schwarz, und jetzt haben sie dunkelblaue, und dann setzen die Leute diese Scheißtauben auf die Grabsteine – was zum Henker soll das denn? Sie sollten Dinge verwenden, die wirklich den Tod repräsentieren. Wenn nette Symbole mit dem Tod in Verbindung gebracht werden, dann müssten die negativen Symbole für das Leben stehen. Es ist schon seltsam. In Schweden gibt es eine Industrial-Band namens MZ 412, die einen Song veröffentlicht haben, in dem immer wieder deutsche Zeilen wiederholt werden, mit ziemlich seltsam und boshaft klingenden Geräuschen im Hintergrund. Und der Text besagt: ‚Wenn Weiß die Farbe des Todes ist, dann ist Schwarz die Farbe des Lebens’, und das war eine ziemlich gute Aussage. Jedenfalls fällt es Leuten schwer, sich mit dem Thema der Sterblichkeit auseinander zu setzen.

Durch diese permanente Auseinandersetzung mit diesem Thema – hat das Eure Einstellung zum Tod verändert? Kann man zu einem gewissen Grad vielleicht sogar die Angst, die andere Leute vor dem Tod haben, überwinden, indem man es sich intensiv vor Augen führt?

Ich denke, dass jede Erfahrung dich in gewisser Weise formt, sicherlich. Es ist zum Beispiel so, wenn wir in Flugzeugen sitzen und man in diese Luftlöcher kommt, in denen das Flugzeug dann hundert Meter abfällt – wir sitzen dann dort, schauen und an und lachen: ’Okay, Jungs, das war’s dann wohl!’ (lacht) Aber vielleicht ist das gar nicht mal so schlecht, einfach zu verbrennen. Sieh Dir Jim Morrison an – er hat nur 27 Jahre gelebt, aber schau Dir an, was er erreicht hat und was er hinterließ, wer er war und was er immer sein wird. Ich wäre lieber so wie er als irgendein steinalter, verrunzelter Kerl, der sein Leben lang in irgendeiner Fabrik gearbeitet hat, mit einer Karre, einem Hund und einer alten, fetten Frau, und man macht nichts anderes als fernzusehen. Wenn es Zeit ist zu gehen, dann ist es einfach so. Aber solange Du jeden Tag wirklich lebst, ist es okay. Ich möchte nur die Zeit haben, das zu machen, was ich machen muss, und dann werde ich mit einem Lachen ins Grab springen. Nichts weiter. Jeder Tag, den man verschwendet, an dem man nichts macht, und das Leben draußen am Fenster vorbeiziehen sieht, ist Verschwendung. Ich werde meine Zeit nicht mit irgendwelchen alltäglichen Dingen verschwenden. Aber warum sollte ich jammern, wenn ich sterben muss? Es wird so oder so passieren. Und dem sollte man sich stellen.

Bei den meisten sieht es schon anders aus – sie heiraten, bekommen Kinder, damit ihre Gene weitergegeben werden, sichern ihre Rente ab, übernehmen Verantwortung – das ist das, worum sich das Leben der meisten Menschen dreht…

Genau, und sie haben das Gefühl, Kontrolle über alles zu besitzen, und Demokratie vermittelt dir das Gefühl, Macht zu haben und dass deine Stimme wirklich zählt und einen Unterschied macht, dass es Stabilität gibt. Und dann gibt es eben den Tod, der auf dich zurast, den du aber gar nicht kontrollieren kannst, und ich denke, dass das den Leuten eine höllische Angst einjagt. Egal, wie es kommt – vielleicht sterbe ich morgen, vielleicht werde ich auch ein total verrunzelter, alter Kerl – man weiß es nicht. Aber ich werde versuchen, so zu leben, dass ich nicht mit Bedauern oder frustriert zurückschaue auf etwas, was ich verpasst habe. Darauf konzentriere ich mich.

(Lachend) Dann können wir von Dir ja keine Ausraster im Rahmen einer üblichen Midlifecrisis erwarten?

(Lachend) Das sehen wir dann, wenn es soweit ist!

