blank

DOMHAIN: Der einzige Weg, um zur Natur zurück zu kehren

Das erste Highlight des Jahres 2026 kommt aus dem nordirischen Belfast. „In Perfect Stillness“, das Debütalbum von DOMHAIN, wird wirklich allen Vorschusslorbeeren gerecht und setzt sich im Post Black Metal gekonnt zwischen die Stühle. Mit irischem Furor, großer Sehnsucht und tiefer Melancholie übertreffen DOMHAIN die eh schon exzellente Debüt-EP „Nimue“ mit scheinbarer Leichtigkeit. Zusammen mit Gitarrist und Songwriter Nathan Irvine und Drummerin, Cellistin, Sängerin und Artwork-Künstlerin Anaïs Chareyre-Méjan sprechen wir heiter, aber auch nachdenklich unter anderem über die Geschichte der Band, das Konzept hinter „In Perfect Stillness“ und die visuelle Seite des Albums.

Hallo Nathan und Anaïs! DOMHAIN haben sich bereits einen Namen in Irland und darüber hinaus gemacht, aber es gibt euch noch nicht allzu lange – drei, vier Jahre vielleicht? Abgesehen davon seid ihr schon seit einer ganzen Weile in der nordirischen Metal-Szene aktiv.

Nathan: Wir sind alle schon lange in der Szene aktiv. Ich habe im Jahr 2005 angefangen, lokal aufzutreten. Das ist schon eine ganze Weile.

Anaïs: Ich habe Bilder von Nathan mit seinen allerersten Bands gesehen. Er hatte ein echtes Babyface.

Nathan: Ein süßes kleines Gesicht. Gefärbte Haare und so weiter. Ach ja, das waren sehr gute Zeiten.

Anaïs: Ja, wir alle kannten die Bands der anderen, bis wir uns schließlich zusammengetan haben, um DOMHAIN zu gründen. Aber ja, es ist ziemlich lustig. Man weiß es nicht, aber eigentlich kennt man seine zukünftigen Bandkollegen schon.

Nathan: Bryn (Mills – Anm. d. Verf.), eines der Gründungsmitglieder von DOMHAIN, und ich gingen zusammen zur Musikschule. Vor 20 Jahren haben wir uns so kennengelernt.

Anaïs: Ja. Und er war bei OVEROTH, einer Death-Metal-Band, die derzeit inaktiv ist, auch wenn sie sich nicht aufgelöst haben. OVEROTH war zu einer eine der größten Death-Metal-Bands Irlands. Und ja, wir alle kannten ihn.

Und DOMHAIN ist jetzt eure Hauptband? Ihr habt noch andere Projekte, richtig?

Anaïs: Andy hat noch ein anderes Projekt. Andy hat eine weitere aktive Band namens IMPERIAL DEMONIC, die puren, echten Black Metal spielt, so black metal, wie es nur geht. Es ist eine großartige Band. Andy ist also gut beschäftigt.

Im Herbst, wurde eure EP „Nimue“  veröffentlicht. Habt ihr jetzt, da euer erstes Album „In Perfect Stillness“ erscheint, einen gewissen Druck verspürt, in Bezug darauf, dass ihr wirklich gute Kritiken bekommen habt und die Leute vielleicht ziemlich viel von euch erwarten?

Anaïs: Wir spüren wir im Moment keinen Druck, denn wir sind alle zufrieden mit unserem Album. Daher haben wir auch keine Angst, irgendwen zu enttäuschen. Wir sind nicht so eine Band. Selbst wenn die Leute unsere Musik nicht mögen würden, würden wir einfach weitermachen. Wenn man anfängt, sich Gedanken darüber zu machen, was die Leute denken, macht man dann überhaupt noch diese Art von Musik? Nein, ich glaube daher nicht, dass es in diesem Sinne einen Druck gibt.

Nathan: Ich denke, der einzige Druck, den es geben könnte, wäre der, es allen recht machen zu wollen. Wir möchten schon, dass die Leute mit dem, was wir machen, zufrieden sind. Aber wir stellen uns selbst an die erste Stelle. Wir haben Spaß daran. Und wenn die Leute daran mit uns Spaß haben können, umso besser.

Anaïs: Ja, natürlich ist es toll, wenn die Leute das können und ich glaube, das tun sie auch. Ich bin diejenige, die sich bei DOMHAIN Social-Media-Teil kümmert. Deshalb erhalte ich aus erster Hand alle Nachrichten, in denen die Leute sagen, dass ihnen unsere Musik oder unser neues Video gefallen hat und so weiter. Und ich informiere meine Band nicht ständig darüber, dass wir eine Nachricht bekommen haben oder dass sich jemand positiv geäußert hat. Deshalb merken sie wahrscheinlich gar nicht, dass unsere Band wirklich gut ankommt. Tut mir leid, Leute.

Nathan: Alles klar, danke für die Info. (lacht)

Ich möchte noch kurz auf die Texte und Sprachen eingehen, die ich für eure Band sehr interessant finde. Aber wenn ich nach der Bedeutung des Bandnamens DOMHAIN suche, spreche ich das übrigens richtig aus …

Nathan: Das ist umstritten. Uns ist es egal, wie die Leute ihn aussprechen. Ich glaube, wir haben ihn auch lange Zeit falsch ausgesprochen. Aber es scheint irgendwie davon abzuhängen, woher man kommt. „dow-ain“ ist jedoch die richtige Aussprache. Mir ist es egal. Ich weiß nicht, ob es den anderen etwas ausmacht.

Aber es ist Gälisch. Und stimmt es, dass es „tief“ bedeutet?

Nathan: „Tief“ oder „Welt“ oder „Universum“.

Anaïs: Es bedeutet auch „Erde“. Es ist ein Wort mit vielen Bedeutungen.

