PURIFICATION: The Exterminating Angel

„The Exterminating Angel“ ist das dritte Album innerhalb von 12 Monaten von PURIFICATION. Geht der Underground-Doom-Sensation die Puste aus, oder gibt es ein weiteres alttestamentarisches Album für die, die es weder sauber noch poliert mögen?

Der Zorn des Herrn bricht über die Erde herein. Mögen die Heerscharen seiner Herrlichkeit auf diesen verseuchten Landstrichen alles zermalmen, was noch atmet. Das ist es, was ich im Kopf habe, wenn eine Doom Metal-Band mit einem Album auftrumpft, das „The Exterminating Angel“ betitelt ist. Und gerade auch, weil es sich um PURIFICATION handelt. Das US-Trio ist sensationell aktiv – „The Exterminating Angel“ ist bereits das dritte Album, dass sie in den vergangenen 12 Monaten veröffentlichen – und sensationell gut.

Und sie sind sensationell eigenwillig. Ihr Gebräu ist psychedelisch, klingt aber nicht nach Freakshow, die Musik ist episch, aber nicht klischeebeladen, und jedes Stück, das sie schreiben überrascht und klingt anders als das vorherige, ohne dass der Gesamteindruck des Albums darunter leidet. Das gilt auch für „The Exterminating Angel“, was das vielleicht bisher abwechslungsreichste ist, das PURIFICATION geschaffen haben. Die Pfeiler sind klassischer Doom einerseits, trippy Psychedelia andererseits, und dazwischen passiert eine ganze Menge. Das zehnminütige „Unholy Resurrection“ ist der epische, klassische Doom-Song des Albums und zermalmt schon zu Beginn alles durch die klassischen Riffs und die zweistimmigen Gitarren. Kurz: Schon lange gab es kein so gutes Doom-Epos mehr zu hören.

Klassischer Doom einerseits, trippy Psychedelia andererseits und dazwischen passiert eine Menge: „The Exterminating Angel“ von PURIFICATION ist sensationell eigenwillig.

„On Earth As It Is“ ist mit seiner psychedelischen Ausrichtung, den anfangs unverzerrten Gitarren und der nachdenklichen Stimmung das Gegenteil davon, bis der 70ies Metal-Refrain ausbricht und sich das Stück schließlich zu einem Finale hochschraubt, das sogar Blast Beats beinhaltet und an PANOPTICON denken lässt. Ein magisches Stück. Im weiteren Verlauf müssen sich PURIFICATION anstrengen um das Level der ersten beiden Songs zu halten. Der zweiteilige Titeltrack beginnt rockig und hat einen Refrain, der einlädt, die Fäuste die Luft zu recken, verliert sich in der zweiten Hälfte aber leider in Spielereien und findet erst in den letzten anderthalb Minuten wieder seine Form. Auch „Dreamtiger“ ist gleichermaßen heavy und verspielt, dabei aber melodischer und melancholischer – ein tolles Lied, ähnlich wie der vergleichsweise kurze Abschlusstrack „The Way Of All Flesh“.

PURIFICATION haben mit „The Exterminating Angel“ ein abermals seltsames Doom-Gebräu erschaffen, das irgendwo zwischen REVEREND BIZARRE, CATHEDRAL und PALLBEARER angesiedelt werden kann, aber viel mehr ist, als die plumpe Schnittmenge daraus. Dazu kommt dieser absolut ungewöhnliche Sound, den diese Band seit jeher hat, roh, dreckig, nicht wirklich fett, aber doch voluminös und sicherlich nicht an die aktuellen Produktionsstandards angepasst. Und auch der Gesang von Field Marshall William Purify ist völlig eigen. Stellenweise klingt er nach Garm zu frühen ULVER-Zeiten mit seinem theatralischen Klargesang, passt sich aber insgesamt gut der musikalischen Umgebung an.

PURIFICATION waren in den letzten zwölf Monaten die Underground-Sensation im Doom Metal – „The Exterminating Angel“ untermauert diesen Status.

Das Trio aus Portland polarisiert. Wer klassischen Doom Metal liebt, wird PURIFICATION und ihrer Eigenwilligkeit entweder abgeschreckt oder verfällt ihnen mit Haut und Haaren, da sie das Genre selbst lieben und eine ganz eigene Interpretation des Genres liefern und es somit bis zu einem gewissen Grad auch weiterentwickeln. Auch wenn „The Exterminating Angel“ an manchen Stellen unsauber und unperfekt zu sein scheint, macht doch gerade das den Reiz dieses Albums aus. Ja, PURIFICATION kommen verschroben und irgendwie verschwurbelt rüber, aber sie sind die Underground-Sensation im Doom Metal des letzten Jahres, und „The Exterminating Angel“ reiht sich in die bemerkenswerte Diskografie dieser jungen Band tadellos ein. Ein geradezu alttestamentarisches Album, allerdings gewiss nicht für Leute, die es poliert und sauber mögen.

Wertung: 4,5 von 6 Flammenschwerter

VÖ: 29. Juni 2021

Spielzeit: 46:02

Line-Up:
Field Marshall William Purify – Vocals, Rhythm Guitars, Lead Guitars, Mellotron, Piano, Roland Juno-60 Synthesizer, Pedal Harp, 6 & 12-string Acoustic Guitars
The Resurrected Lord Donangato – Lead and Solo Guitars, Rhythm Guitars, Ukulele
Count Darragh, Heathen Conjurer – Drums and Percussion

Gastmusiker:
Sir Wayne Boucher – Bass Guitar

Label: Rafchild Records

PURIFICATION „The Exterminating Angel“ Tracklist

1. Unholy Resurrection
2. On Earth As It Is
3. The Exterminating Angel (Part I & II)
4. Sublime Thrones in Kaaba
5. Dreamtiger
6. The Way of All Flesh

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