DANKO JONES: A Rock Supreme

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DANKO JONES ist der David Fincher des Rock: Ein talentiertes Kerlchen, allerdings mit bemerkenswerten Formschwankungen. Einem gelungenen Sprung folgt in der Regel ein satter Bauchplatscher … doch wenn man den Mann dann schon fast abgeschrieben hat, zaubert er mit breitem Grinsen ein weiteres Meisterwerk aus dem Hut.

„A Rock Supreme“, Studioalbum Nummer neun von DANKO JONES, ist leider kein Volltreffer geworden. Klar: DANKO ist ein klasse Typ und ein großartiger Entertainer. Mit seinem flotten Signature-Sound schlägt der Kanadier eine Brücke von Hard Rock zu Punk, von krachendem Garagenrock über AC/DC hin zu den RAMONES und würzt diese leidenschaftliche Huldigung an den gemeinen Gitarrenpowerchord mit der schwitzigen, herrlich großmäuligen Prediger- beziehungsweise Geschichtenerzähler-Attitüde des unvergessenen Phil Lynott (THIN LIZZY). Der Mann hat Rock und Metal mit der Muttermilch aufgesogen, kennt keine Angst vor Blues und Soul und ist auch sonst ein offener, lustiger und neugieriger Kollege. Und im Herzen ein Nerd wie Du und icke („Take me home to where my records are“, wie es in einer alten Nummer von ihm einst so schön hieß).

Kreative Flaute bei DANKO JONES

All das macht DANKO JONES völlig zu Recht zu einem vielbeachteten und hochverehrten Hohepriester des Rock. Schon die überraschend lustlosen Interviews zur neuen Scheibe, in denen der Reverend erstaunlich wenig zu sagen hatte und sich gänzlich ungewohnt in Plattitüden vom Fass ergab, ließen diesmal bereits im Vorfeld aufhorchen. Und tatsächlich: Gerade ist wieder kreative Flaute im DANKO-HQ. Musikalisch ist dem Meister für „A Rock Supreme“ wenig eingefallen. Flach, blutleer und reichlich uninspiriert dümpelt die neue Scheibe über weite Strecken daher. Vor allem der Schalk fehlt, dieser lausbubenhafte Rotzbengel-Charme, der mir in der Vergangenheit so oft ein überfettes Grinsen ins Gesicht genagelt hat (wie bei diesem Sprechpart in „First Date“, der mich auch nach Jahren immer noch bei jedem Wiederhören aufs Neue begeistert).

Stattdessen verzichtet JONES diesmal auf Brüche aller Art und singt lieber über seine Tattoos – und meint es scheinbar auch noch ernst damit. Die gesammelten Rock’n’Roll-Klischees sind Teil dieses Spiels, schon klar. Doch in den neuen Liedern geht es tatsächlich darum, dass er und seine Jungs so unglaublich verrückt sind („We’re Crazy“) und dass es das tollste auf der Welt ist, in einer Band zu singen. Das klingt dann ohne Scheiß so: „I’m in a band, it feels so good … I love this music, wanna play it so bad … blablabla“. Auch die nächste Nummer „I Love Love“ ist so banal, wie der Titel es ankündigt, irgendwann sind wir dann glücklich bei Null-Reimen wie „In the heat of the night or while the sun is shining bright“ angelangt.

„A Rock Supreme“ ist überwiegend Malen nach Zahlen

Auch die Musik bleibt auf weiten Strecken ohne Pfiff. „A Rock Supreme“ ist überwiegend Malen nach Zahlen und ganz viel Selbstzitat. Das hat man alles schon mal besser gehört – auch und gerade von DANKO JONES selbst. Auf der Habenseite: Ein schickes Albumcover (leider keine Selbstverständlichkeit im Hause JONES), eine fette Produktion und die Single-Auskopplung „Dance Dance Dance“ (gefälliger Bootyshaker) als 7-Inch-Vinyl, dessen B-Seite ein gelungenes PEACHES-Cover ziert (sehr geschmackvoll, ich sag ja: Der Mann ist vom Fach!).

Wir schreiten zur (natürlich rein subjektiven) Kaufempfehlung, dem Mehrwert einer jeder anständigen Plattenbesprechung: Wenn ich mir nur ein Album von DANKO JONES in die Sammlung stellen würde, dann wäre das „We Sweat Blood“ (2003). Wäre da Platz für weitere, dann würde mein Wahl auf „Sleep Is The Enemy“ (2006), „Below The Belt“ (2010) und „Fire Music“ (2015) fallen. „A Rock Supreme“ ist unterm Strich okay, schafft es in meiner subjektiven Wertung aber nicht mal unter die Top-5-DANKO-Alben ever.

VÖ: 26. April 2019

Mehr im Netz:
facebook.com/dankojones

Besetzung:
Danko Jones – Gitarre, Gesang
John Calabrese – Bass
Rich Knox – Schlagzeug

DANKO JONES  “A Rock Supreme” Tracklist

01. I’m In A Band (Audio bei YouTube)
02. I Love Love
03. We’re Crazy (Video bei YouTube)
04. Dance Dance Dance (Audio bei YouTube)
05. Lipstick City (Lyrics-Video bei YouTube)
06. Fists Up High
07. Party
08. You Got Today
09. That Girl
10. Burn In Hell (Audio bei YouTube)
11. You Can’t Keep Us Down

 

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.