BURDEN OF LIFE: The Makeshift Conqueror

BURDEN OF LIFE: The Makeshift Conqueror

Man kennt es. Da treffen wir nach langer Zeit zufällig einen alten Weggefährten wieder und reiben uns erst einmal die Augen. Was ist denn aus dem geworden? Nun, wir wissen es auch nicht so genau, eine ganze Dekade hatten wir schließlich keinen Kontakt mehr zu BURDEN OF LIFE. Damals war es noch geradliniger Melodic Death Metal, den uns die Regensburger auf der EP „In The Wake Of My Demise“ kredenzten. Und obwohl wir die Formation zwischenzeitlich aus den Augen verloren hatten, fand über die Jahre der Hit „Breathing The Soil“ doch immer wieder den Weg in unsere Anlage.

Was wir also von „The Makeshift Conqueror” halten sollen, ist uns erst nach einiger Zeit klarer geworden. Denn anno 2020 haben sich BURDEN OF LIFE massiv weiterentwickelt: Akustikgitarren, Piano, passionierter Klargesang und ausladende Kompositionen verdeutlichen den progressiven Schwerpunkt, den das Werk des Quartetts prägt.

BURDEN OF LIFE haben ihr kreatives Potenzial ungemein erweitert

Das hat auf den ersten Blick rein gar nichts mit dem unkomplizierten, keyboardgeschwängerten Melo-Death der Anfangsjahre zu tun und schafft nichtsdestotrotz den scheinbar unmöglichen Spagat. In den Leadgitarren und Riffs erkennen wir immer noch die BURDEN OF LIFE von damals wieder. Nur sind aus den wilden Jungs mittlerweile gereifte Musiker geworden, die ihren Horizont geöffnet und damit ihr kreatives Potenzial ungemein erweitert haben.

Wir können uns ein nostalgisches Grinsen zwar nicht verkneifen, wenn „Goddess Of The River“ oder „Regression (Goddess‘ Return)“ mit typisch göteborgschem Melo-Death-Riffing durchstarten. Und doch sind es die abwechslungsreichen Arrangements, die sich auch vor hymnischer Epik und progressiven Instrumentalexkursionen keineswegs verschließen, welche uns die Luft nehmen.

Am Ende wissen BURDEN OF LIFE immer, wie weit sie gehen dürfen

Nach dem weitgehend akustischen Prolog „The Makeshift Conqueror Pt. I“ fährt „Geistesblitz“ direkt das volle Repertoire auf: erhabene Chöre, leise Akustikpassagen, verspielte Soli, ein kleiner Zwischenpart im besten TOOL-Stil, wo auch der transparente Mix zum ersten Mal glänzen darf. Dabei wissen BURDEN OF LIFE immer ganz genau, wie weit sie gehen dürfen. Am liebsten würden wir das Duett „Trust My Own Heart“ mit Luisa Funkenstein ob seines zuckrigen Pathos hassen. Doch dann mausert sich das Stück doch noch zur kraftvollen Powerballade und wickelt uns mit seine Gesangshook um den Finger. Ähnlich ergeht es uns mit „Anthem Of The Beloved“, wo die Keyboards und Chöre zwischen Musical und AVANTASIA ganz dick auftragen – und wir am Ende doch heimlich mitsummen.

Eigentlich könnten wir ewig so weitermachen. Wir könnten stundenlang erklären, was „The Makeshift Conqueror“ eigentlich gar nicht dürfte und am Ende dann doch irgendwie hinbekommt. „Sealing Our Fate“ tänzelt etwa vollkommen unbeschwert zwischen furiosem Thrash-Abriss, catchy Refrain und einem Keyboard-Interlude, welches den 8Bit-Charme der „Castlevania“-Soundtracks einzufangen sucht.

„The Makeshift Conqueror“ ist ein gereiftes und schlüssiges Werk

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit formen BURDEN OF LIFE aus diesem wilden Genre-Hotpot mit all seinen kreativen Einfällen ein rundum schlüssiges Gesamtwerk. „The Makeshift Conqueror“ verkommt zu keiner Zeit zu Stückwerk, weil die Band immer wieder Zitate aus vorherigen Songs aufgreift. Und weil sie mit dem abschließenden „The Makeshift Conqueror Pt.II“ dem Album nicht nur einen Rahmen gibt, sondern auch den Melodiebogen des Prologs zu einem epischen Progressive-Finale ausbaut, das uns das Gefühl gibt, einen alten Weggefährten nach langer Zeit wieder zu sehen. Mit dem Unterschied jedoch, dass sich jener seit unserem letzten Aufeinandertreffen deutlich gemacht hat; reifer und erwachsener geworden ist. Dass wir uns daher zunächst die Augen gerieben haben, ist nur verständlich. Aber das kennt man ja.

Veröffentlichungstermin: 13.3.2020

Spielzeit: 59:11

Line-Up:

Christian Kötterl: Vocals, Guitar
Michael Schafberger: Guitar
Karl-Arnold Bodarwé: Bass, Vocals
Matthias Babl: Drums, Percussion

Produziert von Christian Kötterl und Hubi Hofmann

Label: Noizgate Records

Homepage: https://www.burdenoflife.de/
Facebook: https://www.facebook.com/burdenoflife

BURDEN OF LIFE “The Makeshift Conqueror” Tracklist

1. The Makeshift Conqueror Pt. I
2. Geistesblitz (Video bei YouTube)
3. Goddess Of The River
4. Anthem Of The Beloved
5. Sealing Our Fate
6. Pisces
7. Regression (Goddess‘ Return)
8. Trust My Own Heart (Video bei YouTube)
9. The Makeshift Conqueror Pt. II

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.