Als ich gegoogelt und nach der Bedeutung gesucht habe, bin ich auf „tief“ gestoßen. Ich fand das sehr passend. Und dass es verschiedene Bedeutungen hat, wie zum Beispiel Erde, gefällt mir sehr gut. Eure Musik klingt auch ziemlich erdig. Habt ihr diesen Namen also bewusst gewählt?

Anaïs: Ja. Ich glaube, Bryn hat ihn am Anfang ausgesucht, oder?

Nathan: Aber er passt sehr, sehr gut zu dem, was wir versuchen zu tun, finde ich. Auch wenn man sich die Themen der Texte ansieht.

Anaïs: Ja, es dreht sich alles um die Natur, um die Erde. Und ich glaube, unsere erste Übersetzung dafür war eher „Erde“ und „Welt“ als „Tiefe“. Aber „Tiefe“ passt definitiv auch zu unserer Musik, unserem Sound. Also ja, es ist insgesamt ein guter Name für uns.

„Es geht darum, woher wir kommen und wer wir sind. Dabei sind wir alle gleich, wir alle wollen dasselbe sagen. Ich denke, das ist die Botschaft, die wir vermitteln wollen, egal ob wir Französisch, Englisch oder Gälisch sprechen. Wir sind alle Söhne und Töchter der Welt, der Natur, und wir haben diese Verbindung dazu – unabhängig von der Sprache.“ – Anaïs über das verwenden verschiedener Sprachen auf „In Perfect Stillness“.

Großartig. Kommen wir nun zu „In Perfect Stillness“. Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu diesem Album. Es gefällt mir auch nach weit mehr als zehn Durchläufen immer besser. Was recht schnell auffiel war– und ich möchte hier keine Diskussion über Quantität versus Qualität lostreten – dass eure EP war mit 28 Minuten ziemlich lang ist. Das komplette Album besteht aus einem Song mehr, plus Intro, und ist etwa sieben Minuten länger. Wann ist für euch als Band klar war, dass ein Werk komplett ist und entweder als EP oder als Album bezeichnet werden kann? Ist das eine Bauchentscheidung?

Nathan: Wir haben einen Schreibprozess und dann jammen wir die Songs aus. Die wahre Magie entsteht im Studio. Dort wird alles irgendwie endgültig, dort wird alles entschieden. Du weißt ja, dass die Songs immer fast 10 Minuten lang sind. Wenn es sich für uns richtig anfühlt, dann lassen wir das auch so. Wir müssen nichts kürzen oder uns Gedanken über die Länge machen. Wir haben einfach unsere Methode. Und wenn wir das Gefühl haben, dass ein Song fertig ist, dann ist er fertig.

Anaïs: Ja, genau. Die EP war tatsächlich ziemlich lang für eine EP. Und unser Album ist ziemlich kurz für ein Album. Aber ja, man muss alles irgendwie benennen. Ich finde, diese Veröffentlichung ist zu lang, um sie als EP zu bezeichnen – es ist also ein Album. Aber ja, das waren die Tracks, die wir veröffentlichen wollten. Und was wir als Nächstes schreiben werden, wird anders sein, wird eine neue Seite sein.

Was den Stil angeht, war ich überrascht, als ich die EP zum ersten Mal hörte, dass sie – ohne in Stereotypen zu denken – dieses irische Feeling hatte, das ich kenne. Andererseits hat mir dieser ENSLAVED-Vibe sehr gut gefallen, ohne die progressiven Elemente deren letzten Jahre. Aber all diese Elemente sind immer noch auf dem Album vorhanden. Man kann nur einfach keine Namen mehr nennen, nach dem Motto, dass sich die Musik nicht aus einem PRIMORDIAL-Part oder einem ENSLAVED-Teil zusammensetzt. Kam das vielleicht daher, dass ihr vier oder fünf Jahre lang zusammen gespielt habet und mittlerweile eine eigene musikalische Sprache gefunden habt?

Nathan: Ich denke, wir sind ziemlich frei. Vielleicht irren wir uns, vielleicht hören wir etwas nicht, aber wir glauben zumindest durch nichts eingeschränkt zu sein. Ich denke, wenn man sich die EP und das Album anhört, gibt es dort sehr unterschiedliche Genres, die über das ganze Album verstreut sind. Ich glaube nicht, dass es wirklich festgelegt ist. Wir machen im Wesentlichen das, was wir machen wollen.

Anaïs: Ich freue mich, dass du sagst, du hättest etwas Irisches in unserer Musik gehört, denn wir machen keine irischen Jigs oder Folk-Melodien. Aber was du meinst, ist eher das Gefühl, das man bekommt, wenn man PRIMORDIAL hört, nämlich dass man Irland sieht, die Dunkelheit, das Wetter. Und das wollten wir tatsächlich vermitteln, das ist definitiv da. Und ich bin froh, dass du das sagst und dass du das tatsächlich gehört hast. Aber das ist etwas, das ganz natürlich in unserer Musik vorkommt. Und ich denke, unser Sound wird sich definitiv wieder verändern oder weiterentwickeln, weil wir so viele Ideen haben. Und ich kann es kaum erwarten, wieder mit dem Schreiben anzufangen.

blank
Die Split: DOMHAIN und EPHEMERAL – „Of Pine And Oak“ (2025)

Als ich das Album zum ersten Mal hörte, wurde mir klar, dass ich dringend zurück zum Meer muss, an eine Küste irgendwo, wo ein starker Wind weht. Die Normandie beispielsweise ist 12 Autostunden von mir entfernt. Ich bekam auch Fernweh, als ich es mir angehört habe. DOMHAIN bringt mich an Orte, an denen ich schon einmal war und die ich irgendwie vermisse. Ich habe allerdings Schwierigkeiten, euch als Post-Black-Metal-Band zu bezeichnen, auch wenn das korrekt wäre. Und es ist kein Epic Metal, aber es gibt es episches Element. Ich mag es, wenn Dinge nicht so einfach klassifiziert werden können. Aber wenn es um Klassifizierung oder Einzigartigkeit geht, dann geht das schon bei der EP „Nimue“ los. Die ersten fünf Minuten von „A Pile of Stone Upon My Grave“ bestehen fast nur aus diesem akustischen Teil. Dass eure zweite Veröffentlichung, die Split „Of Pine And Oak“ mit EPHEMERAL, ein akustischer Song war, war keine große Überraschung, da die erste EP bereits den Grundstein dafür gelegt hatte. Ihr seid in beiden extremen zu Hause, sei es nun Metal oder ruhige akustische Dark-Folk-Musik. Aber ist es schwieriger, einen 10-minütigen Metal-Song oder einen 10-minütigen Akustik-Song zu schreiben?

