DENOVALI SWINGFEST-Special 2010: YNDI HALDA

Ganz spontan springen YNDI HALDA, zu deutsch "Genieße ewige Freuden", nach der Absage von THE PIRATE SHIP QUINTET auf das DENOVALI SWINGFEST auf. Die Briten sind trotz ihrer DIY-Mentalität bereits weit gereist, haben Deutschland in den letzten Jahren aber eher links liegen lassen. Die Neoklassik/Post Rock-Band gibt sich in Essen die Ehre und wird dabei Freunden von GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR und A SILVER MOUNT ZION, die gerne eine Prise mehr Lebensfreude à la DO MAKE SAY THINK wollen, das Herz aufgehen lassen. Wir stellen Multiinstrumentalist James Vella zur Rede.

Ganz spontan springen YNDI HALDA, zu deutsch Genieße ewige Freuden, nach der Absage von THE PIRATE SHIP QUINTET auf das DENOVALI SWINGFEST auf. Die Briten sind trotz ihrer DIY-Mentalität bereits weit gereist, haben Deutschland in den letzten Jahren aber eher links liegen lassen. Die Neoklassik/Post Rock-Band gibt sich in Essen die Ehre und wird dabei Freunden von GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR und A SILVER MOUNT ZION, die gerne eine Prise mehr Lebensfreude à la DO MAKE SAY THINK wollen, das Herz aufgehen lassen. Wir stellen Multiinstrumentalist James Vella zur Rede.

 

 


Was beschreibt die Musik von YNDI HALDA besser und warum?
– Geburt?
– Tod?
– Sex?

Das ist eine schwierige Frage! Wenn ich mir einen dieser Punkte aussuchen muss, wäre es die Geburt. Es gibt diese bestimmte Verwunderung, mit weit aufgerissenen Augen, in eine neue Welt zu starren, die ich in unseren Songs ausdrücken möchte. Das alles wird vielleicht ein wenig, aber nicht sehr oft, vom Tod gestreift.

Einige kennen YNDI HALDA noch nicht, für diese würde ich folgende Beschreibung machen: Eine Mischung aus Post Rock und Neoklassik, melancholisch und schön, perfekt für Freunde von GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR und A SILVER MOUNT ZION. Seht ihr eure Musik auch so, und aus welchem Background kommt ihr?

Ich neige dazu unsere Musik recht anders zu sehen, gerade im Hinblick auf unser neues Material. Ich verstehe es, wenn die Hörer diesen Vergleich aufgrund unseres letzten Albums machen, aber ich ziehe es ehrlich gesagt vor, nicht diese Referenzen anzugeben. Ich empfinde diese Musik nämlich als recht morbide. Das heißt nicht, dass ich das nicht mag, aber ich ziehe Optimismus und Helligkeit vor. Wir fünf hören allesamt ganz unterschiedliche Musik. Daniel ist beispielsweise der Akademischste von uns. Sein Background liegt in Orchestern und gelegentlichen Exkursionen in Richtung Jazz, während ich eher aus dem experimentellen und abseitigen Bereich der Musik komme. Der Rest von uns stammt auch aus gänzlich anderen Richtungen. Es gibt Punkte, an denen wir uns alle treffen, aber überraschenderweise gibt es davon nicht viele.

Was bedeutet Musik für euch? Meditation, Reinigung, Auflehnung oder Zeitvertreib?

Für mich ist Musik der pure Ausdruck von Gefühl. Sie kann jede, der von dir genannten Formen annehmen, ebenso wie das Sprechen oder jede andere Art von Kommunikation. Musik ist nur eine Weiterführung von Sprache. Es kann sein, dass ich nicht für die anderen spreche, aber mir gefällt der Gedanke nicht, dass Musik so eindimensional ist, dass man nur eine der Dinge auswählen kann, die du aufzählst.

Ihr habt schon überall auf der Welt gespielt. Seid ihr nervös, aufgeregt oder sogar voller Angst vor diesem seltsamen Land namens Deutschland?

Ich bin großer Fan davon, in Deutschland zu spielen. Jedes mal, wenn wir euer Land verlassen, vermisse ich es. So sehr, dass es mir auch nichts ausmachen würde, in Deutschland zu leben. Das Publikum ist dort sehr empfänglich und einladend, und die Leute gehören zu den nettesten, die wie jemals getroffen haben. Wir freuen uns wirklich sehr darauf, zurück zu kommen. Unser letzter Aufenthalt in Deutschland war sehr kurz, wir spielten nur eine handvoll Konzerte. Berlin hat dabei großen Spaß gemacht, es war der Geburtstag unseres Gitarristen, also gingen wir nach der Show aus und haben uns viel zu sehr betrunken.

