Ist eine Band immer noch die gleiche, wenn man in der Zwischenzeit alle zugehörigen Komponenten ersetzt hat? Zumindest live können wir uns diese Frage im Falle von ANGUS McSIX durchaus stellen, nachdem sich die Gruppe für ihre Konzerte zwischenzeitlich personell komplett neu aufgestellt hat. Immerhin zieht Mastermind Sebastian Levermann (ORDEN OGAN) im Hintergrund nach wie vor die Strippen, was das Unterfangen letztlich weiterhin zusammenhält. Noch haben wir also keine Band des Theseus vor uns.
Nichtsdestotrotz überschattet „Angus McSix And The All-Seeing Astral Eye“ eine zentrale Frage: Hat ein solch eigenwilliges Projekt nach all dem Trubel um den namengebenden Frontmann noch eine Daseinsberechtigung? Immerhin verabschiedete sich der damals geschasste (Ex)-GLORYHAMMER-Sänger nach nur einem Album bereits wieder in die unbestimmt terminierte Elternzeit – so die offizielle Darstellung. Während eine Rückkehr in den Sternen steht, schreitet das Kollektiv ANGUS McSIX selbstbewussten Schrittes voran: Aus Thomas Winkler wird Sam Nyman (MANIMAL). Aus Angus wird eben der Bruder Adam McSix.
Grundsätzlich besitzt „Angus McSix And The All-Seeing Astral Eye“ alle Zutaten, die ein kauziges Party Metal-Album braucht
Allein das Warum wirft Fragen auf; an der überbordenden Kreativität Levermanns scheint es tendenziell nicht zu liegen, holte sich der Produzent und Gitarrist doch wie beim letzten Werk seiner Hauptband erneut externe Kompositionshilfe ins Boot. Doch auch die gänzlich in Eigenregie entstandenen Stücke lassen oftmals den entscheidenden Funken vermissen. „Angus McSix And The All-Seeing Astral Eye“ ist gespickt mit zuckrigen Melodien, mit unverschämt eingängigen Hooklines, doch gleichzeitig so seicht wie ein kunterbunter Samstagvormittagscartoon.
Das allein wäre noch kein Beinbruch, schließlich finden sich ansonsten alle Zutaten, die ein kauziges Party Metal-Album braucht: Namhafte Gäste von RHAPSODY OF FIRE bis FREEDOM CALL füttern die ausgelassene Atmosphäre, während Nyman in seiner neuen Rolle eine ausgezeichnete Figur macht. Dem Frontmann mag das unverkennbare Organ seines Vorgängers fehlen, dafür schmettert er selbst die höchsten Noten im Opener „6666“ mit ordentlich Nachdruck. Dementsprechend ist es fast ein wenig schade, dass ANGUS McSIX die Lead-Stimme hin und wieder mit den begleitenden Chören verschwimmen lassen. („Techno Men“, „Let The Search Begin“).
ANGUS McSIX begehen die gleichen Fehler wie auf dem Debüt
Mit seinem Fokus auf aufbauende Melodiebögen und gelebten Optimismus werkelt „Angus McSix And The All-Seeing Astral Eye“ zusehends an einer eigenen Identität, begeht dabei allerdings die gleichen Fehler wie das Debüt (2023): Das Schlagzeugspiel in Stücken wie „I Am Adam McSix“, „Starlight Stronghold“ oder „Dig Down“ ist nicht einfach nur simpel, sondern schlicht langweilig, worunter letztlich die Halbwertszeit des Liedguts leidet. Dem Fundament der meisten Titel fehlt es an Details und Variation, wodurch wir uns im kunterbunten Synth-Riff-Tohubwabohu („Ork Zero“) schnell nach neuen Schauwerten umsehen.
Die Suche endet meist jedoch vergeblich, da tanzbare 80er Vibes à la „Dig Down“ aufgrund ihres repetitiven Charakters bald an Faszination verlieren. Hier hätte das eine oder andere Gitarrensolo Wunder gewirkt; dass es davon trotz zweier überaus talentierter Gitarristinnen kein einziges gibt, ist schlicht sträflich verschenktes Potenzial. Dafür hält das eigentlich gelungene „The Fire Of Yore“ ungeachtet der Sinnhaftigkeit eine langatmige Dance-Break bereit.
Die Botschaft scheint eindeutig: ANGUS McSIX wollen mehr sein als ihr schillernder Namenspatron
Was das Erstlingswerk aufgrund des spürbaren Elans noch besser kompensieren konnte, macht sich nun auf Albumlänge deutlich bemerkbar. Weil ANGUS McSIX derselbe unbescholtene Drive fehlt, wird die Band ihrem Potenzial nicht vollumfänglich gerecht. „Angus McSix And The All-Seeing Astral Eye“ ist innerhalb seines Rahmens grundsolide, versäumt jedoch die sinnvolle Weiterentwicklung. Bis zu einem gewissen Grad mag das den umfassenden Besetzungswechseln geschuldet sein, wodurch dem Projekt zwar nicht das Herz, aber Gesicht und Stimme abhandengekommen waren.
Dass man dennoch weitermacht, wollen wir also als Statement werten: Dass selbst eine Band wie ANGUS McSIX mehr ist als sein schillernder Namenspatron. Immerhin ist dem einstigen Spin-off auch eine skurril-lebhafte Fantasywelt entwachsen, deren Konzeptgeschichte nebenbei einen cleveren Ausweg aus dem Theseus-Paradox bereithält, indem sie vergangenen wie gegenwärtigen Charakteren eine gleichermaßen tragende Rolle im Bandkosmos gibt.
Veröffentlichungstermin: 13.03.2026
Spielzeit: 41:53
Line-Up
Adam McSix (Samuel Nyman) – Vocals
The Dwarf (Jasmin Pabst) – Guitars
Thalestris (Thalia Bellazecca) – Guitars
Archdemon Seebulon (Sebastian “Seeb” Levermann / Rafael Dobbs Roa) – Guitars
Ork Zero (Gerit Lamm) – Drums
Produziert von Sebastian “Seeb” Levermann
Label: Napalm Records
Homepage: https://www.angusmcsix.net/
Facebook: https://www.facebook.com/angusmcsix/
Instagram: https://www.instagram.com/angusmcsix/
Bandcamp: https://angusmcsix.bandcamp.com/
ANGUS McSIX “Angus McSix And The All-Seeing Eye” Tracklist
- 6666 (Video bei YouTube)
- The Fire Of Yore (Video bei YouTube)
- I Am Adam McSix (feat. Rhapsody Of Fire) (Video bei YouTube)
- Dig Down (feat. Van Canto) (Video bei YouTube)
- Techno Men (feat. Turmion Kätilöt)
- Ork Zero
- Starlight Stronghold
- Aetheriyja
- Let The Search Begin
- The Power Of Metal (feat. Freedom Call)
- Into Battle