Nathan: Ja, wir haben Mühe, die Länge unserer Songs zu begrenzen, sie sind generell recht lang. Bei dem Akustiksong hatten wir zuerst die Metal-Version geschrieben. Es war also zuerst ein Metal-Song, bevor es ein Akustiksong wurde. Ich weiß nicht, ob dir das auf dem Album aufgefallen ist.

Ich dachte, es wäre umgekehrt gewesen.

Nathan: Ja, wir haben das umgekehrt. Wir wussten, dass wir einen Akustik-Track machen wollten, und dieser schien besonders gut zu funktionieren. Also haben wir das eine ganze Weile diskutiert und dann in die Tat umgesetzt. Aber wir hatten diesen Song ursprünglich nicht als Akustik-Song geplant. Vielleicht ist er deshalb so lang.

Der Song „Footprints II“, hat im Grunde genommen nur eine andere Instrumentierung und wie der Track auf der Split.

Anaïs: Ja, wir hätten ihn wahrscheinlich „Footsteps I“ nennen sollen und den akustischen „Footsteps II“, aber das hätte in der Vergangenheit vielleicht Verwirrung gestiftet. Und später hätte es dann Sinn gemacht. Das hätten wir machen können, aber diese Idee hatten wir einfach nicht. Nächstes Mal dann.

Nathan: Ich glaube einfach nicht, dass es die Leute sonderlich stören würde. So wie es ist macht es einfach mehr Sinn. Die Leute wissen ja nicht, dass die Akustikversion nicht zuerst da war.

Okay. Als ich den Album-Track „Footprints II“ hörte, hatte ich einen echten Flashback. Die Art, wie er ruhig beginnt und die gesprochenen Worte auf Französisch darüber gelegt wurden, das hat mich an den Song „Black Light District“ von THE GATHERING erinnert. Das Stück hat ein sehr ähnliches, ruhiges Flair mit den gesprochenen Worten darüber. Hat euch das vielleicht unterbewusst inspiriert?

Anaïs: Nein, mich nicht.

Nathan: Ich kenne mich mit THE GATHERING nicht besonders gut aus, aber das ist das Projekt von Anneke van Giersbergen, oder? Ist das die richtige Band, an die ich da denke?

Ja, Anneke war damals noch in der Band.

Nathan: Ah, okay! Ich bin selbst ein großer DEVIN TOWNSEND-Fan. Ich weiß, dass die beiden viel zusammen gearbeitet haben. Aber das war keine unbewusste Inspiration. Ich glaube nicht, dass wir diesen Song kannten.

Anaïs: Wir mögen alle verschiedene Sachen, in manchen Situationen passen Spoken Word-Elemente sehr gut. Wir alle lieben AMENRA. Ich muss zugeben, ich hasse es wirklich, meine Stimme auf Französisch zu hören. Und ich habe darum gekämpft, dass diese Aufnahme im Mix nicht lauter gemacht würde. Und der Rest der Band hat darum gekämpft, sie lauter zu machen.

Nathan: Das ist sicher eine Frage des Selbstvertrauens. Wir alle lieben es und finden, dass es großartig klingt. Und wir mussten darüber streiten, indem wir die Lautstärke für beide Versionen des Songs ein paar Mal erhöht haben, glaube ich. Wir haben darüber gestritten. Aber das liegt wohl an der Komfortzone. Jedes Mitglied von DOMHAIN macht in diesem Projekt etwas Einzigartiges, was wir zuvor nicht gemacht haben. Wir müssen einfach mehr Selbstvertrauen damit gewinnen, denke ich. Der Song ist jetzt draußen. Und wir werden mehr von so etwas machen.

Anaïs:  Okay. Dann bist du als Nächstes dran.

Ich kann dazu sagen, dass das aus meiner externen Perspektive zu meinen Lieblingsparts des Albums gehört.

Anaïs: Du hilfst mir hier nicht weiter. Aber danke trotzdem.

„Wir jammern viel. Aber wir vertrauen dem Prozess. Wir wissen, dass wir gute Ergebnisse erzielen werden, auch wenn die Idee verrückt ist.“ – Nathan Irvine und der Rest von DOMHAIN gibt sich den visuellen Ideen von Anaïs gerne hin.

Gern! Das ist ein guter Punkt, um auf das Thema Sprachen zu kommen. Hauptsächlich schreibt ihr auf Englisch, aber ihr verwendet neben Französisch auch etwas Gälisch. Das finde ich sehr interessant, weil es eine Brücke zwischen Vergangenheit und der Gegenwart schlägt. Gälisch ist auch der Vergangenheit und Anaïs, du kommst aus Frankreich, das ist also deine persönliche Vergangenheit.

