Ist das die Endstufe des modernen Metalcore? Vieles spricht für diese Annahme: die der Musik innewohnende Wut, der Kontrast zwischen Brachialgewalt und süßlichen Singalongs, die bis zur Entfremdung hochstilisierte Produktion. Organisch fühlt sich „Poisoned Art“ aufgrund der Menge an Effekten, Samples und Postproduktion jedenfalls nicht immer an. Und doch kommen Emotionen nicht zu kurz, wenn „Tribe“ einen loopenden Kinderchor gegen die markigen Screams ausspielt.
Ist es im Auftakt noch die Verbissenheit, die schließlich einem introspektiven Mittelpart weicht, darf im folgenden „Halo“ erstmals Gitarrist Olexii Zatserkovnyi die Singstimme erheben. Besonders markant ist dessen Organ zwar nicht, dafür sind die Melodiebögen durchaus gefällig.
SPACE OF VARIATIONS gehen konform mit zeitgenössischen Trends, zeigen sich auf „Poisoned Art“ aber deutlich gereift
Grundsätzlich gehen SPACE OF VARIATIONS zwar mittlerweile konform mit zeitgenössischen Trends – die elektronischen Elemente unterstützen die Arrangements merklich, ohne zu sehr in den Vordergrund zu drängen -, zeigen sich im Vergleich zum Frühwerk aber deutlich gereift. Das Songwriting ist in der Regel auf den Punkt, indem es die Balance aus Härte und Melodie wahrt. Kalkuliertes Airplay-Material haben die Ukrainer trotz allem nicht vorwiegend im Gepäck: Selbst catchy Refrains à la „Mayday“ werden von satten Breakdowns und drückenden Riffs flankiert, wohingegen das emotionale „Parallel Realities“ seinerseits ein paar krachende Ausbrüche zu verzeichnen hat.
Ein bisschen anbiedernd gestaltet sich zwar der Klargesang in „Godlike“ und „Lies“, dafür sorgen in Ersterem dezente Djent-Einflüsse für das entsprechende Gegengewicht. Mit genrefremden Einflüssen experimentieren SPACE OF VARIATIONS darüber hinaus in „Back To Dirt“ sowie „Coldheaven“, wo sich zwischendurch Drumcomputer sowie etwas Hip-Hop-Flair einschleichen.
SPACE OF VARIATIONS machen ihre Sache gut, müssen ihre Konturen jedoch schärfen
Letzten Endes vereint „Poisoned Art“ somit alles, was im Genre gerade angesagt ist. Das macht es für die Band einerseits schwer, sich innerhalb der Szene zu positionieren, weiß aufgrund der soliden Umsetzung jedoch immerhin zu gefallen. Möglicherweise ist das sogar ein weiteres Indiz für die eingangs erwogene Annahme: So ordentlich sich SPACE OF VARIATIONS präsentieren, lässt sich angesichts des vagen musikalischen Profils über die nächsten Schritte der Band nur spekulieren. Fast scheint es so, als hätte man sich mit der Endstufe des zeitgenössischen Metalcore gleichzeitig in eine Sackgasse manövriert.
Veröffentlichungstermin: 13.02.2026
Spielzeit: 40:11
Line-Up
Dmytro Kozhukhar – vocals
Olexii Zatserkovnyi – guitar, vocals
Anton Kasatkin – bass
Tymofii Kasatkin – drums
Produziert von SPACE OF VARIATIONS
Label: Napalm Records
Facebook: https://www.facebook.com/SpaceOfVariations
Instagram: https://www.instagram.com/spaceofvariations_band/
Bandcamp: https://spaceofvariations.bandcamp.com
SPACE OF VARIATIONS “Poisoned Art” Tracklist
- TRIBE (Video bei YouTube)
- HALO (Video bei YouTube)
- MAYDAY
- PARALLEL REALITIES (Video bei YouTube)
- DOPPELGÄNGER (Video bei YouTube)
- GODLIKE
- GHOST TOWN (Video bei YouTube)
- COLDHEAVEN
- BACK TO DIRT
- SNAKE SKIN
- LIES (Video bei YouTube)
- ECHO