TOMBS: Path Of Totality

Ein fantastisches Album: TOMBS zum bereits zweiten Mal zwischen Black Metal, Sludge, Post Hardcore und Post Punk.

Wer sich mit seinem Debütalbum eine eigene Nische im Bereich der extremen Musik schaufelt und diese Originalität mit einem unwahrscheinlichem Gespür für Songwriting verbindet, auf dem Lasten enorme Erwartungen – seitens Hörerschar, Plattenfirma und natürlich den Akteuren selbst. BARONESS haben das mit Blue Record locker gemeistert, jetzt ist Brooklyn´s Darkest TOMBS dran. Vielleicht haben TOMBS deshalb mit Produzent John Congleton zusammen gearbeitet, der wird das schwierige Unternehmen Zweitwerk schon rausreißen, bei BARONESS ging es ja auch. Aber ihn hätte es gar nicht gebraucht. Überhaupt nicht. Jeder noch so beschissene Demosound hätte den Siegeszug von TOMBS nicht aufhalten können. Das Material auf Path Of Totality ist nämlich nichts anderes als grandios.

Und dabei machen TOMBS ganz einfach dort weiter, wo sie vor zweieinhalb Jahren aufhörten. Zwischen den Stühlen, zwischen Sludge, Post Hardcore, Black Metal und Post Punk. TOMBS klingen auf den zwölf Songs ihres Zweitwerks kälter als die norwegische Black Metal-Elite, schwerer als EYEHATEGOD samt ihrer Nachahmer und wenigstens annähernd repetitiv und spirituell wie NEUROSIS. Dazu kommt noch ein Schuss wunderbaren JOY DIVISION– und SWANS-Post Punks, nicht zuletzt der Grund, warum TOMBS weit außerhalb der Konkurrenz spielen. Was sich hier in einer Stunde über den Hörer ergießt ist von erheblicher Intensität, egal ob es sich um Black Metal-Ausbrüche wie in To Cross The Land, dem Titelsong und Cold Dark Eyes handelt, oder ob es schwer und bitter wird, wie in Black Hole Of Summer, Bloodletters und Red Shadows. Wem das schon zu viel ist, der wird von Vermillion, eine sagenhafte Nummer mit viel Dynamik, rasenden Riffs, punkigen Blast Beats und fast schon ruhigen Momenten, schier überrollt werden.

Aber TOMBS haben auch eine sanftere Seite parat, die sich einerseits im ruhigen, clever in der Mitte platziertem Passageways manifestiert, andererseits aber auch die heftigen Songs infiltiert. Nicht nur Vermillion erhält so ein gewisses Maß an Dramatik, die wundervollen Stücke Silent World und Black Heaven überziehen mit JOY DIVISION-Elegie die Sludge- und Black Metal-Heaviness und gehen wirklich tief. Dass hier ein Trio mit Hardcore-Background am Werk ist, bewahrt die Musik vor Überfrachtung. Wie sehr Sänger und Gitarrist Mike Hill mit seinen Mannen die Songs unter Kontrolle haben, das ist schon fast unheimlich. Dazu kommt die starke Leistung an den Instrumenten: Das Riffing ist versiert, genau zwischen Simplizität und Anspruch, mit viel Kreativität gesegnet. Die Basslinien sind simpel, pumpen aber sehr beherzt und das Schlagzeugspiel von Andrew Hernandez ist gleichermaßen punkig und direkt, wie verspielt und einfallsreich. Über allem thront Mike Hills Gesang, der sich den Gegebenheiten der Musik anpasst – mal mittels heftigem, tiefem Gebrüll, mal mit monotonem Gesang, der zur bedrückenden Stimmung der Musik hervorragend passt.

Path Of Totality ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle, ein mitreißendes, tiefes Album zwischen dem Simplen und Eingängigem, als auch dem Unnahbarem und Zerstörerischem. TOMBS bieten eine Stunde lang eine Demonstration, wie dunkel und gefährlich die Grüfte von New York sein können. Na gut, auch wenn John Congleton die Produktion übernahm, etwas zu dumpf ist sie schon geworden, das hätte selbst Steve Albini filigraner hingekriegt. Die Songs zerstört das aber freilich nicht. Und als sei es das natürlichste auf der Welt, dieser Leviathan von einem Album nutzt sich nicht auch nach zehn-, zwölfmaligem intensiven Hören nicht ab, er wächst beständig, bis der Wille des Hörers endgültig gebrochen ist. Offene Black Metal-Hörer und Post-Hardcore-Anhänger, die keine Scheu davor haben in tiefe Post Punk-Abgründe gerissen zu werden, sollten sich schon mal darauf einstellen, die nächsten Wochen nur wenig anderes zu hören. Und wer Winter Hours schon mochte, der wird von TOMBS Weiterentwicklung mehr als nur erfreut sein. Kurz: Ein fantastisches Album.

Veröffentlichungstermin: 24. Juni 2011

Spielzeit: 58:42 Min.

Line-Up:

Mike Hill – Vocals, Guitar
Carson Daniel James – Bass
Andrew Hernandez – Drums

Produziert von John Congleton und TOMBS
Label: Relapse Records
MySpace: http://www.myspace.com/tombsbklyn

Tracklist:

1. Black Hole Of Summer
2. To Cross The Land
3. Constellations
4. Bloodletters
5. Path Of Totality
6. Vermillion
7. Passageways
8. Silent World
9. Cold Dark Eyes
10. Black Heaven
11. Red Shadows
12. Angel Of Destruction