RECKLESS LOVE: Spirit

Das Gesamtwerk ist absolut ok, wenn man auf 80er Hair-Rock steht, einen internationalen Überflieger gibt es aber definitiv nicht.

Mag sein, dass man bei Glam/Sleaze/Hair-Rock heute erst mal an Schweden denkt, aber auch die finnischen Nachbarn RECKLESS LOVE haben da ein Wort mitzureden. Auch schon seit 2001 unterwegs, ihr Sänger stand auch mal kurz bei den Schweden CRASHDIET am Mikro, steht nun das dritte Album an. Keine Frage, dass die Jungs aus Kuopio dem Hair-Rock treu bleiben, aber das sieht man den sleazy Typen eh direkt an.

Man rockt nun wieder etwas kraftvoller, so richtig viel hat sich aber seit dem letzten Album Animal Attraction nicht geändert, das ausserhalb Finnlands allerdings nicht gerade ein Überflieger war und den zahlreichen schwedischen Kollegen nicht gefährlich werden konnte. Aber hej, wer nicht gleich bei lackierten Fingernägeln und dem penetranten Duft von Haarspray die Flucht ergreift, der wird doch aufhorchen. Mit viel Oh Hohoo und BON JOVI-Touch zeigt der Opener schnell, dass man hier null Erwartungen auf innovative Töne verschwenden sollte. RECKLESS LOVE zitieren munter so ziemlich alles, was im Glam/Sleaze/Melodic-Rock in den 80ern erfolgreich unterwegs war. Man packt geschickt oft gleich zwei Helden in einen Song, das bietet natürlich mehr Spaß, als nur eine Band zu kopieren. Da ist I Love Heavy Metal – nicht vom Titel täuschen lassen, Metal gibt es hier keinen – als gelungener Mix aus WARRANT und POISON, Edge Of Our Dreams mit einem Hauch DEF LEPPARD, der ein oder andere weniger prickelnde Song ist allerdings auch auszumachen. Zum Glück packen die Finnen dann aber mit Metal Ass erfolgreich Uptempo-DOKKEN aus zum Wachrütteln, Runaway Love ist eine Verbeugung vor den poppigen VAN HALEN mit SAMMY HAGAR und gezieltem BON JOVI-Zitat, beim feurigen So Happy I Could Die gibt es eine dicke Portion MÖTLEY CRÜE. Wenn sie etwas Gummi geben sind die Finnen definitiv am besten, die ruhigeren Songs ziehen teils ziemlich an einem vorbei. Das zeigt auch die abschließende Ballade Hot Rain, die versucht, an die ganz großen Kuschelnummern von DEF LEPPARD heranzukommen. Nett gemeint, aber sexy Gänsehautschmuser wie Love Bites oder Two Steps Behind erreicht man nicht ansatzweise.  Das Gesamtwerk macht aber definitiv Spaß, gerade das man durchweg an zahllose Bands erinnert wird, die man selbst viel zu lange nicht mehr gehört hat wie STREETS oder die vielen PAUL SABU-Sachen. Musikalisch ist alles absolut Top, der Sound gut, es gibt sehr ordentliche Gitarrenarbeit, die Vocals sind abwechslungsreich, aber auch etwas zahm und zahnlos, etwas mehr Biss hätte man sich schon gewünscht. Dass man auch mit weniger kraftvoller Stimme etwas erreichen kann, das haben ja einige der 80er-Helden deutlich gezeigt, wirkliche Gesangsgötter gab es auch bei MÖTLEY CRÜE, POISON, WHITE LION und Co. nicht. Das gewisse Etwas, das die Vorbilder ausmachte, hat Oli Herman hingegen nicht. Das ist nicht so dramatisch, wie es hier klingt, aber wenn man zufällig mal wieder Poser-Woche hatte mit den ersten BON JOVI-Scheiben, HEAVENS EDGE, WINGER usw., dann werden die Unterschiede doch deutlich.

Das Gesamtwerk ist absolut ok, wenn man auf 80er Hair-Rock steht, einen internationalen Überflieger gibt es aber definitiv nicht. In ihrer Heimat hingegen werden RECKLESS LOVE sicher wieder, wie auch beim Vorgänger, ordentlich Preise und Erfolge kassieren.

Veröffentlichungstermin: 30.08.2013

Spielzeit: 42:00 Min.

Line-Up:
Oli Herman – Vocals
Pepe – Guitar
Jalle Verne – Bass
Hessu Maxx – Drums

Produziert von Ilkka Wirtanen und Reckless Love
Label: Spinefarm/Universal

Homepage: http://www.recklesslove.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/recklesslove

Tracklist:
1. Night On Fire
2. Bad Lovin´
3. I Love Heavy Metal
4. Favorite Flavor
5. Edge Of Our Dreams
6. Sex, Drugs & Reckless Love
7. Dying To Live
8. Metal Ass
9. Runaway Love
10. So Happy I Could Die
11. Hot Rain