Anaïs: Es geht wahrscheinlich darum, woher wir kommen und wer wir sind. Dabei sind wir alle gleich, wir alle wollen dasselbe sagen. Ich denke, das ist die Botschaft, die wir vermitteln wollen, egal ob wir Französisch, Englisch oder Gälisch sprechen. Wir sind alle Söhne und Töchter der Welt, der Natur, und wir haben diese Verbindung dazu – unabhängig von der Sprache. Und wir drücken uns auf sehr unterschiedliche Weise aus. Ich lebe seit 2008 in Irland, also schon sehr lange. Und es gibt immer noch Dinge, die ich auf Englisch nicht genau ausdrücken kann, aber ich weiß, wie ich sie auf Französisch sagen kann, auf die wirklich poetische Art und Weise, die ich möchte. Es ist ein Sprachniveau, das ich vielleicht nie erreichen werde, tatsächlich schöne Texte auf Englisch schreiben zu können. Ich finde es viel schwieriger als auf Französisch, selbst jetzt noch. Andy ist wirklich gut darin, Texte zu schreiben, und wir arbeiten so zusammen. Und er war glücklich in „Footsteps II“ auf Französisch zu singen . Er hat sich nicht davor gedrückt. Und ich war glücklich, es auf Irisch zu versuchen. Und ja, wenn es einen Deutschen in der Band gäbe, würden wir wohl auch auf Deutsch singen. Es gibt keine Grenzen.

Während ich mir das Album angehört habe, habe ich oft das deutsche Wort „Hingabe“ im Hinterkopf, das im englischen sowohl „devotion“ und „dedication“ als auch „surrender to something bigger“ bedeuten kann. Und ich finde, all diese Bedeutungen passen gut zum Album. Textlich und konzeptionell geht es meiner Meinung nach sehr stark um die Rückkehr zur Natur. Auf der anderen Seite gibt es musikalisch viel Intensität und Leidenschaft. Könnt ihr das nachvollziehen?

Anaïs: Das ist wirklich interessant. Ich glaube nicht, dass es im Französischen oder Englischen ein Wort gibt, das diese Bedeutungen hat. Kannst du uns das Wort schicken?

Ich stelle es in die Chatbox. Das bringt mich auch zum ersten Song, „Talamh Lom“, der sehr episch beginnt, und dann vermittelt der epische Up-Tempo-Teil ein Gefühl des Fliegens. Und mir gefällt, dass das Stück so dynamisch ist. Die Bedeutung des Titels lautet „Unfruchtbare Erde“. Das Video passt da sehr gut dazu: Auf der einen Seite gibt es beeindruckende Naturszenen, dem gegenüber stehen Umweltverschmutzung und hässliche Industrie. Da zu passt, dass ich heute eine Ausstellung von der Fotografin Saskia Groneberg besucht habe. Der Titel lautete „Fragments Of Eden“. Dort gab es ein Zitat des Historikers Hans von Trotha: „Jeder Garten, sei er gebaut, geplant, geträumt, geschrieben, gemalt oder auch nur gedacht, ist ein Echo auf das Paradies, also letztlich die Kompensation eines Verlusts.“ Und ich bekam Gänsehaut, weil diese Fotoausstellung und der Song so gut zusammenpassen. Welches Konzept lag dem Song zugrunde?

Anaïs: Wir haben diskutiert, ob es zu klischeehaft ist, wieder das Thema Natur aufzugreifen, denn es ist etwas, worüber schon viel gesprochen und geschrieben wurde. Aber es ist relevanter denn je und somit immer noch wichtig für uns. Das ist ein Thema, das uns wirklich am Herzen liegt. Wir stehen der Natur nahe, wir hassen es, wenn sie zerstört, verschmutzt, reduziert und ignoriert wird. Das war das Thema der ersten EP, „Nimue“. Die erste EP und das erste Album passen in diesem Kontext wirklich gut zusammen, weshalb ich denke, dass es für mich nicht um eine EP und ein Album geht, sondern um ein Konzept, das wir zusammenbringen. Und ich denke, danach werden wir ein neues Kapitel aufschlagen und uns vielleicht wieder für etwas anderes öffnen.

Nathan: Vielleicht, wenn wir uns davon lösen können.

Anaïs: Vielleicht. Wir haben noch nicht wirklich mit dem Schreiben begonnen. Ich glaube auch nicht, dass wir plötzlich über etwas völlig Anderes reden und nie wieder auf die Natur zurückkommen. Das können wir vermutlich auch gar nicht. Es gibt immer noch einige Künstler, die sich mit den gleichen Themen beschäftigen, aber ich habe den Eindruck, es sind weniger geworden, während das Problem immer noch besteht.

All das hat mich zum Nachdenken gebracht. Menschen sind die einzige Spezies die bewusst das Gesicht des Planeten verändert, weil sie den Planeten an sich anpassen, und nicht wie alle anderen Spezies, sich an den Planeten anpassen. Kann es auf diesem Planeten keine Natur mehr geben, ganz einfach weil der Mensch bereits alles verändert hat? Diese Erkenntnis hat mich etwas runtergezogen.

Anaïs: Es ist deprimierend. Und wir als Band, versuchen uns davon zu lösen. Wir haben diese Figur auf dem Cover. Das Album folgt diesem Bild einer Person, die all das sieht, diesen Schaden an der Umwelt und Natur, und darüber deprimiert ist. Sie sucht nach einem Weg, all dem zu entkommen und einfach wieder ganz zur Natur zurückzukehren. Aber der einzige Weg, den es wirklich gibt, ist der Tod. So düster das auch ist. Wir haben mit der Göttin der Natur, „Nimue“, begonnen, die die Menschheit bestraft. Und die nächste Seite, dieses Album, ist eher die Sichtweise eines Menschen, der zurück zur Natur selbst finden möchte.

Würde es also für „In Perfect Stillness“ zutreffen, die Story in die Kapitel Erkenntnis („Telemh Lom“) über die Entfernung („Footsteps II“) bis hin zur Versöhnung („In Perfect Stillness“) und schließlich Conclusio („My Tomb Beneath the Tide“) aufzuteilen?

Nathan: Ja, wir finden, dass es ganz gut fließt.

blank
Das Debütalbum: DOMHAIN – „In Perfect Stillness“ (2026)

Das gefällt mir. Ich finde, die Split-EP hatte ein wunderschönes Cover. Und ich mag auch das Cover von „In Perfect Stillness“ sehr, aber es ist viel düsterer. Gleichzeitig ist es sehr friedlich. Und trotz all der Morbidität, die in dem Artwork steckt ist es schön, wie der Mensch die in diese Blume hinein zu fließen scheint.

Nathan: Anaïs, hast du es gerade da?

Anaïs: Ja, habe ich. Aber normalerweise ist es schwer zu sehen, wenn es dunkel ist.

Nathan: Es ist beeindruckend und unglaublich.

Ich kann es kaum erwarten, meine LP zu erhalten.

Nathan: Ja, wir können es auch kaum erwarten. Wir sind sehr gespannt darauf, die fertige LP zu erhalten.

Anaïs steht auf und geht zum Zeichentisch im Hintergrund, holt ein Gemälde mit ca. 100 cm Seitenlänge.

Anaïs: Hier ist es. Ich weiß nicht, ob du es hier im Licht sehen kannst. Ich brauche ein helleres Licht – warte mal. Anaïs schaltet eine weitere Lampe ein. Siehst du etwas? Es ist ziemlich dunkel.

Ja, das ist es. Ein wunderschönes Bild. Es sieht auch hier echt beeindruckend aus – und es hat einen friedlichen Charakter. Wirklich so, als würde man zurück zur Natur kehren. Und da bin ich immer noch mit dem Wort „Hingabe“ – Teil von etwas Größerem werden.

Nathan: Das ist cool. Das macht Sinn.

Anaïs: Er lässt mich das Bild während eines Interviews herzeigen, um damit anzugeben.

Nathan: Nicht, um damit anzugeben.

Anaïs: Ich muss es wirklich einrahmen und an die Wand hängen, damit ich es nicht mehr bewegen muss.

Nathan: Das Artwork für die Split-Veröffentlichung war auch schön. Ist das bei Andy zu Hause?

Anaïs: Ich habe es Andy gegeben. Ich glaube, er hat es gerahmt. Ich habe ihn jedenfalls darum gebeten, also sollte es so sein.

Nathan: Es wird irgendwo in einer Ecke stehen.

Anaïs: Und verstaubt. Das Bild für „Of Pine And Oak“ ist viel kleiner. Es misst etwa 30 oder 40 Zentimeter pro Seite. Und es war ein bisschen improvisiert. Ich hatte eine grobe Vorstellung davon, was ich machen wollte und von dem Gefühl, das ich vermitteln wollte. Ich habe Musik gehört und angefangen zu malen und das Bild werden lassen, was es werden wollte. Das funktioniert manchmal, manchmal auch nicht. Ich war mit diesem Bild zufrieden. Für das Album habe ich das Artwork jedoch komplett geplant. Ich habe es zuerst digital gezeichnet und überlegt, wo ich welches Element haben wollte. Ich hatte ein bisschen Freizeit, also habe ich einfach dieses wirklich große Ölgemälde gemalt. Das war eine tolle Zeit, einfach zu Hause und mit viel Musik zu malen. Ölgemälde sind wirklich toll, sie sind weich. Ich finde nur so kann man dieses Gefühl vermitteln. Wenn ich ein anderes Medium verwendet hätte, hätte es nicht so friedlich gewirkt. Die friedliche Seite davon ist das, was ich wollte. Die Figur schläft, es hat etwas wirklich Bequemes. Ich wollte nicht, dass die Leute das Bild betrachten und den Eindruck haben, da sei ein verwesender Körper zu sehen. Es ist jemand, der sich in einem Nest befindet, es wächst Gras um die Person herum. Der gesamte Prozess hat wirklich Spaß gemacht.

Wie lange hat es gedauert, ein Bild wie dieses zu malen?

Anaïs: So circa zwischen einer und zwei Wochen ohne die digitale Skizze. Es gehört viel mehr dazu als nur das Malen. Man muss ewig warten, bis es trocknet. Das dauert bei Ölgemälden ewig. Dann muss man es auf eine bestimmte Art und Weise lackieren und am Ende professionell einscannen lassen – das ist bei dieser Größe erforderlich. Am Ende kommen man ein paar digitale Tricks, das Logo einfügen, und so weiter. Insgesamt war das wahrscheinlich ein Monat Arbeit, ohne die zwei Monate Trocknungszeit mitzurechnen. Da liegt es einfach nur herum und trocknet.

„Wir hätten nie daran gedacht, ein Handy zu benutzen, aber wir waren vor Ort, wir hatten die Schauspielerinnen, die weit gereist waren, wir hatten keinen anderen Tag zur Verfügung, um das Video zu drehen.“ – Nathans iPhone rettete den Videodreh zu „My Tomb Beneath the Tide“.

Hast du eigentlich eine Kunstschule besucht, beziehungsweise Kunst studiert?

Anaïs: Ja, ich habe in Frankreich das Abitur gemacht, danach habe ich studiert. Nicht Kunst, aber Grafikdesign.Ich habe mich schon seit meiner Kindheit mit Kunst beschäftigt. Meine Großmutter Malerin. Sie nichts anderes gemacht, als Ölbilder zu malen. Sie hat mich zu ihrem Lehrer mitgenommen, als ich ein kleines Mädchen war. Und so habe ich auch immer gemalt.

Nathan: Nur um hier etwas beizutragen. Wir sind unglaublich glücklich, Anaïs zu haben. Du kannst rot werden, so viel du willst. Du machst nicht nur das, sondern übernimmst auch die Regie für die Musikvideos, die T-Shirt-Designs, die CD-Layouts. Alles was das Design angeht kommt von dieser Person. Zum allergrößten Teil.

Anaïs: Finanziell ist es praktisch. Ich habe Glück, dass meine Band mich das machen lässt. Ich hätte auch in einer Band sein können, die nicht mag, was ich mache. Dann hätte ich mich nicht auf diese Art und Weise ausdrücken können. Sie vertrauen mir, selbst wenn ich ihnen sage, dass ich die Bilder für das Booklet selbst machen will. Meine geniale Idee ist, ihr steckt eure Köpfe in den Schlamm oder in das eiskalte Meerwasser. Die Band jammert ein bisschen,  aber sie machen es.

