GOD DETHRONED: Endlich ein Konzeptalbum!

GOD DETHRONED: Endlich ein Konzeptalbum!

Mit Passiondale haben GOD DETHRONED dieses Jahr ein starkes Album veröffentlicht, das sich an den grandiosen Frühwerken der Band orientiert. Nun ist die Band zusammen mit ENDSTILLE und HOLLENTHON auf Tour. In Köln hatte ich die Gelegenheit mit Henri Sattler zu sprechen.

Hallo Henri! Herzlichen Glückwunsch zu Passiondale. Mir gefällt das Album, ich mochte zwar auch The Toxic Touch aber meine Favoriten waren immer The Grand Grimoire und Bloody Blaspehmy. Das neue Album geht wieder zurück in diese Richtung, das ist klasse.

Danke!

Arien Van Weesenbeek und Isaac Delahaye haben die Band letztes Jahr verlassen. Besonders Isaacs Gitarrenspiel hatte einen großen Einfluss auf den Sound von The Toxic Touch. Warum haben die beiden GOD DETHRONED verlassen?

Arien hat auf dem letzten EPICA-Album gespielt und sie wollten ihn als Live-Drummer haben. Er sagte zu und dachte, dass er das mit GOD DETHRONED unter einen Hut kriegen konnte, was aber offensichtlich unmöglich war. Wir sagten ihm also, dass es besser wäre, wenn er die Band verlassen würde. Isaac lebt sehr weit von uns entfernt. Er brauchte sieben Stunden um mit dem Zug zu den Proben zu kommen und sieben Stunden zurück. Außerdem hat er geheiratet und ein Haus gekauft, er brauchte Zeit für einen zusätzlichen Job um die Rechnungen zu bezahlen. Es wurde für ihn also ziemlich schwer bei GOD DETHRONED am Ball zu bleiben also entschied er sich, die Band zu verlassen. Aber ich denke, wir haben gute Ersatzleute gefunden.

Liegt es an Isaacs Abgang, dass das Gitarrenspiel auf Passiondale wieder simpler, weniger detailverliebt und melodisch, dafür wieder direkter und brutaler klingt?

Die Gitarrenarbeit auf Passiondale ist dieselbe wie auf jedem GOD DETHRONED-Album außer The Toxic Touch. Das letzte Album hatte eine Menge Einflüsse von Arien und Isaac. Es ist nicht mal wirklich technischer als das neue Album, lediglich ein Song den Isaac geschrieben hat. Der Rest ist nicht wirklich kompliziert, es ist nur eine andere Art des Songwritings. Das war etwas, das wir zu dieser Zeit ausprobieren wollten.

Ich meinte auch eigentlich eher, dass das Gitarrenspiel auf The Toxic Touch melodischer war.

Ja, es unterscheidet sich von den anderen Sachen. Wenn man einen so versierten Gitarristen wie Isaac hat, kann man mal andere Dinge machen. Nichts desto trotz kommen eigentlich alle Melodien von mir, auch auf diesem Album, aber ich denke, das ganze Gefühl war auf diesem Album anders. Es war ein sehr gutes Album, ich denke nur, dass es eben kein typisches GOD DETHRONED-Album war. Also entschieden wir uns, als die beiden die Band verließen, wieder zurück zu den Wurzeln zu gehen, zurück zu Alben wie Bloody Blasphemy und Grand Grimoire.

Wäre dieser Schritt zurück auch möglich gewesen, wenn die beiden die Band nicht verlasen hätten?

Wenn wir uns darauf geeinigt hätten, ja. Ich habe drüber nie nachgedacht. Ich denke, die beiden hätten versucht moderner zu klingen, das war, was sie mit GOD DETHRONED tun wollten. Aber ich denke wir sollten old school bleiben, denn das ist es, was wir sind.

Ich mag das Album immer noch gerne aber du hast recht, es klang nicht wirklich nach GOD DETHRONED.

Ich bin zufrieden mit dem Album, es hätte vielleicht nur einen anderen Bandnamen auf dem Cover haben sollen. Aber live spielen wir immer noch mindestens einen Song von The Toxic Touch und ich denke immer noch, dass es ein gutes Album ist. Aber wir haben in der Vergangenheit einfach bessere Alben gemacht.

GOD
Die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt – Für das neue Line Up musste Henri Sattler nicht lange suchen.

