Ronnie James Dio mit Mick Wall und Wendy Dio: “Rainbow In The Dark – Die Autobiografie”

Der kleine Mann mit der großen Stimme begann mit dem Schreiben von „Rainbow in the Dark“ bereits mehrere Jahre vor seiner Krebsdiagnose, ohne seine Autobiografie vor seinem Tod 2010 vollenden zu können. Danach wurde das Erscheinen des Buches mehrfach angekündigt, verzögerte sich aber etliche Male. Unter der Mithilfe des erfahrenen Metaljournalisten Mick Wall und mit einigen Kommentaren seiner Frau und Managerin Wendy Dio ist das Buch nun 2021 erschienen. Und um das vorwegzunehmen: Die Einschübe von Wendy hätte es nicht gebraucht, ihre ziemlich unreflektierten und auch nicht sonderlich erhellenden Kommentare hemmen eher den Lesefluss, als das Gebotene zu ergänzen. Grundsätzlich halte ich das nachträgliche Bashen ehemaliger Bandmitglieder ohnehin für schlechten Stil und auch nicht gerade nachvollziehbar. Der hier oft gescholtene Viv Campell spielt nun mal unter allen DIO-Gitarristen in einer eigenen Liga und hat auf den besten Scheiben der DIO-Diskographie mitgewirkt.

Das Warten auf die DIO-Autobiografie hat sich gelohnt

Aber das nur am Rande. Das Buch war auf jeden Fall das Warten wert und beginnt mit einem Headliner-Auftritt seiner Band DIO 1986 im Madison Square Garden in New York. Für den Jungen aus New Hampshire ein Lebenstraum, unter dem eigenen Banner dort auf der Tafel zu stehen. Dann nimmt er den Leser mit in seine Jugend, in der er Trompete lernt und damit den Grundstein für seine spätere Atemtechnik als Sänger legt, sich in Coverbands erste Sporen verdient und in vielen unterschiedlichen Konstellationen Lehrgeld zahlt und Höhen und Tiefen durchlebt, Freunde und Mitmusiker gewinnt und verliert, bevor er zum Herzstück der Rockband ELF Anfang der 70er Jahre wird. Und obwohl man dabei Schmankerl erfährt wie die Entstehung der legendären „Pommesgabel“ Mano Cornuta (durch seine Oma…) hört sich das zusammen gefasst nicht allzu aufregend an, ist aber derart herzerwärmend geschrieben, dass das erste Drittel des Buches richtig Spaß macht. Obwohl man natürlich auf die Jahre wartet, in denen er mit den Gitarren-Ikonen Ritchie Blackmore bei RAINBOW und Tony Iommi in der Post-Ozzy-Inkarnation von BLACK SABBATH arbeitet.

“No thanks to Baal”

Das alles hätte für meinen Geschmack dann noch etwas ausführlicher beschrieben sein können, ist aber durchgängig informativ und räumt mit einigen Mythen auf wie der unseligen Geschichte, SABBATH hätten sich getrennt, weil Dio und Vinny Appice sich nachts ins Studio geschlichen hätten, um auf den „Live Evil“ Aufnahmen Gesang und Schlagzeug nach vorne zu mischen oder erklärt die „No thanks to Baal“ Danksagung bei RAINBOW.
Aber wahrscheinlich wollte Ronnie James Dio schließlich und endlich zu seiner eigenen Band DIO kommen, deren Entstehung, Songwriting und Bühnenshow (mit seinem Lieblingsdrachen Dean) ausführlich beschrieben werden. Und damit schlägt er den Bogen und lässt die Geschichte wieder zum Ausgangspunkt zurück kehren, dem Auftritt im Madison Square Garden.

Eine warmherzige, ehrliche und unterhaltsame Autobiografie

„Rainbow in the Dark“ ist eine erhellende und fesselnde Lektüre und eine posthume Hommage an den verstorbenen Sänger, der wohl noch ein weiterer Teil folgen soll. Natürlich ist das Buch subjektiv und zum Teil auch nicht ganz gerecht gegenüber dem einen oder anderen Weggefährten. Es ist aber auch warmherzig, ehrlich und unterhaltsam. Und das kann man wirklich nicht von jeder Musiker Autobiografie behaupten.

Zurück bleibt auch ein gehöriges Stück Traurigkeit, dass der kleine König dieses Jahr bereits seit 12 Jahren nicht mehr bei uns ist und der dringende Drang, mal wieder einige RAINBOW, SABBATH und DIO CDs in den Player befördern zu müssen.

Hardcover: 224 Seiten
Verlag: I.P. Verlag
Erscheinungstermin: 27.08.2021
ISBN: 978-3-940822-15-4
Größe: 15,5 x 21,5 cm
21,90 Euro