Nathan: Wir jammern viel. Aber wir vertrauen dem Prozess. Wir wissen, dass wir gute Ergebnisse erzielen werden, auch wenn die Idee verrückt ist. Wir legen einfach los. Man muss ja auch nur ein paar Stunden in der Sonne sitzen. Warum nicht? Man hat ja nichts anderes zu tun.

Anaïs: Das war sehr grausam.

Ich habe das Video gesehen, in dem ihr dokumentiert, wie die Fotos entstanden sind. Es ist ein wirklich schöner Einblick in den kreativen Prozess.

Nathan: Ich weiß nicht so recht, ob es für uns schön war. Du musstest nur im Gras sitzen. Was habe ich bekommen? (Nathan musste sich am Strand ins eiskalte Meerwasser legen – Anm. d. Verf.)

Anaïs: Ich weiß. Das war nur, weil ich eine vollständige Belichtung wollte. Wir hatten vier verschiedene Hintergründe. Es sei denn, wir hätten Schnee gehabt. Dann hätte ich dich in den Schnee setzen können.

Nathan: Das nächste Mal dann.

Das bringt mich zu einer provokanten Frage. Ich habe eine digitale Version des Booklets mit den Texten erhalten. Die Portraits von denen wir eben sprachen, wären von vielen anderen Bands sie heutzutage in Verbindung mit KI entstanden, aber das ist nicht eure Art. Daher glaube ich nicht, dass wir über generative KI sprechen müssen. Nutzt ihr KI stattdessen in anderer Hinsicht als Werkzeug? 

Nathan: Nein, ich nutze KI nur in der Arbeit. Da ist es ein nützliches Werkzeug. Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, um Kunst auszudrücken. Es wertet die Kunst ab. Ich stimme zu, es gibt kein Entkommen, wir sind bereits mittendrin. KI ist nicht nur ein Werkzeug, um an der Musik herumzubasteln. Wir sind nicht dazu da, damit KI Musik für uns erzeugt. Wir sind hier, um Musik zu erschaffen.

Anaïs: Vielleicht ist das der Unterschied. Eine Band, die KI einsetzt, sucht den Erfolg, anstatt für sich selbst Musik zu er schaffen. Jedem das Seine, aber das ist nichts für uns. Ich glaube nicht, dass wir KI jemals für irgendetwas eingesetzt haben.

Nathan: Wenn wir mit etwas zu kämpfen hatten, haben wir herumprobieren, bis es funktioniert hat. Wir haben uns als Band abgesprochen und mussten uns auf nichts und niemand anderes verlassen.

Anaïs: Das war schon immer so.

Fühlt ihr euch als Band und als Künstler von KI bedroht? Oder eher persönlich?

Nathan: Wenn ich die zu meinem Vollzeitberuf machen würde, würde ich mich davon bedroht fühlen. Wenn wir großen Erfolg hätten, dann wäre es so. Derzeit ist es ein Hobby, ein Leidenschaftsprojekt. Wir machen DOMHAIN in erster Linie für uns selbst. Ich glaube, das habe ich schon einmal gesagt. Wir haben Vorrang. Wenn andere mitmachen wollen, dann sei es so. Wir hoffen dabei natürlich, dass wir so vielen Menschen wie möglich mit unserer Kunst eine Freude machen können.

Anaïs: Ich selbst fühle mich bedroht. Nicht wegen DOMHAIN. Ich denke, die Leute, die uns hören, interessieren sich nicht für KI – das hoffe ich zumindest. Aber in meinem Vollzeitjob könnte mich das eines Tages komplett ersetzen. Das ist schon ein bisschen beängstigend.

blank
DOMHAIN (c) These Hand Melt

Lassen wir dieses deprimierende Thema beiseite. Nathan, du hast gesagt, dass die Band ein Leidenschaftsprojekt ist, und Anaïs, du hast gesagt, dass du viel Kreatives im visuellen Bereich machst, was der Band Geld spart. Ich habe mir natürlich auch das Video zu „My Tomb Beneath The Tide“ angesehen, und es hat cineastisches Flair. Ihr habt mit Schauspielern gearbeitet, das Storyboard gestaltet und generell großen Aufwand betrieben.Ich nehme an, wenn ihr einen externen Regisseur bezahlt hättet, wären Unsummen dafür draufgegangen.

Anaïs: Es ist ein 10-minütiger Track, das ist also fast ein Kurzfilm, und ich weiß auch nicht, wie viel so ein Video gekostet hätte; wahrscheinlich ein Vermögen. Wir hatten also eine Kamerafrau mit einer richtigen Kameraausrüstung, die mit uns dieses Musikvideo drehte, und diese Person ist mehrere Tausend pro Tag wert, aber ich wollte eben, dass es wirklich gut gedreht wird. Und was an diesem Tag passiert ist, muss ich jedes Mal erzählen. Es ist nicht überraschend, dass die gesamte Organisation des Drehtages schwierig war, die Suche nach den Darstellerinnen und die Suche nach einem Termin, an dem alle Zeit hatten, zumal wir die Darstellerinnen aus Dublin und aus dem absoluten Nirgendwo in Irland herholen mussten. Und als wir dort waren, konnte der Termin nicht mehr verschoben werden. Es war also soweit, und die Kamerafrau begann mit der ersten Aufnahme, der ersten Einstellung des Videos, in der man die Hauptdarstellerin, die Hauptfigur, vor den Wellen sitzen sieht. Sie macht diese Aufnahme, und ich mir gefiel es wirklich gut. Ich fand es wunderschön und war total begeistert. Dann machten weiter mit der zweiten Szene, und die Kamera ging kaputt. Die Kamera ging tatsächlich kaputt, und Fiona, mit der ich seit Jahren immer wieder zusammenarbeite, kennt ihre Ausrüstung in- und auswendig. Sie holte einen Schraubenzieher, öffnete die Kamera, fand das durchgebrannte Teil und konnte es nicht ersetzen. Wir hatten keine Kamera mehr, und Nathan rettete die Situation, indem er sein iPhone zur Verfügung stellte, um den Rest zu drehen. Also haben wir 90% dieses Musikvideos mit einem iPhone gedreht, und ich bin so froh, dass es so gut geworden ist. Ach ja, und wir hatten auch eine tolle Drohne und einen wirklich guten Drohnenpiloten, der die letzten Szenen gedreht hat, worüber ich sehr glücklich bin. Aber ja, das war wirklich stressig. Ich glaube, ich bin an diesem Tag 10 Jahre gealtert.

