MOONLIGHT CIRCUS: Outskirts Of Reality

MOONLIGHT CIRCUS: Outskirts Of Reality

Schluß mit Kaspermucke: BLACK JESTER sind tot. Einst waren sie Hoffnungsträger der italienischen Prog-Szene, die – ungeachtet vieler interessanter Bands – früher wie heute im musikalischen Untergrund vor sich hin dümpelt. Während sich die Schwemme an weitgehend inspirationsfreien Bombast Melodic Metal wie wären so gerne HELLOWEEN oder wenigstens ein bißchen RHAPSODY-Bands mittels unheiliger Vertriebsabkommen weiterhin ungehindert ihren Weg nach Europa bahnt und mit schnödem Melodie-Pomp ohne Rafinesse alles verwässert, was Power Metal einst zum Power Metal machte, müssen sich die Vertreter weniger geradlinigen Liedguts abstrampeln, um überhaupt noch Alben veröffentlichen zu können. Über die Vertriebssituation dieser wenigen einsamen Streiter decken wir mal lieber den schon reichlich abgetragenen Mantel des Schweigens, beenden das mitunter recht befreiende Austeilen kleiner polemischer Seitenhiebe gegen das Musikbusiness und seine Protagonisten und widmen uns dem eigentlichen Gegenstand dieser Rezension, der da heißt MOONLIGHT CIRCUS.

MOONLIGHT CIRCUS?, werdet Ihr stirnrunzelnd fragen. Und die Anwort lautet: Genau. Und was sollte dann dieser ganze Kasperquatsch? Nun, de facto sind MOONLIGHT CIRCUS nicht mehr und nicht weniger als die neue Inkarnation BLACK JESTERs, die nach Veröffentlichung ihres 97er-Epos The Divine Comedy in der Versenkung verschwanden. Besetzungswechsel folgten, Ursänger Alessio D`Este wurde genötigt, die Band zu verlassen und fairerweise beschlossen die verbliebenen Original-Narren Paolo Viani (Gitarre) und Alberto Masiero (Drums), den alten Namen ad acta zu legen. Kenner des Bandkataloges werden beim Klang des neuen ohnehin neugierig aufgehorcht haben, ist er doch mehr als nur dezente Anlehnung an den Zweitling der Italiener, der da hieß: Welcome To The Moonlight Circus.

Alter Wein in neuen Schläuchen also? Nicht ganz. An der grundlegenden Ausrichtung der Kompositionen hat sich sicherlich wenig geändert. Nach wie vor setzt Hauptsongwriter Paolo Viani auf eine erfreulich eigenständig klingende Mischung aus symphonischem Bombast, metallischem Schwung und einer gesunden Zahl instrumentaler Ecken und Kanten, ohne dabei allzu wild herumzufrickeln. Im Detail klingt Outskirts Of Reality allerdings einen Hauch geradliniger als seine Quasi-Vorgänger und – obgleich noch meilenweit entfernt von DREAM THEATER und deren Epigonen – leider einen Deut weniger unverwechselbar.

Neben einer leichten kompositorischen Kurskorrektur trägt dazu vor allem die Stimme Alessandro Secchis bei, der zwar nicht zu den Weltklassesängern zählt, seinem Vorgänger Alessio D`Este technisch allerdings haushoch überlegen ist. Und dem es leider an der besonderen Ausstrahlung mangelt, die D`Este trotz seiner Defizite in puncto Stimmvolumen und -gewalt auszeichnete und die BLACK JESTER so außergewöhnlich (in vielen Ohren allerdings auch mehr als nur ein wenig gewöhnungsbedürftig) klingen ließ.

Was nichts daran ändert, daß MOONLIGHT CIRCUS ebenso wie einst BLACK JESTER zur Speerspitze der italienischen Prog Metal-Szene zählen und unter altem wie unter neuem Namen weit mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, als ihnen voraussichtlich zu Teil werden wird. Schade, denn hervorragende Songs wie das opulente `Two Shadows` oder der abwechslungsreiche Titelsong müßten jedem Musik-Gourmet munden, dessen Geschmacksspanne von Frickel bis Symphonic Rock/Metal und weiter reicht.

Spielzeit: 53:10 Min.

Line-Up:
Daniele Soravia – keyboards

Gianluca Tassi – 6-strings and fretless bass guitars

Alessandro Secchi – vocals

Alberto Masiero – drums

Paolo Viani – electric and acoustic guitars

Produziert von Moonlight Circus
Label: Elevate/SPV

Homapage: http://www.welcome.to/moonlightcircus

Tracklist:
1. Nightfall

2. Silver Surfer

3. Two Shadows (The Prophecy)

4. Whirls Of The Past

5. Ballad For A Falling Star

6. July Days

7. Outskirts Of Reality