Roel Sanders, der auf den beiden Alben The Grand Grimoire und Bloody Blaspehmy gespielt hat ist zu GOD DETHRONED zurück gekehrt als Arien die Band verlassen hat. Nun ist er wieder ausgestiegen. Wie kam es zu seiner Rückkehr und wieso ist er nach so kurzer Zeit doch wieder ausgestiegen?

Als wir herausfanden, dass Arien bei EPICA einsteigen wollten traf ich Roel auf einem Festival und ich fragte ihn ob er wieder bei GOD DETHRONED einsteigen möchte und er sagte ja. Das war es. Ich rief ihn dann eine Woche später an weil wir beide damals ziemlich betrunken waren und ich wissen wollte, ob er wirklich noch daran interessiert ist zurück zu kommen. Und das war er, also kam er zurück. Aber er hat ein geregeltes Leben, er ist nicht in der Lage zehn Wochen lang auf Tour zu gehen wie wir es jetzt tun. Und er war nicht bereit diese Leben aufzugeben, was verständlich ist, denn er mag sein jetziges Leben. Er hat auch noch seine anderen Bands, die er GOD DETHRONED nicht unterordnen wollte, so dass es wirklich schwierig wurde weiter zu arbeiten. Wir haben uns also über die Situation unterhalten und er sagte, dass es besser wäre, wenn er die Band verlässt da er uns bremsen würde, wir aber Gas geben müssten.

Was kannst du uns über die neuen Bandmitglieder Susan Gerl (Gitarre) on und Michiel van der Plicht (Schlagzeug) erzählen?

Susan fand heraus, dass Isaac die band verlassen hatte. Wir haben dazu nicht viel gesagt da wir uns entschieden hatten, dass Album zu dritt aufzunehmen. Sie fand es aber heraus, da sie in der Nähe von Roel wohnt und schickte mir eine Email und wollte vorspielen. Sie spielte einige Songs und das wirklich gut, so dass wir und entschieden haben sie in die Band zu nehmen. Michiel kenne ich, weil er in unserer Nähe wohnt. Als die Probleme mit Roel anfingen fragten wir ihn ob er als Ersatz einspringen würde und, je nachdem wie es läuft, als festes Bandmitglied einzusteigen. Es war eigentlich bei beiden sehr einfach, die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben gar keine anderen Gitarristen oder Drummer getestet, wir haben einfach direkt die richtigen Leute gefunden.

Wie läuft denn die Tour mit ENDSTILLE und HOLLENTHON bis jetzt? Das ist ja ein Paket aus drei Bands mit sehr unterschiedlichem Sound.

Ziemlich gut. Natürlich sind die Tage von Montag bis Mittwoch nicht gerade die besten Tage in der Woche weil die Leute am nächsten Tag arbeiten müssen. Das ist immer etwas schwieriger als beispielsweise von Donnerstag bis Samstag. Aber die Reaktionen sind sehr gut. Es sieht so aus, dass die Fans die total verschiedenen Stile aller drei Bands akzeptieren. Metaller scheinen allgemein sehr open minded zu sein wenn es um verschiedene Stile im extremen Metal geht. Ich finde, dass es sehr gut funktioniert. Es ist eine gute Mischung.

Auf den alten Alben war dein Hass auf das Christentum ein konstantes Thema. Aber spätestens mit Into The Lungs Of Hell kamen verschiedene Themen wie Geschichte, Krieg, Tierquälerei und andere Dinge hinzu. Hast du deine Meinung in Bezug auf Religionen geändert oder hast du schlicht und ergreifend das Gefühl, alles gesagt zu haben?

