DESTRAGE: Urban Being

DESTRAGE: Urban Being

Wer seinen Death Metal gerne modern und melodisch hat, aber gleichzeitig die zahllosen IN FLAMES– und AT THE GATES-Kopien nicht mehr hören kann, sollte jetzt aufpassen. Denn für all diejenigen könnte DESTRAGEs „Urban Being“ eine ernsthafte Alternative darstellen.

In 45 Minuten verbindet das Quintett hochmodernes, teils thrashiges Riffing der neuen Schule mit Death Metal-Drumming, melodischen Gitarren-Leads sowie aggressiven Screams und Shouts, die hin und wieder sogar von klar gesungenen Passagen unterbrochen werden. Dabei gehen DESTRAGE so wild und rabiat zu Werk, wie man es nur von einer derart jungen Band erwarten kann.

Trotz geradliniger Songs passiert auf „Urban Being“ eine ganze Menge

Dass sich Songs wie „Self ID Generator“ oder „Very Important Pointless“ dennoch nicht so schnell abnutzen, liegt am großen Abwechslungsreichtum innerhalb der Stücke. Denn obwohl die Songs auf „Urban Being“ zumeist sehr geradlinig ausfallen, passiert während „The H Factor“ und „Digital Abuse“ doch eine ganze Menge. Von cleanen Gitarrenparts, über sphärischen Klargesang, bis hin zu brachialen Wutausbrüchen reicht das Spektrum und weiß auch nach mehrmaligem Hören noch zu überzeugen.

Seinen Höhepunkt erreicht „Urban Being“ mit dem brachialen „Beauty Clown“, das vor allem im Refrain mit einem wahnsinnig coolen Groove punktet und sich so unausweichlich in den Gehörgängen festsetzt. Inhaltlich behandelt der Song die Absurdität und Lächerlichkeit von Schönheitswettbewerben und ist damit ein gutes Beispiel, stellvertretend für das restliche, grammatikalisch leider nicht gänzlich fehlerfreie, Textkonzept von „Urban Being“. Dieses entspricht im Wesentlichen einem bitterbösen und sarkastischen Blick auf die dekadente, konsumwütige Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

DESTRAGE ziehen ihr Ding durch

Dass so ein ungehobeltes und wildes Album, wie DESTRAGE es hier abliefern, nur mit der entsprechenden Produktion funktionieren kann, versteht sich von selbst. Doch selbst in dieser Hinsicht gibt sich „Urban Being“ keine Blöße, ist es doch in ein ungeschliffenes und raues Korsett gekleidet, das dem ohnehin schon aggressiven Material perfekt zu Gesicht steht. Es tut sich also auch abseits des göteborgschen Massenphänomens was im melodischen Death Metal. Wenn man nur genau genug hinsieht, trifft man mit etwas Glück auf eine Band wie DESTRAGE, die konsequent ihr Ding durchziehen und damit nicht einmal gegen die Wand fahren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Italiener in Zukunft ihr Feuer nicht verlieren. Denn der Elan, mit dem sie an die Sache heran gehen, scheint mir ein nicht unwesentlicher Faktor für die Energie zu sein, die dieses Album versprüht.

Veröffentlichungstermin: 24.06.2009

Spielzeit: 45:08 Min.

Line-Up:
Paolo Colavolpe: Vocals
Matteo Di Gioia: Guitar
Ralph Salati: Guitar
Gabriel Pignata: Bass
Federico Paulovich: Drums

Produziert von Ettore Rigotti
Label: Coroner Records

Homepage: http://www.destrage.com

DESTRAGE „Urban Being“ Tracklist

01. Trash For Sale
02. Art For Free
03. Self ID Generator
04. The H Factor
05. Joker The Fast
06. Infinite Dump System Circle
07. Beauty Clown
08. Digital Abuse
09. Very Important Pointless
10. Urban Being

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.