SYNING: Syning [EP]

Schon das Line-Up von SYNING ließ mich neugierig auf diese EP werden. Die Musiker, die sich hinter diesem Projekt verstecken, sind keine Unbekannten und das lässt ein spannendes Werk erwarten. SYNING bestehen aus V. Einride von WHOREDOM RIFE, Levninger von KNOKKELKLANG und Cernunnus, mit bürgerlichem Namen Tor-Helge Skei von MANES. Und gerade Letzterer kann eine beeindruckende Vita vorweisen. Obwohl MANES vor vielen Jahren dem Black Metal entsagt haben, schlägt sein Herz nach wie vor für Black Metal, das zeigt schon das Projekt MANII.

Auf SYNING lasten nun gewisse Erwartungen – und das Trio gibt sich vordergründig davon unbeeindruckt. Andererseits wird das Debüt des Projekts dafür verwendet, das Feld abzustecken. So, als wären sich SYNING unsicher gewesen, dass diese Kollaboration wirklich Sinn ergibt. Nötig ist diese Sorge aber nicht. Denn die Musik auf „Syning“ geht durch Mark und Bein. Die Atmosphäre, die von diesen drei Stücken ausgeht, darf durchaus als surreal bezeichnet werden und das Artwork verdeutlicht dies beängstigend gut: Als wäre man nackt und allein in einem langen, finsteren Gang in der Eiseskälte und der Tod kröche auf einen zu.

Das Black Metal-Projekt SYNING zieht die Hörer in die allertiefsten Schlünde hinab – ein verstörendes und hypnotisches Debüt!

Erzielt wird das durch die großartigen Synthesizer, die an manchen Stellen fast schon zu zart für dieses rohe Black Metal-Ungeheuer wirken, durch die hypnotischen Riffs und die echt, echt fiesen Vocals. Ungemütlicher kann sich diese Art von Musik kaum anfühlen. Es beginnt mit „Atter Igjen Kommer Mørket Krypende“, das sich langsam mit dissonanten Riffs aufbaut und in Richtung Black Metal der zweiten Welle schraubt, mit gekonnter LoFi-Produktion, die viel zur Aura von SYNING beiträgt. Als wäre es nicht bedrohlich genug, folgt mit „Et Siste Skrik“ ein schleppendes Stück, das dreizehn Minuten lang um ein Riff kreist und es immer neu variiert. Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Denn nur Musiker vom Kaliber Cernunnus‘ schaffen es, so eine Komposition nicht nur auf Dauer spannend, sondern sogar richtig intensiv zu gestalten.

Das abschließende Ambient-Stück „Fortapt“ klingt, als hätte Tarkowski einen unwirklichen Albtraum verfilmt: Synthesizer, leise Gitarren und verstecktes Geschrei leiten aus diesem knappen, selbstbetitelten Werk. Mit hypnotischer Kraft zieht das Trio seine Hörer in die allertiefsten Schlünde. Kurzweilig, mit ausgezeichnetem Songwriting, aber dem Makel, dass hier eben nur die Grenzen ausgelotet werden und dabei angedeutet wird, wozu dieses Trio eigentlich fähig ist, endet diese EP nach 34 Minuten. Dieser Route dürfen SYNING in Zukunft gerne folgen. Denn wer meint, dass dieses Genre an Relevanz verliert und die alte Garde zur Selbstpersiflage verkommt, sollte aufpassen, sich nicht in diesem gleichermaßen abstoßenden wie anziehenden Kosmos eindringlich zu verlieren.

VÖ: 9. April 2021

Spielzeit: 34:05

Line-Up:
Cernunnus – Guitars and ambience
Levninger – Vocals and ambience
V. Einride – Drums

Label: Terratur Possessions

SYNING „Syning“ Tracklist:

1. Atter Igjen Kommer Mørket Krypende (Official Audio bei Youtube)
2. Et Siste Skrik
3. Fortapt