DEATH SS: Man liebt oder hasst sie – und das ist genau das, was sie wollen.

DEATH SS: Man liebt oder hasst sie – und das ist genau das, was sie wollen.

In Italien fast schon Superstars, im Rest der Welt seit Jahren größtenteils komplett ignoriert – das sind DEATH SS. Die seit 1977 (!!!) aktive Band um Mainman Steve Sylvester veröffentlicht dieser Tage ihr zehntes Studioalbum – unzählige Compilations, Singles und Livemitschnitte lassen wir einfach mal außer Acht. Mit dem aktuellen Album „The 7th Seal“ soll endlich auch in Deutschland Boden gut gemacht werden, ob das tatsächlich gelingt sei mal dahingestellt. Interviewpartner war jedenfalls der Meister himself und der hatte Einiges zu sagen…

Zunächst eine Frage, die du momentan wahrscheinlich von fast Allen gestellt bekommst:
Beim letzten Album hattet ihr als Bandnamen die ursprüngliche Bedeutung von DEATH SS gewählt – IN DEATH OF STEVE SYLVESTER. Warum? War es auf Grund der ewigen Probleme, die einige Leute mit dem „SS“ hatten? Falls dies der Fall gewesen sein sollte, warum heißt ihr nun wieder DEATH SS?

Wir hatten vor allem in Deutschland immer das Problem mit dem Doppel-S, obwohl ich immer wieder erkläre, dass wir absolut nichts mit Nazikram zu tun haben und dass es sich ganz einfach um meine Initialen handelt. Trotzdem hatte die Änderung nicht nur damit zu tun. du musst wissen, dass wir es seit einigen Jahren lieben, unser Logo von Album zu Album immer wieder abzuändern, um es besser ins komplette Artwork integrieren zu können.
Im Falle des letzten Albums „Humanomalies“ passte der ausgeschriebene Name IN DEATH OF STEVE SYLVESTER ganz einfach besser zu diesem Zirkusbanner in unserem visuellen Konzept und darum hatten wir das so verwendet. Wenn du das Cover einer genauen Betrachtung unterziehst, wirst du beide Versionen finden: IN DEATH OF STEVE SYLVESTER und darunter – etwas kleiner – DEATH SS.
Bei „DEATH SS und IN DEATH OF STEVE SYLVESTER sind exakt das Selbe…

Zum Neuen Album „The 7th Seal„:
Verglichen mit „Humanomalies“ erscheint es mir wesentlich variabler, nach wie vor sehr modern, aber mit stärkeren Melodien ausgestattet. Für mich scheint es quasi ein kleiner Schritt zurück zu den eher atmosphärischen Stücken. Ich hatte beim Hören den Eindruck, dass ihr im Titelstück stilistisch fast alles verarbeitet, was ihr bisher gemacht habt, aber in einer reiferen Art und Weise als auf den alten Alben, zumal es sehr „up to date“ klingt. Was ist Deine Ansicht?

Du siehst das genau richtig! Das war exakt mein Ziel, als ich dieses Stück komponierte! Wir haben immer versucht, unseren Sound von Album zu Album weiter zu entwickeln, unseren Stil zu bereichern, anstatt immer wieder das Gleiche zu machen…
Von Anfang an bis heute ist unsere Grundstimmung mit Horror und Okkultismus eng verbunden, aber es gibt so viele Wege dies auszudrücken und somit haben wir unsere künstlerische Reise in sieben unterschiedliche Pakte oder eben „Siegel“ unterteilt. In diesem „siebten Siegel“ findest du alle musikalischen Einflüsse die wir während unserer bisherigen Karriere verarbeitet haben, mit der Hinzunahme von etwas Neuem. Der Sound ist anders als auf unserem letzten Album „Humanomalies“ und klingt wesentlich simpler und direkter, düsterer und weniger elektronisch – genau richtig für das apokalyptische Konzept, welches die Songs ausdrücken sollen.

Mit „Do What Thou Wilt“ habt ihr begonnen, mehr und mehr moderne Sounds zu integrieren. Wie haben die Fans darauf reagiert? Gab es Leute die sich geweigert haben, den jeweils nächsten Schritt mit euch zu gehen?