Das SWINGFEST bietet eine Menge großartiger Bands. Was werdet ihr tun, um einen herausragenden Auftritt zu liefern?

Wir stehen mit niemandem in einem Wettbewerb! Wir freuen uns wirklich darauf, unsere Musik zu spielen, und da wir nicht so oft die Möglichkeit haben, das regelmäßig zu tun, bin ich sicher, dass wir viel Freude am Auftritt haben werden. Ich glaube nicht, dass ich eine herausragende Show voraussagen oder planen kann. Das hängt nämlich von vielen Dingen ab, gerade bei Musik, wie wir sie spielen. Unsere Auftritte richten sich mehr nach dem Club, der Umgebung, dem Publikum und nach den jeweils anderen Musikern. Da kann man nicht jedes Detail kalkulieren und vorplanen. Auf diese Art macht es auch mehr Spaß.

Warum darf man euren Auftritt auf dem SWINGFESTT außerdem nicht verpassen?

Weil es unsere erste Show in Deutschland seit drei Jahren ist.

Was ist das Tolle am SWINGFEST?

Ich mag das Abwechslungsreichtum im Line-Up sehr. Ich freue mich sehr darauf, zumindest ein paar der Bands zu sehen, die auf dem Festival spielen. Die Organisatoren haben großartige Arbeit geleistet, und wir sind sehr stolz nach einer dreijährigen Pause mit ihnen wieder zusammen zu arbeiten. Viel Liebe und harte Arbeit stecken in diesem Festival, und wir wissen das zu schätzen.

Vor welchem Publikum wollt ihr spielen?

Als Künstler willst du instinktiv so viele Menschen wie möglich erreichen. Selbst wenn das jemand bestreitet, ist diese Tatsache fast immer der Fall. Die Arbeit eines Künstlers ist ein Geschenk an die Welt, und am besten ist es natürlich, wenn die Welt dieses Geschenk annimmt.
Aber mein Lieblingspublikum steckt meistens in den kleinen, engen, schweißtreibenden Shows. Wo man die Hitze des Raums in den Kleidern fühlen kann, und jeder die Hand ausstrecken und die Band berühren kann. Wir nähern uns einem Punkt, wo das immer schwieriger wird. Wir spielen immer größere Shows, was auch wirklich toll ist, aber nichts geht über eine kleine Underground-Show, zu der die Leute kommen, die auch wirklich wollen.

Auf welche andere Band freut ihr euch am meisten?

Für nur eine Band kann ich mich nicht entscheiden!

Auf was, außer der Musik, freut ihr euch am meisten?

Leider werden wir dieses Mal nicht viel Zeit in Essen verbringen. Wir werden an dem Tag, an dem wir spielen anreisen und schon am nächsten Morgen früh aufbrechen. Normalerweise würde ich gerne noch ein wenig in der Stadt herum schlendern, neue Leute kennen lernen und vor allem Zeit mit unseren Freunden von DENOVALI verbringen, aber diese Möglichkeit bietet sich uns dieses Mal leider nicht. Aber ich freue mich sehr, mit meiner Band wieder etwas zu unternehmen. Wir leben in unterschiedlichen Städten, also sehen wir uns nicht besonders oft.

Werdet ihr mit DENOVALI für künftige Alben zusammen arbeiten? Ich finde, dass eure DIY-Basis ja doch recht ähnlich ist.

Momentan steht nicht fest, ob wir Musik über irgendein Label veröffentlichen werden. Wir arbeiten an einem neuen Album, und wir wissen nicht, was wir damit anfangen werden, wenn es fertig ist. Die Zukunft ist momentan also noch sehr offen.
Und ja, ich denke, dass unser Background recht vergleichbar ist. Wir haben auf der Schule begonnen miteinander zu spielen und dann angefangen für unsere Freunde in der Scheune, in der wir geprobt haben, zu geben. Daraus wurden lokale Konzerte, Englandweite Konzerte und so weiter und so fort. Unsere Vergangenheit verlief stufenweise, und ich glaube das ist eine Gemeinsamkeit mit DENOVALI.

Foto: (c) YNDI HALDA