INGRIMM: Todgeweiht

INGRIMM: Todgeweiht

Ich weiß nicht, wie oft Bands wie IN EXTREMO oder SUBWAY TO SALLY schon fälschlicherweise als Mittelalter-Metal bezeichnet wurden. Nun kommt mit INGRIMM jedoch endlich eine Gruppe, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient hat. Denn zu den genretypischen Instrumenten bestehend aus Dudelsack und Drehleier, gesellen sich metallische Riffs, häufiger Doublebass-Einsatz und auf gesanglicher Ebene sogar der ein oder andere Grunzer. Dass das Resultat heutzutage nicht mehr wirklich innovativ klingt, steht außer Frage. Für ein wenig Originalität ist aber durch Christian Hadersdorfer gesorgt, der beim gelungenen Einstieg „Vogelfrei“ auf seiner Drehleier ein waschechtes Metalsolo zum Besten gibt. Hier ersetzt das mittelalterliche Instrumentarium tatsächlich die Lead-Gitarre und setzt so wider Erwarten Akzente. In Zukunft bitte mehr davon! Weit klassischer kommt „Der Letzte Tanz“ daher, der vor allem durch seine eingängige Sackpfeifenmelodie und den groovenden Refrain besticht. Aber auch „Narrentraum“ oder die gesellschaftskritische Ballade „Der Stern“ wissen zu gefallen und stellen durchweg gute Genrekost mit Ohrwurmcharakter dar.

„Todgeweiht“ ist nicht frei von Schwächen

So weit, so gut. Jedoch ist „Todgeweiht“ nicht frei von Schwächen. So dürften wohl einige anfangs Probleme mit dem recht eigenwilligen Gesang von Frontmann Stephan Zandt haben, der in seinen besten Momenten an Fuchs von DIE APOKALYPTISCHEN REITER erinnert, sich aber manchmal auch den einen oder anderen Fehltritt leistet. So vermittelt die Strophe von „Ingrimm“ statt unterdrückter Wut eher einen seltsam befremdlichen Eindruck. Hat man sich aber erst einmal an die markante Stimme gewöhnt, dann gibt es an der sonst soliden Leistung nur wenig auszusetzen.

Nicht jeder Schuss ist ein Treffer

Allerdings kann das Songmaterial auf „Todgeweiht“ nicht durchweg überzeugen. Zwischen wirklich guten Nummern wie „Vogelfrei“ oder „Diaboli“ haben sich mit „Krieger“ und „Teufelsweib“ nämlich auch eher öde Vertreter eingeschlichen. Vor allem Ersteres wird durch die langweilige Strophe und den anstrengenden Refrain schnell ein Opfer der Skip-Taste. Dies schlägt sich letztendlich natürlich auch auf das Gesamtbild nieder. Dieses ist im Großen und Ganzen dennoch absolut solide. Es mag vielleicht nicht jeder Schuss ein Treffer sein und auch die ganz großen Hits sucht man auf „Todgeweiht“ vergebens, wer aber auf der Suche nach einer härteren Band aus dem Mittelalter-Sektor ist, der sollte sich die Combo auf jeden Fall mal näher ansehen. Nur auf einer Stufe mit den Großen des Genres sollte man INGRIMM noch nicht sehen, denn bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Veröffentlichungstermin: 07.11.2008

Spielzeit: 44:22 Min.

Line-Up:
Stephan Fenris Zandt: Gesang
Alex Haas: Gitarre
Christian Hardy Hardersdorfer: Dudelsack, Drehleier
Claudia Fuzzy Urlbauer: Bass
Klaus Rosner: Schlagzeug

Produziert von Stephan Fimmers, Matthias Wimmer, Alex Haas
Label: Black Bards Entertainment

Homepage: http://www.ingrimm.com

INGRIMM „Todgeweiht“ Tracklist

01. Vogelfrei
02. Krieger
03. Ingrimm
04. Todgeweiht
05. Der Letzte Tanz
06. Teufelsweib
07. Narrentraum
08. Der Stern
09. Sündig Fleisch
10. Rot
11. Diaboli

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.