CROSS VAULT: As Strangers We Depart

Was für ein Jahr! Nach WHEEL kann sich die deutsche Doom-Szene über eine weitere großartige Platte freuen, die einen Qualitätssprung für eine heimische Band darstellt, den man so nicht unbedingt erwarten konnte. Mehr als 4 Jahre nach der letzten Veröffentlichung präsentieren CROSS VAULT aus Mainz hier ein Album, dem man anmerkt, dass es viel Zeit zu wachsen und zu reifen hatte und das dadurch ein wirklich eindrucksvolles Epic-Doom-Werk geworden ist.    

Epische Riffs, elegisch-leidende Melodien, dramatische Songs zwischen SOLSTICE und WARNING, mit diesem leicht pathetischem Hang zu DOOMSWORD oder gar BATHORY. Die Gitarren, der prägnante Bass, die Drums, auch die klare und dichte Produktion – alles internationale Spitzenklasse. Die Band liefert alle Trademarks des Genres und schafft es trotzdem so frisch zu klingen, als hätte sie das Genre gerade erst erfunden.

Eine wehmütige Erinnerung an etwas, das nie da gewesen ist

Beispielhaft seien „The Unknown Rewinds“ und „Other Rivers“ genannt, die mit tiefen und tiefgehenden Riffs aus offen und breit klingenden Akkorden, klagenden Melodien und epischem Groove eine romantische Erinnerung an verlorene Zeiten und untergegangene Weilten hervorrufen, also diese Art von wehmütiger Erinnerung an etwas, das man nie erlebt oder gesehen oder das zumeist gar nie existiert hat. Oder der Titelsong mit einem der besten Schlussparts, die ich in den letzten Jahren gehört habe. Alles Songs, die so auch auf „White Horse Hill“ hätte stehen können. Und das ist mal episches Kompliment!

Der einzige Punkt, der die Mainzer von den genannten Bands unterscheidet ist der Gesang. Die Stimme von Sänger N. ist sehr rau und direkt und stahlt eine packende Emotionalität aus, die den Gesang sehr intensiv macht. Andererseits ist sie auch technisch etwas limitiert und manchmal wünscht man sich anhand der Dramatik  der Songs und der Qualität der Riffs eine „größere“ Stimme, die noch mehr Gänsehaut erzeugen und die Songs auf ein noch höheres episches Niveaus heben könnte.

“As Strangers We Depart” zeigt weder Qualitätsabfall noch Leerlauf

Das soll jetzt nicht heißen, dass der Gesang schlecht sei, absolut nicht, N. bewegt sich souverän in dem für ihn beherrschbaren tonalen Bereich und schafft es, sehr viel Leidenschaft und Gefühl mit seiner Stimme zu transportieren, was wunderbar zur Musik passt und mich als Hörer auch mitreißt. Aber manchmal hätte eine zusätzliche Oktave Leidenschaft den Songs sicher nicht geschadet. (Das Gleiche denke ich übrigens auch immer,wenn ich PRIMORDIAL höre…)

Aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau, denn wir haben hier sieben hervorragende Songs (inkl Akkustik-Intermezzo „Ravines“) gänzlich ohne Qualitätsabfall und ohne Leerlauf.

Mit ihrem neuen Werk spielen CROSS VAULT in der ersten Liga nicht nur der deutschen Doom-Bands. Das Einzige,was man sich bei dieser Platte noch wünschen kann, ist eine ausreichend hohe Vinyl-Auflage.

Release Date: 28.05.2021
Label: Iron Bonehead

Line-Up:

M. – Guitars
N. – Vocals
B. – Drums
G. – Guitars
F. – Bass

Cross Vault – As Strangers We Depart Tracklist

1. Golden Mending
2. The Unknown Rewinds
3. Gods Left Unsung
4. Other Rivers
5. Ravines
6. As Strangers We Depart
7. Silent Wastes Untrod

https://crossvault.bandcamp.com/album/as-strangers-we-depart

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