AYREON: Universal Migrator Part 1 & 2

"Universal Migrator" ist erneut ein Meisterwerk des Prog Rock/Metal geworden. Arjen Lucassen konnte erneut eine hochkarätige Mannschaft um sich scharen, die das Album zu einem Klassiker werden lässt.

Augen schließen, zurücklehnen und in eine andere Welt eintauchen! Erneut entführt uns AYREON in eine Traumwelt, die einen für eine kurze Zeit den Alltag vergessen lässt. Gleich 2 komplette Alben sind es, auf denen Arjen Lucassen alle Register seines Könnens zieht, um den Hörer in Faszination und Begeisterung zu versetzen.

Das 22. Jahrhundert. 100 Jahre sind vergangen, seit die Menschheit fast komplett durch den letzten großen Krieg vernichtet wurde – genauso, wie es der Magier AYREON im sechsten Jahrhundert vorausgesagt und zu verhindern versucht hat (nachzulesen und -fühlen auf dem Debütalbum The Final Experiment). Eine kleine Schar von Marskolonisten hat die Katastrophe überlebt, doch auch von diesen ist nur noch ein einziger übrig geblieben. Noch nie hat er die Erde betreten, noch nie die Ozeanbrise gerochen, noch nie einen Baum erklettert, noch nie die Sonne gefühlt. Die letzten Essensrationen gehen zu Ende, der einzig überlebende bereitet sich auf das Sterben vor. Um sich selbst seine letzten Tage noch zu versüßen legt er sich in den Dream Sequencer, eine Maschine, die den Menschen in Hypnose versetzt und durch die Zeit reisen lässt. Und so beginnt die Reise durch die Geschichte der Menschheit, die Zerstörung der Erde, der erste Schritt auf den Mond, die Geschichte von Sir Francis Drake, den Mayas und Stonehenge und nicht zuletzt die Geburt des Menschen (Teil 1 – The Dream Sequencer). Doch all dies reicht unserem Protagonisten nicht aus. Er möchte weitergehen, er möchte die letzten Geheimnisse des Lebens erkunden. Und so erleben wir auf Teil 2 – Flight of the Migrator – wie die erste Seele entsteht und sich in kleine Partikel verteilt, um einen Planeten zu finden, auf dem Leben entstehen kann. Der letzte Überlebende klammert sich an den Partikel, der für die Erde bestimmt ist und durchfliegt mit diesem die Wunderwelten des Universums, Planeten, schwarze Löcher, Wurmlöcher. Doch auch auf dieser Traumreise scheint es ihm verwehrt zu bleiben, die Erde zu betreten…

Musikalisch ist die Geschichte des Universal Migrator in zwei Teile gespalten.

The Dream Sequencer – der erste Teil der Geschichte – ist eher das Prog-Rockige Album, auf dem die sanften, atmosphärischen Töne dominieren, angereichert durch die typischen majestätischen Melodien von AYREON. The Dream Sequencer ist kein Metal-Album. The Dream Sequencer ist ein Album, in das man sich komplett fallen lassen kann. Lucassen hat erneut Melodien geschaffen, die zeitlos sind und den Hörer komplett in den Bann ziehen. Jeder Song wird von einem anderen Sänger dargeboten, wobei auf dem ersten Teil ganz klar die Prog-Sänger in der Überzahl sind. Neben Neal Morse oder Lana Lane finden aber auch Sänger aus dem härteren Lager ihren Platz auf The Dream Sequencer. So verzaubert Johann Edlund mit seinem ruhigen, monotonen Gesang auf My House on Mars und Damian Wilson treibt einem auf And the Druids turn to Stone fast die Tränen in die Augen. Mit die beste Gesangesleistung gibt aber wie zu erwarten Neal Morse bei The First Man on Earth ab. Den letzten Schliff erfährt The Dream Sequencer durch das gefühlvolle Keyboardspiel von Erik Norlander und Clive Nolan.

Auch, wenn The Dream Sequencer das unmetallischere Album ist, so gefällt mir die CD fast besser als der zweite Teil der Geschichte. Das Album wirkt in sich geschlossener und man kann eben so richtig in die Musik eintauchen. Mein spezieller Tip: bei schönem Wetter rausliegen, die Augen schließen und die Musik genießen…einfach genial!

Bei Flight of the Migrator geht´s dann um einiges härter zur Sache. Plötzlich stehen die Gitarren im Vordergrund und auch der Gesang wird eine ganze Spur rauer. Prog Metal mit starkem Keyboard-Einsatz, bei dem der Schwerpunkt dennoch auf den Melodien liegt. Und auf diesem Album klotzt Lucassen wirklich mit Prominenz. Da ist kein einziger Geheimtip dabei, da ist jeder Name eine Größe in der Szene. Russel Allen, Ralf Scheepers, Andi Deris, Fabio Lione, Timo Kotipelto und Ian Parry geben sich auf Flight of the Migrator die Klinke in die Hand und nicht zuletzt Bruce Dickinson sorgt mit seinem Beitrag für Aufsehen. Die Songs pendeln zwischen flott (Journey on the Waves of Time – von Ralf Scheepers eingesungen), schleppend (Into the Black Hole – der Dickinson-Song, mit coolem DREAM THEATER-mässigem Monster-Riff-Part), psychedelisch (To the Quasar – Andi Deris) und rockig (Through the Wormhole – Gesang von Fabio Lione unterlegt von Hammond-Sounds). Jeder Sänger gibt auf diesem Album sein bestes und trägt dazu bei, dass auch der zweite Teil von Universal Migrator ein klasse Album geworden ist. Leider gibt es auf Flight of the Migrator aber auch ein paar kleine Durchhänger innerhalb des ein oder anderen Songs (To the Quasar oder Out of the White Hole), weshalb mich der zweite Teil nicht ganz so überzeugen kann, wie der erste.

Arjen Lucassen hat meiner Meinung nach gut daran getan, das Album in dieser Form aufzuspalten, da beide Teile auf diese Art sehr homogen wirken. Will man sich einfach fallen lassen, kann man sich das erste Album anhören, ohne dass man ständig durch zu harte Töne aus seiner Traumwelt gerissen wird und hat man Bock auf etwas härteres, dann wird man zwischendurch nicht durch atmosphärische Parts runtergezogen. Auch im Hinblick auf die Geschichte macht die Trennung Sinn und verbunden mit dem Coverartwork wirkt Universal Migrator fehlerlos.

Als besonderer Bonus für alte Fans von AYREON kommt noch hinzu, dass das Konzept der beiden neuen Alben auf das des Debüts The Final Experiment aufbaut, was dem ganzen noch einen besonderen Reiz verleiht. Tja, damit hat Arjen Lucassen endgültig Musikgeschichte geschrieben!

Fierce

Veröffentlichungstermin: 22.05.00

Spielzeit: CD 1 – 70:14 / CD 2 – 65:36 Min.

Line-Up:
Arjen Anthony Lucassen

Ed Warby, Rob Snijders

Erik Norlander

Michael Romero, Oscar Holleman, Gary Wehrkamp

Rene Merkelbach, Clive Nolan, Keiko Kumagai

Russel Allen, Ralf Scheepers, Andi Deris, Bruce Dickinson, Fabio Lione, Timo Kotipelto, Robert Soeterboek, Ian Parry, Johan Edlund, Floor Jansen, Lana Lane, Edward Reekers, Mouse, Jacqueline Govaert, Damian Wilson, Neal Morse, Mark McCrite

Peter Siedlach

Produziert von Arjen Lucassen
Label: Transmission Records

Hompage: http://www.ayreon.com

Tracklist:
CD 1:

1. The Dream Sequencer

2. My House on Mars

3. 2084

4. One Small Step

5. The Shooting Company of Captain Frans B. Cocq

6. Dragon on the Sea

7. Temple of the Cat

8. Carried by the Wind

9. And the Druids turn to Stone

10. The First Man on Earth

11. The Dream Sequencer Reprise

CD 2:

1. Chaos

2. Dawn of a Million Souls

3. Journey on the Waves of Time

4. To the Quasar

a) The Taurus Pulsar

b) Quasar 3C273

5. Into the Black Hole

a) The Eye of the Universe

b) Halo of Darkness

c) The Final Door

6. Through the Wormhole

7. Out of the White Hole

a) M31

b) Planet Y

c) The Search Continues

8. To the Solar System

a) Planet of Blue

b) System Alert

9. The New Migrator

a) Metamorphosis

b) Sleeper Awake