LIK (S): „Misanthropic Breed“

LIK (S): „Misanthropic Breed“

Irgendwie läuft’s global gesehen gerade nicht wirklich gut. So richtig übel müssen sich aber DISMEMBER fühlen. Da macht man sich jahrelang rar, bis man sich endlich zur Reunion aufrafft. Fans sind begeistert, doch ein Virus legt alles lahm. Und dann bringen LIK ihr neues Album „Misanthophic Breed“ raus!

Falls DISMEMBER tatsächlich an einer neuen Platte gearbeitet haben sollten, verschwinden in einem Proberaum in Schweden wahrscheinlich gerade einige Songideen in der Versenkung. Denn mit „Misanthrophic Breed“ haben LIK das Death Metal-Album des Jahres veröffentlicht – davon bin ich tatsächlich schon jetzt überzeugt.

„Misanthophic Breed“ ist ein Best-of Schweden Death Metal-Album

Mit „Misanthophic Breed“ schlagen LIK den richtigen Pfad ein und ragen weit aus der immerwährenden Flut an durchschnittlichen und seelenlosen Schweden Death Metal-Alben heraus. Man könnte auch sagen: Von anderen Bands bleiben nur Fetzen. Wie auf den Vorgängeralben „Mass Funeral Evocation“ (2015) und „Carnage“ (2018) nehmen sich LIK die alten ENTOMBED, DISMEMBER, GRAVE und NIHILIST zum Vorbild.

Dabei sind LIK keine dieser Coverbands, die dieselben Standards ohne Herzblut rauf und runter spielt. LIKs HM2-Sound geht bis elf, ist einfach eins lauter, sägender und durchdringender. Die Schweden hängen auch nicht irgendwo in einer Zeit fest, neben dem Spät-Achtziger-Death Metal finden sich überall Doppel-Gitarren-Leads, die bei IRON MAIDEN geklaut sind. Mit „Female Fatal To The Flesh” verlassen LIK ihr Heimatland und machen einen Abstecher in die Sümpfe Floridas. Und überhaupt – der Song „Morbid Fascination“ ist verdammt nochmal schon jetzt ein Klassiker und ein Lehrstück für junge und ältere Bands. Experimente suchte man bei LIK schon immer vergeblich, sie haben es einfach nicht nötig, auszubrechen. LIK zeigen stattdessen, wie man mit einem beschränkten Arsenal an Mitteln ein überragendes Album schreiben kann.

Rätselraten mit LIK: Wer findet die meisten Anspielungen?

Neben dem überragenden Songwriting macht die Liebe zum Detail „„Misanthophic Breed“ aus: Wie früher WITCHERY laden auch LIK zum Rätseln ein. Wo WITCHERY sich gerne auf Heavy Metal-Klassiker bezogen haben, verwursten LIK die ikonischen Momente des Death Metal (BTW: Ich hätte da ein paar sehr schöne Ideen für Bandfotos mit LIK!): In „Funeral Anthem“ kämpft sich ein durchdringender Schrei durch die Gitarrenwand (und klingt ein bisschen wie ein lebendig Begrabener). Über das Outro von „Morbid Fascination“ habe ich lange gegrübelt, der Video-Clip bei YouTube liefert die Auflösung. Songtitel wie „Female Fatal To The Flesh“, „Morbid Fascination“ oder „Misantrophic Breed“ sind pures Wortspiel-Gold für alle, die ein paar der alten Death Metal-Klassiker im Plattenregal haben. Und wenn die Platte – natürlich, wie auch sonst?! – mit einem melodiösen Gitarren-Outro endet, ist das wie das gesamte Album kein Plagiat, sondern eine Huldigung an DISMEMBER und die anderen Jungs, die schon so lange dabei sind.

VÖ: 25. September 2020

Label: Metal Blade Records

LIK „Misanthrophic Breed“ Tracklist

The Weird
Decay (Video bei YouTube)
Funeral Anthem (Video bei YouTube)
Corrosive Survival
Female Fatal to the Flesh
Misanthropic Breed
Flesh Frenzy
Morbid Fascination (Video bei YouTube)
Wolves
Faces of Death
Becoming

Line-Up:

Christofer Barkensjö (WITCHERY) – Drums
Niklas Sandin (KATATONIA) – Gitarre
Tomas Åkvik (NALE) – Vocals, Gitarre
Joakim Antman (OVERTORTURE, THE UGLY) – Bass

 

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...