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ENTOMBED: Clandestine

ENTOMBED: Clandestine

Wenn es darum geht essentielle Bands für den Death Metal an sich zu suchen muss man gar nicht erst über den großen Teich schauen, denn Ende der 80er und Anfang der 90er braute sich in Schweden eine Gewitterwolke zusammen, die Eltern das Fürchten und den Kids das Headbangen lehren sollte. Kontroverser Metal war nichts Neues und auch mit der Vorsilbe Death war man schon ansatzweise vertraut, doch was DISMEMBER, ENTOMBED und GRAVE darboten, das war anders, extrem, wild und schrecklich morbide.

Natürlich bin ich etwas zu jung um diese – nennen wir sie mal Zeit des Aufbruchs – miterlebt zu haben, doch ENTOMBED fesseln mich mit Clandestine heute genauso wie die Jugendlichen damals, die mit schweißnassen Händen die Scheibe auf den Plattenteller legten um danach andächtig zu Living Dead und Chaos Breed zu bangen. Doch beginnen wir wo anders. Denn Clandestine passt nicht so ganz ins Konzept von ENTOMBED. Mir kommt es vor, als würden einige dieses geniale Album verschmähen, da es das Einzige ist, auf dem Frontsau und Aushängeschild L.G. Petrov nicht zu hören ist, denn dieser hatte die Band nach einem Streit für einige Zeit verlassen. Viele sagen, dass die Musik genial wäre, aber Johnny Dordevic nicht passend dazu brüllt. Vorsicht, Subjektivität: Ich finde seinen Gesang klasse, er ist tief, wütend und kommandiert beachtlich. Doch ist es wirklich Johnny Dordevic der hier singt? Nicht genaues weiß man nicht, wie wie hier in Bayern sagen, hartnäckige Gerüchte, die allerdings nirgends offizielle Bestätigung fanden besagen dass Schießbudenbesitzer Nicke Andersson Clandestine eingeröhrt haben soll.

Clandestine ist mein absolutes Lieblingsalbum dieser Death Metal-Ära. Es vereint alles, was an dieser Musik so mitreißt, kommt so schmissig rüber wie kein anderes Todesblei-Werk und ist so wuchtig wie nichts das heute herauskommt. Angefangen mit Living Dead, das als fetter Mosher beginnt, das so viele Hammerriffs beinhaltet, das roh und doch melodisch ist. Ich liebe diesen Song. Vor allem das Finale, die Stelle in der In Your Head gebrüllt wird, ich könnte sie hundertmal hintereinander hören. Doch nach diesem Lehrstück in Sachen Brachialität schalten ENTOMBED zunächst einen Gang zurück und lassen es grooviger mit Sinners Bleed angehen, das ebenso nach kürzester Zeit so fest im Kopf verankert ist wie das Vaterunser. Und so geht es weiter: Das morbide Evilyn, das sehr abwechlungsreiche Blessed Be und der Groovehammer Stranger Aeons folgen und lassen dem Hörer keine Pause. Ladies and Gentlemen, es darf gebangt werden.

Abwechslung ist Trumpf auf Clandestine, dennoch dominieren die fetten Midtempo-Passagen mit den kranken Schraddelriffs darüber. Da kann Chaos Breed noch so fetzen, am meisten hinterlassen diese Riffs Eindruck. Warum? Weil sie damals wie heute noch anders, frisch, extrem klingen. Zu dieser Zeit waren ENTOMBED keine wirklich guten Musiker, doch Uffe Cederlund und Alex Hellid an den Gitarren und Nicke Andersson an den Drums waren fit genug um die Songs interessant wirken zu lassen und mit Langzeitwirkung auszustatten. Daneben erlischt nie die Rohheit, der Ursprung wird stets im Auge behalten. Darüber täuschen auch die dissonanten Melodien in Severe Burns nicht hinweg, denn Nicke Andersson knüppelt im feinsten old-school Stil darüber und danach folgt ein ebensolches Riff, das wiederum beweist was immer noch am besten gen Solar Plexus tritt: Death Metal der alten Schule.

Heutzutage, wo viele Bands mehr auf Frickeleien und zu anspruchsvolle Arrangements bedacht sind, was dazu führt, dass sie sich ähneln wie ein eineiiger Zwilling dem anderen ist es enorm wichtig um nicht den Glauben an diese Musik zu verlieren, diese CD immer wieder mal reinzuschmeißen. Man wird in eine andere Welt geschmissen, in eine Welt in der die knochentrockene Produktion des Sunlight Studios noch das Nonplusultra war, in eine Welt in der nicht nur Blast Beats extrem waren, in eine Welt in der ein guter Song mehr zählt als jedes pseudoverfrickelte Riff einer stillosen, südamerikanischen Knüppelband. Und da sich ENTOMBED über die Jahre hinweg treu geblieben sind, kompromisslos den eigenen Weg gehen und selbst mit Same Difference um Einiges glaubhafter klingen als JUDAS PRIEST auf ihrem ach so tollem Reunion-Album.

ENTOMBED sind für mich eine Band, die ich immer lieben werde. Und Clandestine trägt einen enormen Beitrag dazu bei.

Veröffentlichungstermin: 1991

Spielzeit: 43:39 Min.

Line-Up:
Johnny Dordevic – Vocals

Alex Hellid – Guitars

Ulf Cederlund – Guitars & Backing Vocals

Lars Rosenberg – Bass

Nicke Andersson – Drums & Backing Vocals

Produziert von ENTOMBED & Tomas Skogsberg
Label: Earache Records

Homepage: http://www.entombed.org

Tracklist:
1. Living Dead

2. Sinners Bleed

3. Evilyn

4. Blessed Be

5. Stranger Aeons

6. Chaos Breed

7. Crawl

8. Severe Burns

9. Through the Collonades