Meine Meinung zu Religionen hat sich nicht im Geringsten geändert, es ist dieselbe wie schon immer. Das einzige Album auf dem wir über die totale Zerstörung des Christentums oder Religionen allgemein gesungen haben war The Christhunt. Schon auf The Grand Grimoire hatten wir Themen aus Filmen, Büchern und natürlich auch etwas Spott über die Bibel. Auf Bloody Blasphemy war es dasselbe. Dann kam der Punkt an dem ich mir dachte: Ich habe alles gesagt, was soll ich jetzt machen? Ich wollte ein paar andere Themen. Aber auch historische Themen hatte ich schon auf The Grand Grimoire. Mit Passiondale wollte ich die Chance nutzen ein Konzeptalbum über ein historisches Thema zu machen. Das ist etwas, dass ich seit vielen Jahren machen wollte, ich habe aber nie das richtige Thema gefunden, bis ich unseren damaligen Gitarristen Isaac in Belgien besucht habe. Er lebt in Iper und diese Stadt war einer der Haupt-Schauplätze des ersten Weltkriegs. Die Stadt ist voll von Gedenkstätten und Soldaten-Friedhöfen. Eines Tages waren wir im Museum haben uns mit dem Thema beschäftigt. Das war wirklich beeindruckend also habe ich mich entschieden weiter Informationen zu sammeln und ein Album über den ersten Weltkrieg zu schreiben. Aus einer neutralen Perspektive, ich wollte einfach nur beschreiben, was im Krieg geschehen ist ohne irgendein Land oder so zu erwähnen. So hat sich das über die Jahre entwickelt. Ich habe verschiedene Sachen gesucht über die ich singen kann, auch um es für mich interessant zu halten. Ich bin ein Geschichts-Freak, die historischen Themen kamen also ziemlich früh dazu aber auf dem neuen Album hab ich es geschafft komplett darüber zu schreiben. Ich singe gerne über historische Themen.

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Die neue Frau an der Axt – Susan Gerl 

Passiondale ist ein Konzeptalbum über die Schlacht von Passendale welche im ersten Weltkrieg stattfand. IRON MAIDEN hatten auf Dance Of Death auch einen Song zu dem Thema, SABATON hatten das Thema auch schon. Was ist so faszinierend an dieser bestimmten Schlacht?

Es ist nicht nur irgendeine Schlacht, es war eine Schlacht, die vier Jahre gedauert hat und bei der über 900.000 Soldaten gestorben sind, was für diesen Krieg eine riesige Zahl war. Und es war eine der Schlüsselstädte im Krieg. Da waren Iper, Verdun in Frankreich und Passendale, das waren die Städte bei denen die Armeen in den Schützengräben feststeckten und vier Jahre lang gekämpft haben. Da waren die schrecklichsten Orte im Krieg, so steht es auch in den Geschichtsbüchern.

Die Texte handeln nicht von der Geschichte der Schlacht beziehungsweise des Krieges sondern ausschließlich über die Schlacht an sich. Sie sind eher durch die Augen eines Soldaten als durch die eines Historikers geschrieben.

Einige Stellen ja. Fakt ist, dass die Texte historisch sind, aber wenn man nicht all zu viele Jahreszahlen oder Armeen nennst, dann wirkt es vielleicht etwas weniger historisch. Aber alle Texte basieren auf dem was ich in den Geschichtsbüchern gelesen und im Internet gefunden habe. Die Stellen, die durch die Augen eines Soldaten geschrieben sind, sind die mit den cleanen Gesangsparts. Diese sind nicht aus neutraler Perspektive sondern aus der Perspektive eines Menschen, der da war. Wir wollten das tun um den Songs eine andere Richtung zu geben, eine andere Atmosphäre zu erschaffen. Diese Text-Passagen sind eher schmerzhaft und wir wollten ihnen durch den klaren Gesang mehr Power geben.

Diese Art der Kriegsführung ist wohl ein für alle mal vorbei. Es wird durch die Entwicklung der Waffentechnologie keine Schlachten mit so vielen Soldaten im direkten Gefecht mehr geben. Was denkst du, wie wird ein dritter Weltkrieg aussehen?

Ich denke, es wird nur ein paar Leute geben, die irgendwo ein paar Knöpfe drücken und dann ist alles vorbei. In der modernen Kriegsführung geht es darum Raketen von einem Schiff abzufeuern, das tausende von Meilen entfernt ist und so jedes beliebige feindliche Gebäude, Fahrzeug oder Soldaten auszuschalten. Soldaten werden nur noch benötigt um vielleicht um Gelände zu besetzen um die Leute dort zu kontrollieren. Für die Kriegsführung an sich braucht man nur noch Satelliten, Computer und Raketen.

Mut ist also nicht mehr all zu wichtig, es benötigt keinen großen Mut aus sicherer Entfernung ein paar Knöpfe zu drücken.

Du kannst ein mutiger Soldat sein aber du kannst nicht gegen moderne Technologie gewinnen. Das fing schon im ersten Weltkrieg an. Die Soldaten steckten in den Schützengräben fest und niemand konnte Land gewinnen. Also kamen Dinge wie Senfgas zum Einsatz, Panzer und Flugzeuge wurden erfunden um mehr Schlagkraft zu haben als der Gegner, nicht durch die Anzahl der Soldaten sondern durch Technologie. Und heute geht es natürlich nur noch um Technologie.

