KODIAK / NADJA: Split

Besinnlicher Doom/Drone für kalte, unwirtliche Winterabende.

Wundervolle Monotonie, wie sehr ich mich von dir begraben lasse. Drone ist ein Genre, das wie kein anderes in sagenhafter Laufstärke den Geist auslöscht und das Gehirn wundervoll entleert. Wie eine befreundete Buddhistin kürzlich zu mir sagte: No brain, no pain. Das Prinzip des Drone und der buddhistischen Meditation ist gar nicht so weit voneinander entfernt, auch wenn der eine oder andere da widersprechen mag. NADJA beweisen das mit ihrem Drone der Marke Kann ich auch selbst zu Hause machen des öfteren und haben hier wieder eine Split parat, die sich tief ins Unterbewusstsein gräbt und dort alles zur völligen Phlegmatisierung bringt.

KODIAK, ihre Splitpartner sind weniger primitiv wie die Exil-Kanadier, aber mindestens doppelt so rauschhaft. Mit MCCCXLIX – The Rising End beginnen KODIAK mit einem starken Stück Drone, das ebenso wie das Material ihres gelungenen Debütalbums zwischen Nihilismus und Boshaftigkeit liegt. Zu Beginn des einundzwanzigminütigen Infernos gibt es nur Dröhnen zu hören, recht rau und kratzig, bis sich schließlich ein morbides Klavier erhebt und das Stück erst wirklich beginnen lässt. Danach schleppen sich KODIAK zwischen SUNN o))) und SWITCHBLADE durch eine Drogenhölle, die so entwaffnend intensiv ist, dass dem Hörer nichts anderes übrig bleibt, als alles andere ad acta zu legen und sich ganz dem aufsteigendem Ende hinzugeben. Das Stück, mit seinen vielen Details im Hintergrund, seinen lebenden Elementen Gitarre, Bass und Schlagzeug, atmet und stöhnt und wird schön durch den beigefügtem Text von Giovanni Boccaccio aus Decamerone ergänzt. Wer nach der letzten SWITCHBLADE mehr von dieser totalen Selbstaufgabe braucht, der höre den faszinierenden Beitrag von KODIAK auf dieser Split.

NADJA hingegen zeigen nach dem schönen Splitbeitrag auf Primitive North deutlich weniger ausuferndes Songwriting im Stil von JESU, viel mehr jedoch typischen Drone, der sich streng genommen zwanzig Minuten lang nicht wirklich verändert. Zwar ist KITSUNE – Fox Drone ein sehr langsames, atmendes Stück, aber trotz diverser Flanger-Effekte hält sich die Aufregung in Grenzen. Also: Meditation ist angesagt. Das ist allerdings bei einem Stück, dass wie ein überlang geratenes Intro klingt nicht gerade einfach. Außer die Lautstärke wird bis zum äußersten Anschlag aufgedreht, dann entfalten Aidan Baker und Leah Buckareff eine seltsame Magie, die so eigen ist, dass sie mit keiner andere Drone-Band zu vergleichen ist. Dem grandiosen Beitrag von KODIAK haben NADJA dennoch nicht so viel entgegen zu setzen, auch wenn man durch diesen Minimalismus hervorragend das Karma stärken kann.

Auch trotz dem vergleichsweise schwachem Beitrag von NADJA ist diese Split zu empfehlen, ganz einfach weil KODIAK verflucht gute Arbeit leisten und die eine oder andere alteingesessene Drone-Doom-Band ganz schön alt aussehen lassen. Wie bei DENOVALI üblich, ist dieses Split-Album auch sehr schön aufgemacht, damit der Gesamteindruck von hohem Niveau ist. Klarer Fall, Freunde von Drone und extremen Doom finden hier Besinnliches für die kalten, unwirtlichen Winterabende.

Veröffentlichungstermin: 13. Dezember 2009

Spielzeit: 41:14 Min.

Line-Up:
KODIAK:
Seppo – Guitar
Tommy – Bass
Maik – Drums

http://www.denovali.com/kodiak

http://www.myspace.com/kodiakdoom

NADJA:
Aidan Baker
Leah Buckareff

http://www.nadjaluv.ca

http://www.myspace.com/nadjaluv
Label: Denovali Records

Tracklist:
KODIAK:
MCCCXLIX – The Rising End

NADJA:
KITSUNE – Fox Drone