CHARRED WALLS OF THE DAMNED: Ich mag alle Heavy Metal-Stile!

CHARRED WALLS OF THE DAMNED: Ich mag alle Heavy Metal-Stile!

Das selbstbetitelte Debüt von CHARRED WALLS OF THE DAMNED kam ziemlich plötzlich, dafür aber unheimlich intensiv. Richard Christy (ex-DEATH, CONTROL DENIED, ICED EARTH), der in Amiland bekannrermaßen auch als Comedian bei der Howard Stern-Show große Erfolge feiert,  hob die Band aus der Taufe, scharte einige begabte Musiker um sich und schon haben wir es mit einer der interessantesten Kombinationen aus Härte und Melodie zu tun, die es in letzter Zeit gab – und erfreulich eigenständig klingt das Ganze noch dazu. Richard gibt bereitwillig Auskunft und weiß, wovon er redet!
 
Hi Richard! Gleich zu Beginn ein dickes Kompliment für ein Album, auf welchem intelligentes Songriting, progressive und technische Parts sowie eingängige Melodien perfekt vereint wurden. Nicht viele Bands haben das in den letzten Jahren hinbekommen. Was war dein persönliches Ziel als Songschreiber?
 
Vielen Dank! Mein Ziel war es, Musik zu schreiben, die aus meinem Herzen kommt, in der Hoffnung, dass es Leute gibt, die sie ebenfalls mögen. Es ist ein großartiges Gefühl für mich Songs zu schreiben. Es macht mir so viel Freude Musik zu hören und zu schreiben und ich denke, das geht den meisten so, die ebenfalls Stücke verfassen. Es ist eine Passion die man in Musik kanalisieren muss. Schwierig zu erklären, aber es ist wie ein krampfhafter Zwang, Musik zu verfassen. Ich mochte das schon immer. Bei meinen früheren Bands war ich im kreativen Sinn zumeist auf mein Schlagzeug beschränkt, aber hier war ich zudem noch für Texte, Melodien und Gitarren zuständig. Es gibt mir unheimlich viel, Songs zu schreiben und dann von Leuten zu hören, dass sie meine Musik mögen. Wenn ich Emails von Fans bekomme, dass sie auf meine Songs stehen, dann bin ich schlicht glücklich, weil genau das mein Ziel mit dieser Band ist. Heavy Metal zu machen, den ich liebe und andere Leute hoffentlich auch. Heavy Metal hat mir seit ich zehn Jahre alt war so viel gegeben, dass ich ein wenig davon zurückgeben kann, wenn andere Leute meine Musik hören.
 
Ich mag Tim Owens´ (ex-JUDAS PRIEST, ex-ICED EARTH, BEYOND FEAR u.A.) Stimme wirklich sehr, aber um ehrlich zu sein: Ich bin ein kleiner Gesangslinien-Fetischist und die meisten seiner Melodien klangen mir immer zu gewöhnlich. Das WINTER´S BANE-Debüt war für mich seither sein musikalisches Highlight, bis ich nun eben zum ersten Mal CHARRED WALLS OF THE DAMNED gehört habe. Hast du die ganzen Gesangsmelodien geschrieben oder was ist passiert? Der Gesang ist fantastisch!

Nochmals Danke! Als ich die ersten, frühen Demos gemacht habe, war ich nicht nur für die Instrumente verantwortlich, sondern ich habe auch meine Gesangsideen aufgenommen. Ich wusste aber, dass sich die Linien spätestens im Studio ändern würden, dass eben Tim und Jason sehr gute Ideen haben würden. Wir arbeiteten also fünf Tage zu dritt daran und ich muss sogar sagen, dass 70% der Linien auf Jason zurückgehen, 30% auf mich, aber auch Tim hatte super Ideen. Jason ist sowohl ein fantastischer Produzent, als auch ein sehr talentierter Songwriter und er spielte gerade beim Gesang eine sehr große Rolle. Tim machte ebenfalls einen sehr guten Job und hatte den kompletten Gesang in fünf Tagen im Kasten – eine hervorragende Leistung!
 
Ich habe den Eindruck, du bist sehr open minded, wenn es um Musik geht. Viele Death Metal-Musiker würden niemals ein melodischeres Projekt machen, während umgekehrt die meisten Melodic-Mucker die Vocals im Death Metal schlicht hassen. War das jemals ein Problem für dich? Warst du von Anfang an deiner Karriere für alles offen oder war das eher eine konstante Entwicklung?