Ich habe vor einigen Monaten einen Film gesehen. Die Grundaussage des Films war, dass es auf der Welt immer Krieg gegen muss, um den Menschen den wert des Friedens vor Augen zu halten. Was denkst du darüber?

Ich denke, der wirkliche Grund für Krieg ist es Geld zu machen und bestimme Regionen in der Welt zu kontrollieren. Es hat nichts mit Freiheit zu tun.

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Ich denke wir sollten old school bleiben, denn das ist es, was wir sind! – Henri Sattler 

Die limitiere Auflage von Passiondale enthält eine Live-CD. Bei der limitierten Auflage von Into The Lungs Of Hell hattet ihr auch schon eine Live-CD und The Toxic Touch enthielt eine DVD mit eurem Auftritt vom SUMMER BREEZE. Ist es nicht etwas überflüssig jetzt schon wieder eine Live-CD beizulegen?

Das war die Idee von Metal Blade. Sie haben nach einer Live-CD gefragt und sie haben eine bekommen. Wenn sie eine Live-DVD gewollt hätte, hätten sie diese auch bekommen. Das entscheidet Metal Blade, denn die müssen das zusätzliche Geld für die limitierte Edition ausgeben. Irgendwann wiederholt man sich eben, sei es Live-CD, DVD oder Dokumentation, es gibt ja nicht all zu viel was man da machen kann. Und das Label entscheidet, was es haben will.

Metal Blade scheint momentan echt auf Live-CDs als Bonus zu stehen.

Natürlich ist es für sie billiger eine Live-CD zu veröffentlichen als eine Live-DVD.

Irgendwas muss man wohl tun um die limited edition an den Mann zu bringen.

Die Leute kaufen einfach gerne limitiertes Zeug. Das ist für die echten Fans und es hilft dabei, die Verkäufe zu Beginn anzukurbeln. Wenn du nur eine normale CD raus bringst, können die Leute sich die auch einfach runter laden. Natürlich können Sie auch die Bonus CD runter laden aber solche limited editions sind einfach etwas, dass die Leute gerne haben, es ist immer hilfreich.

Reguläre Live-Alben sind rar geworden. Die meisten Bands nutzen Live-Aufnahmen nur noch als Bonus eines Studioalbums.

Wie ich schon sagte, du musst einfach etwas Bonusmaterial haben und da kannst du nun mal entweder eine Doku, eine Live-CD oder eine Live-DVD machen. Und wenn du dann halt Live-Material hast, dann nimmst du es vielleicht eher als Bonusmaterial, anstatt es als reguläres Live-Album zu veröffentlichen.

Was ist nur aus den guten alten Bonustracks geworden?

Na ja, wir haben Bonustracks für The Toxic Touch aufgenommen, aber die sind nur in Japan erhältlich.

Ihr habt auch zwei Videos zum neuen Album aufgenommen. Zu Poison Fog habt ihr einige Szenen gedreht bei denen ihr auf einem Friedhof spielt.

Der Friedhof ist ein Soldatenfriedhof in Holland, nahe der deutschen Grenze. Es passte gut zur Atmosphäre des Songs, deswegen haben wir dort ein paar Aufnahmen gemacht.

War es einfach eine Dreherlaubnis dafür zu bekommen?

Wir haben nicht nach einer Erlaubnis gefragt, wir haben einfach gefilmt. Es ist ein öffentlicher Friedhof.

Ich hab dich 2007 auf dem ARNHEM METAL MEETING gesehen. Ihr habt dort mit GOD DETHRONED gespielt und du hast dir später ASPHYX angesehen. Wie hat dir die Show gefallen?

Klasse. ASPHYX sind eine meiner Lieblinsbands von früher. Also habe ich die Chance, sie live zu sehen natürlich genutzt. Natürlich habe ich Eric Daniels, den ursprünglichen Gitarristen vermisst, ich denke, er sollte dort gewesen sein. Davon abgesehen war es eine schöne old school-Erfahrung.

OK, das war es auch schon. Vielen Dank für das Interview.

Danke dir!

 

Promo-Fotos: (c) Metalblade Records / GOD DETHRONED
Live-Fotos: (c) agony&ecstasy
 

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.