MISERY INDEX: Heirs To Thievery

Für MISERY INDEX-Verhältnisse etwas schwach, aber dennoch ein saftiges Grindcore-Attentat.

Es passt, dass MISERY INDEX hier ein kleines Deja-Vu auslösen. Vor anderthalb Jahren, als Traitors die Szene aufmischte, hörte ich auf dem Weg von der Wahlkabine nach Hause eben dieses Album, mit dem guten Gefühl, das Richtige getan zu haben. Und siehe an, die Köpfe zweier unsympathischer Politiker sind gerollt. Nun, da Heirs To Thievery permanent rotiert, rollt der Kopf von einem anderen Politiker der Schwesternpartei, verdientermaßen. Passenderweise ist MISERY INDEX eine Band mit dem Herz am richtigen Fleck, und höchst wahrscheinlich hätten diese Herren sie selbst gerne abgewählt. Ein akustisches Grindcore-Attentat der alten Schule.

Aber interessant, wieso kommt nur anderthalb Jahre nach Traitors schon der nächste Angriff gegen alles, was die Fäden zieht, jetzt wo die USA zum Obama-dominierten Glücksbärchisland geworden ist? Was inspiriert Jason Netherton und seine Freunde gleich wieder loszulegen und gegen das Schlechte der Welt zu wettern? Wir wissen ja, das Böse stirbt nie. Aber Helden, die werden manchmal müde, im ewigen Kampf gegen die Schergen des Schlechten. Und vor allem wenn sie wissen, dass sie einer Nation von Dieben entsprungen sind, wie das bissige Artwork deutlich macht. Heirs To Thievery jedenfalls ist nicht direkt ein Beispiel für diesen Müdigkeitseffekt, aber es ist schon deutlich weniger aufregend als das Debüt Retaliate oder eben Traitors. Nach einem furiosen Start mit Embracing Extinction nehmen MISERY INDEX den Fuß vom Gas und spielen hauptsächlich im Uptempo- oder Midtempo-Bereich, oder variieren das Tempo auf etwas kopflose Art.

Schade, denn statt wie sonst üblich diese Variationen bravourös zu meistern, sind MISERY INDEX etwas unausgewogen, unfokussiert, irgendwie müde eben. Weder schnelle Kracher wie You Lose noch das schwer groovende The Seventh Cavalry können wirklich überzeugen. Daneben gibt es aber dennoch schnörkellose, beschwingte Nummern, die MISERY INDEX in alter Kraft zeigen: Fed To The Wolves, der Titelsong, The Spectator und Day Of The Dead. Hier überzeugt die Band durch griffiges Riffing, gehabt sauberes Drumming, gute Übergänge und wütendes Gebrüll. So sollten MISERY INDEX durchgehend an die Arbeit gehen. Heirs To Thievery ist wie gehabt wütend, schlau, gut gespielt und tritt in den Allerwertesten, aber von diesen Vieren ist man höhere Qualität gewohnt. Auch die Produktion passte letztes Mal besser, schade dass für Heirs To Thievery Steve Wright verpflichtet wurde, der zwar einen guten, aber eben nicht so brillanten Job wie Kurt Ballou verrichtet. Fans der Band wird all das nur wenig stören, Neueinsteiger sollten aber lieber Traitors den Vorzug geben. Zum Sturz des NRW-Tyrannen hat es dennoch gereicht, aber nächstes Mal bitte wieder mit voller Kraft. Vielleicht ist dann Kim Jong-il dran.

Veröffentlichungstermin: 7. Mai 2010

Spielzeit: 34:21 Min.

Line-Up:
Jason Netheron – Vocals, Bass
Sparky Voyles – Guitar
Mark Kloeppel – Guitar, Vocals
Adam Jarvis – Drums

Produziert von Steve Wright und MISERY INDEX
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.miseryindex.com

MySpace: http://www.myspace.com/miseryindex

Tracklist:
1. Embracing Extinction
2. Fed To The Wolves
3. The Carrion Call
4. Heirs To Thievery
5. The Spectator
6. The Illuminaught
7. The Seventh Cavalry
8. Plague Of Objects
9. You Lose
10. Sleeping Giants
11. Day Of The Dead