DIO: At Donington UK: Live 1983 & 1987 [2-CD]

DIO: At Donington UK: Live 1983 & 1987 [2-CD]

Ein Blick auf das Cover lässt keine Fragen aufkommen: dies ist ein wertiges Vermächtnis, eine Verbeugung von und für den kleinen Metal-Magier und ein Geschenk für die Fans. Wo einen bei anderen Stars der Held nahezu immer strahlend entgegen schaut, gerade wenn sein Ableben finanziell ausgenutzt werden soll, sehen wir hier einen kleinen großen Star auf einer riesen Bühne, und vor ihm als beeindruckende Kulisse die Menschen, die DIO so sehr liebte – seine Fans. Nach seinem Tod am 16. Mai dieses Jahres war für alle erst mal Trauer angesagt, nun also erscheint das Doppelalbum als erste Veröffentlichung auf dem eigenen Label Niji Entertainment Group, mit welchem DIO viel vor hatte. Nun kümmert sich seine Frau Wendy darum, dass sicher noch so manches Goldstück aus seinem musikalischen Schaffen für die Fans greifbar wird.

Am 20. August 1983 trat DIO zum ersten Mal beim MONSTERS OF ROCK auf, noch nicht die ganz große Nummer, die erste Show im Donington Park stand man noch früh als dritte Band auf der Bühne. So präsentiert man sich fast ein wenig schüchtern, aber hungrig und sich irgendwo bewusst, sich mit dieser Show im Metalzirkus endgültig zu etablieren. Es gibt zum Auftakt mit dem energischen Stand Up And Shout den genialen Opener und mit Straight Through The Heart, Rainbow In The Dark und natürlich Holy Diver die ersten Hits, die auch Dank MTV den internationalen Durchbruch von DIO besiegelten. Drumsolo, tja, unvermeidbar damals, das Gitarrensolo von Vivian Campbell hingegen gefällt. Überhaupt ist es sein erdiges, bluesiges, und dabei sehr abwechslungsreiches Spiel, das neben der großen Stimme des Bandkopfs das Album Holy Diver zu einem der größten Monumente der Metalgeschichte machte. Das belegen sie auch bei dieser Show, die durchgehend Spaß macht. Natürlich gibt es auch die wohl wichtigsten Songs seiner Zeit bei  RAINBOW und BLACK SABBATH, ohne Man On The Silver Mountain oder Heaven And Hell wäre die Show natürlich nicht komplett. Ein tolles Dokument, das belegt, dass der Schritt zur Solokarriere der einzig Richtige war, seine musikalische Vergangenheit jedoch allgegenwertig bleibt.

Die Show am 22. August 1987 konnte schon auf eine gestandene Solokariere zurück schauen, hier war DIO dank riesiger, treuer Fangemeinde und Dauerrotation auf MTV und Co. dann verdient Co-Headliner vor  BON JOVI, die mit ihrem Megaseller Slippery When Wet regierten. Hier also wurde das neue Album Dream Evil mit drei Songs präsentiert, diese klingen deutlich kommerzieller, auch die Keyboards bekommen weitaus mehr Raum. Live kommen die neuen Songs aber knackiger als auf dem Album, neben den Klassikern der ersten drei Alben und den üblichen Meilensteinen von RAINBOW und BLACK SABBATH, wie einer starken Version von Neon Nights gleich als zweiten Song, wirkt das Programm rund. Der Chef ist auch hier sehr gut bei Stimme, gibt sich charmant und zollt seinen Fans den gleichen Respekt, den er aus der Menge bekommt. Nun, das Gitarrenspiel von Craig Goldy bei ROUGH CUTT (mit PAUL SHORTINO als Sänger) oder auch bei DRIVER fand ich klasse, hier bei DIO war mir das immer zu Amerikanisch, zu aufgeblasen und hochglanzpoliert. Nun denn, man wollte mit ihm ja nochmals den US-Markt knacken, und ungeachtet meines persönlichen Geschmacks war sein Gitarrenspiel technisch natürlich über jeden Zweifel erhaben. Die Kollegen stehen ihm in nichts nach, sodass auch dieser Mitschnitt ein Fest ist für alle DIO-Fans. Die magische Energie des ersten Auftritts, als die Band noch frisch und hungrig war, findet man hier aber nicht mehr, statt dessen eine gewachsene, selbstbewusste Band auf dem Zenit ihrer Karriere.

Von BBC wurden die Shows professionell mitgeschnitten und später unter der Regie von RONNIE JAMES DIO remastert. Die Aufnahmen wurden nicht mit Overdubs glattgebügelt, man darf auch mal dezente Fehler heraushören, man fühlt sich live dabei. Na ja, war ich ja, zumindest ein Wochenende später beim MONSTERS OF ROCK ´87 in Nürnberg, da war DIO ebenso genial, ebenso damals auf den 84er MONSTERS OF ROCK, auch in Nürnberg, bei all den Clubshows, jede Show dieses Mannes war immer besonders, eben weil dort ein besonderer Sänger und Mensch auf der Bühne stand. Dass er auch mal eine unpassende Begleitband hatte und es später durchaus auch schwächere Studioalben gab, das lässt dieses schick präsentierte Live-Doppelpack vergessen.

At Donington UK: Live 1983 & 1987 gehört in JEDE Heavy-Sammlung, nicht nur in die der DIO-Fans. Für mich ist und bleibt dieser Mann ein ROCKSTAR! Nicht weil er sich in den Vordergrund gedrängt hat oder mit wilden Stories die Medien bediente, sondern weil er schlichtweg eine faszinierende Persönlichkeit und ein genialer Sänger war, der eine komplette Musikrichtung nachhaltig geprägt hat. Das wird hier wieder deutlich: das Leben als Rock/Metal-Fan und letztendlich die ganze Hard`n´Heavy-Szene ist ohne diesen Mann ein ganzes Stück ärmer.

Veröffentlichungstermin: 05.11.2010

Spielzeit: 46:40 / 50:10 Min.

Line-Up:
1983:
Ronnie James Dio – Vocals
Vivian Campbell – Guitars
Jimmy Bain – Bass
Vinny Appice – Drums
Claude Schnell – Keyboards

1987:
Ronnie James Dio – Vocals
Craig Goldy – Guitars
Jimmy Bain – Bass
Vinny Appice – Drums
Claude Schnell – Keyboards

Produziert von Ronnie James Dio
Label: Niji Entertainment Group

Homepage: http://www.ronniejamesdio.com

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/dioofficial

Tracklist:
CD 1 / 1983:
1. Stand Up And Shout
2. Straight Through The Heart
3. Children Of The Sea (BLACK SABBATH)
4. Rainbow In The Dark
5. Holy Diver
6. Drum Solo
7. Stargazer (RAINBOW)
8. Guitar Solo
9. Heaven And Hell (BLACK SABBATH)
10. Man On The Silver Mountain (RAINBOW)
11. Starstruck (RAINBOW)
12. Man On The Silver Mountain [Reprise]

CD 2 / 1987:
1. Dream Evil
2. Neon Knights (BLACK SABBATH)
3. Naked In The Rain
4. Rock And Roll Children
5. Long Live Rock ´N´ Roll (RAINBOW)
6. The Last In Line
7. Children Of The Sea (BLACK SABBATH)
8. Holy Diver
9. Heaven And Hell (BLACK SABBATH)
10. Man On The Silver Mountain (RAINBOW)
11. All The Fools Sailed Away
12. The Last In Line [Reprise]
13. Rainbow In The Dark

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.