ZOMBI: Spirit Animal

ZOMBI: Spirit Animal

Sicherlich, manche Ignoranten verteufeln eh und je die Neuzeit, wie jeder weiß war früher alles besser, die jungen Leute, sie haben alle keine Vision, keinen Mut, keine Seele. Gut, vielleicht ist das übertrieben, aber diverse Kuttenträger früherer Generationen stimmen mit diesem polemischen Gedankengut bestimmt überein. Vielleicht kommt auch aus den Reihen einiger Freunde progressiver Rockklänge eifrige Zustimmung, denn so Einiges an Vision und Kühnheit vergangener Tage scheint für immer verloren. Die glorreichen Siebziger sind in weiter Ferne, doch mit einen Blick auf das wundervolle, erhabene Cover des dritten RELAPSE-Albums des Duos ZOMBI, hierzulande freilich sträflich unterbewertet, erfüllt mit wohliger Wärme und mit der Gewissheit, dass es doch immer irgendwie weitergeht.

Insider wissen schon lange, dass ZOMBI eine der wenigen Bands dieser Tage sind, die man nach nur vier Sekunden sofort und zweifelsfrei erkennt. Der Synthesizer-Rock der beiden Genies aus Pittsburgh und New York City ist geprägt vom warmen Klang der Instrumente der Siebziger Jahre, wer auf die guten alten John Carpenter-Streifen steht und wer von den GOBLIN-Soundtracks der Romero-Klassiker schwer angetan ist, der sollte nun bitte ganz aufmerksam weiterlesen, es könnte sein, dass sich hier eine Liebesaffäre sondergleichen anbahnt, so wie bei mir, als ich vor Jahren zum ersten Mal Cosmos hörte.

ZOMBI sind schwer geprägt von den Science Fiction- und Horrorfilmen der Achtziger und diese Band ist ihre Liebeserklärung an diesen Sound, wundervoll authentisch, mit originalen Instrumenten und einer völlig unkonventionellen Art des Songwritings. Dass ZOMBI zum Selbstläufer verkommen sind, ist eh klar, dass sie für einige Independent-Filme selbst Soundtracks liefern durften, unterstreicht die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit dieses Projekts. Dass es mit Spirit Animal nun endlich einen Nachfolger zum fantastischen Surface to Air gibt, ist hoch erfreulich, zumal es sich hier auch um den berühmt konsequenten Schritt nach vorne handelt. Somit schaffen Steve Moore und A.E. Paterra im Jahre 2009 keine Soundtracks zu imaginären Filmen, sondern, und das ist viel besser, sie liefern mit ihrem unwahrscheinlich dicht komponierten Material den Film selbst.

Vor allem der eröffnende Titelsong ist eine Großtat, extrem dicht arrangiert und mit viel mehr ausgestattet als nur Seventies-Synthesizer, fräst sich ins Gehirn und versetzt den Hörer in Trance, vor allem die leisen Stellen bieten den bestmöglich Nährboden für das extravagante Finale. Mit dem fast tanzbaren Spirit Warrior und dem sehr psychedelischen Earthly Powers wandeln ZOMBI dann nicht mehr ganz auf solchen wagemutigen Pfaden, aber immer noch so visionär, dass man sich in dieser Musik verlieren kann, wie es ansonsten nur selten möglich ist. Das ist einfach wunderschöne Musik, basierend auf altmodischen und in der heutigen Zeit schon wieder herrlich originellen Synthesizern, mit einer bärenstarken Rhythmuseinheit im Kreuz, nämlich anspruchsvollem, vertracktem und doch federleicht treibendem Drumming und dem schönsten Basssound überhaupt. Und gerade der Bass macht im Falle von ZOMBI ganz viel aus, weil er sich mit einem vollen, warmen Klang als perfektes Bindeglied zwischen dem Schlagzeug und den Synthesizern einfügt, selten dass dieses Instrument so wichtig für eine Band war und so liebevoll seinen Platz in der Musik erhält.

Als neues Element, und um die Sache noch spannender zu halten, sind an einigen Stellen als neues Element erstmals auch Gitarren zu hören, die jedoch die Musik nur unterstreichen und niemals dominieren. Ohne kommen locker die beiden abschließenden Stücke nach wie vor aus, zunächst das dramatische, atemberaubend spannende Cosmic Powers mit seinem fast schon hektischen Flair ist das ein ganz besonderes Trip durch Raum und Zeit. Mit seinen siebzehneinhalb Minuten Länge und nur zwei Riffs ist das abschließende, mit derben Basssynthesizern ausgestattete Through Time dann die pure Hypnose, die aber nur entsprechend funktioniert, wenn man sich darauf wirklich einlässt und Zeit mitbringt. Dann aber steht dem hemmungslosen Abdriften rein gar nichts mehr im Wege.

Spirit Animal ist das Feuerwerk an Kreativität und Relevanz, das eigentlich nicht unerwartet war. ZOMBI sind in Topform, zeigen keinerlei Schwächen, halten ihr Niveau durchgehend, erlauben sich keinerlei Aussetzer, auch wenn dies, ehrlich gesagt, in der Vergangenheit manches Mal der Fall war. Spirit Animal ist ein Trip, ist eine Chance Zeit und Raum zu vergessen und sich treiben zu lassen, bietet unübertrefflich faszinierende Klangeskapaden, die tief unter die Haut gehen und die Nackenhaare zu Berge stehen lassen, ohne dabei den Song aus den Augen zu verlieren. Für Filmfreaks, Freunde der Siebziger und der Instrumente dieser Zeit und Menschen, die sich gerne im Höchsten, der Musik nämlich, verlieren, sollten ZOMBI die erste Anlaufstelle sein, wenn es darum geht, etwas Neues, unfassbar Großes zu entdecken.

Veröffentlichungstermin: 6. Februar 2009

Spielzeit: 57:55 Min.

Line-Up:
Steve Moore – Synthesizers, Keyboards, Electric / acoustic guitars, bass guitar
A.E. Paterra – Drums, Synthesizers

Produziert von ZOMBI
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.zombi.us

MySpace: http://www.myspace.com/zombi

Tracklist:
1. Spirit Animal
2. Spirit Warrior
3. Earthly Powers
4. Cosmic Powers
5. Through Time

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle