FEN / DE ARMA: Towards The Shores Of The End

Atmosphärischer Black Metal mit progressiven Anflügen.

Eine Split-Veröffentlichung in Albumlänge hört man auch nicht alle Tage. Das hat im Fall von FEN und DE ARMA aber durchaus seinen Grund. Denn wer seinen Songs so viel Zeit zum Atmen und sich zu entwickeln gibt wie die Engländer, respektive Schweden, kommt selbst mit einer Handvoll Songs in Regionen, die für manch andere Band bereits ein vollständiges Album füllen würde.

Die erste halbe Stunde steht dabei ganz im Zeichen von FEN, die nebenbei mit “Towards The Shores Of The End” den Titel dieser Split beigesteuert haben. Die vier Songs setzen das Konzept von “The Malediction Fields” konsequent fort. Ausladende Kompositionen jenseits der Achtminutenmarke zeichnen ein progressives Bild, welches die ursprünglichen Black Metal-Wurzeln einzig in der rohen Produktion und den frostigen Vocals hindurch scheinen lässt.

Dazu lassen FEN progressive Elemente einfließen, wodurch Stücke wie “Soilbound” neben einer gewissen Erhabenheit entfernte Erinnerungen an ENSLAVED und frühe OPETH wecken. Mit schneidenden Keyboardteppichen und leisen Zwischenparts, die sich auf unverzerrte Gitarren stützen, erschaffen FEN eine eigene Dynamik, die im Kontrast zu den beißenden Vocals einen Sinn für Epik ins Spiel bringen. Mit dem Titeltrack begeben sich die vier Musiker instrumental ins Fahrwasser von ISIS, bevor das beruhigende Instrumental “Bereft (Reprise)” schließlich die Brücke zu den Kollegen von DE ARMA schlägt.

DE ARMA könnten manchmal straffer agieren

DE ARMA, die mit ihrem Beitrag zu dieser Split überhaupt ihr erstes Lebenszeichen von sich geben, arbeiten ebenfalls mit großen Kontrasten. Während das eisig produzierte “Crimson Waters Ebbing The Shore” mit frostigen Riffs und Blastbeats dem Black Metal durchaus nahe steht, dominiert auf stimmlicher Ebene exzentrischer Klargesang, der nicht selten etwas schräg anmutet. In den verbleibenden zwei Songs “Noemata” sowie “From Horizon To Oblivion” beherrschen dafür wieder die genreüblichen Screams das Geschehen. Das stellenweise monotone Riffing überspielen DE ARMA derweil souverän mit treibenden Blasts, auch wenn der eine oder andere Song straffer hätte arrangiert werden können.

“Towards The Shores Of The End” ist eine interessante Split, die vom Black Metal ausgehend ein atmosphärisches und progressives Ziel anvisiert. Puristen dürften sich bei dem Ergebnis zwar mit Bauchkrämpfen am Boden winden, für offene Naturen gleicht die Platte dafür einem Fingerzeig, was auf Grundlage des Black Metal alles möglich ist. Qualitativ gehen im direkten Vergleich der beiden Bands die erfahrenen FEN als Sieger hervor, da deren Konzept bereits wesentlich ausgefeilter daher kommt als das noch mit gesanglichen und leichten songschreiberischen Defiziten belastete Material DE ARMAs.

Veröffentlichungstermin: 15.02.2011

Spielzeit: 52:14 Min.

Line-Up:
FEN:
The Watcher – Vocals, Guitars, Keyboards
Æðelwalh – Keyboards
Grungyn – Bass
Derwydd – Drums

DE ARMA:
A. Petterson

Produziert von FEN und DE ARMA
Label: Nordvis

FEN / DE ARMA “Towards The Shores Of The End” Tracklist

01. Soilbound (FEN)
02. Ageless Threnody (FEN)
03. Towards The Shores Of The End (FEN)
04. Bereft (Reprise) (FEN)
05. Crimson Waters Ebbing The Shore (DE ARMA)
06. Noemata (DE ARMA)
07. From Horizon To Oblivion (DE ARMA)