Nathan: Es war auch eine Art letzter Ausweg. Wir hätten nie daran gedacht, ein Handy zu benutzen, aber wir waren vor Ort, wir hatten die Schauspielerinnen, die weit gereist waren, wir hatten keinen anderen Tag zur Verfügung, um das Video zu drehen, und ich sagte: Okay, wir machen es jetzt mit meinem Handy. Und das war’s.

Anaïs: Ja, entweder wir ziehen es jetzt durch oder sagen es ab.

Nathan: Aber ich finde, das Video sieht fantastisch aus. Die Qualität ist viel besser geworden, als ich es von einem alten iPhone erwartet hätte. Ich möchte also lieber keine Werbung dafür machen. Ich weiß nicht, ob das die beste Art ist, aber für uns hat es auf jeden Fall funktioniert.

Ja, und ihr dachtet, wenn Danny Boyle „28 Years Later“ mit iPhones drehen kann, dann könnt ihr das auch.

Nathan: Ja, das war zuerst dran.

Anaïs: Ich bin von der Qualität begeistert und habe hier mein eigenes Set.

Die Bilder im Video sind auch besser als Danny Boyles Kameraaufnahmen aus „28 Years Later“.

Anaïs: Das kann ich nicht beurteilen, weil ich mit diesen Film nicht ansehen kann. Ich habe wirklich Angst vor Zombies.

Meine Frau und ich hatten am Samstag unseren 22. Jahrestag. Wir sind zusammen gekommen, während wir „28 Days Later“ gesehen haben, und jetzt stehen wir überhaupt nicht mehr auf Zombies. Wir haben jetzt Kinder, da schauen wir keine blutigen Filme mehr. Aber wir haben gesagt, aber wegen unseres Jahrestages machten wir eine Ausnahme und schauten den Film. Und ja, er war zu blutig und brutal für uns. 

Anaïs: Das glaube ich dir.

„Ich wollte nicht, dass die Leute das Bild betrachten und den Eindruck haben, da sei ein verwesender Körper zu sehen. Es ist jemand, der sich in einem Nest befindet, es wächst Gras um die Person herum.“ – Anaïs über das Artwork zu „In Perfect Stillness“.

Ihr hattet viele Gäste, sowohl auf der EP als auch auf dem Album, mit John Wilson am Klavier, Raul Andueza am Cello und Sarah Fielding am Gesang. Da Anaïs Cello spielt und in allen Tonlagen singen kann und Nathan auf der EP Piano gespielt habt, hättet ihr das Album auch ohne die Gastbeiträge fertigstellen können. Kamen die Gastbeträge zustande, weil sie auch aus der irischen Musikszene kommen und ihr mit Freunden zusammenarbeiten wolltest?

Nathan: Ja, John ist ein Bekannter. Er wohnt nicht weit von uns entfernt. Und er ist ziemlich gut mit Ashley befreundet, unserem anderen Gitarristen. Sie haben in der Vergangenheit schon an diversen Musikprojekten zusammengearbeitet. Wir hatten „Footsteps II“ geschrieben und dachten, dass ein Klavier das Stück bereichern würde. Ich habe in „Nimue“ einen kleinen Teil am Klavier gespielt, aber ich bin nicht auf dem Niveau, das für einen ganzen Song erforderlich wäre. Wir haben einfach John gefragt, und er war gerne bereit, mitzumachen. Wir haben ein paar Entwürfe bekommen, und wir sind einfach überwältigt von der Qualität, die er uns bieten kann. Und um ehrlich zu sein, ich glaube, das hat den Song geprägt. Johns Spiel hat ihn so viel eindrucksvoller, so viel größer und so viel besser klingen lassen. Raul wurde für „Nimue“ engagiert, und  er hat auf dieser EP so beeindruckende Arbeit geleistet, dass wir ihn wieder haben wollten. Wir wollten mehr von seinem Spiel. Zu Sarah… Ich nehme an, du möchtest die Weingeschichte erzählen?

Anaïs: Sarah, die Gastsängerin bei „My Tomb Beneath the Tide“, ist von DARKEST ERA und eine sehr alte Freundin, deren Stimme ich absolut liebe. Wir alle lieben ihren Gesang, und sie ist zufällig die Frau von Chris Fielding, der uns aufgenommen hat. Wir waren im Studio und hatten beiläufig darüber gesprochen, dass Sarah bei einem Track als Gast mitwirken könnte, und eines Abends kam sie nach der Arbeit ins Studio. Sie ist Geschäftsinhaberin einer T-Shirt-Druckerei und druckt die meisten Merchandise-Artikel von Bands in Großbritannien und darüber hinaus. Sie macht die besten T-Shirts. Sie hat also sehr lange, harte Arbeitstage und zwei Kinder. Sie kam im Studio an und war total fertig. Sie hörte sich an, was wir aufgenommen haben. Ich glaube, sie hatte es vorher noch nicht gehört. Sie ging mit einem großen Glas Wein, zum Mikrofon im Aufnahmebereich und improvisierte einfach ein paar Harmonien. Wir waren einfach überwältigt. Alles, ihr Ton, ihre Lautstärke, ihre Ideen, alles war sofort perfekt. Wir lieben einfach, was sie gemacht hat. Sie hat diesem Track eine neue Dimension verliehen. Das ist mein Lieblingsgastbeitrag auf dem Album.

