THE VISION BLEAK: The Deathship Has A New Captain

Handelsüblicher, im unteren Durchschnitt anzusiedelnder Gothic Metal, der dem eigenen Anspruch und den erweckten Erwartungen in keinster Weise gerecht wird.

Wie bereits auf der vorab veröffentlichten Single huldigen THE VISION BLEAK auf ihrem Debütalbum dem Unheimlichen, Größen des Horror-Genres wie Max Schreck, John Carpenter oder H.P. Lovecraft und bezeichnen ihre Musik folglich als Horror Rock. Doch während die zwei Songs der Single sowohl musikalisch als auch atmosphärisch recht überzeugend waren, ist The Deathship Has A New Captain doch ziemlich enttäuschend ausgefallen. Man wird den Eindruck nicht los, dass Schwadorf und Konstanz mit ihrer Hommage an bedeutende Figuren des Horror-Genres bewusst von musikalischen Defiziten abzulenken versuchen.

Man soll die neun Songs, die im Infoblatt vollmundig als Sätze im Sinne der Klassik bezeichnet werden, von der emotionalen Warte aus rezipieren. Befolgt man diesen Ratschlag, so muss man allerdings feststellen, dass sich die von findigen Promotion-Menschen heraufbeschworene Horror-Atmosphäre nicht so recht einstellen will. Einen Schrecken jagt einem am ehesten noch die relativ schwache Gesangsleistung ein. Da wäre zum einen der arg limitierte Stimmumfang, zum anderen sind die Vocals ziemlich ausdruckslos und dünn. Dass es mit der Horror-Atmosphäre nicht so klappt, wäre ja nicht so tragisch, wenn die Musik davon abgesehen gut gemacht wäre. Doch auf den handelsüblichen Gothic Metal, welcher mit brachialen Gitarren, die den Gesang gar an die Wand drücken, und überhaupt einem ziemlich fetten Sound aufwarten kann, trifft dies leider nicht zu. Es ist schon bezeichend, dass die Stücke, die den Weg auf die Single gefunden haben, qualitativ deutlich herausstechen, sowohl das atmosphärisch dichte Elizabeth Dane als auch der flotte Ohrwurm Lone Night Rider. Ansonsten regieren einfallslose Riffs und Melodien, denen es an Griffigkeit fehlt, darüber werden teilweise Standard-Keyboardteppiche geklatscht, so dass das Ganze ziemlich lieblos zusammengeschustert wirkt. Das schleppende Metropolis kommt mit einem richtig coolen Riff daher, welches aber leider mehr oder weniger aus Sad But True entliehen ist. Ansonsten heben sich allenfalls noch der Opener und der Schlusstrack durch die Hinzunahme opernhafter Elemente vom Einheitsbrei ab. Das alles reicht aber bei weitem nicht, um The Deathship Has A New Captain aus dem unteren Mittelfeld nach oben zu hieven.

Das Album enthält übrigens noch vom deutschen Synchronsprecher von Christopher Lee gesprochene Zwischensequenzen, die dem Rezensenten allerdings nicht vorliegen – ebensowenig wie die in der Luxus-Edition enthaltene zweite CD, auf der fünf der Stücke mit einem Streicher-Ensemble eingespielt wurden.

VÖ: 23.02.2004

Spielzeit: 41:00 Min.

Line-Up:
Ulf Theodor Schwadorf

Allen B. Konstanz

Produziert von Schwadorf und Konstanz
Label: Prophecy Productions

Homepage: http://www.the-vision-bleak.de

Tracklist:
1. A Shadow Arose

2. The Night Of The Living Dead

3. Wolfmoon

4. Metropolis

5. Elizabeth Dane

6. Horror Of Antarctica

7. The Lone Night Rider

8. The Grand Devilry

9. Deathship Symphony

CD 2 (Luxus-Edition):

1. A Shadow Arose (mit Streicher-Ensemble)

2. Wolfmoon (mit Streicher-Ensemble)

3. The Lone Night Rider (mit Streicher-Ensemble)

4. The Grand Devilry (mit Streicher-Ensemble)

5. Deathship Symphony (mit Streicher-Ensemble)