Einer Eurer Songs heißt Castrum Doloris, was im Deutschen so viel heißt wie ‚das Lager des Schmerzes’ – worum geht’s hier?

Der Titel bezieht sich auf etwas, das es im alten Schweden gab, wenn Adlige gestorben sind. Sie bahrten sie in einem offenen Sarg auf in einem Raum, der komplett schwarz war, und die Familie konnte dort in Ruhe Abschied nehmen, einen Schlusspunkt setzten, bevor sie ihr Leben weiterführten. Das Stück selbst ist ein Coversong eines sehr bekannten Mannes, Schwedens erstem Rockstar sozusagen (lacht). Karl Mikael Bellman, er lebte Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts (genau: 1740-1795). Er und seine Kumpels waren so ziemlich das Schlimmste, was es in der Zeit gab. Sie verloren ihre Geschäfte und stürzten total ab, nur um sich jeden Abend die Kante zu verpassen und Frauen flachzulegen. All seine Lieder sind sehr fatalistisch, und er singt im Grunde genommen nur über Tod und Alkohol, etwa: ’Oh, schau Dir das an, da liegt einer meiner Freunde tot neben mir, er ist gerade an Lungenentzündung gestorben, aber wen kümmert’s: Das Grab ist tief, genau wie meine Kehle – prost!’ Das ist beispielsweise das, worum es in seinen Liedern geht. Und das Stück, was wir verwendeten, handelt von einer seiner Freundinnen, die an übersteigertem Alkoholkonsum gestorben ist. Sie ist gerade beerdigt worden und er sitzt an ihrem Grab, während er das Stück komponierte, und es ist eigentlich an ihren Ehemann gerichtet, eben als Aufmunterung an seinen Freund. So dachten wir, dass der Titel gut zu diesem Stück passen würde. Eigentlich heißt es Epistel 81, aber Castrum Doloris passt sehr gut. Die Lyrics finde ich ganz gut. Ich habe versucht, sie aus dem Schwedischen in modernes Englisch zu übersetzten. Ich habe den Inhalt übernommen und die Reime ebenfalls beibehalten, worauf ich ziemlich stolz bin, denn dafür habe ich einen ganzen Monat gebraucht (lacht). Es war echt schwierig, weil es ein altschwedischer Text ist mit vielen Wörtern, die heute nicht mehr in der Form verwendet werden, und sie reimen sich, z.B. Zeilen 1 und 3, 2 und 4, und dann wieder 5, 6 und 7. Aber ich glaube, ich habe das ganz gut hinbekommen. (Interessierte können es nachlesen unter: http://www.lysator.liu.se/runeberg/fredepis/81.html).

Unterscheidet sich Altschwedisch sehr vom modernen Schwedisch?

Nicht sehr. Es gibt allerdings viele Wörter, die im heutigen Kontext etwas seltsam klingen, und die Aussprache unterscheidet sich auch etwas. Es sind keine gravierenden Unterschiede, aber anfangs bin ich manchmal echt ausgeflippt, so ’Was soll der Scheiß denn?!’ (lacht)

Eure Vorliebe für Geschichte, schwedische und allgemein, ist ja hinlänglich bekannt, aber Ihr habt auch immer wieder lateinische Titel für Songs verwendet – interessiert sich einer in der Band besonders für diese Sprache?

Nein. Aber die Sprache klingt gut und eignet sich besonders für Sachen, die du irgendwie betonen willst. Es ist eine alte Sprache, und wenn du sie für etwas verwendest, verleihst du dieser Sache damit irgendwie einen Hauch des Mysteriösen, einen Hauch von antiker Weisheit. Mit Latein kann man nichts falsch machen. Aber wir verwenden Sachen von überall. Solange wir diese Sachen in eine interessante Mischung bringen können, die MARDUK repräsentiert, ist es okay.

