CROWN: The End Of All Things

CROWN nehmen den Mund ziemlich voll. Einerseits weil sie ihr Album mit „Kid A“ von RADIOHEAD vergleichen, andererseits weil sie das Ende von allem einläuten wollen. Ihr Selbstbewusstsein ist aber keineswegs fehl am Platz. Obwohl sie ihre zerschmetternde Heaviness ad acta gelegt haben, trägt „The End Of All Things“ noch immer eine apokalyptische Aura in sich. Das französische Duo hat sich vom Industrial-Sludge verabschiedet und findet auf ihrem dritten Album irgendwo zwischen Synthpop, Post Rock, Synthwave und Industrial eine neue Heimat. Das ist mindestens genauso spannend, wie es sich liest – und doch kämpft „The End Of All Things“ gegen Ende mit der ein oder anderen Länge.

Ein Aha-Effekt stellt sich gleich zu Beginn von „The End Of All Things“ ein – „Violence“ klingt stark nach dem verschmähten, aber für mich persönlich starken PARADISE LOST-Album „Host“. Im Laufe der 45 Minuten verändern CROWN dann häufig die Form. „Shades“ und „Gallow“ klingen durch die treibenden Rhythmen ein wenig nach PERTURBATOR und in der Mitte des Albums steht mit „Nails“ ein instrumentales Stück, das mit Sprachsamples in Richtung Ambient geht, dann aber mit dröhnenden Synthesizern und einem derb groovenden Beat ein gelungenes, irgendwo cineastisches Experiment darstellt. Am besten sind CROWN, wenn sie ihrer düsteren Mixtur ein gewisses Popappeal schenken und kleine Epen entstehen lassen: „Illumination“ und „Extinction“ sind die Sternstunden des Albums.

Mit „The End Of All Things“ wagen CROWN einen Mix aus Industrial, Synthwave, Synthpop und Post Rock – und gewinnen dabei fast immer

CROWN gehen also nicht den einfachen Weg. Sie wollen experimentieren, jedes Stück ist eine kleine Wundertüte. Und gerade die ersten zwei Drittel von „The End Of All Things“ sind dabei erstaunlich treffsicher. Das liegt einerseits an dem fantastischen Sänger Stephane Azam, aber auch daran, dass CROWN trotz der stilistischen Bandbreite eine klare Linie fahren. Und doch ist kurz vor Schluss die Luft etwas raus, die Intensität schwindet und kann erst mit dem abschließenden „Utopia“ wiedergewonnen werden. Hier brilliert Gastsängerin KARIN PARK und versöhnt für die zwei schwachen, vorherigen Stücke.

Der Sound ist wuchtig und kristallklar, David Husser zeigt sich nicht nur als versierter Songschreiber, sondern auch als Produzent, sodass die Emotionalität nicht unter der Soundwand leidet. So einen Spagat haben zuletzt nur ULVER mit „Flowers of Evil“ hinbekommen. Die Integration von Gitarren, Synthesizer und Drumcomputer ins Gesamtbild ist sehr homogen, CROWN haben sowohl eine kleine Hitplatte, als auch ein überraschend komplexes Konstrukt parat. Nur an der Emotionalität mangelt es CROWN anno 2021 – “The End Of All Things” stylisch, aber kalt. Fans von „Natron“ und „Psychurgy“ sollten vorsichtig reinhören und sich, sofern sie nicht sehr offen sind, auf einen Schock gefasst machen. Wer einen zeitgemäßen Mix aus Synthpop und Industrial mit einer gewissen Heaviness mag, findet mit „The End Of All Things“ ein spannendes Album, das nachhaltig überzeugt.

Wertung: 7,5 von 10 Schachpartien

VÖ: 16. April 2021

Spielzeit: 45:40

Line-Up:
Stephane Azam
David Husser

Label: Pelagic Records

CROWN „The End Of All Things“ Tracklist:

1. Violence (Official Video bei Youtube)
2. Neverland
3. Shades (Official Audio bei Youtube)
4. Illumination (Official Video bei Youtube)
5. Nails
6. Gallow
7. Extinction
8. Fleuves
9. Firebearer
10. Utopia

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