EARTH: Star Condemn`d

Schwedischer Death Metal aus dem Land der Kängurus. Geht das? So halb. Und mit zuviel Zahnbelag.

Also mal wieder Schweden… denkt man unverzüglich beim Hören der ersten Töne von EARTH. Und täuscht sich damit gewaltig. Aus Australien sind sie, die Menschenkinder, die uns hier so skandinavisch klingenden Death Metal um die Ohren hauen. Star Condemn`d ist genaugenommen das – bereits 1999 aufgenommene – Debüt der Band. Danach brachte man sogar ein zweites Album namens The Bleeding Fields heraus. Warum nun das inaktuellere der Beiden vor mir liegt, kann und will ich an dieser Stelle nicht herausfinden. Also widmen wir uns im folgenden gepflegt dem Debüt.

Das Album will gar nichts anderes sein als schwedischer Death Metal. Will an die großen Tage von Bands wie ENTOMBED, GRAVE, DISMEMBER oder CARNAGE erinnern. Will also ganz ein Teil der OWOSDM sein (Für alle Laien und Poser: das ist die Old Wave Of Swedish Death Metal).

Dass das ganze den Herren nur halbwegs überzeugend gelingt liegt vor allem an einem grundlegenen Faktor: An der Dame in der Band. Was so ein richtiger Wikinger ist, der lässt schonmal keine Frau mit auf die Bühne, es sei denn zum Bier nachfüllen. Gut, Spaß beiseite, natürlich liegt es nicht an der Dame selbst, sondern an dem unseligen Instrument, dass die Arme bedient: Ein Keyboard. Warum spielen Frauen eigentlich fast immer Keyboard? Gut, tut nichts zur Sache: Tatsache allerdings ist, dass die klinischen Keyboard-Sounds über dem rauhen Todesstahl liegen wie Zahnbelag. Die Melodien, die Miss Rachel spielt sind zu aufdringlich und klingen billig, kitschig und schlicht und einfach fehl am Platz. Man schafft es nicht etwa, wie HYPOCRISY, diese Spielereien adäquat einzuflechten, sondern presst sie scheinbar als Füller in alle möglichen Lücken der Songs. Das einzig Gute ist, dass sie zum Glück nicht ganz so oft zum Einsatz kommen, wie zunächst befürchtet und sich auch mal in den Hintergrund zu rücken wissen.

Ansonsten bewegen sich EARTH im üblichen Schweden-Schema. Der Sound klingt nach Schweden, das Tempo klingt nach Schweden, die Stimme klingt nach Schweden. Keine Spur von Kängurus. Die Arbeit erledigen die Jungs (bewusst nur die Jungs) auch recht angemessen, Songs wie der Opener Prophecy Or Destiny, Earth oder auch der Titeltrack Star Condemn`d sind solide Nummern, die nur wenige Schweden-Deather ablehnen würden. Midtempo bis (unteres) Uptempo verflechtet man teilweise mit gekonnt doomigen Parts.

A Voice Is Heard ist eine flotte Groove-Nummer, wobei man es sogar schafft, die Keys ziemlich dezent und unterschwellig einzubringen. To Sink Or Soar ist mein persönliches Lieblingsstück und beginnt erdig und stampfend, wandelt sich aber dann zu einem vielseitigen Epos von über fünf Minuten Länge.

Fazit: Bodenständiger, schwedischer Death Metal, der nur durch die meist nervigen Keyboards etwas zerstört wird. Kann man hören, klingt auch ganz gut, aber hat man eben auch schon oft in ähnlicher Form gehört. Trotzdem schafft es die Scheibe, unter anderem durch Songs wie Of This Spell, die Band so zu präsentieren, dass man ihr zugestehen muss, dass sie sich nicht hinter den – hochgelobten – namhaften schwedischen Bands zu verstecken braucht.

Veröffentlichungstermin: 2004

Spielzeit: 44:37 Min.

Line-Up:
Bren – Gesang

Rachel – Keyboards

Dan – Bass

Chris – Gitarre

Rob – Drums

Rik – Gitarre

Produziert von Adam Calaitzis
Label: Iron Fist Productions
Email: ironfistrec@hotmail.com

Tracklist:
01. Prophecy Or Destiny

02. Earth

03. Star Condemn`d

04. A Voice Is Heard

05. To Sink Or Soar

06. Of This Spell

07. Endless Winter