Death SS-Interview 2006 - Steve Sylvester
„Wir haben immer versucht, unseren Sound von Album zu Album weiter zu entwickeln, unseren Stil zu bereichern, anstatt immer wieder das Gleiche zu machen…“

Was du sagst ist richtig, aber ich denke, dass die typischen DEATH SS-Trademarks nach wie vor allgegenwärtig und in jedem unserer Alben klar erkennbar sind. Wir haben nur versucht, sie in die jeweils neuen Konzepte zu integrieren.
Es wäre vom künstlerischen Standpunkt betrachtet sinn- und respektlos unseren Fans gegenüber, wenn wir immer wieder die exakt gleiche Atmosphäre und dieselben Situationen heraufbeschwören würden. Ich persönlich bevorzuge es, jederzeit das volle Risiko zu fahren und Diskussionen zu provozieren, neuen künstlerischen Einflüssen zu folgen – auch wenn dies für einige engstirnigere Fans eine Enttäuschung bedeuten kann.

Ich denke, dass ihr für das rein traditionelle Publikum evtl. zu modern klingt, während die Nu Metal-Kids wahrscheinlich Probleme mit euch haben werden, weil die Melodien zu stark sind 😉 Was meinst du?

Ich habe immer versucht in erster Linie meinen eigenen Ansprüchen zu genügen, die Musik zu spielen die ich liebe, ohne darüber nachzudenken ob das nun von der breiten Öffentlichkeit gemocht wird oder nicht. Ich gebe natürlich zu, dass diese Strategie nicht gerade kommerziell ist, aber sie ist wahrhaftig und aufrichtig.

Ich mag das Stück „Another Life“, eine sehr untypische Ballade die eine seltsame, aber äußerst interessante Stimmung erzeugt. Wie bist du auf die Idee gekommen, solch einen unkonventionellen Song zu schreiben?

„Another Life“ ist eine Art dunkler Reflexion von allem was im Leben hätte sein können, aber niemals war. Es ist nicht unbedingt ein autobiographisches Stück und im Kontext des Konzeptes von „The 7th Seal“ repräsentiert es das Bewusstsein der vergangenen Zeit, die niemals wiederkehren wird. Die Musik soll die Bitterkeit des Textes widerspiegeln.

Ihr überrascht immer wieder mit etwas merkwürdigen Coverversionen, hauptsächlich von eher obskuren Bands aus den frühen Siebzigern, wie z.B. BLACK WIDOW, HIGH TIDE oder nun APHRODITE´S CHILD. Siehst du euch etwas in der Tradition dieser Bands, die ebenfalls diese spezielle, mystische Aura verbreiteten? Ist das die Musik die du privat bevorzugst, oder befasst du Dich auch mit der heutigen Metalszene?

Death SS Interview 2006 - Promobild der Band aus dem Jahr 2006
„Von Anfang an bis heute ist unsere Grundstimmung mit Horror und Okkultismus eng verbunden, aber es gibt so viele Wege dies auszudrücken und somit haben wir unsere künstlerische Reise in sieben unterschiedliche Pakte oder eben „Siegel“ unterteilt.“ – die Band verbindet auf dem neuen Album alte und neue Trademarks

Ich bin Plattensammler und liebe diese alten und unterbewerteten dunklen Bands der frühen Siebziger, die diese düstere und mysteriöse Atmosphäre erzeugten, eben diese Bands, die du aufgezählt hast. Wenn ich daheim bin höre ich so ziemlich alle Arten von Musik, alt und neu, Metal und Non-Metal, ohne jegliche Vorurteile. Ich kann Gutes und Schlechtes an jedem Musikstil finden. Das hängt ganz von meiner mentalen Verfassung in diesem speziellen Moment ab.

Eure Version von „Four Horsemen“ (APHRODITE´S CHILD-Cover) hat für mich ein gewisses TYPE O NEGATIVE-Flair. Wie siehst du das? Kannst du meinen Vergleich nachvollziehen?