Ihr wart schon zum zweiten Mal in Chris Fieldings Studio in Wales. Ich nehme an, das war eine gute Erfahrung für euch. Hattet ihr auch in früheren Bands mit ihm zusammengearbeitet?

Anaïs: Ja, er hat meine alte Band, CELTACHOR, ein- oder zweimal aufgenommen, ich weiß es nicht mehr genau. Und ich kannte ihn schon vorher, weil er die Band meines Ex-Mannes mehrmals aufgenommen hatte, und er ist einfach dafür bekannt, dass er PRIMORDIAL, WINTERFYLLETH und all die Bands aufgenommen hat, die uns wirklich am Herzen liegen, wie SAOR. Also ja, er ist der richtige Mann für diesen Job.

Nathan: Ich war ziemlich außen vor. Als ich zur Band kam, wurde uns gesagt, dass wir dort aufnehmen würden, und ich habe das in Frage gestellt. Ich dachte mir: Warum machen wir das nicht vor Ort? Warum bleiben wir nicht hier? Wir gingen zu ihm ins Studio und verbrachten dann die Zeit mit Chris, um herauszufinden, dass tatsächlich besser war mit ihm zusammenzusitzen und das zu bekommen, was man bekommt. Er arbeitet sehr, sehr präzise. Er weiß genau, was zu tun ist, und es ist sehr einfach, mit ihm zu arbeiten. Daher war es keine Frage, dass wir wieder zu ihm zurückkehren würden. Ich glaube, wir haben diese Entscheidung direkt nach „Nimue“ getroffen. Wir wussten sofort, dass wir wiederkommen würden.

Schön, wenn man etwas hat, das wirklich funktioniert, und man es nicht ändern muss. Wie lange habt ihr in seinem Studio aufgenommen?

Nathan: Ich glaube, es waren vier Tage.

Anaïs: Plus zwei Tage für das Schlagzeug, also eine Woche.

Das ging schnell. Und das Mastering hat Mike Lamb übernommen.

Anaïs: Ja. Mike Lamb von SOJOURNER und REMINA ist auch ein sehr guter Freund von mir. Das ging sehr schnell. Ich glaube, er hat zwei Versionen des Masterings gemacht, aber wir waren sofort zufrieden. Er ist eine weitere Person, die wir alle kennen, er versteht sein Handwerk. Er spricht unsere Sprache, seine Musik ist der unseren sehr ähnlich. „Nimue“ wurde von DÉHÀ gemastert, der auch ein wirklich sehr guter Freund ist. Wir hatten uns schon bei „Nimue“ gefragt, ob wir es von Mike oder DÉHÀ mastern lassen sollten. Also haben wir DÉHÀ „Nimue“ gegeben und Mike das Album, weil wir einfach mit beiden zusammenarbeiten wollen, aber man muss sich nun mal entscheiden.

blank
Die erste EP: DOMHAIN – „Nimue“ (2023)

Ja, das ist ein schöner Zufall. Ich habe mir gerade einen Hyperfokus auf einige Projekte von Heike Langhans, darunter auch REMINA und LIGHT FIELD REVERIE. Und gerade heute ist mir beim Anhören von REMINA aufgefallen, dass es stilistisch zwar ein ganz anderer Ansatz ist, aber das Sounddesign wirklich nicht weit von „In Perfect Stillness“ entfernt ist.

Anaïs: Ja, sie stehen uns definitiv nahe. Wir haben darüber gesprochen, Heike vielleicht in Zukunft auch als Gast einzuladen.

Okay, jetzt, da das Albumkürze veröffentlicht wird, habt ihr, schon ein oder zwei Festivals angekündigt. Wird es vielleicht auch Tourneen auf dem europäischen Festland geben? Habt ihr da schon etwas in Planung?

Nathan: Ich glaube nicht, dass etwas geplant ist, aber der Wunsch ist da. Wir versuchen, um etwas auf die Beine zu stellen, das ist sicher.

Anaïs: Wir haben einige Termine, die noch nicht bekannt gegeben wurden, aber im Moment ist keine Europatournee geplant. Es ist ziemlich schwierig, eine Tour zu realisieren, wenn wir auf dem Niveau sind, auf dem wir uns befinden. Das weißt du sicher. Das ist also nichts, was wir einfach so machen können. Wir kommen aus Irland, müssen fliegen oder mit dem Schiff kmmen. Das ist sehr teuer. Aber wir werden sehen, wir werden unser Bestes geben.

Vielleicht ein schönes Festival?

Anaïs: Das würde mir gefallen.

Habt ihr einen Booking-Agenten für Europa?

Anaïs: Nein, für Großbritannien und Irland haben wir einen, aber noch nicht für den Rest von Europa. Wenn du jemanden kennst, freuen wir uns über Vorschläge.

Anaïs, Nathan, es war mir ein Vergnügen. Vielen Dank für eure Zeit.

Anaïs: Vielen Dank, dass du mit uns gesprochen und uns deine Eindrücke vom Album vermittelt hast. Das war wirklich interessant.

Nathan: Du hast uns auch Stoff zum Nachdenken gegeben.

Anaïs: Sei nicht überrascht, wenn wir eines Tages ein Album oder einen Track mit dem Titel „Hingabe“ haben.

Ja, das würde mich sehr freuen.

Anaïs: Du bekommst 10 %. Bitte sehr.

Danke! Wenn es noch etwas gibt, dass wir vergessen haben, jetzt ist die Gelegenheit.

Anaïs: Ich denke, es passt.

Nathan: Ich freue mich einfach auf die Veröffentlichung und darauf, die Leute bei einigen Shows zu sehen. Wir hoffen, dass den Leuten das Album gefällt.

Anaïs: Ich auch!

Nochmals vielen Dank. Ich wünsche euch einen schönen Abend. Grüßt bitte den Rest!

Anaïs: Machen wir. Bye Bye.

Nathan: Danke. Bye Bye.

 

Bilder: (c) THESE HANDS MELT