Ich war schon immer so, was den Metalbereich angeht. Ich liebe ganz einfach jeden Stil. Ich liebe Death Metal, Power Metal, Black Metal, Thrash Metal, ich mag ganz einfach alles daran! Wenn mich die Leute fragen, welchen Stil CHARRED WALLS OF THE DAMNED spielen, antworte ich immer mit Heavy Metal, ganz einfach deshalb, weil wir viele verschiedene Elemente in unserem Sound haben. Wir haben Blastparts wie im Death Metal, melodischen Gesang wie im Power Metal, technische Parts wie im Progressive Metal. Ich liebe alle diese Stile und möchte sie am liebsten auch alle in unseren Songs haben. Ich habe mir niemals Gedanken darüber gemacht, in welche Ecke sich alles entwickeln würde, als ich anfing die Stücke zu schreiben. Ich wollte das Material einfach super heavy, melodisch und eingängig haben, deswegen sind eben auch verschiedene Stile integriert.
 
Ich bin nicht unbedingt der Typ, der Bands miteinander vergleichen möchte. Wenn ich jedoch auf deine Karriere zurückblicke, würde ich sagen, dass die einzige Band mit der sich CHARRED WALLS OF THE DAMNED vergleichen lassen, wohl CONTROL DENIED ist. Was meinst du? War Chuck Schuldiner ein großer Einfluss für dich?

Ja, definitiv! Ich bin ein Fan seiner Musik, seit ich 1990 in der Highschool zum ersten mal DEATH gehört habe. Ich habe ihn immer dafür bewundert, dass seine Songs zwar unheimlich heavy, gleichzeitig aber auch melodisch und catchy waren. Es ist für mich eine Ehre, mit CONTROL DENIED verglichen zu werden, weil ich diese Band ganz einfach liebe und stolz darauf bin, ein Teil davon gewesen zu sein. Chuck wird immer einer meiner absoluten Helden bleiben und ich vermisse ihn jeden Tag und höre mir ständig seine Alben an. Das Album „Human“ ist ein sehr großer Einfluss für mich, die Kombination aus Melodie und Härte ist schlicht perfekt! Als ich Sean Reinert darauf Schlagzeug spielen hörte, war ich völlig fasziniert und übte jeden Tag dazu. Sowohl musikalisch, als auch was das Drumming angeht, war Chuck also eine riesige Inspiration für mich!
 
Wie schreibst du eigentlich Songs? Ist das als Drummer nicht etwas schwierig?
 
Ich spiele bereits seit 1992 auch parallel Gitarre und in den letzten fünfeinhalb Jahren, seit ich in New York lebe, habe ich sehr viel geübt und bin viel besser geworden. Das war auch einer der Gründe diese Band zusammenzustellen, zumal ich mich endlich sicher genug fühlte, Riffs und Musik zu schreiben und eine eigene Band zu haben. Obwohl ich sicherlich kein toller Gitarrist bin, funktioniert das sehr gut, zumal ich bereits für meine alte Band BURNING INSIDE jede Menge Riffs geschrieben habe. Meistens fange ich beim Songwriting mit einem Riff an, auf welches ich das Stück aufbaue. Manchmal, wie z.B. in „Ghost Town“, stehen aber auch die Drumparts zuerst und ich schreibe die Musik darüber.
 
Ist es ein Vorteil für CHARRED WALLS OF THE DAMNED, dass du auch als Comedian sehr erfolgreich bist?

Ich glaube nicht, dass das großartig was ausmacht. Ich denke es ist wichtig, gute Songs zu schreiben, die die Metalfans dann hoffentlich auch hören wollen – das ist mein Ziel mit dieser Band. Ich fing als Drummer an, daher denke ich, dass mich die meisten Fans auch als Drummer kennen und sich für CHARRED WALLS OF THE DAMNED interessieren, weil sie die anderen Bands schätzen, in denen ich gespielt habe. Es hilft natürlich in Amerika, weil ich meine eigene Band in der Howard Stern-Show promoten kann. Außerhalb Amerikas kennt natürlich kaum jemand die Show, insofern ist es wichtiger, in diversen Magazinen und im Internet vertreten zu sein.
 
Gibt es Leute, die mit „unserer“ Musik überhaupt nichts zu tun haben und sich nun dafür interessieren, weil sie deine Arbeit bei Howard Stern schätzen?

Ja, ich habe einige Emails erhalten, die CHARRED WALLS OF THE DAMNED in der Show gehört hatten und uns mochten, obwohl sie sich normalerweise gar nicht für Heavy Metal interessieren. Ich finde das ziemlich cool, zumal ich ja auch die Möglichkeit habe andere Bands zu promoten und täglich Millionen von Menschen in den USA und Kanada zu erreichen. Ich habe Bands wie SIX FEET UNDERCANNIBAL CORPSE, NAGLFAR, WRATCHCHILD AMERICA, RAGE und vieles mehr in der Howard Stern-Show gespielt. Ich bekomme dann viele Emails von Leuten, die es lieben, diverse Undergroundbands in der Show zu hören, und das finde ich klasse!
 