(Lachend) Beim letzten Interview erzählte Morgan andauernd von Ars Moriendi, ’memento mori’, etc, und ich dachte: ’Oh je, jetzt hat er angefangen, Latein zu studieren…’

(lachend) Ja, genau, das wär’s. Nein, aber es macht Spaß, interessante Dinge von hier oder dort zu verwenden. Wir haben das immer gemacht und es entspricht auch unserer privaten Philosophie. Mir macht es nichts aus, Zitate, Ideale, Werte oder Ideen von irgendwoher zu nehmen, solange sie etwas bedeuten und du hundertprozentig hinter ihnen stehst. Man wird von so vielen Dingen inspiriert, und man muss die Möglichkeiten, die sich durch diese Inspirationen ergeben, umarmen, und dann entwickelt man sich auch weiter, wird stärker, hoffentlich (lacht), was auch immer.

Bezieht sich Bloodletting auf diese mittelalterliche Prozedur?

Ja, der Text handelt ausschließlich von Blutverlust und wir fanden, dass das der absolut passende Titel dafür ist (lacht). Die Geschichte dahinter ist, dass wir ein Angebot aus den USA bekamen, einen Teil des Soundtracks für einen Horrorfilm zu machen, der aber natürlich nie gemacht wurde (lacht). Ich glaube, die haben das Projekt noch nicht mal ans Laufen bekommen. Ich hab überhaupt keine Ahnung, was sie daraus gemacht haben. Es war echt total unmöglich, mit den Jungs klarzukommen, die ganze Zeit ging es: ‚Oh man, yeah, great, dude, yeah’, und das war’s. Na ja, der Song war eh fast fertig und wir dachten, dass Bloodletting ziemlich cool klingt und wir dazu was schreiben sollten. Im Grunde ist dieser Track also sehr surrealistischer Horror, der auch abgesehen davon nicht sehr viel Sinn macht, es geht um Tod, Blutlassen, Leben, es geht darum, wie jeder blutet und stirbt. Er ist ziemlich seltsam, etwas, das wir halt so zusammengesetzt haben. Der Song hat nicht so viel Bedeutung wie andere, die mir persönlich wirklich sehr viel bedeuten und die von Dingen handeln, die mich seit sehr langer Zeit beschäftigen und wo ich meine Gedanken auch vermitteln will, also Songs, die wirklich eine Einsicht in meine Gedanken wiedergeben, zum Beispiel Cloven Hoof oder Blessed Unholy. Bloodletting spielt sich nicht auf diesem Level ab, es ist im Grunde surreale, morbide Unterhaltung. Es passte ins das Konzept des Film.

Du hast Cloven Hoof und Blessed Unholy erwähnt…

Ja…

Okay (lachend)…

(Lachend) Im Grunde geht es um etwas, das nie irgendwo wirklich erwähnt wird. Ich weiß nicht mal, ob sich andere Leute sehr viele Gedanken darum machen. Es handelt davon, dass Satan eigentlich die einzige Gottheit war, die dem Menschen je irgendeine Form von Liebe, Respekt und Anerkennung gegenüber gezeigt hat, darum geht es im Grunde. Man kann diesen Text sicherlich in vielerlei Hinsicht interpretieren, aber darum habe ich mir eben so meine Gedanken gemacht. Er behandelt Satan als Charakter im Vergleich zu den ganzen anderen Göttern, die es gibt, und die als gut dargestellt werden. Es handelt von dieser Figur, die dem ’Left-Hand Path’ zugerechnet wird und vom ’rechten’ Weg abweicht. Und der Mensch, der aus Fleisch und Blut ist, wird durch die Erbsünde automatisch zu einem Stück wertlosen Mist, um den man sich einen Scheißdreck kümmert. Aber dann gibt es halt diese Gottheit am anderen Ende, die andere Dinge verkörpert. Darum geht es in Cloven Hoof, was ein nachdenklicheres Stück ist. Bei Blessed Unholy handelt es sich um ein verwandtes Thema, das sehr aggressiv angegangen wird, es spiegelt sehr viel Verärgerung in mir wider, die auf verschiedene Seiten abgelassen wird. Es geht aber um ein ähnliches Thema, nur aus einer etwas anderen Sicht.

Also der strafende Gott, der Leben eher zerstört als schafft, eher destruktiv als kreativ ist, also das, was den Gott des Christentums größtenteils auszeichnet…

Ja, definitiv. Das Licht Gottes ist eher wie die eiserne Faust Gottes, und besonders, wenn du dir vor Augen führst, dass die Bibel seit jeher jedes Jahr umgeschrieben wird, nur um das Geschriebene an die jeweilige Zeit anzupassen, obwohl es sowieso keine Macht in dem Sinne besitzt. Jetzt glauben wir, dass Gott dieses und jenes gesagt hat, aber das ist definitiv nicht das, was in den Originalschriften steht. Und das, was dort steht, ist ziemlich harter Tobak, z.B. dass Gott die meisten Menschen töten wollte, weil die Ernte nicht zueinander passt: ’Okay, Tomaten neben Karotten, das passt nicht, also musst Du sterben’. (Lacht) Es ist ziemlich extrem, alle müssen aus irgendwelchen banalen Gründen sterben. Du darfst kein Leder verwenden oder irgendetwas, was von einem toten Tier stammt – d.h. also, dass alle Fußballspieler so schnell wie möglich exekutiert werden müssen oder was? Es gibt darin viel von ähnlichem Mist, besonders was dort auch über Homosexuelle steht – jetzt haben wir sogar homosexuelle Priester, ’weil Gott jetzt seine Meinung geändert hat: ’Lies Dir nur mal gut die Bibel durch – Gott hat seine Meinung geändert’. Die Bibel hat keine Bedeutung mehr, und das wissen wir auch. Wie sonst könnte jemand wie ich rumlaufen, ohne an den Marterpfahl gebunden zu werden oder auf dem Scheiterhaufen zu enden? Du kannst Im Grunde über das Christentum sagen, was du willst, es ist egal. Den einzigen Ärger, den du vielleicht bekommst, ist in einigen kleinen italienischen oder spanischen Städten, oder in den USA, wo sie dich eh nicht mögen, weil du von woanders stammst, und wenn du dann etwas sagst, was denen nicht passt, wirst du halt im Garten hinter dem Haus verbuddelt (lacht).

Es gibt ja auch diese Berichte von aramäischen Schriften, die das Wort Jesu enthalten sollen, aber gleich nach der Entdeckung verschwunden sind. Es gibt aber wohl Hinweise darauf, dass sich in diesen Schriften gegen den Bau von Kirchen ausgesprochen wird…

Ja, die Originalversion der Bibel ist sehr nationalistisch und handelt mehr davon, Kriegsführung als Kunst zu betreiben, mehr als alles andere. Aber das passte den Jungs da unten wohl gar nicht ins Konzept. (Nehme an, er meint den Vatikan – Anm. d. Verf.) Das alles wurde so auseinandergepflückt, dass es nicht mehr als ein schlechter Witz ist.

Jetzt aber mal wieder zurück zur Musik – Ihr plant eine große Welttour, und Eure Einreiseschwierigkeiten in die USA sind ja bekannt – meinst Du, dass Ihr es dieses Mal irgendwie schaffen werdet, dort zu touren?

(Lacht) Ja, ich habe heute wirklich einen Brief von der INS bekommen, (mit einer näselnden Stimme) dem Justizministerium der Vereinigten Staaten von Amerika (lachend). ’Mr XXX (weiß nicht, ob er seinen Nachnamen veröffentlicht haben will – Anm. d. Verf.), leider haben wir Ihr Anliegen derart verzögert und Ihre bereits gesendeten Unterlagen vernichtet, dass wir uns leider gezwungen sehen, Sie erneut um die Einsendung ALL Ihrer Unterlagen zu bitten’ (lacht).

(Lachend) Also dauert’s wohl noch mit einer USA-Tour…?

(Lachend) Ja, eine weitere Ewigkeit. Aber ich bin zuversichtlich, dass es langfristig wohl klappen wird. Momentan reagieren sie etwas nervös auf alles, sie versuchen, alle denkbaren Sicherheitsmassnahmen zu ergreifen, was natürlich bei einem derart großen System sehr schwierig ist. Und wenn sie dich einmal ins Visier genommen haben, ist es nicht einfach, die Sache zu klären.

