VAMPIRE: Rex

Vampire Rex Cover

Düsterer Heavy Metal mit leichter Death/Black-Kante, kehligem Gesang an der Grenze zum Growling, verwoben mit düsterem Image und Artwork hat momentan Konjunktur. TRIBULATION, mit ihrem künstlerischen Ansatz, IN SOLITUDE, die sich aufgelöst haben, nachdem sich KING DIAMOND wider Erwarten doch nicht in ihrem Proberaum manifestiert hat, und mein Favorit aus dieser Riege, SLAEGT, die in der Lage sind, Ruppigkeit und Twin-Gitarren harmonisch zu vereinen. Man könnte sicher noch CHAPEL OF DISEASE anhand ihrer letzten Platte aufzählen, die aber qualitativ ein Level höher agieren. Und es gibt eben auch VAMPIRE, die man leider als die am wenigsten eigenständig in dieser Aufzählung betrachten muss.

Die Göteborger haben eine große Schippe frühen Thrash, vor allem SLAYER´s erste beiden Alben, in ihrem Sound und klingen damit teilweise fast speed-metallisch, garnieren das alles mit einer ziemlich dicken Schicht aus mittleren WATAIN oder neueren DISSECTION.

„Rex“ ist nicht schlecht, lässt mich aber ratlos zurück

Das neue Album der Göteborger lässt mich leider ähnlich ratlos zurück, wie das vorherige. Obwohl man insgesamt von einer Steigerung sprechen muss, kann ich mich einfach nicht dazu durchringen, das wirklich gut zu finden oder gar abzufeiern, auch wenn ich es eigentlich gerne möchte.

Und das liegt nicht daran, dass die Band schlechte Songs hat, denn das ist nicht der Fall. Das Songwriting ist souverän, die Riffs kraftvoll, die Arrangements sind durchdacht und abwechslungsreich. Die Band verbreitet Power und Aggression ohne zu rabiaten Mitteln zu greifen, sondern mit, nach heutigen Verhältnissen, nur angezerrten Gitarren und kreiert dennoch eine dunklere Atmosphäre als manche Blastbeat-Kombo. Die Produktion ist ebenfalls positiv anzumerken und verpasst den Songs ein gewisses Old-School-Feeling, ohne jedoch Abstriche an Energie und vor allem an Transparenz vorzunehmen. Das Klangbild ist klar, kraftvoll und an den richtigen Stellen dreckig. So eine Produktion hätte in den 80ern eine unfassbare Stange Geld gekostet.

Also, die Rahmenbedingungen stimmen, aber dennoch will sich keine Freude einstellen. Und das liegt daran, dass in jedem Song das Vorbild nicht nur inhärent präsent ist, was ja in Ordnung ist, sondern einem nahezu ins Gesicht springt. Das Titelstück kommt daher wie eine Mischung aus WATAIN ´s „Storm of the Antichrist“ und „Die by the Sword“ von SLAYER, die bei „Pandemoni“ noch etwas intensiver vorbeischauen. Und so geht es weiter. WATAIN hier, WATAIN da, ein bisschen MERCYFUL FATE und noch etwas DISSECTION oben drauf. Bezeichnend ist, dass ich nach intensiven Hören von „Rex“ den Rest des Tages einen WATAIN-Ohrwurm hatte…

VAMPIRE gehen auf „Rex“ kein Risiko ein. Leider.

Ich bestehe nicht auf absolute Eigenständigkeit bei jeder Band, im Gegenteil, Orientierung an Vorbildern ist durchaus reizvoll, Musik entsteht zunächst durch das Verschmelzen von Vorbildern mit den eigenen Emotionen, und selbst das reine Worshipping kann ab und zu reizvoll sein, wenn es mit dem entsprechenden Herzblut dargeboten wird.

Aber das, was VAMPIRE hier machen klingt einfach viel zu rational, zu kalkuliert und teilweise einfach nach Baukasten. Ich meine damit nicht, dass die Band irgendwie auf Erfolg schielt, das wäre heutzutage auch reichlich blauäugig, ich glaube der Band, dass sie das liebt, was sie tut, aber sie geht auch einfach kein Risiko ein. Dieser Eindruck wird auch davon unterstützt, dass man das interessanteste Stück, nämlich das zurückhaltende „Anima“  mit sehr gelungenen Gitarren-Arrangements kurz vor Schluss der Platte versteckt hat. Die Schweden setzen ausschließlich auf bei anderen Bands bereits bewährte Bausteine, die sie zwar neu zusammensetzen, mit denen sie aber leider nichts wirklich Neues zu sagen haben. Dabei hätte die Band durchaus Potenzial für eine Entwicklung, aber momentan ist davon nicht viel zu spüren und wir sind schon bei Album Nummer Drei.

Bei aller Düsterkeit und technischer Finesse ist „Rex“ damit leider ein risikoloses, fast harmloses Album geworden und das unterscheidet die Platte auch immens von ihren großen Vorbildern (SLAYER, WATAIN , DISSECTION) die mit ihren Platten in der jeweiligen Zeit ins Risiko gegangen sind, um ihre künstlerische Vision zu verwirklichen, weswegen man diese Platten auch heute noch liebt und bewundert. VAMPIRE übernehmen durchaus kunstvoll die musikalische Herangehensweise, sind technisch teilweise sogar besser, schaffen es aber nicht, eine ähnliche emotionale Intensität zu kreieren, die auf den Hörer überspringen kann, weswegen die Musik leider größtenteils wirkungslos an mir vorbeiläuft. Das machen SLAEGT oder gar CHAPEL OF DISEASE mit ähnlichen Stilmitteln, aber viel, viel mehr Eigenständigkeit, deutlich besser.

Label: Century Media

Release Date: 19.06.2020

VAMPIRE „Rex“ Tracklist

01.Prelusion
02.Rex (Video bei Youtube)
03.Inspiritus
04.Wiru-Akka
05.Pandemoni
06.Moloch
07.Rekviem
08.Serafim
09.Anima
10.Melek-Taus (Lyric-Video bei Youtube)  

Line-Up:

Hand of Doom – vocals
Black String – guitars
Sepulchral Condor – guitars
Command- bass
Abysmal Condor – drums

https://www.facebook.com/vampiretheband/

https://vampiretheband.bandcamp.com/