GOD DETHRONED: Under The Sign Of The Iron Cross

GOD DETHRONED: Under The Sign Of The Iron Cross

Viel Fingerspitzengefühl bewiesen GOD DETHRONED bei der Wahl von Artwork und Titel ihres neuen Albums „Under The Sign Of The Iron Cross“ nicht. Auch wenn hier selbstverständlich gemahnt und nicht verherrlicht wird, so dürfte der Leopard im Glasladen im sensiblen Metal-Deutschland doch für ein paar zerbrochene Gemüter sorgen. Sollte Antikriegslyrik wirklich so plakativ und provokativ verkauft werden? Eigentlich muss das nicht sein, aber da GOD DETHRONED auf ihrem neunten Album der Weltkriegsthematik ansonsten mit Ernsthaftigkeit und Respekt begegnen, kann man letzten Endes darüber weitgehend hinwegsehen, genauso wie über das generische Intro „The Declaration Of War“.

Nach dem holprigen Start lassen die Holländer um Bandchef Henri Sattler den ersten großen Krieg des 20. Jahrhunderts in all seiner Härte über den Hörer hereinbrechen. „Storm Of Steel“, „Fire Storm“ und „The Killing Is Faceless“ nehmen Gefangene genauso wenig, wie sie Überlebende kennen. Was die Herren von Beginn an auffahren, ist eine Zerstörungsorgie, deren Kollateralschäden gut und gerne den gesamten Planeten umfassen.

GOD DETHRONED gehen mit Struktur und Ordnung zu Werk

Charakterlich erinnert „Under The Sign Of The Iron Cross“ in all seiner Brutalität und Kürze – nach 36 Minuten ist der Death Metal-Blitzkrieg schon wieder vorbei – an „Death Domination“ der Schweden von IMPIOUS. Hauptunterschied bleibt derweil, dass GOD DETHRONED ihrem Werk insgesamt mehr Struktur, mehr Ordnung zugestanden haben. Die acht Songs folgen alle einem Plan, verkommen trotz zahlreicher Blasts, teils höllischer Geschwindigkeiten und regelmäßigen Knüppelpassagen nie zum chaotischen Hau-drauf-Fest. Dafür sorgt die Band mittels geschickter Tempowechsel, die wie etwa in „The Killing Is Faceless“ kurzzeitig die Schlagzahl drosseln, um mit einem durchdachten Solo die Spannung für die zweite Hälfte zu schüren.

Zu den interessantesten Stücken auf „Under The Sign Of The Iron Cross“ gehört sicherlich der Titeltrack, welcher brachiales Death Metal-Geballer in eine eingängige Leadgitarre einbettet, zwischendrin sogar mit ordentlichem Klargesang überrascht und schließlich so ruhig wie gebrochen ausklingt. Diese Zäsur zur Albummitte ist auch nötig, um die Lust für den nicht minder deftigen Endspurt neu zu entfachen. Vollständig entladen wird diese schließlich erst bei „On Fields Of Death & Desolation“, wo GOD DETHRONED anfangs ungewohnt schleppend und melodieorientiert zur Tat schreiten und nach dem zwischenzeitlichen Orkan ein Finale servieren, das für ein derart zermürbendes Konzept fast schon zu versöhnlich geworden ist – zumindest in musikalischer Hinsicht. Dies wiederum kann der Produktion nicht angelastet werden, denn vom etwas zu forcierten Schlagzeug abgesehen, taucht sie „Under The Sign Of The Iron Cross“ in ein dreckiges Gewand, ohne sich vor modernen Konventionen zu verschließen.

„Under The Sign Of The Iron Cross“ ist resolut und eindringlich

Und das ist auch richtig so, bringen GOD DETHRONED ihr persönliches Mahnmal doch nicht nur durch die gewohnt stark vorgetragenen Texte von Gitarrist und Sänger Henri Sattler zum Ausdruck, sondern auch durch ihre ungebrochen resolute, musikalische Interpretation derselbigen, was übrigens mit so viel Eindringlichkeit geschieht, dass selbst der sensibelste Metalhead erkennen muss, dass fehlendes Fingerspitzengefühl nicht automatisch mit Stumpfsinn gleichgesetzt werden darf.

Veröffentlichungstermin: 19.11.2010

Spielzeit: 36:30 Min.

Line-Up:
Henri Sattler – Vocals, Guitars
Danny Tunker – Guitars
Henk Zinger – Bass
Michiel van der Plicht – Drums

Produziert von Jörg Uken
Label: Metal Blade

Homepage: http://www.goddethroned.com

GOD DETHRONED „Under The Sign Of The Iron Cross“ Tracklist

01. The Declaration Of War
02. Storm Of Steel
03. Fire Storm
04. The Killing Is Faceless
05. Under The Sign Of The Iron Cross
06. Chaos Reigns At Dawn
07. Through Byzantine Hemispheres
08. The Red Baron
09. On Fields Of Death & Desolation

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.