RED HARVEST: Sick Transit Gloria Mundi

RED HARVEST: Sick Transit Gloria Mundi

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, welcher Soundtrack in der Hölle läuft? Sicherlich schon mal nicht Black Metal, das ist eher für apokalyptische Schlachten gedacht. Vielleicht aber DEICIDE… Nein, das ist wohl eher für den Kindergarten in der Hölle. Ich bin mir ziemlich sicher, dass RED HARVEST gespielt wird.

Obwohl es der perfekte Soundtrack zur Hölle wäre, ist dieses, nunmehr siebte Album der Norweger, eiskalt geworden. Trotzdem könnte es den verdammten Seelen permanent vorgespielt werden. Auch wenn ich dieses Wort nicht gerne benutze, ist diese Platte eine sehr böse geworden. Schließt die Augen, wenn ihr euch dieses Album anhört und ihr wisst, was ich meine. Ein Spaziergang durch die Hölle, es gibt Kolonien, in denen die Verdammten schuften müssen, dann gibt es wieder kilometerweit nichts, aber auch gar nichts. Kalte Feuerwüsten. Und ständig hat man als Hörer ein ungutes Gefühl.

Aus dem Alptraum erwacht man nach 50 Minuten. Aber der Alptraum war nicht übel, könnte man, auch wenn man nicht masochistisch veranlagt ist, auch nochmal durchleben, denn dieser Alptraum hatte Klasse. Die alptraumhafte Band hat sich ihre Klasse in den letzten 12 Jahren auch erarbeitet, denn so ungewöhnlich diese Mischung aus (Black) Metal, Industrial und Elektro ist, so homogen ist sie, es passt alles zusammen. Düstere Riffs, mal langsam, mal fies geschraddelt und oftmals monotones Drumming treffen auf Industrial- und Elektroeinflüsse, zu dem sich ein recht räudiger Gesang gesellt. Gerade in den langsamen, manchmal fast melancholisch anmutenden Teilen liegt die Stärke der Band: Ein Gänsehautgefühl überkommt den Hörer, bei Godtech zum Beispiel, besonders stark..

Abwechslung ist geboten, die zwölf Songs werden nicht langweilig, aber ich kann mir nicht vorstellen, dieses Album ständig zu hören, schon gar nicht bei schönem Wetter oder dergleichen. Dieses Album ist für die finsteren Stunden des Lebens, lässt einen dann aber nicht mehr los. Der kranken Atmosphäre hat Neil Kernon (NEVERMORE, MACABRE, zuletzt CANNIBAL CORPSE) eine unglaubliche Soundwand gezimmert, die den positiven Gesamteindruck unterstreicht und einen Härtegrad weit über den konformen norwegischen Schwarzkitteln verleiht. Aber nachdem ich nun lange genug in der Hölle war, will ich wieder mal auf die Erde zurück…

Spielzeit: 49:54 Min.

Line-Up:
Lrz..: Samples, Programming, Synth

TurboNatas: Guitars

Ofu Kahn: Guitars, Vocals, Maximum Brutalicus

Thomas B: Bass

E_Wroldsen: Drums

Produziert von Neil Kernon
Label: Nocturnal Arts Productions

Homepage: http://www.redharvest.com

Email: mail@redharvest.com

Tracklist:
1. U.G.X

2. AEP

3. Godtech

4. Humanoia

5. Dead

6. CyberNaut

7. Beyond the End

8. Desolation

9. Sick Transit Gloria Mundi

10. Dead Men don´t Rape

11. WeltSchmertz

12. [Dead End]