Aber davon abgesehen werden wir versuchen, ganz Europa im April und im Mai zu touren, werden dann einige Festivals im Sommer spielen, und dann geht’s nach Japan, Korea, Australien, Neuseeland, Israel, Südamerika, und dann habe ich gerade mit einem Typen aus Kanada gesprochen, das dürfte also auch klappen.

Ihr habt jetzt auch Lizenzverträge für Russland, Südamerika, Japan und Korea unterschrieben, d.h. dass Ihr jetzt einen fast weltweiten Vertrieb habt?

Ja, und es ist wirklich toll, das nun zu haben, vor allem, nachdem wir einen ziemlich kühnen Schritt damit gewagt haben, Osmose zu verlassen und keinen neuen Plattenvertrag zu unterzeichnen, es auf unsere eigene Art und Weise zu versuchen. Und jetzt können wir sehen, dass es tatsächlich funktioniert, und dass ist wirklich toll.

Für das letzte Album hatte Ihr für die USA einen Vertrag mit Century Media, die ja dort mit Nuclear Blast zusammengegangen sind, habt aber für dieses Album einen Vertrag mit The End Records unterzeichnet – warum dieser Wechsel?

Im Grunde, weil wir die Einstellung von einigen Teilen Century Medias Leid waren. Es sind keine üblen Leute, überhaupt nicht. Einige der Leute, mit denen wir zusammengearbeitet haben, waren wirklich nett und verdienen Respekt. Aber es gab einige Probleme. Wir hatten beispielsweise diese Listening Session in Norrköping organisiert und haben dafür mehr als 5.000 Euro für ein Wochenende ausgelegt, für die Flüge der Journalisten, etc. Wir hatten eine ganz bescheidene Mail an Century Media geschickt und angefragt, ob sie nicht zwei amerikanische Journalisten von Metal Maniacs – dem größten Magazin dort – und jemand anders einfliegen lassen könnten. Sie sollten nur den Flug bezahlen und die restlichen Kosten hätten wir übernommen. Die Antwort war dann: ’Nein, wir glauben nicht, dass Ihr mit dem neuen Album mehr Erfolg haben werdet, egal, ob wir Werbung für Euch machen werden oder nicht. Deshalb sind wir daran nicht interessiert’. Wir dachten nur: ’Wie bitte?’ Dann rief unser Geschäftspartner dort drüben an. Ich sollte vielleicht erklären, dass wir immer nur Lizenzverträge machen, es gibt keine Platenverträge, sie haben Anrecht auf gar nichts, keine Optionen, nichts, damit wir jederzeit aus diesen speziellen Verträgen aussteigen können. Jedenfalls rief er dort an und sie reagierten genauso wie in der Mail. Daraufhin erklärte er ihnen erst mal, dass sie überhaupt keine Anrechte auf irgendetwas hätten und auch keine Vorschriften machen könnten, und darüber hatten sie wohl nicht nachgedacht. Vor einiger Zeit erhielt ich dann einen sehr langen Brief von ihnen, indem sie uns Promotion bis zum Abwinken zusicherten, etc. Aber man erinnert sich immer an das, was man als erstes zu hören bekam. Zudem sichert uns der andere Deal Priorität zu, neben den gleichen Vertriebsbedingungen, die wir auch schon bei Century Media hatten. Es ist aber egal, weil man in diesem Geschäft wirklich nichts persönlich nehmen darf, weil man ständig – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – immer nur mit Gaunern und Halsabschneidern zu tun hat. Du musst dich auf dich selbst verlassen, um da zu überleben. Es ist aber keine große Sache, und The End Records haben uns eh einen besseren Deal angeboten.

Du hast eben Israel erwähnt – Ihr wollt doch da nicht wirklich touren, oder?

(Lachend) Doch, wir haben ein Angebot von dort erhalten von demjenigen, der sich dort um den Vertrieb kümmert. Es ist schon etwas verrückt, es ist ein Brennpunkt, aber wovor sollten wir Angst haben? Für Typen, die so großspurig sind wie wir, ist es okay, dorthin zu gehen und Konzerte zu geben (lacht). Es gibt dort viele Leute, die uns gerne live sehen würden, also warum sollten wir sie enttäuschen und hier oben im Norden sitzen bleiben? Wir wissen schon, dass wir uns dort ein wenig zurücknehmen müssen und nicht allzu großspurig auftreten sollten, sonst werfen sie uns gleich wieder raus (lacht). Das können wir uns nicht leisten. Aber wir werden etwas mit dem Zuständigen aushandeln, und nach der Europatour werden wir dort auftreten.

So ganz einfach ist es nicht, in der Region auszutreten – IRON MAIDEN haben mir mal erzählt, dass sie ein Angebot für ein Konzert im Libanon hatten, aber der Premierminister hat es verboten und meinte: ’Mein Volk hat schon genug gelitten’…

(Lacht) Ja, genau. Ich arbeite gerade an Plänen dafür. Irgendwie müssen wir wohl dort unten an unserem Erscheinungsbild arbeiten, vor allem an der Grenze, sonst schicken sie und gleich wieder zurück. Es gibt strikte Regelungen, aber wir werden sehen, was wir dort unten aushandeln können. Das Angebot steht, also sollten wir es annehmen.

Sicher, aber Israel könnte auch wieder ein Angriffsziel des Irak sein, wenn es zu einem Angriff seitens der USA kommt, also könnte es schon schwierig werden, dann überhaupt dort einzureisen…

Ganz genau. Aber wir müssen sehen, was geht und was nicht funktioniert. Aber wenn wir die Zeit haben, werden wir es tun.

Ihr spielt ja auch öfter bei den größeren Festivaltouren, und beim X-Mas Festival im Dezember spielten, glaube ich, neun Bands…

Es waren neun, und bei den letzten Shows waren es zehn (lacht)…

Ist das nicht ein bisschen zu viel? Ich meine, am Ende der Tourneen sind alle Bands krank und völlig am Ende…

Es ist definitiv zu viel, viel zu viel, und auch wenn einige Bands nicht gespielt hätten, wäre trotzdem die gleiche Anzahl von Fans gekommen. Sicherlich müssen Bands promotet werden, aber für eine Festivaltour ist es wirklich ein bisschen zu viel. Auf dem No Mercy-Festival 1998 haben sechs Bands gespielt, und der Mensch von unserer Booking Agency meinte, dass wäre genug und dass man im darauffolgenden Jahr nur noch fünf Bands buchen würde, und als wir dann das No Mercy-Festival im Jahr 2000 gespielt haben, gab es acht Bands auf dem Billing. Auf dem X-Mas-Festival 2002 waren es neun Bands, und dann kamen noch die letzten Shows mit EXODUS hinzu, die natürlich toll waren, weil es eine unserer alten Lieblingsband ist. Es war großartig, sie spielen zu sehen. Aber es ist zu viel, auch für die Fans. Wer zum Teufel will denn den ganzen Tag in der ersten Reihe stehen und eine Band nach der anderen sehen, selbst wenn man sie alle gut findet?`

Kann man gar nicht, weil die Festivals um 16.00 oder 17.00 h beginnen und erst um 01.00 morgens aufhören…

Genau. Es ist einfach zu viel.

Die Labels der ersten drei oder vier Bands bezahlen aber ziemlich viel Geld, um ihre Bands dort spielen zu lassen…

Genau, und deshalb wird es auch weiterhin passieren. So ist das Business eben.

