HITTMAN: Destroy All Humans

HITTMAN: Destroy All Humans

Nachdem No Remorse Records dieses Jahr schon das solide SHOK PARIS-Comeback “Full Metal Jacket” veröffentlicht haben, widmet sich das griechische Label nun einer weiteren US Metal Kulttruppe, um die es lange ruhig war. HITTMAN´s letztes Album “Vivas Machina” erschien 1993, also vor 27 Jahren. Seit 2017 ist die Band wieder aktiv und hat (natürlich) unter anderem auf dem KEEP IT TRUE gespielt. No Remorse veröffentlichte außerdem einen Re-Release ihres selbstbetitelten Debüts von 1988. Dadurch war das Interesse an der Band wieder da und man beschloss, ein Album aufzunehmen. Vom Line Up der ersten beiden Alben sind mit Sänger Dirk Kennedy und dem Gitarrengespann Jim Bacchi und John Kristen immerhin zwei Drittel noch am Start, lediglich an Bass und Schlagzeug holte man sich neue Leute an Bord. Ich bin ohne große Erwartungen an “Destroy All Humans” herangegangen – und wurde mehr als nur positiv überrascht, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Nach langer Untätigkeit lassen HITMANN auf “Destroy All Humans” nichts anbrennen

Los geht es mit einem spacigen Keyboard-Intro, welches den Titelsong einleitet. Und spätestens mit dem Einstiegsriff kommt einem das alles ganz schön bekannt vor. Ja, HITTMAN haben sich hier sehr deutlich von RAINBOWs “Gates Of Babylon” inspirieren lassen und ziehen das in den Strophen eiskalt durch. Na ja, man kann eindeutig schlechter klauen, soviel steht fest. Bridge und Refrain klingen dann allerdings völlig anders und bieten starke Melodien. Gänzlich anders klingt das folgende, eher rhythmusbetonte “Breathe”, bei dem die Band relaxed vor sich hin groovt.

“The Ledge” wurde vorab bereits als Single vorgestellt und der Song entpuppt sich schnell als eines der ganz großen Highlights des Albums. Schon die “singenden” Gitarren zum Einstieg sind fantastisch, dann die ruhigen Strophen, bei denen das Rhythmus-Duo mit akzentuiertem Spiel hervorsticht und als Highlight dieser absolut gigantische, emotionale Refrain, welcher einfach mal alles toppt. Ach ja, ein starkes Gitarrensolo gibt’s auch noch obendrauf. Der Song hat was von QUEENSRYCHE und wäre auch auf „The Verdict„, dem starken letzten Album der Band aus Seattle ein Highlight gewesen. Ganz, ganz groß!

Immer wieder erinnern HITTMAN an QUEENSRYCHE, ohne dabei wie ein Abklatsch zu klingen

Apropos QUEENSRYCHE – eine gewissen Nähe zu diesen wurde HITTMAN ja bereits zu Zeiten Ihres Debüts nachgesagt und auch gute dreißig Jahre später lässt sich dies nicht leugnen. Man höre nur die beiden Stücke “Code Of Honour” und “Out In The Cold”, welche beide noch aus der Zeit vor dem Debütalbum stammen. Auch bei diesen beiden Stücken, die tatsächlich nochmal eine Ecke old schooliger klingen als der Rest des Songmaterials muss ich immer wieder an QUEENSRYCHE denken. Dabei klingen HITTMAN aber nicht nach einem billigen Abklatsch, eher nach Brüdern im Geiste.

“Total Amnesia” und “1000 Souls” sind zwei straighte Rocker. Ersteres ist ein simpler, aber effektiver Up-Tempo-Song während Zweiteres vor allem vom knackigen Bass nach vorne getrieben wird und in einem hymnischen Refrain kulminiert. Den Abschluss bildet das knapp acht Minuten lange “Love, The Assassin”. Die Geschichte über einen Auftragsmörder zeigt die Band nochmal in Topform. Epik und Dramatik und so viele wechselnde Stimmungen, alles meisterhaft arrangiert. Ein würdiger Abschluss eines herausragenden Albums.

Wie aus dem Nichts knallen uns HITTMAN mal eben ein Jahreshighlight vor den Latz

Dirk Kennedy klingt auf “Destroy All Humans” absolut großartig. Die ganz hohen Passagen lässt er aus, wirkt bei dem, was er tut, aber vollkommen souverän. Das gilt auch für die restlichen Musiker, die allesamt auf Top-Niveau spielen, ohne dass “Destroy All Humans” zu einer technischen Nabelschau verkommen würde. Man merkt einfach, dass hier erfahrene und routinierte Musiker und Songwriter am Werk sind. Besonders die vielen Gitarrenharmonien sind neben dem fantastischen Gesang eine der tragenden Säulen des HITTMAN-Sounds. Auch die Produktion von “Destroy All Humans” ist absolut perfekt. Zeitgemäß, aber nicht steril, differenziert und jedem Instrument seinen Raum lassend.

Aber über allem thronen die überragenden Songs. Auch nach diversen Durchläufen kann ich keinen Schwachpunkt an diesem Album ausmachen, keinen einzigen Füller. Ich habe wie gesagt keinerlei Erwartungen gehabt, als ich mich für die Rezension dieses Albums gemeldet habe. Bekommen habe ich das vielleicht bisher beste traditionelle Metal-Album des Jahres und einen todsicheren Kandidaten für die obersten Plätze in meinem Jahrespoll. HITTMAN haben hier womöglich ihr bisheriges Magnum Opus abgeliefert. Lasst euch das nicht entgehen!

Veröffentlichungsdatum: 25.09.2020

Spielzeit: 42:13

Line Up:
Dirk Kennedy – vocals, keyboards
Jim Bacchi – guitars, keyboards, background vocals
John Kristen – guitars
Greg Bier – bass
Jai ‚Es – drums on „Destroy All Humans“, „Breathe“ & „Total Amnesia“
Joe Fugazi – all other drums

Label: No Remorse Records

Facebook: https://www.facebook.com/Hittmanmetal
Bandcamp: https://hittmanofficial.bandcamp.com/

HITTMAN „Destroy All Humans“ Tracklist

1. Destroy All Humans (7:32)
2. Breathe (4:20) (Lyric-Video bei YouTube)
3. The Ledge (4:29) (Lyric-Video bei YouTube)
4. Code of Honour (5:20)
5. Total Amnesia (4:18)
6. 1000 Souls (4:00)
7. Out in the Cold (4:29)
8. Love, ‚The Assassin‘ (7:45)

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.