BURST: Origo

Genau die Musik, die ich hören, fühlen und erleben will.

Was vor zwei Jahren begann, findet seine Fortsetzung. Nein, hier geht es um keine Filmreihe oder sonstiges, hier geht es um die Entwicklung einer Band, die mir verdammt schwer am Herzen liegt. BURST, die nicht nur in vielen Statistiken bei mir abgeräumt haben, sondern die auch ein steter Begleiter meines Lebens geworden sind. Mit lächerlichen 40 Minuten Musik. Doch was Prey on Life mir gegeben hat, das kann ich BURST nicht zurückgeben, da kann ich noch so viel Werbung für sie machen oder sonstiges unternehmen, es wird nicht gelingen. Ich bin ihnen zu tiefstem Dank verpflichtet.

Im Oktober 2005 – genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Vorgängers – steht der sehnsüchtig erwartete Nachfolger in den Startlöchern. Die Erwartungen waren zweifellos verdammt hoch, doch Origo lässt mich aus den Latschen kippen. Emotional, komplex, mitreißend, wunderschön, anstrengend, episch, antreibend, aufbauend, verzweifelt, tief, intelligent, intuitiv und doch bodenständig, das sind BURST anno 2005. Die schwedische Band muss sich weder hinter Erwartungen verstecken, noch müssen sie irgendwem etwas beweisen. Ob eine derart befreite Einstellung auch während der Aufnahmen herrschte, wage ich zwar zu bezweifeln, aber BURST haben einen großen Schritt gewagt, und obwohl die Vergangenheit zu keiner Sekunde verleugnet wurde, stellt Origo zweifellos eine atemberaubende Weiterentwicklung dar.

Natürlich liefern BURST noch immer ein schwerst schweres Metal/Hardcore-Brett ab, und natürlich lassen sich Vergleiche mit anderen Bands fast gar nicht anstellen. Blinde Wut und schiere Verzweiflung werden als Antrieb verwendet, man wird beim Hören dieses Meisterwerks so mitgerissen, dass man automatisch Kraft schöpft. Wie denn auch, die Intensität, mit der das schwedische Quintett zu Werke geht, ist stets so präsent, dass man den Schweiß der Musiker nahezu riechen kann. Es tut so gut Origo zu hören, wo BURST Melancholie mit Härte verbinden und wo melodische Gitarrenleads eingesetzt werden, um den Hörer von A nach Z zu schleudern: das ist schlicht einzigartig.

Beginnend mit dem eher simplen, aber sehr eingängigen Where the Wave Broke lassen BURST gleich verlauten: Ihr müsst uns Zuhören! Das ist Gesetz. Und man wagt es nicht zu widersprechen. Man sitzt gebannt da, in einem Strudel der Gefühle und ist erstmal überwältigt. Und überrascht. Denn klare Vocals werden eingesetzt, zwar nur um das Gesamtbild leicht zu erweitern – doch sie werden mit zunehmender Dauer der Scheibe zu einem enorm wichtigen Element. Das zeigen auch die Wahnsinnsnummern The Immateria, Flight´s End und Mercy Liberation, die erst durch die zerbrechlich wirkende, schöne Stimme in Abwechslung mit den harschen Screams zur wahren Achterbahnfahrten werden. Anders, aber ebenso krass intensiv, dafür viel komplexer sind die beiden heftigsten Stücke des Albums, Slave Emotion, das so schmerzhaft ist wie ein offener Bruch an der Wade und Stormwielder, das sich scheinbar endlos steigert und gegen Ende zusammen bricht und schließlich leise endet.

Das Stück, bei dem mir noch immer Tränen in die Augen schießen ist das wunderbare Homebound, das zaghaft mit leisen Gitarren beginnt, dann zu einem wahren Feuerwerk aus mannigfaltigen Melodien, brutalen Riffs und nahezu chaotischen Breaks wird und schließlich wie ein verwundetes Tier in sich zusammenfällt und sich versteckt. Man leidet. Danach ist Ruhe angesagt, das fast siebenminütige, sehr experimentelle Instrumentental It Comes Into View tut danach verdammt gut und ist ein weiterer Gesichtspunkt der Weiterentwicklung von BURST.

Origo ist ein Album, das allen Hörern emotionaler und doch heftiger Musik die Augen öffnen wird, wenn sie es nur zulassen. BURST sind und bleiben eine der originellsten und begnadetsten Bands der Welt – auch wenn die Touren mit MASTODON und THE DILLINGER ESCAPE PLAN ganz leichte Spuren hinterlassen haben – und ihr neues Werk ist zumindest für mich eine einzige, große Offenbarung. Das ist die Musik, die ich hören, fühlen und erleben will, und ihr hoffentlich auch. Und statt eines Fazits möchte ich der Band das letzte Wort lassen, denn treffender kann man es nämlich kaum ausdrücken: We see nothing but bright light ahead. Hope you all get a chance to experience ´Origo´ – it´d mean a lot to us.

Veröffentlichungstermin: 21. Oktober 2005

Spielzeit: 46:48 Min.

Line-Up:
Linus Jägerskog – Vocals

Robert Reinholdz – Guitars and Vocals

Jonas Rydberg – Guitars and Percussion

Jesper Liveröd – Bass and Vocals

Patrik Hultin – Drums and Percussion

Produziert von BURST und Fredrik Reinedahl
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.burst.nu

Email: burstnu@burst.nu

Tracklist:
1. Where the Wave Broke

2. Sever

3. The Immateria

4. Slave Emotion

5. Flight´s End

6. Homebound

7. It Comes into View

8. Stormwielder

9. Mercy Liberation