SWALLOW THE SUN: New Moon

SWALLOW THE SUN: New Moon

Der kapitale Fehler an New Moon ist sicherlich, dass auf dem Artwork kein zunehmender, sondern ein abnehmender Mond zu sehen ist, weshalb im Hinblick auf den Titel dieses Albums eine klare Themaverfehlung vorliegt. Aber warum rege ich mich darüber auf? Ganz einfach. Weil es am vierten Werk von SWALLOW THE SUN ansonsten nichts auszusetzen gibt. Es ist schon beachtlich, wie eine Doom Death-Band es mit derartiger Leichtigkeit schafft, sich immer wieder neu zu verwirklichen und die eigene Identität zu behalten. New Moon macht das aber ziemlich deutlich, denn es geht nach dem monolithischen Plague Of Butterflies konsequent in Richtung Zugänglichkeit. Aber SWALLOW THE SUN machen es dem Hörer mit ihrer eigensinnigen Art des Songschreibens dann doch nicht zu leicht, so dass es schon ein paar Durchläufe benötigt, bis alles an New Moon Sinn macht.

Nach dieser Erkennungsphase allerdings zeigen sich SWALLOW THE SUN als gereifte und routinierte Songwriter, die so ziemlich jede Stimmung erzeugen können, die sie wollen. Aber natürlich nur von den negativen, die positiven Stimmungen werden gekonnt beiseite gelassen. Da werden nicht selten MY DYING BRIDE zitiert, hin und wieder wagen sie sich ganz kurz in schwarzmetallische Gefilde vor, aber meistens zeigen sie, dass sie zurecht als eine ausnehmend charakteristische Band gelten. Ihr viertes Album New Moon beweist das mit seinen vielen Facetten, vom brachialen Opener These Woods Breathe Evil bis hin zur puren Schule des Genres wie Servant Of Sorrow und auch recht eingängigen und zahmen Stücken wie Falling World, Sleepless Swans und dem Titelstück.

Die Gitarren leiten mit ungeheurem Selbstbewusstsein durch dieses Album, das vor gelungenen Riffs und Leadgitarren schier überläuft, auch wenn die Zusammensetzung hier und da nicht hundertprozentig logisch erscheint. Aber dieses schön lebendige, unperfekte Element macht SWALLOW THE SUNs neues Album so spannend und glaubwürdig. Neben der hervorragenden Gitarrenarbeit und den unbequemen Arrangements überzeugen auch das druckvolle Drumming, das versierte, recht kitschfreie Keyboard und natürlich Mikko Kotamäkis Gesang, der in den extremen Stellen natürlich einwandfrei ist, aber vor allem im Cleanbereich immer sicherer und besser wird. Eingefangen wurde New Moon in ein überraschend raues, aber schön massives Soundgewand, das gar nicht nach dem klingt, was Jens Bogren ansonsten produziert.

Es klingt so, als würden SWALLOW THE SUN fünfundvierzig Minuten und sieben Songs lang für das vorzubereiten, was sie am Ende ganz hervorragend schaffen – einen pechschwarzen Moment zu vertonen und jedes Licht auszulöschen. Weight Of The Dead ist der ultimative und sehr pessimistische Abschluss für ein sehr eigensinniges Doom-Death Metal-Album. Eines, das Genre-Fans auf jeden Fall gehört haben müssen und das tief unter die Haut geht. New Moon beweist, dass SWALLOW THE SUN jetzt an der Spitze des Genres angelangt sind, und mit ihrer Ausdauer und ihrem Fleiß werden sie diesen Status auch locker halten können. Ich mutmaße, dass New Moon für SWALLOW THE SUN das ist, was Brave Murder Day für KATATONIA ist. Seien wir gespannt, wo die Reise hingehen mag.

Veröffentlichungstermin: 27. November 2009

Spielzeit: 53:44 Min.

Line-Up:
Mikko Kotamäki – Vocals
Juha Raivio – Guitar
Markus Jämsen – Guitar
Matti Honkonen – Bass
Kai Hahto – Drums
Aleksi Munter – Keyboards

Produziert von Jens Bogren
Label: Spinefarm Records

Homepage: http://www.swallowthesun.net

MySpace: http://www.myspace.com/swallowthesundoom

Tracklist:
1. These Woods Breathe Evil
2. Falling World
3. Sleepless Swans
4. …And Heavens Cried Blood
5. Lights On The Lake (Blood Pt. III)
6. New Moon
7. Servant Of Sorrow
8. Weight Of The World

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle