BEYOND TWILIGHT: For The Love Of Art And The Making

BEYOND TWILIGHT: For The Love Of Art And The Making

Neues Album, neuer Sänger. Bei BEYOND TWILIGHT ist also alles beim Alten geblieben. Das nunmehr dritte Album der Mannen um Ausnahmemusiker Finn Zierler wurde von Björn Jansson eingesungen, dem Frontmann der schwedischen Band TEARS OF ANGER. Und wie schon beim letzten Sängerwechsel muss auch diesmal die Frage, ob der Neue ein adäquater Ersatz ist, eindeutig mit Ja! beantwortet werden. Auch Jansson klingt seinem Vorgänger nicht unähnlich, bringt aber eigene Facetten mit ein, so dass er nicht zu einem bloßen Abziehbild verkommt. Der Schwede singt sehr variabel: mal gefühlvoll und in natürlicher Stimmlage, oft aber sehr hoch, dabei hart und aggressiv. In diesen Momenten klingt er absolut nicht europäisch, sondern eher nach einem US-Metal-Shouter. Zierlers Verschleiß an begnadeten Sängern ist schon erschreckend. Man kann nur hoffen, dass Jansson dem Dänen länger erhalten bleiben wird, denn dass letzterer erneut ein solches Talent aus dem Hut zaubern wird, ist nur schwer vorstellbar.

Alles ist dann aber doch nicht beim Alten geblieben: Während Finn Zierler die ersten beiden Alben noch in diversen Extremsituationen komponierte, sei es nun in der Wüste, unter Wasser oder auf der Straße unter Obdachlosen, hat er dies nun offenbar nicht mehr für nötig befunden. Die Qualität der Musik hat darunter offenbar nicht gelitten, ganz im Gegenteil: For The Love Of Art And The Making ist eindeutig das bisher beste BEYOND TWILIGHT-Album. Zwar wurden pro Song teilweise mehr als 500 Spuren verwendet, das Album klingt aber zu keinem Zeitpunkt derart überladen, so dass man sich von dieser rekordverdächtigen Zahl an Spuren niemand abschrecken lassen sollte.

For The Love Of Art And The Making ist, anders als die ersten beiden Alben, eine durchgehende Komposition, in der es um Zierlers Leidenschaft für das Komponieren und die Kunst geht, aber laut eigener Aussage auch jede nur vorstellbare menschliche Emotion behandelt wird, sei es nun Trauer, Freude oder Ärger. Entsprechend abwechslungsreich ist das Album auch ausgefallen: von leichten, Lebensfreude ausstrahlenden Passagen, in denen das Piano und die orchestralen, klassisch geprägten Elemente dominieren, über vertraute, düster-bedrohliche Stellen in der Nähe zum Doom bis hin zu ungewohnt harten Passagen mit thrashigem Riffing und futuristischen Synthesizern ist alles vorhanden, und das in extremerer Ausprägung als auf den bisherigen Veröffentlichungen.

Ähnlich wie schon im Fall von Section X braucht es aber seine Zeit, bis sich einem die Musik wirklich erschließt. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass das Album in 43 Stücke unterteilt ist, die so konzipiert sind, dass sie auch im Shuffle-Modus gehört werden können, wobei sich ganz neue Bedeutungen erschließen sollen. Der Widerspruch zu der Aussage, dass es sich eine durchgehende Komposition handelt ist offensichtlich, doch es funktioniert tatsächlich erstaunlich gut, wenn man einmal von einigen holprigen Übergängen absieht, die der Zufall hin und wieder hervorbringt. Bedingt dadurch, dass das Album explizit so komponiert wurde, dass es sowohl in der vorgegebenen Reihenfolge – mit teilweise fließenden Übergängen – als auch im Shuffle-Modus einen Sinn ergibt, fällt es natürlich auch beim Hören in der vorgesehenen Reihenfolge zunächst schwer, einen roten Faden zu entdecken. Manche Stücke sind so kurz, dass der musikalische und damit emotionale Wandel etwas zu plötzlich über den Hörer hereinbricht. Dadurch, dass bestimmte Themen immer wieder auftauchen, schafft man es aber schließlich doch, die einzelnen Fragmente in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.

The Love Of Art And The Making ist ein anspruchsvolles Werk, welches auch nach unzähligen Durchgängen noch mit neuen Details überraschen kann, mit vielen Spielereien, an denen sich jeder Musikstudent erfreuen dürfte. Mit der Thematik des Albums, der Leidenschaft für die Musik und das Erschaffen, zieht Fierler ohnehin die Sympathien eines jedes Musikbegeisterten oder -schaffenden auf sich. Umso größer werden diese aufgrund der grandiosen musikalischen Umsetzung sein. Hat man erst einmal die kritische Schwelle überschritten, ab der die Musik beginnt zu zünden, so macht The Love Of Art And The Making absolut süchtig! Ein großartiges Album für jeden Musikliebhaber.

Veröffentlichungstermin: 21.04.2006

Spielzeit: 37:30 Min.

Line-Up:
Björn Jansson – Gesang
Finn Zierler – Keyboards
Devillian – Bass
Jacob Hansen – Gitarren
Anders Exo Kragh – Gitarren
Thomas Fredén – Schlagzeug
Label: Massacre Records

Homepage: http://www.beyondtwilight.dk

Tracklist:
1. In The Eyes Of My Soul (First Movement)
2. Creep Evil
3. Sleeping Beauty – The Journey
4. Purity
5. Sleeping Beauty – Connected
6. Tongue Angel
7. I Moved
8. Blackened In My Eyes
9. Temptations
10. Fiery Woman
11. Sweet Irony
12. Conversation Of The Dead
13. The Perfect Heart
14. The Perfect Heart Part II – Think
15. The Key – Imagine
16. The Perfect Heart Part III (Modulated Instrumental)
17. The Black Widow
18. The Key Part II – Naked Truth
19. The Kiss Of The Wind
20. Dark Wild Rage
21. Temptations – Return (Modulated)
22. I Know Why The Caged Bird Sings
23. Cold As Blue
24. The Awakening
25. Cold As Blue – Like A Candle You Start To Drip
26. Bilingues Cavendi – One Should Beware Of The Double-Tongued
27. The Awakening Part II – The Smile
28. The Awakening Part III – Opening The Curtains To A Beautiful Sunny Morning Watching The Singing Birds
29. In The Eyes Of My Soul (First Movement Modulated With Irony)
30. Past The Magic
31. Past The Magic Part II (Rhythmic Laughter)
32. Night Wandering On Needles
33. In The Eyes Of My Soul (Second Movement Modulated With Irony)
34. In The Eyes Of My Soul (Second Movement)
35. 6 Second Past 6
36. Organ Scientific Formula (1)
37. Night Wandering On Needles Part II – The Answer
38. 6 Black Roses – Ship Of Rowing Slaves
39. Autumn Fog Message
40. Sleeping Beauty Returns – The Black Box Of Reverse (Forward)
41. The Black Box Of Reverse (Sleeping Beauty)
42. In The Eyes Of My Soul (Third Movement)
43. In The Eyes Of My Soul – For The Love Of Art And The Making (Finale)