PENTAGRAM: Last Rites

PENTAGRAM: Last Rites

Es gibt nun wirklich nicht viele Bands, die so viele Grundsteine für die Hard Rock- und vor allem die Doom-Szene gelegt haben wie PENTAGRAM, die Amis zählten, anfangs ab 1971 noch etwas gemäßigter, über den Umweg über DEATH ROW 1980-83 mit ihrem schrägen, kauzigen Mix grob aus BLACK SABBATH und BLUE CHEER zu den Eckpfeilern der ersten Generation an Doom Metal-Bands. So sehr die Band eine ganze Szene prägen konnte, so sehr nervte sie auch durch zahllose Besetzungswechsel, Streitereien, dem Ein- und Aussteigen von Gitarrist Victor Griffin (PLACE OF SKULLS) und das gesundheitliche Auf- und meist mehr Ab von Sänger Bobby Liebling, der allerlei ungesunde Lebensweisen bis zum Exzess ausübte. So konnte man sich letztendlich einen Kultstatus erarbeiten, der längst nicht mehr von Richtungsweisender Musik, sondern von obskuren Geschichten und Gerüchten getragen wurde.

Abermals nach allerlei Querelen, die zuletzt in einer Parallelexistens von  PENTAGRAM mit Liebling und DEATH ROW mit Griffin uferte, sind die Beiden nun also wieder vereint, aktuell mit Griffins Neffen Greg Turley am Bass und Tim Amaselli (PLACE OF SKULLS) am Schlagzeug. Wer nun einen Trip in alte kauzige Doom-Tage erwartet, der muss ganz klar zurückstecken. Wo heute Victor Griffin drauf steht, da ist auch in erster Linie Victor Griffin drin. Der drückt dem neuen Album seinen Stempel auf, mit fetten, bluesigen Gitarren fühlt man sich eher in einem PLACE OF SKULLS-Album als in einem neuen PENTAGRAM-Output. Heavy Rock mit deutlicher 80er Prägung, in ein modernes, fett produziertes Soundgewand gepackt, trägt Last Rites zweifelsfrei die Handschrift, wie man sie von dem Gitarristen die letzten Jahre kennt. Da rockt der Opener Treat Me Right gleich mal kraftvoll und energisch, mal gibt es stampfige Groover wie Call The Man oder schön heavy Into The Ground, demgegenüber stehen melodische Rocksongs wie das wirklich schöne Windmills And Chimes mit wie gewohnt starken bluesigen Leads von Griffin. Mit Walk In Blue Light darf es dann doch mal fast doomig werden, wie auch bei Death In 1st Person. Witzig, mit dem Sprechgesang von Liebling könnte es fast auch ein alter ALICE COOPER-Song sein. Musikalisch sollte man also Vieles, was man beim Namen PENTAGRAM erwartet, neu ordnen. Wer sich in den Releases von Victor Griffin die letzten Jahre wohlgefühlt hat, der ist hier hingegen sofort zuhause. Das ist recht überraschend auch Bobby Liebling, der hier nicht den schrägen Metal-Catweazle spielt, sondern sich hervorragend in den Sound einfügt. Das hätte ich so nicht erwartet, die erneute Zusammenarbeit mit Victor Griffin scheint Bobby Liebling Kraft und Sicherheit zu geben. Hat man noch den freakigen Kauz im Ohr vom letzten Album Show ´em How aus 2004 mit den Jungs der Maryland-Doomer INTERNAL VOID als Mannschaft, dann findet man hier auf Last Rites einen soliden, reifen Mann, der lange nicht mehr so gut geklungen hat. Zwar fehlen irgendwie die Ecken und Kanten, die ihn bisher ausgemacht haben, das wird er dann wohl aber wieder durch seine aberwitzige spinnige Psychoshow auf der Bühne wettmachen. Wenn er sich mit sicherer Stimme und dem Ausdruck eines gepflegten Heavy-Rock-Sängers durch die Songs trällert, dann hat das auch wenig mit den alten PENTAGRAM zu tun. Und auch das ist in Ordnung, es passt und zeigt, dass auch so ein alter Haudegen noch wachsen kann. Man höre nur mal die bereits genannte sentimentale, balladeske Windmills And Chimes. Aber auch bei den harten Rocksongs kann seine charismatische Stimme voll überzeugen. Dass die Rhythmussektion kaum auffällt und einfach solide ihren Job macht, das fällt kaum ins Gewicht, wer weiß schon, wie lange sie bleiben werden, wollen oder dürfen. Ein Streitpunkt dürfte sicher das Cover sein. Das gelungene, aber eher zu einer True- oder Speed Metal-Band passende 80er-Klischee-Metalbild wirkt beim Sound des Albums schlichtweg falsch. Ein sexy Cowgirl auf einer von Griffins Harleys wäre sicher passender gewesen, aber das wär ja kein Metal, hm…

PENTAGRAM 2011 sind Victor Griffin und Bobby Liebling, die sich überraschend harmonisch geben. So manchem Doom-Freak alter Tage wird Last Rites etwas sauer aufstoßen, wer PLACE OF SKULLS und Co. liebt, der wird begeistert sein. Auch die Produktion wird so manchen alten Fan abturnen, statt warmen, erdigen Rumpelsound zu genießen wird man von einer fetten Soundwand und gepitchten Gitarren erschlagen. Das klingt wieder nach Victor Griffin, der steht heute eindeutig und unüberhörbar für den Namen PENTAGRAM. Der Deal mit Metal Blade umfasst drei Alben, man kann jetzt schon gespannt sein, wohin die Reise weiter führt. Doom-Freaks und Fans der frühen PENTAGRAM  kramen besser ihre Oldies Be Forwarned oder Day Of Reconing aus, kommen aber ebenso wenig an Last Rites vorbei wie jeder, der auf kraftvollen, griffigen Heavy Rock steht mit Bluesnote in der starken Gitarre, ebenso coolen Vocals, die auch ohne schrägen Kauzfaktor funktionieren, einer soliden Rhythmusfraktion und Songs, die ohne viel Schnickschnack und nur sehr dezenter Doom-Note durchgehend überzeugen. In hoffentlich absehbarer Zeit wird noch eine DVD erscheinen mit der Show beim MARYLAND DEATH FEST 2010.   

Veröffentlichungstermin: 08.04.2011

Spielzeit: 44:19 Min.

Line-Up:
Bobby Liebling – Vocals
Victor Griffin – Guitar
Greg Turley – Bass
Tim Amaselli – Drums

Label: Metal Blade Records

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/thepentagramarchives

Tracklist:
1. Treat Me Right
2. Call The Man
3. Into The Ground
4. 8
5. Everything´s Turning To Night
6. Windmills And Chimes
7. American Dream
8. Walk In The Blue Light
9. Horseman
10. Death In 1st Person
11. Nothing Left

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.