PAIN OF SALVATION: Road Salt Two

PAIN OF SALVATION: Road Salt Two

PAIN OF SALVATION gehen in die zweite Road Salt-Runde und müssen sich einmal mehr dem Vorwurf des kommerziellen Selbstmords stellen. Stilistisch ähnelt das Album seinem Zwilling Road Salt One zwar sehr. Doch die Kontraste zwischen den verschiedenen Stimmungen sind schärfer. Über weite Strecken klingt die Musik eher wie eine Rockband aus den 70ern, die sporadisch mit Progressive-Metal-Elementen flirtet, als umgekehrt. Das Schlagzeug und die Gitarren wirken vom Klang her ungekünstelt und fast schon roh. Das Klavier, das bislang noch am ehesten für Wärme gesorgt hat, wird selten eingesetzt. Lediglich bei 1979 und To The Shoreline perlen die zerbrechlichen Tastenklänge so wie einst aus Boxen, als Stücke wie Undertow für Gänsehaut sorgten.

Als neue Klangfarbe tauchen bisweilen Flöten und Streicher auf. Während bei Be noch ein halbes Orchester mit der Band konkurrierte, erlaubt das ausgebeinte Klangbild von Road Salt Two eine reibungslose Integration der Instrumente. Passenderweise übernehmen die Streicher komplett die Rolle des Openers und Rausschmeißers, wobei sie die Grundthemen und die Zerrissenheit der Musik gelungen widerspiegeln. Statt Bombast oder Breakkaskaden findet man ansonsten kompakte Rocksongs, die mal kraftvoll (Softly She Cries), mal schleppend (Eleven) den jeweiligen Groove ausloten. Die Melodien sind nicht unbedingt dissonant, aber doch gewöhnungsbedürftig. Man könnte meinen, die Stücke wollen nicht dem Gehör schmeicheln, sondern das Publikum hypnotisieren. Das treibende Conditioned beginnt vielversprechend und überrascht mit einem zurückhaltenden Refrain. Die ganze Sache endet nicht mit einer dritten Refrainwiederholung, sondern verläuft sich in einer sich langsam zersetzenden Coda. Wie so oft ist es bei PAIN OF SALVATION das Beste, man erwartet das Unerwartete.

So ist To The Shoreline ein unerwarteter Höhepunkt, der mit klaren Strukturen und altmodischen Synthesizer-Klangfarben aufwartet. Die Keyboards spielen herrliche Melodien, während Lead- und Harmoniegesang wunderschöne, melodramatische Bögen aufspannen, zu denen vor dem inneren Auge sofort Filme ablaufen. Die folkloristische Grundstimmung erinnert dabei ein wenig an Imago. Auch Healing Now besitzt Folk-Elemente in Form von akustischen Saiteninstrumenten, die anstelle von E-Gitarren den Ton angeben. Hier ist allerdings die ungeschminkte Streusalzatmosphäre deutlich spürbar, die man wahlweise als herausfordernd oder als abstoßend wahrnehmen kann. Der ausdrucksstarke Gesang von Daniel Gildenlöw wirkt angesichts der unglaublichen Variabilität stellenweise zerfahren. Aber das ist im Vergleich zu den Vorgängeralben ja nichts Neues.

Tatsächlich ist Road Salt Two ein Album, dem man insgeheim wünscht, dass Freunde von schroffer Rockmusik mit 70er-Jahre-Anleihen und Jam-Charakter es unvoreingenommen entdecken könnten, ohne dass eine Bastion von Progressive-Metal-Fans (zu der ich mich an dieser Stelle zähle) irritiert den Kopf schüttelt, weil sie von PAIN OF SALVATION eigentlich lieber The Perfect Element Part Two hören würde. Somit bleibt das Fazit ähnlich wie beim ersten Road Salt-Teil: Tolerante Musikliebhaber bekommen ein auf seine eigene Art exotisches Stück Musik, bei dem spieltechnische Höchstleistungen längst von emotionalen Extremen abgelöst wurden.

Veröffentlichungstermin: 23.09.2011

Spielzeit: 53:41 Min.

Line-Up:
Daniel Gildenlöw – Gesang, Gitarre
Johan Hallgren – Gitarre, Gesang
Leo Margarit – Schlagzeug, Gesang
Fredrik Hermansson – Keyboard, Gesang

Label: Inside Out

Homepage: http://www.painofsalvation.com

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/painofsalvation

Tracklist:
1. Road Salt Theme
2. Softly She Cries
3. Conditioned
4. Healing Now
5. To the Shoreline
6. Eleven
7. 1979
8. The Deeper Cut
9. Mortar Grind
10. Through the Distance
11. The Physics of Gridlock
12. End Credits

Jutze
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