THE KOVENANT: SETI

THE KOVENANT: SETI

Als wirklich sperriger Brocken entpuppte sich das neue Album der norwegischen Ex-Black Metaller, die es nicht für nötig halten, dem Hörer ein Album voller Hits zu geben. Stattdessen wird der Animatronic-Nachfolger, selbst wenn er immer noch im Stil dieses Albums gehalten ist, wohl zu einem gefährlichen Unterfangen für die Band werden. Künstlerische Freiheit hin oder her, dieses Album ist in kommerzieller Hinsicht nicht gerade das klügste. Puristische Metaller werden sich wohl ziemlich aufregen, die Band kann es in der derzeitigen Situation wohl nur den wenigsten recht machen. Doch mittels ungebeugtem Willen sein Ding durchzuziehen ist wohl um einiges mehr Metal als ständig auf den gleichen, ollen Kamellen rumzukauen.

THE KOVENANT haben ihren Stil schon vor dreieinhalb Jahren gefunden, doch dieses Mammutwerk geht noch weiter als sein Vorgänger. Hits wie New World Order oder The Human Abstract muss man auf SETI nahezu mit der Lupe suchen. Doch wer sucht, der findet, heißt es so schön. Ich hätte es nicht geglaubt, aber die Simplizität mit ein paar RAMMSTEIN-Gitarren unterlegt beinhaltet viel mehr als nur eben diese jene Zutaten. Versteckte Vocal-Lines und Spielereien mit der Elektronik treten hervor, wenn man dem Album Zeit gibt. Das ist natürlich in der heutigen Zeit ziemlich schwer, die Flut an Veröffentlichungen lässt dieses SETI leider ziemlich allein im Raum stehen.

Aber es ändert sich nichts, SETI ist und bleibt von vorne bis hinten durchdacht. Nach sieben Monaten im renomierten Woodhouse-Studio sollte nur sowas rauskommen. Mal abgesehen davon, dass der Sound den Hörer an die Wand drückt, hört man raus, dass die Band sich austoben konnte und alles an Kreativität reingepackt hat, was möglich war. Songs wie Pantomime, die ich beim ersten Eindruck (siehe den Bericht der Listening-Session) noch als belanglos abgetan habe, entwickeln ein interessantes und fesselndes Eigenleben.

Was sich gehörig geändert hat, ist die Bandbreite der Vocals, von CYNICschen Clean-Passagen über typisches Lex Icon-Geschrei ist alles dabei, besonders die Gothic-Vocals dominieren aber in den Songs, sind gewöhnungsbedürftig aber mit der Zeit recht passend. Hellhammers Drumming ist um einiges komplexer als auf Animatronic, fast schon jazzig wirken einige Passagen. Die Riffs sind wie erwartet nicht gerade von Detailverliebheit durchflossen, simpel aber größtenteils effektiv. Auch viele Pop-Einflüsse finden sich, gerade in der Elektronik wieder, was allerdings nicht negativ zu werten ist, sondern sehr gut ins Gesamtbild einfließt und viele interessante Details in sich birgt. Der hymnische Aspekt ist hierbei ein wenig in den Hintergrund getreten, doch die erste Single, Star by Star oder das abschließende, extrem orchestrale (erinnert mitunter an Mozarts Reqiuem) Industrial Twilight beispielsweise, machen dies mehr als wett, hier geht es richtig pompös zur Sache.

Trotzdem darf man nicht vergessen, dass sich einige Songs wegen ihrer Überlänge doch auch arg in die Länge ziehen können. The Perfect End beispielsweise hätte gerne kürzer sein können. Dass die Länge nicht zwingend zur Länge verkommen muss, beiweist das beste Stück des Albums, Hollow Earth. Alles in allem wird SETI wohl die Entscheidung für THE KOVENANT sein: Glückt das Experiment, gibt es neue Superstars (btw, Fuck You, Alex!). Geht es schief, werden Lex Icon und Co. bald in der Versenkung verschwunden sein, was sie nun wahrlich nicht verdient hätten!

VÖ: 31. März 2003

Spielzeit: 67:27 Min.

Line-Up:
Lex Icon – Vocals
Psy Choma – Guitars
Shadow – Bass
Hellhammer – Drums

Produziert von Siggi Bemm im Woodhouse Studio
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.kovenant.com

Tracklist:
1. Cybertrash
2. Planet of the Apes
3. Star by Star
4. Via Negativa
5. Stillborn Universe
6. Acid Theatre
7. The Perfect End
8. Neon
9. Keepers of the Garden
10. Pantomime
11. Hollow Earth
12. Industrial Twilight