DOLA: Czasy

DOLA halten nichts von Genregrenzen. Ihr zweites Album „Czasy“ wildert im Spanungsfeld aus Black Metal, Drone, Jazz, Neofolk und Psychedelia.

Was ich unbedingt noch loswerden wollte, bevor das alte Jahr endgültig verblasst: Überhört DOLA nicht, wenn es eine echte Herausforderung sein darf. Dass diese wahnsinnig spannende Band ausgerechnet aus dem konservativen Polen stammt, mag überraschen. Denn DOLA, die immer wieder zum Black Metal schielen, haben eine sehr reichhaltige musikalische DNA. Dieses Trio zu kategorisieren fällt nicht leicht, denn mit dem derzeit angesagten polnischen Trademark-Sound haben sie nichts am Hut. Viel mehr ist ihr zweites Album näher an Drone, Jazz, Neofolk und Psychedelia als an stereotyper Misanthropie – und daher so schwer zu kategorisieren.

DOLA fordern mit „Czasy“ und ihrem avantgardistisch-jazzigem Black Metal ihre Hörer heraus

Somit überrascht es nicht, dass „Czasy“ ein abgründiges Werk ist. Trotz anfänglicher Naturgeräusche ist DOLAs Zweitwerk voll von dunkler Atmosphäre und bedrückenden Momente. Einen Sturz ins Nichts deuten DOLA ja auch schon auf dem Artwork an. Immerhin, auch erhebende Momente stehen zwischen der Finsternis. Somit ist den Musikern ein dynamisches, organisches Album geglückt. Eines, das vor allem von einem eingespielten, kreativen Power Trio möglich ist. Improvisation statt starrer Songstrukturen und abrupte Wechsel statt statische Monotonie. Eine Dreiviertelstunde lang zaubern DOLA die unterschiedlichsten Facetten aus ihrem recht weit gesteckten Feld hervor.

„Czasy“ ist ein anstrengendes Album und bringt sein Publikum immer wieder an seine Grenzen. Einerseits passiert enorm viel in den sechs Stücken, andererseits spielen DOLA die einzelnen Teile auch sehr bewusst aus und lassen sie lange wirken. Somit verortet sich diese Musik abseits traditioneller Songstrukturen und wirkt dabei auch nicht gehetzt. Am besten ist dies in „-“ nachzuhören, das sehr jazzig beginnt, dann in Post Rock und melodischen Black Metal fließt, um später in einem improvisierten Mittelteil zu landen, von da aus in Doom überzugehen und in einem punkigen Finale zu münden.

Mit „Czasy“ präsentieren sich DOLA als hochkreatives Power-Trio

Das liest sich kompliziert, und tatsächlich will diese Musik eher erfahren als analysiert werden. Und zum Erfahren gibt es genug, schwelgerische Momente wie in „бога нет“, aber auch verstörendes wie in „Kije“ und „Nowa jesién“. Manchmal überspannen DOLA den Bogen zwar und könnten etwas kompakter agieren. Aber insgesamt ist „Czasy“ ein mitreißendes Album aus dem Spannungsfeld aus Harmonie und Horror, das trotz seiner eher rohen Produktion voluminös klingt. Das zeigt auch die Instrumentierung, denn DOLA schrecken weder vor Trompeten und klassisch jazzigen Drums und Kontrabass zurück, als auch vor Blast Beats, sägenden Gitarren, Geschrei und Gebrüll. Mit Mut und Weitblick zeigt dieses hochkreative Power-Trio, das auch gut auf eine Kleinkunstbühne passen würde, eine Dreiviertelstunde lang, dass wirklich niemand versuchen muss, ihnen Fesseln anzulegen. Ein Geheimtipp für offene Geister.

Wertung: 4,5 von 6 Jamsessions mit Fenriz

VÖ: 5. Juli 2021

Spielzeit: 47:31

Line-Up:
Grono – Guitar, Vocals
Maras – Bass, Trumpet, Synths, Harmonium, Vocals
Stempol – Drums, Vocals

Label: Widno Records

DOLA „Czasy“ Tracklist:

1. Wszystko odrośnie
2. Kije
3. –
4. Przy ziemi
5. бога нет
6. Nowa jesién

Mehr im Netz:

https://dola.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/Dola.official.2018/