NILE: At The Gate Of Sethu

NILE: At The Gate Of Sethu

Der Führer trollte in einem Youtube-Video letztes Jahr Illud Divinum Insanus von MORBID ANGEL, während eine tapfere Frau als Silberstreif am Horizont die neue NILE sah, die das Verbrechen von MORBID ANGEL wieder gut machen sollte. Es fällt mir schwer zu schreiben, aber die harten Zeiten im Bonker gehen weiter. At The Gate Of Sethu ist nämlich das vermutlich schwächste Album in der Karriere von NILE. Nach dem starken Those Whom The Gods Detest wähnte man die Ausrutscher Annihilatin Of The Wicked und Ithyphallic als vorbei, aber At The Gate Of Sethu unterbietet das, was in dieser eher mittelmäßigen Phase geboten war. Oberflächlich erscheint alles beim alten: Technisches Death Metal-Riffing, irre Blast Beats, die Verschmelzung von atmosphärisch-brutalem Death Metal und ein wenig orientalisch-finsterer Musik. NILE jedoch scheinen die Ideen ausgegangen zu sein.

Statt mitreißender Songs und großer Epen gibt es hauptsächlich Geprügel zu hören, das auf Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka schon ausgereifter zu sein schien. Karl Sanders am Ende seiner bitterbösen Erzählkunst? Man will es nicht hoffen. Wenigstens ist das Material immer noch besser, als von 98% der heutigen Death Metal-Bands. Aber die waren für NILE eh nie eine Vergleichsmöglichkeit. Am Ende von At The Gate Of Sethu versuchen NILE nochmal das Ruder herum zu reißen, die drei Songs Tribunal Of The Dead, Supreme Humanism Of Megalomania und das abschließende, durchaus monströse The Chaining Of The Inquisitors sind die wenigen Highlights auf dem siebten Album der Band aus South Carolina, letzterer ist allerdings so gut, dass es einen Schauer den Rücken hinab jagt.

Ein Totalausfall ist At The Gate Of Sethu also nicht, das Album bleibt aber meilenweit hinter den Erwartungen zurück. Und das liegt nicht nur an der schwachen Produktion, sondern hauptsächlich an der erschreckend geringen Kreativität. Vielleicht sind die Geschichten, die NILE erzählen schon zu oft erzählt worden, vielleicht sind sie müde, vielleicht waren die Erwartungen zu hoch. Spielerisch ist das wie immer sehr gut, Schlagzeuger George Kollias spielt wasserdicht, Karl Sanders und Dallas Toler-Wade sind ein starkes, gut eingespieltes Gitarristenduo. Sanders selbst bemüht sich immerhin, seinen Gesang zu variieren, lediglich der Cleangesang ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Ende gut, alles gut? Leider nicht. Trotz dem starken Abschluss und dem hervorragendem Spiel sind NILE auf At The Gate Of Sethu in erschreckend schwacher Form, freilich aber immer noch besser – und das wird ein paar Trolle davon vielleicht abhalten, neu untertitelte Videos von Der Untergang auf Youtube zu stellen – als der Großteil der Veröffentlichungen in diesem Genre. NILE, machen wir es doch so: Verbucht wird At The Gate Of Sethu unter Ausrutscher, ich höre mir nachher In Their Darkened Shrines an und in zwei Jahren merzt ihr das wieder aus, ja?

Veröffentlichungstermin: 29. Juni 2012

Spielzeit: 47:33 Min.

Line-Up:
Karl Sanders – Guitars, Bass, Keyboards, Vocals, Glissentar, Baglama Saz
Dallas Toler-Wade – Guitars, Bass, Vocals
George Kollias – Drums, Percussion
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.nile-catacombs.net/

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/nilecatacombs

Tracklist:
1. Enduring The Eternal Molestation Of Flame
2. The Fiends Who Come To Steal The Magick Of The Deceased
3. The Inevitable Degradation Of Flesh
4. When My Wrath Is Done
5. Slaves Of Xul
6. The Gods Who Light Up The Sky At The Gate Of Sethu
7. Natural Liberation Of Fear Through The Ritual Deception Of Death
8. Ethno-Musicological Cannibalisms
9. Tribunal Of The Dead
10. Supreme Humanisms Of Megalomania
11. The Chaining Of The Inquitous

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle