KODIAK: Kodiak [Doppel-CD]

Ein ganz tiefes Eintauchen in die unheimliche Drone-Doom-Welt von KODIAK.

Herzlichen Glückwunsch. In drei Jahren haben KODIAK ganze sieben Songs geschrieben. Diese sieben Songs schaffen es aber auf eine Spielzeit von immerhin gut zwei Stunden. Verteilt haben sich diese sieben Tracks auf ein Album, zwei Splits und einen Sampler, sowie der frischen Kollaborationsarbeit mit N. Fleißig waren die drei Musiker aus dem Ruhrpott bisher durchaus, und um das zur Schau zu stellen, gibt es alles, was sie bisher veröffentlichten, jetzt auch gesammelt auf ganz kompakt zwei CDs und nicht nur auf Vinyl. Konsequent und langsam dröhnen KODIAK in diesen zwei Stunden alles in Grund und Boden und zeigen auf schöne Art und Weise, wie sehr sie sich in ihrer recht jungen Karriere schon entwickelten.

Los geht es mit Beginning und End vom 2009 veröffentlichtem Debütalbum, das noch auf den Spuren von SWITCHBLADE wandelt, sich aber dennoch durch geschickte Ideen abzuheben weiß. Nicht nur das schöne Cellointro von Beginning, sondern auch der an ISIS zu Oceanic erinnernde epische Teil von End heben KODIAK von ihren Drone und Doom-Kollegen erfrischend ab. Zwar sind die ersten beiden Tracks trotz der enormen Heaviness noch ein wenig zahm, da viele Ideen, die in der Musik schlummern, noch nicht raus durften. Aber KODIAK zeigen schon mit Town Of Machine von der Split mit BLACK SHAPE OF NEXUS, wie atmosphärisch und unheimlich diese Musik sein kann. Die Reduktion der ersten beiden Songs wird durch Experimente mit Delay und Hall ergänzt, auf typische Rhythmen wird verzichtet, KODIAK erschaffen ein Monstrum von einem Song, das sich ins Hirn frisst und Albträume erschafft. Den Abschluss der ersten CD bildet By The Sea von der Falling Down-Compilation 2, mit knapp acht Minuten das deutlich kürzeste Stück der Band. Hier spielen KODIAK mehr auf dem Punkt und haben einen recht kompakten Songaufbau parat, der trotz der relativen Direktheit die Atmosphäre nicht vermissen lässt. CD2 beginnt mit dem schönen MCCCXLIX – The Rising End, das ursprünglich auf der Split mit NADJA für ein Aufhorchen sorgte und neben Town Of Machine das Beeindruckendste darstellt, was KODIAK bisher erschaffen haben. Dieser Song gräbt sich tief ins Unterbewusstsein und sorgt für einen einzigen Rauschzustand zwischen bizarren Riffs, dissonantem Piano und perfekt akzentuiertem Drummung.

Wer KODIAK bisher schon kannte wird es trotz dem starken Material vor allem auf die beiden neuen Tracks mit N abgesehen haben, die nach der ersten gemeinsamen Show auf dem SWINGFEST 2010 Großes erhoffen ließen. In der Tat weisen Radon und Xenon abermals eine Weiterentwicklung auf, die diese Band immer mehr in die Eigenständigkeit rückt. Lange, experimentelle, sanft dröhnende Momente, die sich geisterhaft dem Griff des Hörers entziehen, die sich nicht wirklich setzen wollen, aber allgegenwärtig sind, die so wunderschön und so eiskalt sind, dass es dem Hörer die Luft abschnürt. Wie der Soundtrack zu einem Science Fiction-Film – ich muss ständig an das verlassene Raumschiff in Pandorum denken – wirkt das, was Radon bietet, Xenon hingegen folgt anfangs einer recht klaren Linie und erinnert erfreulich an RORCALs Monochrome. Diese beiden Stücke zeigen KODIAK erstaunlich direkt, mit Rhythmen, die sogar richtige Grooves bieten, aber auch mit einer deutlich stärker ausgearbeiteten Laut-Leise-Dynamik. So stark wie diese beiden Stücke sind bisher keine anderen von KODIAK durchdacht und ausgearbeitet. Gänsehaut am ganzen Körper und pure Hypnose in einem.

Mit dieser Doppel-CD haben KODIAK vor allem etwas für die Neueinsteiger parat, die zum günstigen Preis die Welt Instrumental-Doomer in ihrer Gänze entdecken wollen. Das hier ist sicherlich schwierige Musik, die nicht immer genossen werden kann, ohne einen leichten Schaden davon zu tragen, aber es ist mit das Beste, was wir in Deutschland in diesem Genre haben. Wer bereits die Vinylversionen der Alben zu Hause hat, kann auf diese Werkschau aber verzichten, für Freunde von experimentellem, tonnenschwerem und intensivem Doom/Drone sind KODIAK aber eine echte Pflichtanschaffung und sollten, in welcher Form auch immer, das Zuhause verschönern.

Veröffentlichungstermin: 9. September 2011

Spielzeit: 63:48 + 58:26 Min.

Line-Up:
Seppo – Guitar
Tommy – Bass
Maik – Drums

Label: Denovali Records

Homepage: http://www.denovali.com/kodiak

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/kodiakdoom

Tracklist:
CD1:
1. Beginning
2. End
3. Town Of Machine
4. By The Sea

CD2:
1. MCCCXLIX – The Rising End
2. Radon
3. Xenon