Knock, knock. Who’s there? Drei äußerst entschlossene Musikerinnen. (Puh, der Verfasser befürchtete schon, es wäre der Tod.) Drei, die auf ihrem zweiten Album fokussiert, konsequent und kompromisslos ihre dunklen Rocksongs performen und die Stärken eines Power Trios auszuspielen wissen. Und doch: „Where The Seas Fall Silent“ beginnt erstmal als grungiges Midtempo-Stück. Also ALICE IN CHAINS statt UNTO OTHERS? So dauert es ein wenig, bis HOAXED richtig in Fahrt kommen. Grimmige Coolness hat die Band aus Portland, Oregon im Blut – man weiß es, wenn man „Two Shadows“ schon kennt – und doch scheint es, als würden sie bis zum Ende von „Kill Switch“ mit angezogener Handbremse fahren, bevor sie zum ersten Mal richtig nach vorne spielen.
„Death Knocks“, tritt aber nicht sofort ein: HOAXED bauen ihr zweites Album langsam auf.
Ironischerweise beginnt „Death Knocks“ ausgerechnet dann richtig zu zünden, wenn HOAXED leiser und beschwörend, statt laut und wild werden : „Promised To Me“ baut Spannung auf, verbindet dunkle Gesangsharmonien mit kratzigen Riffs und einer rauen Atmosphäre. Man spürt es, jetzt nimmt das Album Fahrt auf. Dennoch wirkt „The Fallen“ fast so, als würden HOAXED ihre Hörenden in der Folge verlieren, bis sie in der Mitte dann die aufgebaute Spannung zu entladen wissen. Und obwohl „Death Knocks“ ein sehr kompaktes Album mit kurzen Songs ist, nimmt sich das Trio in der Mitte des Albums Zeit, um mit dem Cello-Interlude „Looking Glass“ in das atmosphärische, orchestrale „Dead Ringer“ überzuleiten.
Relativ lange täuschen HOAXED vor, als hätten sie keinen wuchtigen Songs wie das Titelstück des Debütalbums auf „Death Knocks“ stehen. Im letzten Drittel schwillt die Musik so richtig an, steht doch mit „Wretched“ ein angriffslustiger Song, der an der Schwelle zum Metal steht. Auch das wuchtige Uptempo-Stück „The Family“, der Hit des Albums, hält das Energielevel oben zwischen Wut und äußerst eingängigem Songwriting, bevor das abschließende „Killing Stone“ mit Groove und schroffen Gitarren und einer unwiderstehlichen Hook endet. HOAXED schaffen es also, ihr zweites Album so aufzubauen, dass es von Song zu Song besser wird und am Ende gerade zu unverschämt unvermittelt endet.
Die Herangehensweise von HOAXED ist originell, „Death Knocks“ kann diese Stärke aber nicht ganz zu seinem Vorteil ausspielen.
Irgendwo zwischen TRIBULATION und ROYAL THUNDER sortieren sich HOAXED auf „Death Knocks“ ein und haben in diesem unwahrscheinlichen Feld ein kompaktes, dynamisches und energiegeladenes Album geschaffen. Diese acht Songs plus Interlude klingen düster, aber nicht verbittert, kontrolliert, aber angriffslustig und sind dank der fokussierten Arbeitsweise der Musikerinnen sowohl abwechslungsreich als auch kurzweilig. Sängerin und Gitarristin Kat Keo führt die Band souverän an, schreibt Riffs, die genau an der Schwelle zwischen simpel und raffiniert liegen und hat eine kraftvolle Stimme. Schlagzeugerin Kim Coffel trägt mit ihrem Spiel viel zur Dynamik des Albums bei, weiß sich zurückzunehmen, haut im richtigen Moment aber beherzt zu – gerne auch mit Double Bass.
Obwohl kreativ und technisch objektiv nichts an „Death Knocks“ auszusetzen ist – beachtlich ist auch die starke Produktion von Toningenieur Gabe Johnston und den Mix von Arthur Rizk –, bleibt der Eindruck, dass HOAXED etwas unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Ein paar Songs etwas mehr ausgebaut, vielleicht in der ersten LP-Hälfte noch ein schnelles Stück mehr, und dieses Album wäre unwiderstehlich geworden. Dennoch, wer sich irgendwo zwischen Grunge und Gothrock sein stilistisches Heim einrichten kann, darf sich darauf gefasst machen, dass HOAXED an der Tür klopfen. Alles in allem ein cooles Album mit etwas Luft nach oben.
Wertung: 7 von 10 Hexenhäuschen
VÖ: 13. Februar 2026
Spielzeit: 31:16
Line-Up:
Kat Keo – Vocals, Guitar
Kim Coffel – Drums
April Dimmick – Bass, Vocals
Gastmusiker:
C.E. Brown – Cello
Label: Relapse Records
HOAXED „Death Knocks“ Tracklist
1. Where The Seas Fall Silent (Official Video bei Youtube)
2. Kill Switch (Official Video bei Youtube)
3. Promised To Me
4. The Fallen
5. Looking Glass
6. Dead Ringer
7. Wretched
8. The Family (Official Lyric Video bei Youtube)
9. Killing Stone
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