Wir haben versucht dieses Stück auf unseren persönlichen Stil zuzuschneiden, ohne es zu sehr zu verändern, aus Respekt zum Original. Es ist das erste Mal, dass jemand Vergleiche zwischen uns und TYPE O NEGATIVE zieht, aber du könntest Recht haben…
In Auszügen kenne und schätze ich diese Band, vor allem ihre CD „Bloody Kisses„, eventuelle Ähnlichkeiten sind aber rein zufällig.

Euer Keyboarder Oleg Smirnoff ist für mich einer der interessantesten Tastenzauberer überhaupt, zumal er dieses Talent hat, merkwürdige aber immer nachvollziehbare Linien zu schreiben. Ich mochte sein Spiel bereits, als er noch bei ELDRITCH war. Wie wichtig ist er für Euren Gesamtsound?

Oleg war ein sehr wichtiges Mitglied bei DEATH SS. Leider hat er zu Beginn des Jahres beschlossen, seine musikalische Karriere zu stoppen, um sich auf profitablere Aktivitäten zu konzentrieren. Ich glaube er steht kurz davor zu heiraten und geht nun einem normaleren Lebenswandel nach, der ihm als Mitglied von DEATH SS leider nicht gewährleistet ist. Er wurde von Freddy Delirio ersetzt, wir haben jedoch nach wie vor eine sehr gute Beziehung zueinander.

Death SS-Interview 2006 - Promobild der Band aus dem Jahr 2006
„Seit langer Zeit gebe ich nichts mehr auf irgendwelche Kritiken. Alles ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und ich kann verstehen, dass eine Band wie wir extreme Reaktionen provoziert, wenn man uns nicht richtig kennt.“

Zu meinem Heimatland Deutschland:
Es scheint als würden euch nur Die-Hard Fans kennen, obwohl es euch mittlerweile seit fast 30 Jahren gibt. Kannst du mir sagen, warum das so ist? Ich kann mir auch nicht erklären, warum ihr in der aktuellen Ausgabe des Rock Hard den letzten Platz belegt habt. Gibt es da einige Probleme mit den Redakteuren?

Ich denke ich bin nicht der Richtige, um diese Frage zu beantworten. Egal, es ist korrekt, dass wir nur in unserem Heimatland bekannt sind, auch wenn es einige Tribute-Alben von Bands aus allen möglichen Ländern gibt. Der eigentliche Grund dafür könnte der sein, dass wir bis jetzt nie einen richtigen Vertrieb oder genügend Promotion außerhalb Italiens hatten.
Was das Review im Rock Hard angeht, das interessiert mich nicht. Seit langer Zeit gebe ich nichts mehr auf irgendwelche Kritiken. Alles ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und ich kann verstehen, dass eine Band wie wir extreme Reaktionen provoziert, wenn man uns nicht richtig kennt. Man liebt oder man hasst uns, aber das ist genau das, was wir wollen. Für ein Rock Hard das uns zerreißt, gibt es ein anderes Magazin, das uns in den Himmel hebt!

Ist es nicht frustrierend, wenn Bands nur auf Grund ihres Images und nicht wegen der Musik erfolgreich werden, während ihr seit Jahren beides bietet?

Ich weiß nicht was ich darauf sagen soll. In solchen Fällen spielen viele außermusikalische Fakten eine Rolle, wie z.B. das Ursprungsland und der jeweilige Plattenvertrag den du hast.
Wie auch immer, ich bin zufrieden, zumal ich seit fast 30 Jahren die Musik mache, die ich machen will, in absoluter künstlerischer Freiheit. Viele andere Bands können das nicht.

Was ist mit einer Tour durch Deutschland? Ich höre Eure Musik seit mittlerweile 15 Jahren und hatte noch nie die Chance euch live zu sehen. Ich denke eine Tour wäre wichtig, um den nächsten Schritt außerhalb Italiens machen zu können.

Die „7th Seal Tour“ wird im Oktober beginnen und wir planen in ganz Europa zu spielen, Deutschland wird eines der ersten Länder sein. Wir haben vor einigen Jahren in Wacken gespielt und es war fantastisch. Seid bereit für die unglaublichste Horrorshow auf Erden!
All The Be(a)st!

Bilder: Label

Ulle