Alles an eurem Album ist super, mit Ausnahme des Covers und des Logos – wie konntet ihr nur…? O.k., nur meine persönliche Meinung, aber ich kenne einige Leute, die das Album sehr mögen, aber zunächst nicht reingehört haben, weil sie dachten, es würde sich um eine billig klingelnde Rumpeltruppe handeln.

Nun, ich mag das Artwork und ich denke der Designer hat einen tollen Job gemacht, allerdings muss man auch bedenken, dass man auf der Digi-Pack CD nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekommt. Ich denke das ist es auch, was die Leute nicht mögen. Das komplette Artwork findet man auf dem Booklet und ich persönlich finde es toll, mit all den Kreaturen und Bergen im Hintergrund.

Das Album ist sehr kurz, aber trotzdem enorm abwechslungsreich. Wie kommt´s?

Im Demostadium war die Platte gut 10-15 Minuten länger. Als wir jedoch im Studio waren, saß ich mit Jason zusammen und wir machten noch einige Änderungen. Wir kürzten einige Parts oder ließen sie ganz weg, außerdem wurde bei einigen Tracks noch das Tempo angezogen. Nach den ganzen Änderungen klang das Album dann einfach besser, kam schneller auf den Punkt, war aber eben auch wesentlich kürzer.
 
Arbeitest du bereits an neuem Material? Ich hoffe doch, es wird ein weiteres Album geben?

Ja, ich habe bereits acht Songs soweit fertig und arbeite gerade im Moment am neunten. Ich war so begeistert von den ganzen Reaktionen, dass ich es nicht abwarten kann, bald wieder ins Studio zu gehen! Nach den Aufnahmen war ich dermaßen inspiriert, dass ich sofort mit dem Songwriting angefangen habe. Ich habe so viel bei den Sessions gelernt, dass ich denke, das zweite Album wird noch stärker werden. Songs zu schreiben ist wie ein Instrument zu spielen. Je besser du wirst, desto mehr fließt es aus dir heraus, und das vereinfacht mir die Sache inzwischen enorm.
 
Was dürfen wir erwarten? Gibt es etwas Neues, was du gerne ausprobieren möchtest?

Wie auf unserem Debüt, wird es sehr melodisches und heavy klingendes Material zu hören geben. Ich möchte die Songs sehr einprägsam gestalten und bisher passt das auch bestens. Ich habe dieses Mal mehr Stücke geschrieben, die von Schlagzeug-Ideen herrühren, daher sind teilweise ziemlich verrückte Parts enthalten. Die Leute, die die erste Platte mögen, werden die zweite lieben! Ich möchte aber definitiv noch live spielen um das aktuelle Album zu promoten, bevor es wieder ins Studio geht.
 
O.k., jetzt bitte spontan antworten. Du kannst deine Meinung auch gerne begründen, wenn du möchtest.
 
BEATLES oder STONES?

Definitiv die BEATLES. Sie sind die einflussreichste Band aller Zeiten. Lennon und McCartney waren die begnadetsten Songwriter überhaupt!
 
LED ZEPPELIN oder RUSH?

RUSH! Ich liebe beide Bands, aber Neil Peart ist einfach unglaublich! Sein Drumming war ein riesengroßer Einfluss für mich und ich liebe auch Geddys Gesang.

ABBA oder ABBA?

Hehe, ich würde mal ABBA nehmen, aber ich habe ja auch keine andere Wahl. „Dancing Queen“ ist sehr catchy!
 
MORBID ANGEL oder CANNIBAL CORPSE?

Ich mag beide Bands so sehr, dass ich mich da wirklich nicht entscheiden kann. Beide Bands sind schlicht perfekt! „Tombs Of The Mutilated“ und „Covenant“ sind zwei meiner Alltime-Faves.
 
Deine Alltime-Top 5? Völlig egal, welcher Stil!

WRATHCHILD AMERICA: 3-D (Thrash Metal-Klassiker!)
 RAGE: Perfect Man (ein weiterer Klassiker, einer meiner Lieblings-Drumsounds überhaupt!)
 NEVERMORE: „Dead Heart In A Dead World“ (geniales Songwriting und brilliant eingängige Stücke)
 RIOT: Thundersteel (Power Metal-Klassiker, Bobby Jarzombeks Drumming ist unglaublich!)
 KING DIAMOND: Them (Bestes Drum-Intro aller Zeiten in „Welcome Home“)

Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten und viel Erfolg mit eurem Album!

Danke für das Interview und die netten Worte zu  CHARRED WALLS OF THE DAMNED!

Ulle