Ihr habt auch noch mit einer weiteren Eurer Lieblingsband getourt, mit DANZIG

Ja, das hatte schon wirklich etwas Irreales an sich, das war im vergangenen Jahr in Los Angeles, wo wir eine Show gespielt haben. Ich bin ein wirklich großer Fan, seit ich 1990 das Lucifuge-Album gekauft habe. Tagsüber erzählte uns irgendjemand, dass Glen Danzig am Abend bei unserer Show auftauchen würde, und wir haben ihn natürlich nicht für voll genommen wegen dieses ganzen ’Claim to fame’-Gehabe. Wir sind am Abend einfach auf die Bühne, haben gespielt, und später kam dann unser Tour Manager und meinte: ’Hey, Glen Danzig wartet auf Euch in der Bar’, was uns natürlich wirklich überrascht hat. Ich bin dann einfach auf ihn zu und habe mich ihm vorgestellt, und er war so cool, so bodenständig. Es war wirklich toll, wie normal und nett diese respektierte Person ist – und in den USA ist er immer noch ein wirklich großer Rockstar. Irgendwann tauchte dann Morgan auf und wollte ihm unsere neue CD geben, woraufhin er meinte: ’Brauch ich nicht, die habe ich schon’. Es war großartig. Er wollte uns dann im letzten Sommer mit auf seine US-Tour nehmen, die 47 Shows umfasste, und das hätte allen Beteiligten geholfen. Natürlich wollten wir es sofort machen. Aber die INS wollte uns die Papiere nicht ausstellen, die man benötigt, um die Visen zur Einreise zu bekommen, also klappte es leider nicht. Er meldete sich dann aber später und sagte, er wollte uns dann zumindest als Opener für seine Europatournee haben, und so was kann man nicht ablehnen. Diese ganze Tournee war so cool. Wir haben uns die ganze Zeit wie kleine Kinder aufgeführt und rannten immer mit einem breiten Grinsen durch die Gegend (lacht). Es war eine sehr gute Erfahrung.

Du hast jetzt einen Tattooladen eröffnet, was Du eigentlich erst nach dem Ende von MARDUK machen wolltest – wie regelst Du das denn, weil Ihr ja nicht gerade wenig tourt?

Es klappt schon, beides gleichzeitig zu machen. Als ich wegfuhr, habe ich einfach ein Schild ’Vorübergehend geschlossen’ ins Fenster gehängt. Im August letzten Jahres habe ich eröffnet, und seitdem läuft es immer besser. Seit einer Woche bin ich wieder zu Hause und habe seitdem praktisch durchgeschlafen, weil ich eine Bronchitis, eine leichte Lungenentzündung hatte. Die erste Woche im neuen Jahr war es ruhig, aber jetzt ist wieder ziemlich viel Betrieb. Aber auch die Kunden reagieren positiv, solange man sich um sie kümmert, und sie wechseln auch nicht, nur weil du mal eine zeitlang weg bist. Es wäre besser, sich voll darauf zu konzentrieren, aber das kann ich natürlich nicht. Aber es ist eine Sache, die mir wirklich am Herzen liegt. Ich weiß nicht warum, aber es fasziniert mich, seit ich ein kleiner Junge war. Irgendwann fing ich an, selbst zu tätowieren, und es war wirklich toll. Und es ist großartig, etwas Kreatives außerhalb der Band zu machen, das nichts mit Musik zu tun hat, um eine Distanz zur Musik zu bekommen und um nicht andauernd das gleiche zu machen. Und es ist etwas Kreatives. Es war die richtige Zeit, es zu machen, weil ich sehr viel Motivation hatte und auch weiß, dass ich gut genug bin, um es professionell zu betreiben und die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Zudem hatte ich auch genug finanzielle Mittel dafür. Die Zeit war also richtig, warum also sollte ich warten.

Es ist sicherlich eine Form von kreativer Tätigkeit, in der man seine persönlichen Ideen verwirklichen kann…

Ganz genau, es ist wirklich sehr befriedigend. Wenn ein Typ mit einer Idee reinkommt und man ihm Vorschläge macht, wie man es machen kann, welche Möglichkeiten es gibt und ihm dann Entwürfe vorlegt, er ist begeistert und man verewigt seine eigenen Ideen, ist es wirklich sehr befriedigend.

(Lachend) Und auf Tour kannst Du dann ein mobiles Studio aufmachen, denn wenn Ihr mit zehn Bands spielt, hast Du ja genügend potentielle Kunden dabei…

(Lachend) Ja, genau, das sollte ich wirklich machen und sie alle von oben bis unten tätowieren, das wär’s eigentlich.