DEEP PURPLE: In Concert ´72

DEEP PURPLE: In Concert ´72

Ok, für die meisten ist sicher das Doppelalbum Made In Japan vom Dezember ´72 das ultimative Live-Werk von DEEP PURPLE, das auch via Universal gerade neu remastered rausgeschoben wurde. Und wenn man mal ein paar Live-Scheiben, vor allem vom Grabbeltisch der Megamärkte gehört hat, wo die Rockhelden ihren Götterstatus gnadenlos zerbröseln, mag da wohl was dran sein. Wie die englischen Väter des Hard`n´Heavy-Sounds in Höchstform live im kleineren Club klangen, das konnte man auf einer Aufnahme von 1972 erleben. Mitgeschnitten am 09. März 1972 im Londoner Paris Theatre im Rahmen einer BBC-Show gab es damals eine limitierte Auflage, die schnell vergriffen war. Zudem gab es einige Bootlegs in teils guter Qualität. Die offizielle Aufnahme wurde 2012 für eine Vinyl-Edition digital remixt und remastert, nun ist sie endlich auch als CD zu haben.

Anfangs recht ungewohnt ist der Ansager, der selbstverliebt mit der Energie eines OZZY OSBOURNE beim Hundehäufchen sammeln etwas zur Band und den Songs sagt. Im Rahmen der BBC-Shows war das ganz normal, ähnliche Mitschnitte gibt es auch z.B. von T.REX und THIN LIZZY. Kann man mit einem Schmunzeln hinnehmen, Frontmann IAN GILLAN hatte eh nicht mehr viel zu sagen und sicher bereits andere Pläne Richtung Solokarriere, was er ein Jahr später nach dem Album Who Do You Think We Are auch umsetzte. Hier aber standen die sicher größten Alben der MK.II-Besetzung auf dem Plan, Fireball hatte die Engländer den verdienten Erfolg gebracht und das Folgealbum Machine Head stand einen Monat nach dieser Show in den Plattenläden und wurde hier hauptsächlich präsentiert. Das Cover von In Concert ´72 trägt passend auch dessen Cover geschmackvoll in sich. Wie auch immer, im ehrlichen Sound in einem überschaubaren Club hat diese Show eine ganz andere Atmosphäre als bekannte Aufnahmen von den großen Bühnen vor riesen Publikum, und das steht Band und Songs richtig gut.  

Ein kurzes Blabla vom Ansager Mike Harding und los geht es mit einer energischen Version von Highway Star, wow, hier hat die Band noch richtig Dampf! JON LORD quält seine Hammond Orgel, damals war sowas nahezu Power-Metal. Die damals aktuelle Single Strange Kind Of Woman groovt den Club in Grund und Boden, RITCHIE BLACKMORE zeigt, warum er Vorbild für viele Gitarristen-Generationen war und noch ist. Maybe I´m A Leo folgt das Riff, das wohl der Inbegriff des Hard Rock ist und von jeder Hausfrau auf der Küchenreibe gespielt werden kann. Smoke On The Water kennt und mag man, auch wenn einem Hard Rock absolut egal ist. Never Before, sehr cool, Lazy gibt JON LORD Anfangs wieder Raum, sich wild auszutoben, die Mundharmonika quäkt, auch BLACKMORE gibt alles. Trotz treibendem Groove passend zum Titel irgendwie relaxed. Space Truckin´ wird zum Schluss ausufernd zelebriert, eine 22-Minuten-Abfahrt, das volle Programm: wilde Hammondorgien, das Solo von Herrn BLACKMORE ist spinniger Krach, gepaart mit musikalischer Genialität, Ian Paice verprügelt sein Drumkit. Ein filigraner Techniker war er ja nie, dafür legte er den Grundstein für kraftvolles, drückendes Drumming, wie es zum Hard`n´Heavy-Sound gehört. Nach typischem DEEP PURPLE-Gediddel verabschieden sich die Herren mit dem schmissigen LITTLE RICHARD-Oldie Lucille. Der von ´57 stammende Rock`n´Roll-Klassiker tauchte wenig überraschend auch immer mal wieder später im Soloprogramm von IAN GILLAN auf. Als Bonus gibt es nochmals eine Aufnahme von Maybe I´m A Leo, mitgeschnitten beim Soundcheck und bisher nur auf der 2012er Vinylversion erhältlich. Hier und da wird sich mal gepflegt verspielt, GILLAN hat seine üblichen Timingprobleme, hier ist alles live und gefühlsecht, gut so!

Kennt man den schon recht guten 8-Spur-Sound des Originals, dann wurde hier ordentlich gearbeitet und der Sound zeitgemäß zurecht geschraubt, ohne dass er nach totem Remix-Müll klingt, das passiert ja leider immer wieder. So kommen die Songs perfekt rüber, man fühlt sich live dabei, so muss es sein. Abgerundet wird die normale Jewelcase-CD (auch als Download erhältlich, von zahllosen Versionen wird man verschont) von einem schicken12-seitigen Booklet mit Fotos von der Show und interessanten Linernotes.

Kein Zweifel: DEEP PURPLE´s In Concert ´72 gehört in jede Rock und Hard`n´Heavy-Sammlung, direkt neben Made In Japan. Klasse Songs, die Musikgeschichte sind, eine klasse aufspielende Band, die neben den Kollegen BLACK SABBATH und LED ZEPPELIN unsere Musik erst möglich gemacht hat. Pflichtkauf!

Veröffentlichungstermin: 13.06.2014

Spielzeit: 79:40 Min.

Line-Up:
Ian Gillan – Vocals
Ritchie Blackmore – Guitar
Jon Lord – Keyboards, Hammond
Roger Clover – Bass
Ian Paice – Drums

Label: Warner Music

Homepage: http://www.deeppurple.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/officialdeeppurple

Tracklist:
1. Introduction
2. Highway Star
3. Strange Kind Of Woman
4. Maybe I´m A Leo
5. Smoke On The Water
6. Never Before
7. Lazy
8. Space Truckin´
9. Lucille
10. Maybe I’m A Leo (Soundcheck Version)

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.